Unser Bergzelt stand an einem sehr schattigen Platzerl und daher war es nicht verwunderlich, dass am Morgen lange Zeit kein Sonnenlicht zu sehen war. Diesmal konnten wir jedoch nicht warten, bis das eisige Überzelt abgetaut war, es wurde einfach gefroren in den Biwaksack gestopft. 11 Uhr war es, als wir uns schließlich auf dem Weg zum Wildgrabenjoch machten.

Sehr gefreut habe ich mich, dass gegen Mittag wenigstens ein Teil des Lärchenwaldes vom Sonnenlicht durchflutet wurde. Diese goldfarbenen Bäume waren immer wieder ein Blickfang. An den tiefblauen Himmel haben wir uns schon gewöhnt.

Der Weg zum Wildgrabenjoch war schattig. Erst weit oben blinzelte erstmals die Sonne über den Berg. Eine Überraschung gab es jedoch zuvor: Wir waren kaum eine halbe Stunde aufgestiegen, da toste ein Gebirgsbach zwischen den Felsen hervor. Wasser! Dieser Bach hätte eigentlich an unserem Biwakplatz vorbeifließen müssen. Wie kann soviel Wasser auf dem Weg nach unten einfach versickern??

Diesmal waren die Rucksäcke angenehmer zu tragen. Ob wir uns an die 20 kg nun gewöhnt hatten? Oder waren es die wärmenden Sonnenstrahlen die neues Leben in unseren Körper pumpte?
Von hier war es nicht mehr weit bis zur Scharte. Im Hintergrund lugt der Haunold hervor

Am Wildgrabenjoch. Von hier führte ein Weg ins Rienztal und nach oben führte der Steig in Richtung Schwabenalpenkopf.
Im Hintergrund sieht man den Großen Rautkofel, ein Berg mit einer Höhe von immerhin 2826 m.

Ab der Scharte begann ein kurzer aber interessanter Wegabschnitt. Wir mussten durch einen Kamin aufsteigen, aber es war alles einfacher als vermutet. Ein durchgehend neues Eisenseil half uns beim Hochsteigen.

Als wir aus dem kleinen Felsenweg ausstiegen, empfing uns eine tolle Aussicht. Leider kennen wir all diese vielen Berggipfel nicht. Nur die Zinnen im Bild links waren uns bekannt.

Wir befanden uns nun auf der Südseite vom Schwabenalpenkopf. Der Blick nach Westen wurde frei und man sah die Drei-Zinnen-Hütte (im Bild ganz links), den Zwölferkofel, Paternkofel und den Passportenkofel.

Nach einem kurzen Aufstieg in nördlicher Richtung standen wir plötzlich am Fuße des Schwabenalpenkopfes. Dieser Berg ist aufgrund seiner Form und Lage schon ein ganz besonderer Anblick. Über den schattigen Teil (links im Bild) stiegen wir ab und erreichten nach kurzer Zeit ein Hochplateau.

Blick zum Haunold 2966 m. Für mich wurde diese Gegend nun immer vertrauter, denn bald sollten wir den Weg Nr. 105 erreichen. Auf dem 105er bin ich mit Marianne wenige Wochen zuvor von der Drei-Schuster-Hütte kommend, aufgestiegen.

Ein erster Blick zum Toblinger Knoten, der hier imposanter wirkt als er in Wirklichkeit ist. Er wird nämlich von den meisten umliegenden Bergen deutlich überragt.

Nun war es nicht mehr weit bis zum Gwengalpenjoch 2446 m. Eine Viertelstunde später baute Katrin oberhalb des Joches das Bergzelt auf, während ich bereits unterwegs zum Sextnerstein war.

Wenn man vom Sextnerstein ein wenig in südlicher Richtung absteigt, so kann man die Drei-Zinnen-Hütte sehen. Von hier wurde diese Panorama-Aufnahme gemacht. Leider hatte ich das Stativ nicht dabei. Das habe ich am Biwakplatz zurückgelassen.

Als ich vom Sextnerstein (links im Bild) zurückkam stand unser Bergzelt und der Tee war auch schon gekocht. Ich genoss es, nicht immer alles selber machen zu müssen. So blieb mir viel Zeit zum Fotografieren und die Sonne spendierte mir hierfür ihr wärmstes Licht.

Auch wenn das 3kg-schwere Stativ manchmal lästig war, bei Aufnahmen ohne Sonnenlicht war es ungemein hilfreich. Viele Aufnahmen wären ohne Stativ nicht möglich gewesen.
Hier eine Teleaufnahme in eine uns unbekannte Bergwelt. Aber das wird nicht so bleiben, denn irgendwann sind wir wieder in den Dolomiten.

Der Mond stand schon hoch, aber das Tageslicht hat den Kampf gegen die Nacht noch nicht aufgegeben. Im Gegenteil, es zeigte sich in wunderschönem violett bis rosarot.

Mit dem dritten Bergtag gingen auch unsere Essensvorräte zur Neige. Auch der Gaskocher wollte nicht mehr so recht. Ich schrieb Lisa eine SMS und erzählte ihr davon. Ihre Antwort: Absteigen, es kommt spätestens am Donnerstag ein Wettersturz...