Die Nacht war ungewöhnlich ruhig. Kein Wind, keine Geräusche. Ich schlief dennoch schlecht. Weiß nicht warum, aber vielleicht hatte ich Angst zu verschlafen. Mein Ziel war es, ganz früh auf die Lückele Scharte zu steigen um dort oben den Sonnenaufgang zu fotografieren.
Ich verschlief nicht... im Morgengrauen kroch ich aus dem Zelt und schlüpfte ziemlich mühsam in meine gefrorenen Bergschuhe.
Wenige Minuten später ging es ziemlich schleppend aufwärts. Es war steil und der viele Sand auf dem schmalen Pfad machte das Steigen nicht leichter.

Als ich die etwas über 300 Höhenmeter aufgestiegen bin und die Scharte erreichte, war ich ein bisserl enttäuscht. Sofort war mir klar, dass es mit einem schönen Sonnenaufgang nicht klappen würde. Zu hoch waren die Berge.
Nun wollte ich dem neuen Tag ein Stückerl entgegen gehen und stieg in Richtung Birkenkofel 2922 m auf. Nicht weit, denn ich wollte nicht zu spät wieder am See sein. Die Sonne erreichte mich, als ich wieder bei der Scharte war.

Katrin war zwischenzeitlich auch aufgestanden und wollte mir entgegen kommen. Doch ich bin ziemlich schnell am Schuttfeld runtergerutscht und war bald wieder am See.
Unsere Behausung war noch ziemlich eisig, sodass wir auf die Sonne warteten. Erst um 11 Uhr war dann alles wieder trocken und um 12 Uhr sind wir dann beide wieder zur Lückele Scharte aufgestiegen.

Nun hatte Katrin mit ihrem Kreislauf zu kämpfen und wir kamen nur langsam höher. Die Rucksäcke kamen uns nun noch schwerer vor, als am ersten Tag. Aber wir kamen voran und der Mitteralmsee wurde kleiner und kleiner....

An der Scharte machten wir ausgiebig Rast und ließen uns von der Sonne wärmen. Außerdem wurden natürlich viele Bilder gemacht. Der neue Tag zeigte sich von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel und nicht eine einzige Wolke.

Es war schon sehr imposant anzusehen, wie sich in der Ferne der Schwabenalpenkopf in den Himmel reckte. Den weiteren Aufstiegsweg hoch zum Wildgrabenjoch konnte man auch schon erkennen.

Ein Blick zur Dreischusterspitze 3145 m, einen Berg, der allein schon durch seine vielen Gipfelzacken begeistert. Links im Bild kann man den Anstieg zum Birkenkofel erkennen.

Von der Lückele Scharte stiegen wir ins Hangenalpeltal ab. Unser Blick blieb dabei sehr oft an den gegenüberliegenden Bergen, wie dem Schwabenalpenkopf und den Drei Zinnen hängen.

Zwischenzeitlich ist es recht spät geworden. Das eigentliche Tagesziel war ja nicht das Hangenalpeltal, sondern das Gwengalpenjoch! Doch nun stand es fest, dass wir dieses Ziel heute nicht mehr erreichen würden.

Das Tagesziel war nun die Weggabelung am Schwarzboden. Dort führte ein Weg hinunter ins Innerfeldtal und einer führte hoch zum Wildgrabenjoch. An jener Weggabelung gab es Wasser. Diese Information hatten wir aus einer privaten Homepage, in der ein Brunnen abgebildet war. Außerdem war eine Quelle auch in der Karte eingezeichnet.

Als wir die Baumgrenze erreichten, begeisterten uns wieder die in der Sonne leuchtenden Lärchen. Es war ein wunderschöner Anblick und uns wurde bewusst, dass wir in der schönsten Jahreszeit unterwegs waren.

Es war schon spät als wir unseren Biwakplatz erreichten und dazu kam eine große Enttäuschung: Wir fanden zwar den Brunnen aber er war zugefroren und wir hatten keinen Tropfen Wasser mehr!
Nun war ganz schnell eine Entscheidung zu treffen: Beide ins Innerfeldtal absteigen und am Ixenbach zu biwakieren, oder hier am Schwarzboden zu bleiben. Wir entschieden uns für die zweite Variante.
Während Katrin das Zelt aufbaute und es häuslich einrichtete, stieg ich die 200 Höhenmeter zum Ixenbach ab und holte Wasser für den nächsten Tag.

Eine Stunde später war ich wieder am Schwarzboden. Gerade noch rechtzeitig, um das Alpenglühen an der Schusterspitze 3145 m zu erleben. Nebenbei haben wir Tee gekocht und uns gestärkt.

Damit die Nacht nicht zu lange wird, sind wir noch ein Stückerl Richtung Wildgrabenjoch aufgestiegen. Plötzlich sahen wir den Schwabenalpenkopf im untergehenden Sonnenlicht. Wir hatten das Teleobjektiv unten am Biwakplatz. Schnell ist Katrin abgestiegen, um die Kamera mit dem Tele zu holen. Wenig später kam sie schnaufend, aber noch rechtzeitig zurück. Es hat sich gelohnt, denn der Schwabenalpenkopf leuchtete immer noch im rötlichen Licht.

Als jegliches Licht an den Bergen erloschen war, stiegen wir hinab zum Biwakplatz. Es war empfindlich kalt und das Thermometer zeigte minus 4 Grad. Der nächste Tag soll ein leichter Tag werden, denn weiter als bis zu der Stelle, an der ich mit Marianne vor einigen Wochen biwakierte, wollten wir nicht gehen.