Beginn der Aktion Stolpersteine in Heide 2005
Am 21. August 2005 hat Gunter
Demnig vor der Rossmann-Filiale in der Heider Friedrichstraße vier
Stolpersteine zur Erinnerung an die in Auschwitz
ermordeten
Mitglieder der Heider Familie Stillschweig
installiert.
Heide war die 103. deutsche Stadt, in der mit diesem Projekt an Opfer
des Nationalsozialismus erinnert wird.
Die Heider Ratsversammlung hatte am 11. Mai 2005 einem Antrag des Arbeitskreises für die Verlegung der Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnort der Familie Stillschweig in der Friedrichstraße 4 einstimmig zugestimmt. (siehe auch den Artikel in der NR vom 10.02.2005)
Die Finanzierung der Stolpersteine wurde allerdings zum Problem gemacht: Die Stadt selbst wollte die Kosten nicht übernehmen. Es fanden sich aber schnell SpenderInnen, die die Kosten in Höhe von jeweils 95 Euro übernehmen wollten, nämlich die vier Ratsfraktionen. Die Stadt hatte trotzdem Ende Mai einen Spendenaufruf gestartet, auf den mehr als zehn Spendenangebote von Privatpersonen eingegangen sind.
Anschliessend hat es sich die
Stadt wieder anders überlegt und sorgte für Konfusion bei den
Spenderinnen und Spendern: Statt alle anteilig an den Kosten
in Höhe von 380 Euro zu beteiligen, hat die Stadt alle SpenderInnen
gebeten, den vollen Betrag in Höhe von 95 Euro zu überweisen und wollte
das übriggebliebene Geld an die Stiftung gegen Extremismus und Gewalt
weiter leiten. Das Verfahren rief inzwischen die Kassenprüfung auf den
Plan. Der Arbeitskreis hatte sich gegen diese Verfahrensweise
ausgesprochen, da sie auch dem Spendenaufruf der Stadt widersprach. Die
Stiftung ist aber auch zu kritisieren, da sie in der Tradition der
Totalitarismustheorie Rechts- und Linksextremismus in einen Topf wirft.
Über 200 für den Antrag
des
Arbeitskreis Widerstand und Verfolgung im nationalsozialistischen
Dithmarschen gesammelte Unterschriften sind am 16. März 2005 im Rahmen
der Heider Ratsversammlung (DLZ-Artikel vom
17.03.2005) an den Bürgermeister
und den Bürgervorsteher der Stadt Heide
übergeben worden. Attac Dithmarschen und die GEW Heide haben
den Antrag des Arbeitskreises ebenfalls unterstützt.
Der Kulturausschuss hatte den Antrag zwar schon vor
der Übergabe der Unterschriften bei seiner Sitzung am 24. Februar 2005 (Protokoll) einstimmig
wohlwollend zur Kenntnis genommen, jedoch nach einem Hinweis des
Bürgermeisters angemerkt, dass noch eine Umgestaltung der
Friedrichstraße geplant sei und daher eine Verschiebung bis
zum Umbau empfohlen. Durch den Naziaufmarsch vom 1. Mai
2005 fand bei den Verantwortlichen der Stadt aber
offensichtlich ein Umdenken statt und der immer noch in weiter ferne
stehende Umbau der Friedrichstraße wurde nicht
mehr als Vorwand
benutzt.
Stolpersteine sind ca. 10 x 10 cm
große Messingplatten, die vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig zur
Erinnerung an Nazi-Opfer in den Gehweg eingelassen werden. Auf dem
Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, seine Identität und
sein Schicksal sind, soweit bekannt, ablesbar. Weitere Informationen
unter www.stolpersteine.com. Im September 2007
liegen in insgesamt 185 Städten schon ca. 11000 Stolpersteine. In
Hamburg ist im letzten
Jahr schon der 1000.
Stolperstein installiert worden, auch in Berlin und
Köln liegen mehr als 1000. In Freiburg
gibt
es
ebenfalls eine
sehr aktive Initiative. Umstritten ist die Aktion dagegen in München. Weitere
Infos auf der Homepage der Münchner
Initiative.
In folgenden schleswig-holsteinischen Städten gab es schon länger Stolpersteine: Bad Schwartau, Flensburg, Friedrichstadt, Kappeln, Lübeck, Schleswig und Wyk auf Föhr. Neu hinzu gekommen sind 2005 Heide und Neumünster, 2006 Itzehoe, Reinbek, Kiel und Rendsburg, 2007 Elmshorn, Westerland und Kellinghusen.
Der Arbeitskreis Widerstand und Verfolgung im nationalsozialistischen Dithmarschen hat einen Flyer (PDF, ca. 200 kB) mit Informationen über die Familie Stillschweig herausgegeben. Die Inschriften (PDF, ca. 50 kB) der vier Stolpersteine können ebenfalls heruntergeladen werden.
Info-Flyer zum Download:
Informationen über die Familie Stillschweig (PDF, ca. 200 kB)
Presseartikel zum Download:
DLZ-Artikel vom 15.12.2005 über die Bücherübergabe
DLZ-Artikel vom 22.11.2005 über die Schändung
Artikel im Anzeigenblatt vom 07.09.2005
DLZ-Artikel vom
30.08.2005 über die Kratzer
DLZ-Artikel vom 23.08.2005 über die Verlegung
DLZ-Artikel vom
20.08.2005
DLZ-Artikel
vom 30.07.2005
DLZ-Artikel vom 23.07.2005
Kontakt:
info(at)stolpersteine-heide.tk