Le Principe du Petit Pingouin

  Souffrez-vous de suradaptation?

Das Prinzip des kleinen Pinguins: Lernen loszulassen

( von Dr. Karin Schumacher, https://scilogs.spektrum.de/medicine-and-more/das-prinzip-des-kleinen-pinguins-lernen-loszulassen )


Little Boy ist ein kleiner Pinguin, der es allen recht machen will, vor allem seinem Boss Big Mouth. Dafür verdient er viel Geld und Ansehen. Trotzdem fühlt er sich im Laufe der Zeit immer schlechter. Bis er begreift, worauf es im Leben wirklich ankommt.


Vor kurzem bin ich auf einer Reise mehr oder weniger zufällig über ein kleines Büchlein gestolpert: “Le principe du petit pingouin. Apprenez à lâcher prise!” (Das Prinzip des kleinen Pinguins. Lernen Sie loszulassen!), das es bislang leider (!) nur auf Französisch gibt. Es ist jedoch so einfach und leicht verständlich geschrieben, dass es sich gut auch für (Wieder)einsteiger in diese Sprache eignet.


In diesem Werk erzählt der kanadische Psychologe Denis Doucet die Geschichte des Pinguins Little Boy, der es immer allen recht machen will. Der kleine schwarzweiße Vogel versucht, sich um jeden Preis seiner Umgebung anzupassen, was von seinem Chef Big Mouth und seiner Umwelt zwar äußerst geschätzt und finanziell honoriert, jedoch ebenso schamlos ausgenutzt wird. Dabei gelingt es dem kleinen Kerl immer weniger, seinem eigenen Tempo zu folgen. Er fühlt sich immer unwohler in seiner Haut und leidet immer mehr.


Eines Tages merkt er, dass es so nicht mehr weitergeht. Er fühlt sich erschöpft, kaputt, ausgebrannt, im Hamsterrad gefangen. Doch plötzlich begreift er: Es wird ihm erst dann wieder besser gehen, wenn er sich endlich um die Dinge in seinem Leben kümmert, die ihm selbst wirklich wichtig sind.


Die Falle der Überanpassung


Die Fragen, auf die er bei seiner Suche nach dem Wesentlichen stößt, lauten beispielsweise: Warum lassen wir unser Leben und unseren Geist so sehr von dem Gefühl der Angst vereinnahmen? Warum werden wir immer unfähiger, Glück zu erleben, glücklich zu sein? Liegt es vielleicht daran, dass wir uns nicht genug an unsere Umwelt anpassen können?


Little Boy findet seine eigenen Antworten. So manch einen mögen sie überraschen. Denn vielleicht ist das, was von uns verlangt wird, in Wirklichkeit einfach zu absurd, um ohne gesundheitliche Konsequenzen erfüllt werden zu können. Vielleicht sind wir alle in einer unsinnigen Logik gefangen. Vielleicht vergeuden wir unsere Zeit damit, uns an unsere Umgebung anzupassen und verpassen es dabei, die Dinge zu ändern, die stattdessen besser geändert werden müssten?


Dem kleinen Pinguin gelingt es schließlich, der anfangs so verführerischen Falle der Überanpassung zu entgehen. Er lernt loszulassen, Dinge beiseite zu legen, die keinen Wert mehr haben. Er folgt nicht mehr bedingungslos seinem Boss Big Mouth, sondern seinem eigenen Herzen. Denn nur hier findet er letztendlich seine Erfüllung und damit auch zu seiner Vitalität zurück.


Wir alle sollten uns Little Boy zum Vorbild nehmen. Denn wie viele Leute kennen wir noch, die auch tatsächlich pure Lebensfreude ausstrahlen? Wer von uns hat nicht schon die Grenzen des Systems von Big Mouth und Co. am eigenen Leib erfahren? Bei all unserer Funktionsfähigkeit sollten wir nie vergessen, dass wir keine Marionetten von Manipulations- und Machtspielern, sondern eigenständige Menschen sind. Wir können nicht wie Maschinen repariert werden, bei denen defekte Teile einfach ausgewechselt werden, auch wenn uns die moderne Medizin das nur zu oft suggerieren möchte.


Auch wenn wir dem medizinischen Fortschritt zweifelsfrei viel zu verdanken haben, dürfen wir dennoch nicht vergessen, dass die Therapien so mancher Symptome den Patienten lediglich erlauben, das Unerträgliche auch weiterhin zu ertragen. Nutznießer hiervon sind vor allem diejenigen, denen das System nützt, darunter auch etliche Ärzte und die pharmazeutische Industrie, die gut von den Illusionen in Pillenform leben. “Um einen Markt zu schaffen, braucht es ein Problem, für das man dann eine Lösung findet”, weiß der Autor des Comicstrips Dilbert, Scott Adams.


Letztendlich sind nicht wir unfähig zur Anpassung, sondern unsere Gesellschaft bemüht sich immer weniger, sich an die Bedürfnisse eines menschlichen Lebens anzupassen. Ein Zitat des US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Warren Bennis lautet: “Führer werden gemacht, nicht geboren.” Von wem? Jeder mag sich die Antwort darauf selbst geben.


Der Weg aus der Falle – das Wesentliche erkennen


Was spricht dagegen, dass wir versuchen, aus unserem Leben ein Abenteuer zu machen, das für uns wirklich zählt, wie in den großen alten Mythen und nicht nur wie der Abklatsch einer billigen Seifenoper? Wer oder was hindert uns daran, zu Helden unseres eigenen Lebens zu werden? “Ab und zu trifft es die Leute wirklich hart, wenn sie bemerken, dass sie nicht so zu leben haben, wie es ihnen erzählt worden ist”, so der britische Philosoph Alan Keightley.


Vor jedem Drang, vor jedem Bedürfnis sollten wir daher unser Herz fragen: Zu wem werde ich durch dessen Erfüllung? Je häufiger wir dabei auf unsere innere Stimme hören, desto mehr gewinnen wir an Selbstvertrauen und damit auch an Klarheit, Durchsetzungsvermögen, Mut und Entschlossenheit, Selbstbestätigung und dem Gefühl, wertvoll zu sein. Der französische Schriftsteller Bernard Werber schreibt: “Die Balance liegt in der Mitte zwischen zwei Extremen.” So einfach und doch so schwer.


Das Prinzip des kleinen Pinguins ist eine Fabel für uns alle, gerade in Hinblick auf den nahenden Tag der Arbeit, der dieses Mal äußerst arbeitnehmerfreundlich dank eines Brückentags zu einem langen Wochenende erweitert werden kann.


Nutzen wir dieses Geschenk, um uns von dem zu befreien, was uns unnötigerweise belastet! Finden wir zurück zu dem, was wir wirklich brauchen! Lernen wir, unsere wahren Bedürfnisse und die unserer Mitmenschen zu respektieren und uns auf das Wesentliche zu beschränken! Bedenken wir dabei das Prinzip des kleinen Pinguins, das uns lehrt, dass jede Beziehung früher oder später zu unserer Niederlage führen muss, wenn sie im Gegensatz zu unseren wirklichen Bedürfnissen steht. Little Boy ermutigt uns alle, dass auch wir die für uns beste Eisscholle finden.