Selbstmord-Attentäter terrorisieren die Menschheit

Kein Schutz vor Selbstmord-Attentaten

Warum? Ein mit Sprengstoff beladenes Auto zerfetzt 15 Menschen in einem Hotel. Fast zeitgleich verfehlen zwei Stinger-Raketen nur knapp eine Chartermaschine der israelischen Fluggesellschaft Arkia. Die Verbrechen in Kenia dokumentieren abermals: Keiner von uns kann sich in Sicherheit wiegen, jeder von uns kann das nächste Opfer sein - überall und nirgendwo. New York, Djerba, Bali, Moskau und nun Mombasa. Terroristen, ob El-Kaida, ob ein Trupp, der sich unter dem Fantasienamen „Armee Palästinas“ verbirgt, oder Rebellen aus Tschetschenien wissen, wo sich ungeschützte Angriffsziele bieten.

Star-Titten statt Selbstmord-Terror

Wo wird der nächste Anschlag stattfinden? Wann wird Deutschland heimgesucht? Und in welchen Winkeln der Welt droht die größte Gefahr? Ach, wir sind ja überall auf dem Globus zerstreut, in Botschaften und Firmen-Niederlassungen, auf Urlaub und Geschäftsreise. In der jüngsten Drohung hat Osama Bin Laden die Bundesrepublik genannt, aber nicht nur die von ihm erwähnten Staaten haben Terror zu fürchten. Gefahren drohen überall, auch in kleinen Ländern. Belgien beherbergt das Nato-Hauptquartier, und das auf seine Neutralität so stolze Irland erlaubt US-Militärmaschinen in Shannon das Auftanken.

Gewiss: Manchmal werden - wie am gestern in Manila - demonstrativ Botschaften geschlossen. Hin und wieder gibt es Warnungen, dieses oder jenes Land oder auch ganze Regionen als Tourist zu meiden. Gestern beeilten sich aber die Reiseveranstalter TUI und Cook mitzuteilen, keine Flüge nach Kenia zu stornieren. Und sie teilten auch mit, das Reisegeschäft mit Bali laufe wie gehabt - trotz aller Befürchtungen. TUI behauptet gar stolz, inzwischen Gefährdungspotenziale frühzeitig erkennen zu können. Wie denn das, bitteschön? Da muss Europas größter Reiseveranstalter über klügere Agenten verfügen als alle Geheimdienste zusammen. Schließlich bucht der Millionär Bin Laden bei TUI doch keine Pauschalreisen. Pardon. Aber manche Statements provozieren zynische Fragen.

Der jüngste Anschlag ereignete sich an dem Tag, da die US-Regierung eine Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September 2001 einsetzte. Sie soll herausfinden, ob die Geheimdienste versagt haben. Auch ein Präsident Bush begibt sich ja lieber auf die Suche nach Sündenböcken als nach Fehlern seiner Politik. Das ließen schon die Reaktionen nach den Anschlägen erkennen, als er die muslimische Welt in Gut und Böse aufteilte. Obwohl die meisten Todes-Piloten aus Saudi-Arabien stammen, blieb das Land von allen Sanktionen verschont, denn es verfügt über die größten Öl-Reserven der Welt.

Warnzeichen hatte es vor dem 11. September angeblich genug gegeben. Aber waren sie tatsächlich vorher als konkrete Hinweise zu erkennen oder - wie so oft - erst nach den schrecklichen Ereignissen von New York und Washington? Seither wurde fast täglich weltweit vor neuen Terrorakten gewarnt, aber offenbar konnte kein einziger verhindert werden. Bei Selbstmordattentätern versagt das ganze Anti-Terror-Programm. Auch deutsche Geheimdienste sind nervös. Politiker schwanken zwischen Mahnungen zur Vorsicht und Versicherungen, dass in Deutschland die Flughäfen besser geschützt sind als in anderen Teilen der Welt. Aber da zieht es uns gerade hin - allem Terror zum Trotz.
 

Suizidwelle im Reich der Mitte

Selbstmord gehört in der Volksrepublik China zu den häufigsten Todesursachen. Besonders lebensmüde sind Jugendliche und junge Erwachsene. Nun will Peking reagieren.

Xiang Shoujiang und Xiang Youxiang, beide 18, kannten sich von klein auf. Sie besuchten zusammen die Grund- und die Mittelschule, aus Freundschaft wurde mehr.
Die Liebe endete tragisch, denn die Eltern des Mädchens wollten von einer Hochzeit nichts wissen. Ihre Begründung: Die Eltern von Shoujiang waren beide körperlich behindert, er selbst wegen einer Schlägerei vorbestraft. Wenn sie trotzdem mit ihm zusammenleben wolle, drohten sie ihrer Tochter, brauche sie sich nie wieder zu Hause blicken zu lassen.

Das Paar aus dem Flecken Duobao in der Provinz Hubei fand einen fatalen Ausweg aus der Lage: Es hängte sich an einem Baum im Dorf auf. Um ihre Verbundenheit zu zeigen, nutzten sie nur ein Seil.

Der Selbstmord der beiden jungen Chinesen ist nur einer von vielen. Längst gehört der Suizid zu den häufigsten Todesarten in der Volksrepublik. In allen Altersgruppen rangiert Freitod bereits an fünfter Stelle. Besonders erschreckend: Unter den 15- bis 34-Jährigen ist Selbstmord mittlerweile die häufigste aller Todesursachen. Insgesamt, so schätzen Experten, bereiten im Jahr rund 287.000 Chinesen ihrem Leben selbst ein Ende.

Nachdem die Regierung in Peking diese verheerende Entwicklung jahrelang ignoriert hat, will sie nun eingreifen. Mit Hilfe von zwei kanadischen Fachleuten öffnet Anfang nächsten Jahres im hauptstädtischen Hui Long Guan-Krankenhaus ein Forschungs- und Präventionszentrum - das erste im Reich der Mitte überhaupt.

Dazu gehört ein telefonischer Notdienst, der 24 Stunden erreichbar sein soll. Ärzte und besonders ausgebildete Schwestern wollen versuchen, Verzweifelte von ihren Vorhaben abzubringen. Zudem plant das Zentrum, eine Webseite und eine E-Mail-Adresse einzurichten. Nicht nur potentielle Selbstmörder sollen per Internet um Rat suchen können, sondern auch Mediziner, die mit psychischen Ausnahmesituationen ihrer Patienten vielfach keine Erfahrung haben. Später sind zudem sogenannte Notstationen für Gefährdete in verschiedenen Krankenhäusern Pekings geplant.

"Wir hoffen, dass unser Zentrum nur der Anfang ist", sagt die Psychiatrie-Krankenschwester Marlys Bueber, die mit ihrem Mann, dem Arzt Michael Phillips, seit 14 Jahren in China lebt. Beide haben in den letzten Jahren über Selbstmorde in der Volksrepublik geforscht und Trainingsprogramme geleitet.

Das Thema ist heikel, denn Chinas KP hat über Jahrzehnte nicht wahrhaben wollen, dass in einem kommunistischen Staat Menschen auf die Idee kommen könnten, sich selbst umzubringen. Seit Ende der fünfziger Jahre wurde die Psychiatrie als "bürgerliche Wissenschaft" verdammt, die Ausbildung in den Hochschulen gestoppt. Erst in den achtziger Jahren änderte sich dies.

In etlichen Regionen Chinas gibt es deshalb noch heute keine Psychiatrischen Kliniken, geschweige denn Spezialisten. Viele Ärzte und Schwestern sind heillos überfordert, wenn sie gescheiterte Selbstmörder behandeln sollen. Geisteskranke werden in der Regel mit Medikamenten ruhig gestellt.

Noch heute ist der Gebrauch des Wortes "Selbstmord" verpönt. Die Pekinger Stadtverwaltung erlaubte dem Zentrum zum Beispiel nicht, es auf Werbeplakaten und in Zeitungsanzeigen für den Telefondienst (Motto: "Einer ist zu viel") zu verwenden. "Viele Menschen fühlen sich nicht wohl bei dem Wort", sagt eine Schwester des Zentrums. Sie nennt "Selbstmörder" deshalb: "Jemand, der den Wert des Lebens wenig schätzt."

Besonders akut ist das Problem allerdings nicht in großen Städten wie Peking, sondern auf dem Lande. Vor allem junge, verheiratete Bäuerinnen mit geringer Schulbildung versuchen sich umzubringen. Eine Besonderheit Chinas: Nur 63 Prozent aller Selbstmörder waren psychisch erkrankt. In westlichen Ländern sind es rund 90 Prozent.

Auch die Selbstmordmethode unterscheidet sich von anderen Ländern: Die meisten Lebensmüden schlucken Pestizide oder Rattengift, die allenthalben leicht zu erhalten sind.
 

LKW-Unfall - War es Selbstmord?

Wollte der Mann sich das Leben nehmen? Am Tag nach dem grausigen Unfall, bei dem ein Fußgänger zwischen die Zwillingsräder eines Lkw geriet, schließt die Polizei einen Selbstmord nicht aus. Die Räder hatten den 54 Jahre alten Angestellten regelrecht zerissen. Es liege kein eindeutiger Abschiedsbrief vor, sagte ein Polizeisprecher gestern. Dennoch existierten zwei ältere Briefe, deren Inhalt die Kripo dazu veranlasse, auch in Richtung Suizid zu ermitteln.

Peter H. war auf dem Weg zur Arbeit, als ihn der Sattelzug erfasste. Der genaue Unfallort ist den Experten des Verkehrsunfalldienstes noch nicht bekannt. Der Lkw-Fahrer (39) hatte angeblich nichts von dem Unfall bemerkt. Polizisten war der dreiachsige Auflieger Mittwoch früh vor der Alsterschwimmhalle aufgefallen. Als sie den Sattelzug an der Ecke Sechslingspforte/Schwanenwik (Hohenfelde) stoppten, fiel ein Torso auf die Straße.
 

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