Hier
arbeitete
Erich Böhlig
Jg. 1885
Verhaftet 1944
Tot 3.5.1945
auf der "Cap Arcona"
Verlegungsort: Wulf-Isebrand-Platz 1-3 vor dem Verlagsgebäude der Dithmarscher Landeszeitung
Erich Böhlig war eine bekannte und geachtete Persönlichkeit in Heide. Er arbeitete erst als Schriftsetzer, später als Korrektor beim "Heider Anzeiger". Er gehörte zur Generation der Frontsoldaten des ersten Weltkrieges, der seine Kriegserfahrungen in politisches Engagement münden ließ. Mit der Gründung der Heider KPD 1920 wurde er deren erster Vorsitzender und hatte dieses Amt bis 1923 inne. Er verkehrte in den Arbeiterlokalen und war Stadtverordneter der Stadt Heide. Neben seiner politischen Rednertätigkeit engagierte er sich für die sozial schwachen Mitmenschen. "Er sammelte während der Weltwirtschaftskrise bei Heider Geschäftsleuten für Arbeitslose..." (Zitat nach Pfeil 1996).
Noch im März 1933 (also schon
während des Nationalsozialismus in Heide) kandidierte er
als Spitzenkandidat der Heider KPD für das Stadtparlament.
Trotz massiver Hetze und
Wahlbehinderung wurde Erich Böhlig gewählt. Sein
Mandat konnte er nicht antreten, denn
"Der kommunistische Vertreter war nicht geladen und ist auch nicht
erschienen." meldet
der "Heider Anzeiger" am 2. April 1933. Am 11. April 1933 wurde Erich
Böhlig verhaftet
und über ein Jahr in den Konzentrationslagern Schleswig und
Glückstadt inhaftiert.
Nach seiner Freilassung wurde er bei seinem Arbeitgeber nicht
weiter beschäftigt
und musste in der Hemmingstedter "Hölle" (so wurde die DEA
-heute Shell- in
Hemmingstedt genannt) arbeiten.
Nach
dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944
wurde Erich Böhlig
vom Heider NS-Bürgermeister
Karl Herwig für die
"Gewitteraktion" auf die Liste der zu
Verhaftenden gesetzt. Erich
Böhlig trat eine neue Leidenszeit im KZ
Neuengamme
an. In den letzten Kriegstagen
noch wurde das KZ geräumt. Die Häftlinge zogen in
Todesmärschen zu Fuß nach Lübeck und
wurden dort in der Absicht, Spuren der KZ-Verbrechen durch eine
Versenkung in der Ostsee
zu vernichten, auf Schiffe verladen. Erich Böhlig kam auf die
manövrierunfähige "Cap
Arcona" und überlebte den Brand und die Kenterung
des Schiffes
nicht.
Quellen:
Rehn, Marie Elisabeth: Heider Gottsleider, Erstauflage Basel 1992, neu aufgelegt 2005, Pro Business Verlag Berlin, S. 44-45, S. 47, S. 60-63, S. 125-126, S. 260-261
Pfeil, Ulrich: Die KPD im ländlichen Raum in: Demokratische Geschichte, Jahrbuch zur Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein, Kiel 1996, S. 173/174
Pfeil, Ulrich: Vom Kaiserreich ins "Dritte Reich", Heide 1890 - 1933, Heide 1997, S. 149 f., S. 180
Gietzelt, Martin und Pfeil, Ulrich: Dithmarschen im "Dritten Reich" 1933-1945 in: Geschichte Dithmarschens, Heide 2000, S. 359/360
Dittrich, Irene: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Band 7, Schleswig-Holstein 1, Frankfurt 1993, S. 72