Interview mit einem Kater

Tony, Eddy, Cento und Leo packen aus

Tony, der Schüchterne

 

 

"Ich bin eine absolute Ausnahme", sagt der hübsche schwarz/weiße Kater leise. "Ich bin nicht so, wie die anderen!" Schon immer sei er zurück haltend gewesen, verrät er mir. Aber was kann man auch erwarten von jemanden, der so klein sei. Immerhin sei er nicht völlig alleine. Sein Bruder sei hier und zwei andere Kater, mit denen er sich sehr gut verstehe.

 

Q: Wann und wo wurdest du geboren?

T: Ich wurde am 1.7.2007 in einer Wohnung geboren. Meine Mutter und mein Vater waren bei uns. Ich glaube, ich war der drittletzte. Es war eine unbeschwerte Kindheit. Wir hatten immer alles da. Konnten spielen und Mutter hat sich immer gekümmert. Wir waren da auch nicht alleine. Menschen waren immer da und auch ein Hund, Kaninchen und Meerschweinchen. Die Kaninchen und die Meerschweinchen waren lustig! Wir haben sie oft beobachtet. Die Schweinchen haben immer so lustig gequiekt und andere Geräusche gemacht. Das hat mir später richtig gefehlt.

 

Q: Hat es dir geholfen, dass du mit diesen ganzen anderen Tieren aufgewachsen bist?

T: Ich denke schon. Hunde machen mir keine Angst. Ich kann gut mit ihnen leben. Die anderen Tiere gibt es hier nicht. Aber das mit dem Hund war schon eine tolle Sache. Der war auch immer so schön warm. Man konnte sich richtig ankuscheln.

 

Q: Wie war deine Mutter und dein Vater zu euch?

T: Mutter war immer da. Sie hat uns alles gezeigt. Egal was es war. Spielzeug, Futter. Der richtige Umgang mit Hunden. Und auch Papa hat mit uns gespielt, uns sauber gehalten. Eine richtige Bilderbuchfamilie. Ich meine, wir waren auch fünf Jungs. Da hatten unsere Eltern eine Menge zu tun.

 

Q: Wie ging es dann weiter mit dir? Wann wurdest du da weg geholt?

T: Na ja. Geplant war es ja nicht, dass ich da ausziehe. Eigentlich sollte mein Bruder Simba zusammen mit Cento zu unserem Menschen ziehen. Aber der andere Mensch mochte sich nicht von Simba trennen und bat unseren Mensch darum, ob sie nicht mich haben wollte. Und unser Mensch hat eben ja gesagt.  Wir sind dann im Winter umgezogen.

 

Q: Wie war das für dich?

T: Schrecklich! Erst war es kalt, dann zu warm und fürchterlich laut. Wir sind nämlich im Auto gefahren. Das ist kein Ort für eine normal denkende Katze. Und es war sehr komisch. Ewig wackelt man da rum. Nach vorne, nach hinten und nach den Seiten. Das mir nicht schlecht geworden ist, wundert mich bis heute. Aber ich habe gerufen. Nach meiner  Mama, nach meinem Papa und den Geschwistern. Ab und zu hat Cento geantwortet, was mich echt beruhigt hat. Aber ich hatte schreckliche Angst! Ich hoffe, ich muss nie wieder mit dem Ding fahren. Noch dazu war ja unser neuer Mensch dabei. Ich mein, wir kannten sie ja schon. Sie war ja sehr oft da und hat auch mit uns gespielt und gekuschelt. Aber trotzdem.  Es war halt nicht das gleiche!

 

Q: Was geschah als ihr angekommen seid?

T: Wir kamen in der Nacht in unserem neuen Zuhause an. Unser Mensch hat uns im Badezimmer aus den Transportkisten gelassen. Wir sind erst mal drin geblieben und haben geschaut. Wir haben das Katzenklo gesehen und die Tür. Nach kurzer Zeit sind Leo und Eddy gekommen um den Menschen zu begrüßen, der hinter unseren Boxen saß. Da haben sie uns entdeckt.

 

Q: Ich kann mir vorstellen, dass so eine Begegnung nicht ohne ist, oder?

T: Nun, es war nicht so schlimm. Sie haben halt Beide nur in die Kisten geschaut und wir haben gefaucht. Eddy ist gleichgültig davon gegangen  während Leo blieb. Wenn er zu nahe kam, haben wir gefaucht und er ist zurück gegangen.

 

Q: Wann seid ihr aus den Kisten raus gekommen?

T: So ungefähr nach einer halben Stunde. Ich bin sofort auf den Schlafzimmerschrank geflüchtet, wo ich die nächsten drei Tage auch erst mal blieb. Cento ist auf den Kratzbaum und eine Stunde später schon zum Menschen ins Bett. Er hat sie gleich gemocht, glaube ich. Und sie ihn auch.

 

Q: Du hast also drei Tage auf dem Schrank gesessen?

T: Ja, aber nicht ununterbrochen. Wenn ich essen und trinken gegangen bin, oder auf die Toilette musste, habe ich den Schrank natürlich verlassen. Aber ich habe mich da oben sicherer gefühlt als unten. Und die anderen haben mich auch in Ruhe gelassen. Nur Cento kam zu mir und hat sich ab und an dazu gelegt. Denn auf dem Schrank ist ein super gemütlicher alter Koffer, der bestimmt nur für uns Kater da liegt. Ich schlafe da heute noch gerne.

 

Q: Was geschah als du dich dann auch mal länger vom Schrank runter getraut hast?

T: Bei aller Taktlosigkeit die der Mensch an den Tag legt, hat sie mich damals komplett in Ruhe gelassen. Ich bin immer noch sehr vorsichtig gewesen und habe versucht so unauffällig wie möglich zu sein.

 

Q: So wie du immer noch unauffällig bist?

T: Ich bin heute nicht mehr so "unauffällig". Ich mache mich durchaus bemerkbar. Mir ist egal, wenn mich mein Mensch anspricht. Ich finde das auch toll, wenn sie auf mein Miauen antwortet. Solange sie mich nicht anfasst ist das okay.

 

Q: Und mit den vorhandenen Katern hat auch alles geklappt?

T: Ja. Die waren einfach super. Am Anfang haben sie uns auch immer den Vortritt am Futter gelassen und erst nach uns gegessen. Aber das war nicht abstoßend gemeint, oder so. Sie saßen halt dabei und sind erst ran gegangen, als wir satt waren. Am Anfang haben sie mit uns auch noch nicht gespielt. Aber später sind sie mit uns durch die Wohnung getobt. Sie machen das heute noch und das macht so viel Spaß!

 

Q: Was wird denn so gespielt?

T: Zusammen mit dem Spielzeug. Wir haben eine Menge Bälle, Mäuse und andere Dinge mit denen man prima spielen kann. Und wenn wir ohne Spielzeug spielen, dann jagen wir uns. Raufen und Auflauern sind auch immer lustig. Oder wir machen Wettrennen den deckenhohen Kratzbaum rauf.

 

Q: Das macht doch bestimmt Lärm?

T: Und wie!

 

Q: Und euer Mensch sagt da nichts?

T: In der Regel nicht. Wir spielen ja auch in der Nacht. Dann merkt man manchmal, dass sie sich genervt umdreht. Aber meistens schläft sie tief und fest und lässt sich nicht stören. Sie ist nur einmal böse geworden, als Cento ständig auf das Fensterbrett gesprungen ist und dann einen riesigen Satz auf das Bett gemacht hat. Wir sind alle immer ein Stück hoch geflogen von der Wucht des Aufpralls. Und das machte er bestimmt eine halbe Stunde lang. Fensterbrett - Bett - Boden - Fensterbrett - Bett und so weiter. Das war selbst unserem Menschen irgendwann zu viel und er hat Schimpfe bekommen. Aber das hat ihn nicht davon abgehalten es eine Stunde später wieder zu machen. Aber dann ist er auf Eddy getreten und hat sich eine heftige Ohrfeige abgeholt. Da hat er dann aufgehört. Aber er hat es jede Nacht gemacht. Bis wir kastriert wurden.

 

Q: Warum wurdet ihr kastriert?

T: Nachwuchs war bei uns zwar nicht zu erwarten, aber potente Kater haben den Drang zu markieren. Ich habe es nie gemacht. Aber Cento einmal. Im Wohnzimmer voll an die Wand über dem Sideboard. Das fand die Menschin überhaupt nicht lustig. Ausserdem haben Cento und Leo angefangen sich zu prügeln. Das war zum Teil sehr heftig! Ich meine, Leo und Eddy waren ja auch schon kastriert.

 

Q: Wie ist das abgelaufen mit der Kastration?

T: Das war schrecklich! Erst Mal sind wir wieder in das schreckliche Auto in unseren Kisten verfrachtet worden. Am Ziel angekommen sind wir in ein Haus gegangen, wo es übel roch. Nach Hund, Katze, Kaninchen und Meerschweinchen und anderen beissenden Sachen. Nachdem wir da eine kurze Weile warten mussten, brachte uns der Mensch in einen anderen Raum. Mir ist das Herz in Knie gerutscht. Wir wurden nämlich untersucht. Fieber messen, Herz abhören, ins Maul schauen. Es ist nichts, was ein Kater gerne macht. Das schlimmste war dann, dass unser Mensch als wir wieder in den Kisten saßen einfach gegangen ist! Wir haben uns ganz schön verraten gefühlt. Da lässt sie  uns einfach so zurück, obwohl sie wusste, dass wir Angst hatten.

 

Q: Dein Mensch sagt immer, du magst sie nicht. Wie kommt sie darauf? Immerhin hört sich das jetzt anders an!

T: Ich denke es liegt daran, dass ich nicht so schmusig bin wie die anderen und ihr halt lieber aus dem Weg gehe.

 

Q: Wie ging es weiter am Tag der Kastration?

T: Nachdem sie uns im Stich gelassen hatte, kamen wir erst mal in einen sehr hellen Raum, in dem mehrere andere Katzen und Hunde waren. Es war nicht angenehm, zumal wir gar nicht wussten, was auf uns zu kommt. Und im Nachhinein betrachtet, war es auch gut so, dass wir nichts wussten. Es hat noch ein wenig gedauert, denn erst kamen noch ein paar andere Katzen und Kater vor uns dran. Aber dann war Cento an der Reihe. Er wurde weg gebracht und nach einer Weile wieder gebracht. Er hat so tief und fest geschlafen, das er auf meine Ansprache nicht reagierte. Aber dann war ich auch schon dran. Ich wurde in einen anderen Raum gebracht, wo ich aus meiner Kiste geholte wurde. Ich habe alles versucht um das zu verhindern, war aber erfolglos.

 

Q: Hattest du denn Angst?

T: Und wie! Ich wusste ja wie gesagt nicht, was mit mir passieren soll. Ich habe mir die schlimmsten Dinge ausgemalt! Ich dachte sogar, dass ich nicht mehr nach Hause darf oder noch schlimmer, nicht mehr weiter leben darf. Sie haben mir schließlich die rechte Pfote ein wenig rasiert und mich gestochen. Dann haben sie noch irgendwas mit mir gemacht, aber daran erinnere ich mich nicht mehr sehr gut. Ich bin eingeschlafen.

 

Q: Was geschah, als du wieder wach wurdest?

T: Ich war wieder in dem Raum, in dem ich davor gewesen war. Cento war auch schon wieder bei sich. Ich hatte weiterhin keine Ahnung, was mit uns weiter geschehen sollte. Ich wusste auch nicht, was mit uns passiert ist. Ich dämmerte immer wieder weg und schlief ein, obwohl ich unbedingt wach bleiben wollte. Ich habe dann ganz weit weg die Schritte von meinem Menschen gehört, war mir aber nicht sicher, ob sie es wirklich war.

 

Q: Es gab ja eine Wiedervereinigung!

T: Ja, die gab es. Wir wurden geholt und nach vorne gebracht in einen anderen Raum. Und zwar dem selben in dem wir auch von unserer Menschin gebracht wurden, wo sie uns dann zurück gelassen hat. Dort trafen wir sie auch wieder. Es tut richtig gut, eine vertraute Stimme zu hören. Ich habe dann auch sofort gerufen, damit sie uns nicht wieder da lässt. Sie hat uns dann auch mit genommen in das grässliche Auto. Ich war erleichtert, als ich zu Hause in meine Lieblingshöhle verschwinden konnte. Cento kam mit mir und wir haben den Rest des Tages verschlafen.

 

Q: Bis jetzt haben wir ja viele negative Erlebnisse besprochen. Aber gab es auch wirklich positive?

T: Doch. Einige sogar. Einmal unser Essen. Sie versucht es wirklich abwechslungsreich zu gestalten. Verschiedene Arten Dosenessen und frisches Fleisch gibt es täglich bis regelmäßig. Das Rohfleisch ist natürlich unser Favorit. Dann gibt es Pute, Huhn, Eintagsküken einmal die Woche und Rindergulasch für die Zähne. Auch vegetarisches Essen wird von uns nicht verschmäht. Wir lieben ihr Kartoffel-, Brokkoli-, Blumenkohl und Möhrenpüree. Doch, wir werden sehr verwöhnt.

 

Q: Was magst du denn persönlich am liebsten?

T: Putenhack. Meiner Meinung nach dürfte es auch mehr Aufschnitt geben. Aber wir bekommen nur wenig und dann auch nur mageren Aufschnitt vom Geflügel.

 

Q: Was gibt es noch an positiven Dingen bei euch?

T: Der Balkon! Wir haben einen riesigen Balkon auf dem wir uns aufhalten dürfen und die Sonne genießen. Dann unser Spielzeug. Bälle, Mäuse und Angeln spielen wir viel und gerne. Wir dürfen auch sehr viel toben. Dann rennen wir durch die ganze Wohnung. Drei von uns sind auch sehr verschmust, was für mich ein Vorteil ist, denn dann wird von mir nicht verlangt, mich mehr mit ihr zu beschäftigen als das ein oder andere Gespräch.

 

Q: Was wünscht du dir für die Zukunft?

T: Mehr Putenhack, weniger Anfasserei und viele schöne Stunden auf dem Balkon. Und das wichtigste: Niemals alleine ohne Katzenkumpel zu sein. Das ist mir wichtiger als Putenhack und der Balkon.

 

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