Späte Würdigung für Lilly Wolff
In Berlin wurde 2009 eine Gedenktafel zur Erinnerung an Lilly Wolff installiert.
Lilly Wolff war Lehrerin in Heide von 1919 bis 1933 und hatte bis zu ihrer Deportation aufopferungsvoll Kinder in Berlin unterrichtet.
In
einer Feierstunde wurde in Berlin die couragierte Hilfe des
"Büros Pfarrer Grüber" gewürdigt und an die
ermordeten
Mitarbeiter dieser Hilfsstelle erinnert.
Lilly
Wolff wurde am 5.9.1942 deportiert. Mit dem 19. Berliner
Osttransport wurde
sie nach Riga verschleppt und dort drei Tage später ermordet.
Vor der Heider Klaus-Groth-Schule liegt ein Stolperstein zur Erinnerung an Lilly Wolff. In Heide soll demnächst eine Straße nach Lilly Wolff benannt werden.
Hier
lehrte
von 1919 - 1929
LILLY WOLFF
Jg. 1896
Berufsverbot 1935
Deportiert
1942
Ermordet 1942 in Riga
Verlegungsort: vor der Klaus-Groth-Schule, 25746 Heide
Über Lilly Wolffs Lebenslauf bis 1936, als
sie nach
Berlin
verzog, gibt es
eine ausführliche
Personalakte, die im Heider Stadtarchiv
liegt.
Lilly
Wolff (geb.
16.6.1896 in Niederschöneweide b. Berlin) und
ihre
Schwester Susanne (geb. 8.5.1893 in Berlin) hatten sich in
Flensburg am Oberlyzeal-Zweig der Auguste-Victoria-Schule
zu Lehrerinnen ausbilden lassen. Susanne war an Flensburger
Schulen tätig bis zu ihrem frühen Tod durch
Tuberkulose
am 29.7.1931. Wie ihre Schwester war sie bereits 1912 zum
evangelischen Glauben
übergetreten. Nachdem Lilly Wolff 1917 die
Reifeprüfung am Oberlyzeum Flensburg bestanden
und
1918 die Lehramtsprüfung für Lyzeen und Mittelschulen
abgelegt hatte, war sie 1918-19 an einer Privatschule in Storkow
(Mark Brandenburg) als Lehrerin tätig.
Von Ostern 1919 bis Mitte 1933 war sie Lehrerin
in Heide und
bei ihren Schülerinnen und Schülern überaus
beliebt:
Zuerst als Aushilfslehrerin an der privaten höheren
Töchterschule, die 1923 in den Besitz der Stadt Heide
überging und 1926 in Klaus-Groth-Schule umbenannt wurde. Ab
1930 unterrichtete sie an der Mädchenbürgerschule
Lüttenheid und wurde im Oktober 1930 gegen den
Widerstand
der Stadt Heide dort fest angestellt. Lilly Wolff wurde wegen ihrer
jüdischen Herkunft zum 1. September 1933 aufgrund des
rassistischen "Gesetzes zur Wiederherstellung des
Berufsbeamtentums" ohne Ruhegeld entlassen und schlug sich
fortan mit dem Geben von Nachhilfestunden durch. Im Dezember 1935
wurde ihr auch verboten, Nachhilfestunden zu geben, wodurch ihr die
Existenzgrundlage entzogen wurde. Heides Bürgermeister Dr. Hermann Hadenfeldt, der 1952
zum Ehrenbürger
der Stadt Heide ernannt wurde, war mitverantwortlich für ihre
Entlassung und das Berufsverbot. Lilly Wolff verließ
im
Juni 1936
Heide
und
ging zunächst nach Flensburg und anschliessend nach Berlin, wo
sie ab 1937 an schulischen Einrichtungen
für jüdische Kinder wieder als Lehrerin arbeiten
konnte.
Weiterhin
in Flensburg
lebten ihre Mutter, die Witwe Katharina oder Käte (geb.
11.2.1868 in Berlin), und ihr Bruder Alexander Wolff (geb.
28.3.1891 in Berlin), der 1937 die verwitwete Irma Schüler
(geb. 27.4.1891 in Dramburg/Pommern) heiratete. Während des Novemberpogroms 1938 wurde ihr am
Stadtrand von
Flensburg gelegenes Gut nachts überfallen und alle Bewohner
verhaftet. Nur Alexander gelang nur mit einem Nachthemd bekleidet
die Flucht aus dem Wagen. Er rettete sich nach
Dänemark
und gelangte später über Schweden in die USA, wo er
1984
starb. Katharina und Irma zogen nach ihrer Freilassung aus
Polizeihaft nach Berlin, wo auch sie in die
NS-Vernichtungsmaschinerie gerieten: Katharina wurde am 14.8.1942
in das Zwangsghetto Theresienstadt und
von dort am
26.9.1942 nach Treblinka deportiert, Irma am
29.1.1943 nach
Auschwitz. Lilly wurde am 5.9.1942 von Berlin in das Ghetto nach Riga
deportiert und dort drei Tage später ermordet. Am 1.
Januar 1943 ist Lilly Wolff für tot erklärt
worden.
Quellen:
Artikel im Flensburger Tageblatt vom 27.01.2009
Bettina Goldberg unter Mitarbeit von Bernd Philipsen: Juden in Flensburg, Flensburg 2006
Personalakte von Lilly Wolff im Stadtarchiv Heide
Christiane Orgis
Martin Gietzelt / Ulrich Pfeil: Dithmarschen im "Dritten Reich" 1933-45, in: Geschichte Dithmarschens, Heide 2000, S. 333, S. 342, S. 353
Presseartikel als JPG:
Artikel im Anzeigenblatt vom 18.10.2006
DLZ-Artikel über Lilly Wolff vom 12.10.2006

