Die Darstellung der intertextuellen Verbindungen von Figuren in AmG zu „Gestalten aus Büchern und Gemälden“[1] soll in zwei Gruppen unterteilt stattfinden. Auf der einen Seite stehen Olmers, Eugen und Martina, auf der andern AE und A&O.
Ihren Onkel Egon Olmers führt Martina gegenüber AE mit den Worten ein: „sitz uff’m Dach ... stiert zu den Badndn ... mit 60=facher Vergrößerung“[2] Neben dem Hang zum Voyeurismus schimmert hier die historische Persönlichkeit des Heinrich Olbers (1758-1840) durch[3], der vom Dach seines Wohnhauses aus astronomische Beobachtungen durchführte und tatsächlich zwei Planeten entdeckte. Die hier angedeutete Unterfütterung der Astronomie mit sexuellen Konnotationen[4] ist prototypisch für Olmers Sichtweise überhaupt. Sowohl sein Zugang zur Religion(sgeschichte) als auch zur Literartur erfolgt auf diese Weise. Entsprechend sind die von ihm in AmG eingebrachten intertextuellen Bezüge ausgerichtet: „(... ich hab fromme Schriften: OETINGEN, >Gott in der Faust<; oder P. SCHWANZ, >Imago Die<)“[5]. Der Erz. über Olmers Lektüre: „(für Den, Den’s intressiert: W. HOMANN, >Tagebuch einer männlichen Braut< und >Liebe im Jenseits<; HAFFNER, >Was sich Kammerzofen erzählen<; OLMLER, >Die heimlichen Gemächer<; alles good unclean fun)“[6].
Die Figur des Hackländerspezialisten Eugen Fohrbach ist, wie sollte es anders sein, vor allem mit Bezügen zum Werk eben dieses Hackländers ausgestattet. Der Vorname ist dem Romantitel ‘Eugen Stillfried’ entnommen, der Nachname dem Roman ‘Europäisches Sklavenleben’, wo eine Person mit diesem Namen vorkommt (und überdies auch ein Major Eugen von S.)[7]. In AmG finden sich weitere 20 Stellen, in denen Eugen (oft mehrfach) auf Hackländer oder seine Werke Bezug nimmt[8]. Skurrilerweise lautet sogar das Codewort für sein Sparkonto ‚Hackländer‘[9] und der Name seiner Frau Grete scheint auf eine Formulierung von Hackländer für eine bestimmte Sorte Kanonen zurückzugehen: die „>Faulen Greten<“[10].
Martina, die Tochter des Hauses, partizipiert an der Bücherwelt ihrer drei alten Mitbewohner. Sie schenkten ihr u.a. einige alte Werke, die im Titel ihren Namen tragen, darunter die ‚Martina‘ des Hugo von Langenstein. Als sie die Ausgabe AE zeigt, deutet sie selbst an, daß hinter dieser Affinität mehr als die zufällige Namensübereinstimmung steckt: „Hier die des HUGO v. Langenstein: >31.000 Verse. Um 1295: die hat åuch ihre 11 Martern aussteh’n müssn, (genau wie ich)“[11]. Das zur Legendendichtung gehörende Versepos basiert auf der Lebensgeschichte der heiligen Martina, die sich zur Zeit der römischen Christenverfolgung unter zahlreichen Leiden ihren Glauben und ihre Jungfräulichkeit bewahrte, um schließlich den Märtyrertod zu sterben[12]. Der enorme Umfang des Epos geht vor allem auf zwei besondere ‚Techniken‘ Hugo von Langensteins zurück: zum einen bezieht er die Exegese des Geschilderten mit ein und zum anderen frönt er einer exessiven Ornamentik, die der Heiligenverehrung besonderen Ausdruck verleihen soll. Dazu gehört insbesondere die Ausarbeitung einer umfangreichen Pflanzensymbolik. Dergleichen kommt, in einfacherer Form, auch Martina in AmG zu statten. Mehrmals weist sie eine auffällige Nähe zur Espe, also der Zitterpappel auf[13]. In erster Linie jedoch verschafft der intertextuelle Bezug zu Legende der Heiligen Martina ihr einen religionsgeschichtlichen Hintergrund. Sie bekommt die Aura einer modernen Heiligen verliehen.
Der Hintergrund der eigentliche Hauptfiguren von AmG, A&O und AE, ist zu einem großen Teil direkt miteinander verbunden, da beide im Prinzip zugleich an bestimmte Liebespaare aus der Literatur assoziiert werden[14]. Trotzdem gibt es bei genauem hinsehen meistens einen primären Bezug zu einem der beiden, der dann indirekt sofort den anderen mit einbezieht. Dieser erste Kontakt bildet im folgenden das Kriterium der Zuordnung zu A&O oder AE und damit die Perspektive des Zugangs.
Neben den Beziehungen A&Os zu Figuren/Autoren anderer Werke, die sich bisher bereits en passant herauskristallisiert haben[15], existiert für ihn vor allem die relativ umfangreiche zu Wieland dem Schmied. Initiiert wird diese Verbindung durch den Erzähler, der A&Os Zimmer als „>Völundar Hûs<“[16] bezeichnet. Dieser Ausdruck stammt aus dem Altisländischen und bedeutet soviel wie ‚Haus des Schmiedes Völund/Welant‘. Vöund/Welant wiederum ist identisch mit ‚Wieland dem Schmied‘ aus der deutschen Heldensage[17]. Dort heißt es, Wieland wurde vom einem König gefangen genommen und gezwungen für ihn Schmuck herzustellen. Sein Gefängnis befand sich auf einer Insel[18]. Aus Rache vergeht Wieland sich an der Königstochter und ermordet die Königssöhne, um danach wie Daedalus mit selbstgebauten Flügeln zu entkommen[19]. Auf diese Ähnlichkeit wird auch in ZT explizit angespielt: „Dädalus = Wieland der Schmidt : hübsche Parallelen“[20]. Das Spiel mit der lautlichen Ähnlickeit von ‚Schmied‘ und ‚Schmidt‘ ist in AmG zu einem komplexen System von Bezügen ausgebaut worden.
Im letzten Teil von AmG findet sich ein bis dato unveröffentlichtes Frühwerk von AS einmontiert: ‚Pharos oder die Macht der Dichter‘, das in einigen Grundelementen stark an die Wielandsage erinnert. Ein Schiffbrüchiger, der Ichautor des in Tagebuchform gehaltenen Stücks, wird auf der Insel, an der er strandet, von ihrem merkwürdigen Bewohner wie ein Gefangener behandelt und bevormundet, insbesondere in Sachen Literatur. Der Herrscher der Insel läßt nachts Gestalten aus Büchern in seinem Leuchturm erscheinen, die der Gestrandete, insbesondere da sie nicht zu dem von ihm bevorzugten Kanon gehören, regelrecht als Bedrohung empfindet. Schließlich befreit er sich von seinen Tyrannen (und dessen Dichtern?![21]), indem er ihn beim Kampf mit einem Rochen im Stich läßt. Der Autor des Stücks trägt in AmG den Namen Martin Schmidt[22]. Damit taucht als zusätzlicher Knotenpunkt in der Verflechtung von Wieland dem Schmied und Arno Schmidt der Dichter Christoph Martin Wieland auf, der - selbstredend - sowohl in Pharos als auch in AmG des öfteren Erwähnung findet[23]. Aber dessen nicht genug, erfolgt in AmG eine nochmalige Erweiterung dieser Zusammenhänge.
Egg stößt beim Betrachten der Buchregale A&Os auf eine Ausgabe der ‚Kalewala‘, dem finnischen Nationalepos, die ihm eine Anekdote in Erinnerung ruft, die die angesprochenen Brückenschläge erneut illustriert und variiert:
„‘ch hatt ma’n Bekanntn. der war ganz verrückt druff, und schwärmte beständig vom >göttlichen Schmied Ilmarainen<, der sich eine Jungfrau aus Gold und Silber bildete - ja ganz recht: so’n Wieland=Hephaistos Typ - und wissen Se, was der Grund für die Begeisterung war? Er hieß selber Schmidt ... und war grad in auch so eine Jungfrau des Nordens verschossn ...“[24]
Und vor allem über die Kette A&O - Wieland der Schmied - der Schmied Ilmarainen - Arno Schmidt der Beziehung zu AE eine wesentliche Ebene hinzufügt. AE figuriert plötzlich als künstliches Produkt ihres Liebhabers.
Anderenorts charakterisiert sich A&O gegenüber AE selbst mit den Worten: „ich war selbst der Schmiedt vieler Illusjonen“. Neben der Erneuerung der Alter Ego Funktion für AS[25] offenbart A&O hier eine Sicht auf seine zurückliegende Schriftstellerarbeit, die eindrucksvoll von der intertextuelle Beziehung zu James Joyce Werk ‚Ein Portrait des Künstlers als junger Mann‘ dramatisiert wird, denn dort artikuliert der Protagonist Stephen Daedalus(!) seine Geburt als Künstler am Schluß des Buches so:
„Als Millionster zieh ich aus, um die Wirklichkeit der Erfahrung zu finden und in der Schmiede meiner Seele das ungeschaffene Gewissen meines Volkes zu schmieden ... Urvater, uralter Artifex, steh hinter mir, jetzt und immerdar.“[26]
Für den resignierenden A&O sind die hehren Ideale des jungen Künstlers mittlerweile vergangene Illusionen. Er erschafft nicht mehr die daedalusschen Wortlabyrinthe[27], er besitzt nicht mehr die Kraft ihnen zu entschwinden. Er sitzt desillusioniert in ihnen und harrt umgeben von seine Büchern dem Ende. Sein einziger Lichtblick dabei ist AE. Sie bildet ein letztes Echo seines Zweifels, ob es richtig war, sein reales Leben für das in der Welt der Illusionen zu opfern[28]. Sie drückt den verweifelten Wunsch aus, irgendwie vielleicht doch etwas von der Illusion des Idealen in die Wirklichkeit hinüberzuretten, um es real lieben und ausleben zu können. Und doch bleibt sie wohl - geschmiedet aus Worten - eine EntTäuschung.
Gleichwohl sorgt der Umstand, daß A&O über die Verbindung Schmied - Schmidt immer dem Schöpfer der Wortwelt von AmG nahe steht, für eine positive Ergänzung dieses negativen Sinnzusammenhangs. Denn, wer so ein sprachliches Labyrinth wie AmG erschafft, hält die Frage des Sinnlosigkeit und des Scheiterns eines Sprachlebens damit gerade wieder offen.
Zu Beginn der Beziehung zwischen A&O zu AE begegnet A&O an einer Stelle Martinas Kupplungsbestrebungen mit dem Argument des großen Altersunterschieds zwischen beiden, was Martina aber wiederum mit einem Verweis auf die ‚Insel Felsenburg‘ von J. G. Schnabel kontert[29]: „der Albert Julius ii., Der war bald 100 & begann durchaus mit der Prinzessin Mirzamanda zu schäkern“[30]. Albert Julius heißt im Buch der Gründer des Idealstaates auf der Insel Felsenburg, die seinen Bewohnern damit Fluchtpunkt und utopischer Ort in einem geworden ist[31]. Über den intertextuel-len Kontakt werden A&O wie AE gewissermaßen zu Mitbewohnern dieses vollkommenen Ortes, der letztlich aber auch nur in der Literatur besteht. Die Verwirklichung ihrer Beziehung außerhalb der Vorstellungswelt verheißt auch die Identifizierung mit diesem Paar nicht.
Neben den einzelnen Zuweisungen für A&O gilt es bei seiner Figur grundsätzlich zu konstatieren, daß sie diejenige in AmG ist, die mit Abstand den umfangreichsten intertextuellen Hintergrund aufweist, was die Zahl der in ihrem Zusammenhang vorkommenden Namen, Werke und Kurzzitate angeht. Zwar verliert oder gewinnt er diesbezüglich in den herkömmlichen Gesprächen nichts gegenüber Olmers oder Eugen, aber durch zwei zusätzliche Faktoren erlangt er dann ein deutliches Übergewicht. Nicht nur erfährt man über den Bestand seiner Bibliothek am meisten im Vergleich zu denen der anderen zwei Alten, sondern er ist es auch, der als einziger lange innere Monologe über literarische Themen führt, die wiederum geradezu überquellen an Verweisen auf andere Texte und Autoren. Wichtiger noch als die Quantität seiner Verbindungen ist jedoch ihre Qualität. Während Eugen auf Hackländer fixiert ist und Olmers seine gewiß auch umfangreichen Kenntnissen allzuoft über den einen Kamm der sexuellen Lesart schert, zeigt A&O doch eindeutig die differenzierteste Palette literarischer Referenzen. Er, als Schriftsteller im Ruhestand, stellt sich dabei, trotz der Vorliebe für ausgefallene Themen und skurille Raritäten, bewußt in eine ganz bestimmte literaturgeschichtliche Linie:
„Ich hab mich zeitlebms bemüht, meine >Traditionsreihen<, nach hintn zu, ausfindich zu mach’n ... Sei das im Hinblick auf die gesamte Mentalität, wie bei Lukian oder Wieland; (obschon mir die Gabe ward, auch JEAN PAUL oder COOPER würdij’n zu könn’n). Sei’s mit Bezug auf die Oberflächenbehandlung, wie bei FISCHART, SMOLLETT, JOYCE. Oder ebm auch was die Konstruktion, das >Gerüst<, anbelangt: ich meine, HOFFMANNS >Prinzessin Brambilla< ist imgrunde genau so ein ZweispaltenBuch wie >Kaff<; (und auch CARROLL’s >Sylvie und Bruno< sollte man ... diese Druckanordnung geben).“[33]
Und auch ohne den expliziten Bezug auf ‚Kaff auch Mare Crisium‘[34] wie auf ein eigenes Werk deckt sich der Literarturolymp von A&O exakt mit dem von AS[35] und dem Autor von AmG[36]. Gerade über seine intertextuellen Bezüge wird A&O so charakterisiert, daß er ohne weiteres hätte AmG verfassen können. AE umgekehrt erhält dadurch noch deutlicher die Dimension, ein potentielles Phantasieprodukt[37] von A&O zu sein. Gleichzeitig weist eine derart starke Orientierung an Literatur auch auf eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur von A&O selbst hin. Die Bezugsetzung gegenüber Büchern und Dichtern, die hinter diesen Büchern stehen, hat Vorrang vor der realen Erfahrung. Sie bildet den Hauptmechanismus seiner Identitätsentfaltung. So gesehen läuft auch A&O selbst Gefahr, sich trotz aller Rückbindung von Literatur an Wirklichkeit in Phantasiewelten zu verlieren. Vielleicht glaubt er dieses Risiko eingehen zu müssen, um auf diese Weise AE möglichst nahe kommen zu können.
Im Gegensatz zu A&O hält sich die Figur der Ann’Ev‘ mit Anspielungen oder Erwähnungen von Autoren/Werken spürbar zurück. Ihr intertextueller Hintergrund entsteht dafür in erster Linie durch Anbindung an weibliche Protagonisten anderer Texte[38]. In diesem Bereich vereint sie von allen Personen in AmG die meisten auf sich.
Im ‚Finnegans Wake‘ von James Joyce heißt die weibliche Hauptfigur ‚Anna Livia Plurabell‘. Sie verkörpert im Verlaufe des Buches verschiedene Aspekte des Weiblichen, so unter anderem die Urmutter Eva und den Fluß Liffey. Dieser vollzieht symbolisch auch den Akt der „recirculation“[39] vom Ende des Wake zu seinem Anfang zurück. Dies geschieht unter anderem, indem sich der letzte unvollständige Satz ohne weiteres mit dem ersten beenden und fortsetzen läßt. Die Schreibweise Ann’Ev‘ ahmt dieses Prinzip im Kleinen nach, da ihr fehlender letzter Buchstabe zugleich ihr erster ist und eine Kettenbildung der Art ‚AnnaEvannaEva‘ möglich wird. Des weiteren bezeichnet sie der Erzähler einmal als „Prinzessin Alzette“[40]. Die Alzette aber fließt durch Luxemburg wie der Liffey durch Dublin.
Auch zu Joyce anderem großen Werk, dem ‚Ulysses‘, gibt es bei AE einschlägige Kontakte. AS umschreibt den Roman in einem seiner Dialoge über Joyce als ‚Das Buch Jedermann‘[41]. Wenn AE in AmG vom Erzähler nun als „Everyone=Eve“[42] umschrieben wird, ist sie mit einem Mal die dazu passende ‚Jederfrau‘ und AmG das dazugehörige Buch. Im ‚Ulysses‘ selbst existiert eine Nebenfigur, die dort auch mit A.E. abgekürzt wird. Es ist die des theosophischen Mystikers George William Russell[43]. Diesem wird bei Joyce der Name „Buddh“[44] zuteil, Ann’Ev’ wird in AmG einmal „Buddhin“[45] und ein anders mal „Buddhine“[46] genannt. Die Figur des A.E. spielt im ‚Ulysses‘ vor allem im 9. Kapitel (aufgrund ihres Bezugs zum gleichnamigen Kapitel der klassischen Odyssee auch ‚Scyllya und Charybdis Episode’ betitelt) eine Rolle. Dort trägt Stephen Daedalus in der irischen Nationalbibliothek einigen Zuhörern aus dem Dubliner Literaturleben (darunter A.E.) eine gewagte These über Shakespeares Hamlet vor. Neben der Verifizierung dieser These geht es ihm aber eigentlich um die Möglichkeit „verschiedene ästhetische und philosophische Vorstellungen auf der Folie Shakespeare durchzuspielen“[47], um seinen eigenen Standpunkt zu finden und auszudifferenzieren. Dieses Verfahren der Identitätsbildung erinnert an die maßgebliche Funktion, die wir für die Bücherwelt in A&Os Leben ermittelt haben. Aber die hier vorliegende Kongruenz zu AmG reicht weiter. Der ganze Charakter der Szene, die Örtlichkeit der Bibliothek, das Gespräch über Literatur, der innere Monolog von Stephen mit zahlreichen versteckten Anspielungen auf andere Werke, die Bereitstellung auch einer sexuellen Lesart, all das macht diese Episode des ‚Ulysses‘ zu einem Prototyp von ganz AmG und die dichte Verflechtung mit ihr auch zu einem Ausdruck von höchster Wertschätzung. Insbesondere für die Beziehung von A&O zu AE, immerhin die Hauptfigurenkonstellation von AmG, liefert der Bezug zu Stephen, dem Gelehrten, und AE, dem Mystiker, einen weiteren Hintergrund. Ihr angestrebte Vereinigung als Liebespaar würde gleichzeitig die Synthese dieser grundlegenden Weltsichten bedeuten[48]. Der intertextuelle Kontakt mit den Personen des ‚Ulysses‘ verleiht ihnen einen tieferen theoretischen Sinn, sie werden Statthalter einer ideellen Allegorie.
Rathjen (1987) ergänzt und erweitert die Beziehung zwischen A.E. und AE (respektive Stephen/A&O) zu einer umfangreicheren Figurenkonstellation, indem er BM und Egg mit einbezieht. Sie verweisen in der Tat ebenfalls auf zwei ‚Ulysses‘ Figuren: Buck Mulligan und John Eglinton.
Erstere stimmen nicht nur in ihren Initialen überein sondern auch in der Charakterisierung ihres Äußeren: Marwenne “ungeschlacht, groß & stark“[49], Mulligan „Stately, plump“[50]; Marwenne „das Scrotum wie’n Pferd“[51], Mulligan’s Gesicht „equine it its length“[52] und kurze Zeit später ausrufend: „The scrotumtightening sea“[53]; Marwenne „mit d Stimme des Frührôtz“[54], Mulligan „A new art colour for our Irish poets: snotgreen. ... Isn’t the sea ... a grey sweet mother? The snotgreen sea.“[55] . Dazu war das reale Vorbild für die Figur des Mulligan (Oliver Gogarty) zur Zeit der Handlung des ‚Ulysses‘ mit 26 Jahren genauso alt, wie es Marwenne in AmG ist.
Eg(sic!)linton weist ebenfalls genau übereinstimmende Merkmale zu Egg auf, beide sind literarisch bewandert und historisch interessiert. Dazu ist Egg „irgendwie ‚chinesisch‘“[56], entsprechend heißt es im ‚Ulysses‘: „O, the chinless Chinamen! Chin Chon Eg Lin Ton“[57].
Allerdings vermag Rathjens Deutung der Beziehung der beiden Figurenkonstella-tionen nicht wirklich zu überzeugen. Der eigentliche Mythos (Odysseus muß mit seinem Schiff am Felsen Scylla und dem Strudel Charibdis vorbei einen Weg finden) werde zugunsten eines ‚Privatmythos‘ von Joyce (eine mit ASs Vorliebe für autobiographische Interpretationen begründete Deutung der Ulysses-Konstellation als: „der isolierte, verkannte Künstler als Opfer intigranter Ursupatoren“[58]) in den Hintergrund gedrängt. Und in erster Linie diesen Privatmythos hätte AS in AmG aufrufen wollen (Rathjen selbst stellt am Ende seines Aufsatzes diese Deutung in Frage, wenn er sich an die „Schmidt-Experten“ wendet: „wird die intendierte Funktion tatsächlich erfüllt? ... um Antwort wird gebeten“[59]).
Rathjens Versuch krankt an dem Willen allzu feste und starre Zuordnungen zu schaffen. Sicher ist eine intertextuelle Sinnkonstitution zwischen den beiden Personengruppen möglich, aber nicht auf Kosten eindeutiger Sinnzusammenhänge oder gar vom Autor intendierten Funktionen. Im Gegenteil: Strudel, Fels, an dem die Sinnfindung von Stephen zerschellen können, ist das nicht ein Wink mit dem Zaunpfahl, daß Sinnfindung im Fluß ist, Strömungen unterworfen und nicht so einfach einfrierbar? Warum kann beispielsweise A.E. nicht gleichzeitig dem Strudel (Charybdis) und der Begehrten (AnnEv) assoziert sein, immerhin thematisiert A&O an anderer Stelle explizit die Gefahr der Verrücktheit, die er mit Ann’Ev‘ verbindet[60]. Wiederum gleichzeitig macht es doch Sinn BM und Egg als Hindernisse für A&O auf dem Weg zu AE zu begreifen, da sie in besonderem Maße für die Verwirklichung des Plans der Rotte eintreten, der Errichtung des Idealkommune auf Tasmanien, was Ann’Ev‘ letztlich (äußerlich durch die Abreise aber auch innerlich aus Überzeugung) von ihm trennt. Sobald man das Augenmerk auf das Funktionieren des Herstellens solcher Sinnverbindungen richtet, kann man mit der Mehrdeutigkeit der Zuordnungen nicht nur gut leben, sondern begreift sie geradezu als Hinweis auf das Wesen der ganzen Sache.
Grete geizt nicht mit abschätzigen Meinungsäußerungen zu AE, die des öfteren auch, der Verehrung wegen die A&O ihr entgegenbringt, auf diesen abfärben: „Der A&O ...? ... ooch bloß so’n Golem; (vor allem jetz, mit seiner gelbbrüstijen Dulcinea)“[61]. Sie bedient sich hierfür bei Cervantes‘ ‚Don Quijote‘[62], denn dort trägt die Angebete des Titelhelden den Namen ‚Dulcinea‘. Interessanterweise ist Dulciena aber im Grunde nur eine verklärte Fiktion von Don Quijote, in der er die vage Wahrnehmung einer Bauernmagd ausschmückt und übersteigert. In Gretes Augen begehrt A&O also etwas, was eher seiner Phantasie entsprungen ist, als real zu sein. Das paßt zu derjenigen Facette in der Gesamtcharakterisierung AEs, die sie aus der Welt der Fiktion stammend zeigt. Simultan schlüpft A&O in die Rolle des Ritters von der traurigen Gestalt, für den die Produkte seines Wahns, ein echter Ritterheld zu sein, die Realität überdecken. Wie Don Quijote mit Hilfe des intertextuellen Bezugs auf die klassischen Ritterromane seiner Zeit sich eine Ersatzwelt erbaut, lebt A&O weitestgehend in seinen Buchbezügen, die ihn unter Umständen wirken lassen, wie einen, der mit Windmühlen kämpft, weil er sie für Riesen hält. Die Gefahr, sich in Phantasiewelten zu verlieren, wird hier so auf liebevoll ironischer Weise relativiert. Auch die Tragik der Unerreichbarkeit der Geliebten (Don Quijote ‚bekommt‘ seine Dulcinea nicht) rückt in ein wärmeres Licht, denn die Minne des Ritters gilt der Verehrung nicht der Eroberung der Geliebten[63].
In einer anderen Szene ist es AE selbst, die durch die Geste eines sanften Bisses in A&Os Hand eine weitere Verwandtschaft zu literarischen Liebespaaren aktiviert. Prompt erscheint ein eigener Kasten, der sowohl vollendet den Augenblick dieser Geste beschreibt und zugleich einen Abschnitt aus Fouquès ‚Undine‘ wiedergibt[64]. AE verwandelt sich in die Märchengestalt eines Wassergeistes, der vorübergehend menschliche Gestalt annimmt, durch die Liebe eines Menschen eine Seele erhält, aber letztlich nicht in dieser Welt leben kann und von ihr in die Fluten zurückgestoßen wird[65]. A&O in denjenigen, der ihr durch seine tiefe Zuneigung eine Zeit lang, die Existenz in der Menschenwelt ermöglicht, aber mit dem Scheitern seiner Liebe ihr Schicksal besiegelt[66]. Sehr filigran spinnt sich hier um die Figur der AE eine märchenhafte Aura, die die Charakterisierung über ihre phantastischen Fähigkeiten abrundet. AE ist es, die das Märchen in die Posse bringt. Und die märchenhaft idealisierte Liebe zu A&O. Die wiederum im Gegensatz zur rein sexuell orientierten bei Asta und Egg steht, die ebenfalls über einen (travestierenden) Märchenbezug vermittelt worden war[67]. Die beiderseitige Verbindung zum Metier des Märchens klammert beide Beziehungen hier zu einer gemeinsamen intertextuellen Sinnkonstitution zusammen.
Die Anbindungen an diverse Paare der Literaturgeschichte tragen bestimmte Sedimente zusammen, die unterschiedliche Perspektiven auf und vor allem auch für die Beziehung zwischen AE und A&O bereitstellen. Darunter wirken die einen realistisch, als könnten sie wirklich eintreten, die anderen eher wie Hinweise auf psychische Bereiche, die durch die Beziehung tangiert, aber letztlich wohl nicht die Gesamtherrschaft über den Fortgang der Beziehung erreichen werden. Untere letztere fällt diejenige, die durch die Anlehnung an Ludwig Tiecks ‚Leben und Tod der heiligen Genoveva‘ beigebracht wird[68].
A&O gibt zu Beginn der Beziehung mit AE seinem sinnlichen Verlangen nach ihr Ausdruck mit einem expliziten Zitat aus diesem Werk: „>nur einmal ihren Busen an den Mund!< >Genoveva<“[69]. Er spricht dabei die Rolle des Golo aus Tiecks Trauerspiel, der für die Zeit der Abwesenheit des eigentlichen Burgherren Siegfried im Krieg, dessen Besitztümer und Ehefrau Genovea in seine Obhut bekommen hat. Golo verzehrt sich erst in einer stillen Liebe zu Genovea, als er ihr aber sein Begehren schließlich offenbart und sie ihn schroff zurückweist, schlägt seine Liebe in Haß um. Nur durch die Hilfe eines alten Dieners entgeht Genoveva der von Golo angeordneten Hinrichtung, muß aber 7 Jahre mit ihrem Kind verborgen im Wald leben, bis sie von ihrem Mann, der sie für tot hält, zufällig bei der Jagd gefunden wird. Daraufhin fällt Golo seinereits dem Henker zum Opfer, aber auch Genoveva bleibt nach ihrer Rettung nur noch ein kurzes Leben beschert.
Die Sicht auf den möglichen tragischen Ausgang der Beziehung zwischen AE und A&O ist hier aufgrund des intertextuellen Hintergrunds geprägt durch A&Os Angst, abgewiesen zu werden, und die Furcht, daß so etwas wie seine dunkle Seite, das Umschlagen von sinnlichem Begehren in Aggressivität, zum Vorschein kommt.
Auf ausgesprochen subtile Art erfolgt durch zwei andere Stellen in AmG ebenfalls ein Brückenschlag von AE zu Genoveva. Erst verwendet AE ihre „Hexenhaare als BuchZeichen“[70], dann erwähnt der Erzähler einen Eintrag in einem Antiquariats-katalog: „TIECK, >Genoveva<; schönes FrauenEinzelhaar auf S. 21“[71]. Diesmal betont die Art und Weise des intertextuellen Kontakts aber eine andere Seite der Liebe von A&O zu AE: die Bande, die sie verbinden, wirken so zart und sensibel wie die, die hier zwischen AE und Genoveva geknüpft werden[72]. Und mit ebenso großer Behutsamkeit eröffnet sich noch mal das Zwischendasein von AE, halb in der Phantasie, wie der Inhalt der alten Bücher, halb in der Realität, wo diese materiell und berührbar sind.
Die intertextuelle Tuchfühlung mit einer christlichen Märtyrerin verleiht auch AE den Blickwinkel einer modernen Heiligen. Im Unterschied zu Martina ergänzt sich bei AE dieses Bild aber noch durch den Kontakt zu zwei schillernden weiblichen Figuren aus der Geschichte der religiösen Gruppierungen. Verbindungsglied, außer ihrer Position an der Spitze einer Sekte, sind vor allem ihre christlich höchst bedeutsamen Vornamen.
In Anlehnung an die Buttlarsche Rotte, deren Namen auf ihre Anführerin, Eva von Buttlar, zurückgeht, nennt Olmers die Horde in AmG einmal die „>Bussilat’sche Rotte<“[73]. Zur Ronsdorfer Sekte um Elias Eller gehörte Anfang des 18. Jahrhunderts eine Frau, die Gesichte vom Tausendjährigen Reich hatte, und Anna von Buchel hieß[74]. Gemeinsam ist beiden die Zugehörigkeit zu einem Grenzbereich der christlichen Tradition zwischen sanktioniertem Glauben und Aberglauben, zwischen Kirche und Scheiterhaufen[75]. Dieses Fluidum des Okkulten überträgt sich auf AE und betont (gerade im Zusammenhang mit dem Bezug zur heiligen Genoveva) erneut das Übergangshafte ihrer Existenz, welches sich bislang in den Polen Phantasie und Realität sowie Vernunft und Wahnsinn manifestiert hatte.
Von den vielen Bezugsquellen in AmG sticht die Bibel insofern heraus, als das sie nicht nur mit 57 Zitaten/Anspielungen/Nennungen zahlenmäßig relativ stark vertreten ist, sondern vor allem weil sie sich mit ihren intertextuellen Funktionen gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen von AmG angliedert[76].
Für die drei Alten (und zum Teil auch Martina) stellt sie in erster Linie literarisches Material dar wie alle anderen Bücher auch, dementsprechend dienen ihnen die Bezüge zu ihr als neutraler Diskussionsgegenstand im Rahmen der Pflege und Perfektionierung ihrer großen, imaginären Bücher- und Wissensenzyklopädie[77]. Eine tiefere religiöse Bedeutung erlangt die Bibel für keinen von ihnen. Dieses Verhältnis bringt A&O stellvertretend auf den Punkt, wenn er (für sich) feststellt:
„natürlich bin ich >Atheist< ... Mìch intressiert also an allen >Religionen< dieses): >>Wie weit ist ihre Sprache, ihr BilderGehalt, ihr >Schwung<: literarisch brauchbar, beziehungsweise ästhetisch anziehend? Und dann ... das permanente Problem der >Sektenbildung<: welche Sekten halten sich, und warum?“[78]
Die literarische Brauchbarkeit scheint auch das vornehmlichste Kriterium des Erzählers gewesen zu sein bei seiner Beibringung von Bibelverweisen. Sie stellen fast immer eine passende Assoziation eines Bibelkenners zu einer bestimmten Situation dar. Das deckt sich mit einer der Verwendungsarten, die Martina Bibelzitaten zukommen läßt[79]. Während der Erzähler seine Bezugsstellen häufig in eigenen Kästen positioniert, kann sie sie in ihre Rede einbauen. Als BM einen gegen die Rotte polemisierenden Zimmermann verprügelt, müssen der im Bereich der Bibelkenntnis vorbildlichen Schülerin der drei Alten gleich zwei passende Zitate auf der Zunge liegen:
„>Und er stieß ihm das Schwert in den Bauch, aß auch das Heft, der Schneide nach, hineinfuhr - und das Schwert ging zum Hintersten heraus!<; RICHTER 3=22; (beziehungsweise HIOB 9=4: >Wer widersetzt sich Ihm, und bleibt unverletzt?<)“
Mit Vorliebe sucht sich Martina dabei solche aus, die der landläufige Gläubige eher nicht in der Bibel vermuten würde. Besonders deutlich wird dies bei den Auseinandersetzungen mit ihrer Stiefmutter Grete, denn diese übernimmt ihr gegenüber den Part der anständigen Hüterin der christlichen Moral. Martina kontert daraufhin ein ums andere mal mit Bibelstellen, um Grete sozusagen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Diese Situation spitzt sich zu, als Martina Grete beim Ehebruch mit BM beobachtet, und natürlich darf das ‚passende‘ Bibelzitat auch hier nicht fehlen: „Er brummelt wie ein Bär; Sie ächzt wie’ne Taube.“[80] Durch den Ehebruch, noch dazu aus rein sexuellen Gründen, wird Grete für Martina zur Protagonisten einer heuchlerischen Doppelmoral, die über den Bibelbezug beider unterstrichen und in einen religiösen Zuammenhang gestellt wird. Martina steht dadurch, obwohl auch sie im eigentlichen Sinne nicht gläubig ist, als die wahrhaft christliche von beiden da[81].
Mit Bedacht wird hier für diejenigen Textstellen, die den Sinn ihrer intertextuellen Bezüge thematisieren, das Attribut ‚rekursiv‘ gewählt. Denn sie führen nicht nur auf bestimmte Regeln zum Verständnis der Kontakte zu fremden Texten in AmG zurück, sondern verweisen allgemeiner auch auf die These einer rekursiven Textstrategie, die einem Text gleich die Anweisungen zu seiner Interpretation mitliefert. Diese Charakterisierung des Werks von AS hatten wir bereits im ersten Kapitel in ihren Auswirkungen auf die Sekundärliteratur und die Methode dieser Arbeit behandelt. Hier kann nun die Stichhaltigkeit und Reichweite der auch für AmG postulierten selbstexplikativen Struktur an konkreten Beispielen auf der Basis angewandter Intertextualität diskutiert werden.
Vor allem von A&O werden die Verbindungen zwischen verschiedenen Texten über das Zitieren bestimmter Motive oder Inhalte offen gelegt und gleichzeitig dieser Sachverhalt auch reflektiert:
„Beim CONTESSA, das >Gastmahl<, die Taf’lRunde der ElementarGeister; à la >Holetschkagasse<, sehr int’ressant - man kann tatsächlich nichts Neues erfindn. (Eine >Geliebte mit Holzbein<, in SCHMIDT’s >Umsiedlern< ... und, siehe da, das hat schon der alte SCHILLING, in >Leanders Irrfahrten<! ... / ... (>Das Adjektiv der Feind des Substantivs< wie KREUDER mal verkündete: erstens hatte er’s von HEMMINGWAY ...; zweitens stammt’s von VOLTAIRE; und drittens iss es Quatsch: was für herrliche Adjektivationen giebt’s nich bei JOYCE; (von dem man mein’n sollte, daß er FISCHART gekannt habm müßte, (wenn’s nich fast unmöglich wäre))“[82]
Damit vollzieht A&O (und mit ihm AmG), was schon in ‚Zettels Traum‘ gefordert wird: „aus der bloßn ‚Literatur‘ in eine Meta=Litteratur ... gelangn“[83]. Wobei ‚Metaliteratur‘ für Literatur aus Literatur und über Literatur steht. A&O monologisiert hier über Literatur, wie sie sich aus Literatur bildet. Wegen der ebenfalls intertextuell konstituierten Verwandtschaft A&Os mit dem Erzähler von AmG liegt es besonders Nahe, seine Aussagen auf die Verwendung von Literaturbezügen in AmG zu beziehen. In diesem Moment offenbart sich in der Tat ein selbstexplikatives Moment von AmG, denn im Grunde interpretiert A&O auf diese Weise den Text, in dem er selbst spricht. Nachdruck verliehen bekommt die Möglichkeit einer solchen Selbstanwendung durch den Umstand, daß ausdrücklich Texte von AS in die erörterten Literaturketten aufgenommen worden sind. Das Gesagte gilt also insbesondere für Werke ASs, von denen AmG natürlich eins darstellt.
A&O spricht zu den von ihm aufgedeckten Verbindungen zwischen verschiedenen Werken der Literatur vor allem eine weiterführende Sinnperspektive an. Er stellt die Behauptung auf, daß man (als Schriftsteller) nichts Neues erfinden kann, da praktisch alles schon irgendwo vorhanden ist. Wendet man den Gedanken auf die Summe der Zitate/Anspielungen/Nennungen in AmG an, wirken sie wie eine umfangreiche Beweisführung für diese These. Alle Themen, jede Situation und sogar die Personen selbst verweisen in ihrer Vernetzung mit anderen, alten Texten auf eine geradezu mythische Zeitlosigkeit, in der sich dieselben Inhalte immer wieder nur zu wiederholen scheinen. Mit der Aufhebung des Alten im Neuen schwindet aber auch die Hoffnung auf ein Entkommen aus diesem ewigen Kreislauf. Selbst der Metastandpunkt verheißt keinen Durchbruch dieser Abläufe, er läßt sie einen zwar anders begreifen, aber verändert sie nicht. Konsequenterweise fällt auch er der intertextuellen Relativierung anheim: „>...so kann es nicht leicht fehlen, daß nicht zu jedem Neuen etwas Altes gefunden werden sollte, was damit einige Ähnlichkeit hätte.< KANT“ [84].
Die hier behandelte Stelle steht in AmG singulär da, weil sie die intertextuellen Mittel, derer sie sich bedient, explizit reflektiert. Intertextuelle Stellen, aus denen sich implizit eine rekursive Perspektive auf den Einsatz von Intertextualität in AmG ableiten läßt, gibt es eine Vielzahl. Insgesamt ist der selbstexplikative Gehalt von AmG aus der Sicht angewandter Intertextualität immens[85]. Trotzdem erschöpft sich der Sinn von AmG keinenfalls in den von ihm selbst vorgeschlagenen Bahnen. Aus intertextueller Sicht zeigt sich darin nur exemplarisch die im Prinzip bis ins unendlich fortsetzbare enorme Sinnproduktivität vernetzter Texte. Es gibt also nach wie vor keine Berechtigung sich auf jene Bahnen, noch dazu unreflektiert, zu beschränken, weder in der Sekundär-literatur noch als Leser, denn dann wäre man in der Tat gegängelt. In diesem Zusammenhang sollte man sich andererseits bewußt machen, daß die ganzen ausgeführten Vernetzungen in AmG auch zur Folge haben, die unüberschaubar vielen noch offenen Möglichkeiten dem Leser für eigene Nachforschungen schmackhaft zu machen. Die expliziten Zitate machen die impliziten zu Rätseln, die gelöst werden wollen. Wie ein Sog (Charybdis läßt grüßen) beginnt AmG den ambitionierten Leser in sich hineinzuziehen, wenn er anfängt, den zig Details nachzuforschen und neue Verbindungen aufzubauen im Stil der vorgeführten. Schnell wird AmG zur Falle, zur Falltür in ein Labyrinth (Daedalus auch) aus Verweisen und Erwähnungen und Wissensschnipseln. Diese Eigenart, die das Sektenhafte der Anhängerschaft ASs verständlich machen mag, gilt es kontrolliert zu betrachten, indem man versucht zu verstehen, wie sie funktioniert. Ansonsten geht man einem mit allen Wassern des Sprachflusses gewaschenen Tüftler auf seinen Leim.
[1] AmG 9m = Personenverzeichnis.
[2] Amg 14u.
[3] Über ihn verfaßte AS ein Kurzessay (BA III, 3, S. 139ff) und er sollte eine der Nebenfiguren des geplanten ‚Lilienthal‘ Projektes werden (vgl. Rauschenbach 1996, S. 33).
[4] Vgl. dazu auch die Analyse der Schroeter-Szene (unter Punkt 2.4.2 dieser Arbeit).
[5] AmG 165u.
[6] AmG 28m, der Trivialautor Olmler bietet sich als weiterer ‚Pate‘ der Figur an.
[7] Vgl. Fischer 93, S. 64.
[8] Genau: AmG 28m, 50ff (vgl. Kap. 2.6 dieser
Arbeit), 77o, 83o, 85m, 99o, 119mli, 124u, 154o, 186m, 191m, 196o, 207o, 215o,
217m, 230m, 238o, 243m.
[9] Vgl. AmG 218o.
[10] AmG 288m.
[11] AmG 105u. Weitere Bezugsstellen auf: AmG 15o, 59o, 65o, 70m, 104o, 164o, 165o. Dazu kommen noch die folgenden fraglichen, wo Martina mhd. im Stile des Epos zitiert bzw. ihr ein entsprechendes Zitat beigestellt ist, aber der Nachweis (noch) nicht geführt werden konnte: AmG 26u, 40m, 45u, 122o, 128mli, 132mli, 134o und 247u.
[12] Vgl. dazu de Boor 1997, S. 461f.
[13] Vgl. AmG 25m, 60o, 88o + 110m (= eine große Espe steht in einiger Entfernung genau vor ihrem Zimmer (Espenbüsche in unmittelnbarer Nähe), 121u, 135u, 163u (diese zentrale Stelle legt u.a. eine tiefere Verbindung zwischen Bosch und der Espe nahe, die im Boschkapitel dezidiert erörtert wird) und 279o.
[14] Die sich aus dem Boschhintergrund und der Wolkenreise ergebenden werden an den entsprechenden Stellen dieser Arbeit untersucht.
[15] Zu
Schroeter in 2.4 und zu Nietzsche in 2.5. Doppelzuweisungen: A&O/Faust (AE/Helena) in 2.2.
[16] AmG 87o.
[17] Zu dieser und den folgenden Informationen vgl. Krömmelbein 1984, S. 159f. Dort wird als Nebenbedeutung auch ‚Labyrinth‘ angegeben, was A&Os Bücherwelt als solches erscheinen läßt.
[18] Zur Bedeutung des Inselmotivs bei AS vgl. Wollschläger 1982 und die Kapitel zum Boschbezug und der Wolkenreise in dieser Arbeit.
[19] Eine weitere Verwandtschaft besteht über die Tatsache, daß Daedalus in der griechischen Mythologie das Labyrinth des Minotaurus schuf und ‚Völundar Hûs ‘ nach Krömmelbein (S. 159) in der nordischen Sagenwelt ursprünglich als Umschreibung eines Labyrinthes dient.
[20] ZT 179ro.
[21] Vgl. zum Problemfeld Pharos und der Frage, wer dort symbolisch getötet wird, Körber 1998, S. 81ff.
[22] AS änderte die Datierung auf dem Orginalmanuskript von ‚Pharos‘ dahingehend, daß er 18 Jahre alt gewesen wäre bei der Niederschrift (wie Martin Schmidt in AmG) (vgl. Editorische Nachbemerkungen BA I, 4, S. 637). Seitdem ist ein Streit in Sekundärliteratur um die wirkliche Datierung von ‚Pharos‘ entbrannt, in dem jedoch einhellig die Möglichkeit der tatsächlichen Niederschrift mit 18 verworfen wird.
[23] In ‚Pharos‘ gehört er zu den Lieblingsdichtern des Inselherrschers, vgl. AmG 257o und 258m. In AmG wir an folgenden Stellen auf ihn oder seine Werke Bezug genommen: 87m (Gefühl der ‚Schattenlosigkeit‘ wie im Boschbild auch bei Wieland und nochmal der Name), 128mre (Werk ‚Kalender‘ im Zusammenhang mit der Rotte), 135m, (‚redende Kürbisse‘ in seinem Werk ‚Don Sylvio‘), 149m (er gehörte zu ersten Antiquariatskäufen des jungen Olmers), 156u (eigener Kasten, Zitat, das durch die Bezugstelle im Haupttext (Olmers) nur in verfremdeter, sexueller Lesart paßt), 189u (zentrale Stelle! Wieland befindet sich in A&Os Traum von der ‚Reise nach der Unendlichkeit‘ im ‚Dichterelysium‘ (vgl. Körber 1998, S. 318)), 215m (A&O zählt in zu seinen Vorbildern, was die ‚gesamte Mentalität‘ angeht); 223u (dient als Stilbeschreibung bestimmter Epen eines unbekannten Dichters), 241m (implizite Anspielung auf das Werk ‚Aristipp‘ zur Charakterisierung eines Lehrers aus der Schulzeit von A&O), 249o (A&O wünscht sich sein Werk ‚Euthanasia‘ noch mal zu lesen), 281o (Martina stellt ein kleine Bibliothek für Martin zusammen und er ist dabei) und 290o (Zitat aus seinem Werk ‚Amadis‘ dient Olmers als einschlägiges Anschauungsmaterial). AS beschäftigte sich mit ihm auch in einem seiner Dialoge (BA II/1 275ff.: ‚Wieland oder die Prosaformen‘).
[24] AmG 91m. Hephaistos ist der griechische Gott der Schmiedekunst.
[25] Um einem einseitigen Urteil in dieser Richtung vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß einige der männlichen Figuren in AmG mit Zügen von AS aufwarten können (neben den anderen zwei Alten eben auch Martin Schmidt) und das sich A&Os Bedeutung, gerade vor seinem gesamten intertextuellen Hintergrund, keinesfalls in dieser Funktion erschöpft.
[26] Joyce 1987a, S. 533.
[27] Und das wird auch das Labyrinth ‚Völundar Hûs‘ endgültig durch diese intertextuelle Kopplung mit Daedalus als Schriftsteller bei Joyce (vgl. auch AS Dialog über ihn zu seinem 25. Todestag, wo es zur Ich-Figur des ‚Portrait‘ heißt: ‚DÄDALUS, den selbst=großen, sehr künstlichen Labyrinth=Erbauer (BA II, 3, S. 239))! So sieht im übrigen auch Olmers Sicht auf A&O aus: „Du, in Dein’n labyrinthischn BuchhöhlenGängn: BuchStollen, zum Mittelpunkt d Litteratur?“ (AmG 187o) (Literatur findet sich beim späten AS immer mit zwei ‚t‘ geschrieben, also wie vom lateinischen Ursprung her. Die eigentlichen Hintergedanken dieser Schreibweise erschließen sich aber wohl eher über die wortspielerischen Konnotationen, die sich zusätzlich noch ergeben: an Literatur leiden (er litt ...) und engl. litter = Abfall).
[28] Drews 1992, S.8, sieht in der Frage nach dem Umgang mit ‚nicht gelebtem Leben‘ ein Hauptthema von AmG.
[29] Unter sehr ähnlicher Umständen nennt sie auf AmG 221u den „Bertram (50) & die Erns (18) aus „der >Quisisana< vom Spielhagen“ (den gleichen Bezug erwähnt A&O auf AmG 225u).
[30] AmG 71o.
[31] Nicht zuletzt diesem Umstand (und der detailversessenen Ausarbreitung aller Einzelheiten) verdankt das Werk die äußerst hohe Wertschätzung, die es bei AS genoß. Auch ihm ließ er einen ausführlichen Dialog angedeihen (BA II, 1, 235ff: ‚Herrn Schnabels Spur‘). Die fortwährende Schreibweise ‚GOtt‘ (also mit den ersten beiden Buchstaben groß) in AmG geht wohl auf eine alte Ausgabe der Insel Felsenburg zurück, denn dort wurde das Wort ‚Gott‘ immer generell in Großbuchstaben gedruckt. Derart durchzieht also eine unterschwellige Reminiszenz an die Insel Felsenburg ganz AmG (genaugenommen das ganze Werk ASs nach 1956), was noch mal die Bedeutung dieses Werks unterstreicht. Hinzukommt noch, daß in A&Os Traum von der „Reise nach der Unendlichkeit“ (AmG 189m), das Ziel hinter „eine[r] Art >Insel Felsenburg<“ (ebd.) liegt. Dieses Werk markiert für A&O den letzten Schritt vor dem Eintritt ins Dichter Elysium!
[32] Vgl. GuL 73, wo AS diese Ehre zuteil wird.
[33] AmG 215m..
[34] Dieses Werk von AS stammt aus dem Jahre 1960 und spielt parallel in einer dörflichen Gegend und auf dem Mond in der Zukunft. Beiden Handlungssträngen ist je eine Spalte zugeordnet, die auch im Druckbild gegeneinander versetzt sind.
[35] Vergleicht man die hier von A&O angesprochene Autoren und Werke mit denjenigen, die Gegenstand der Dialoge und Essays von AS geworden sind, so ist die Deckung frappierend: praktisch jedem wurde diese Ehre zu teil.
[36] So verschwimmt des öfteren in AmG die Perspektive des Erzählers (als Stimme des Autors gesehen) und die von A&O.
[37] Der Name ihres (tatsächlich existierenden!) Geburtsortes in Luxemburg lautet nach AmG 18u, 107o (mit einmontiertem Ausschnitt aus dem betreffenden Meßtischblatt) und 109u ‚Garnich‘ und eröffnet dieselbe Ambivalenz zwischen real und fiktiv.
[38] In den Kapiteln 2.4 und 2.5 hatten wir schon die Verbindung zu Theroigne de Mericourt und der Französin im Lilienthal Projekt aufgezeigt. Über A&O liegen zudem schon die Verknüpfungen mit der Helena des Fauststoffs und der Prinzessin Mirzamanda aus der ‚Insel Felsenburg‘ vor.
[39] Joyce 1987b, S. 3.
[40] AmG 36u.
[41] BA II, 3, S. 231.
[42] AmG 72uli.
[43] Im folgenden findet eine Wiedergabe und Auseinandersetzung mit den Inhalten von Rathjen 1987 statt.
[44] Joyce 1968, S. 192.
[45] AmG 72o.
[46] AmG 160m.
[47] Rathjen 1987, S. 60.
[48] Hier zeigt sich durchaus eine Nähe zur Rolle der Alchemie im ‚Faust‘ als Ausdruck des Versuchs einer Synthese von Wissenschaft und Kunst.
[49] Amg 9m.
[50] Joyce 1968, S. 1.
[51] AmG 72mre.
[52] Joyce 1968, S. 9.
[53] Ebd. S. 11.
[54] AmG 183o.
[55] Joyce 1968, S. 11.
[56] AmG 9m.
[57] Joyce 1968, S. 215.
[58] Rathjen 1987, S. 74.
[59] Ebd. S. 77.
[60] Vgl. Kap. 2.5.1 dieser Arbeit und AmG 289o.
[61] AmG 276o.
[62] Ein Zitat aus eben diesem Werk ‚eröffnet‘ der ‚ersten Tag‘ in AmG, da es ihm auf dem Deckblatt vorangestellt ist. Es spielt auf Geschichten aus zweiter Hand an und ihre zunehmende Verfälschung der ursprünglich zu Grunde liegenden Begebenheit. Offensichtlich soll der Leser nicht alles im Fortgang erzählte für bare Münze nehmen, eher für Erzähltes aus zweiter Hand, also wenn man so will intertextuell Konstituiertes! Ironischerweise ist dieser Hinweis selbst, das, womit er sich beschäftigt, ein Zitat.
[63] Olmers formuliert einen ähnlichen Gedanken ebenfalls unter Angabe des Beispiels Don Quijote/Dulcinea auf AmG 85o: „Die schönstn Geliebtn sind Die, die de noch nie von Nahem gesehn ..hast“.
[64] Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) widmete AS eine umfangreiche Biographie (BA III, 1).
[65] Eine weitere Anspielung auf die Nähe AEs zur Figur der Undine findet sich auf Amg 121u, wo der Erz. beschreibt wie sie zusammen mit Martina die Insel im Badeteich betritt: „Weid’n wehen Zweifel, (mach’n aber schöne Vorhänge, >schön=undichte<, UNDI...).“
[66] Olmers tituliert A&O einmal als „Undinerich“ (AmG 120oli), nicht ohne direkt einen weiteres literarisches Bonmot mitzuliefern: „WeißDe übrijens, daß ‘ne OLIVE SCHREINER, 1928, ne >Undine< geschrieben hat?“ (ebd.). Auf AmG 61m macht sich A&O sorgen um eine ‚Undine‘, die, wie im Märchen, in einem Fischerhaus wohnt.
[67] Vgl. Kap. 2.1.2 dieser Arbeit.
[68] Tieck ist in AmG ein oft gesehener ‚Gast‘: Dem gesamten Werk steht ein Zitat von ihm vor (Gottlieb Färber ist ein Synonym von Tieck), das auf die Möglichkeit der Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins verweist und für AmG den Raum zwischen „poetische[r] Komposition“ und „Bambocciade“ (nach dem Niederländer Pieter van Laer (um 1595-1642), der als erster Genreszenen in Italien malte u. seiner Mißgestalt wegen den Namen "Bamboccio" (= Knirps) trug: genrehafte, derbkomische Darstellung des Volkslebens) eröffnet. Auch Tiecks Gattungsbezeichnung ‚Märchennovelle‘ für sein Werk ‚Der blonde Eckbert‘ (das im Lilienthalprojekt als eine der Lieblingslektüren der Französin vorgesehen war (vgl. Rauschenbach 1996, S. 42)) mag Spuren in der von AmG (‚Märchenposse‘) hinterlassen haben. Weitere Erwähnungen: AmG 17u (indirektes Zitat von Martina aus ‚Der Hexensabbath‘), 30o (Grete: „>> ...Gottt! - << (mit 3 >t<; wie in der TIECK=Ausgabe, >Zerbino<, x, 320)“), 148oli (A&O bringt den ‚Wassermensch‘ als Beispiel in eine politische Diskussion ein), und 164o (der Komet in der ‚Vogelscheuche‘ wird identifiziert), 257o (in ‚Pharos‘ gehört er zur Lieblingslektüre des Inseldespoten (interessanterweise fügte AS ihn für AmG der ursprünglichen Fassung hinzu (vgl. BA I, 4, S. 618))). Ludwig Tieck ist Gegenstand des Dialoges ‚Funfzehn‘ von AS (BA II, 2, S. 285ff).
[69] AmG 72oli. Die Angaben über den Inhalt stammen aus Kindlers Bd. 16, S. 582.
[70] AmG 73mli.
[71] AmG 82m.
[72] Genau diese Dichotomie spricht AE selbst gegenüber Martina auf AmG 109o an: „Die Liebe der Männer - (die der Frauen, zum Teil, auch schon) - iss in 2 Extreme zerfall’n: Phantastick, und Sinnlichkeit“.
[73] AmG 172o.
[74] Der historische Hintergrund wird in AmG durch ein fast zweiseitiges (mit seinem Kasten zwei Drittel der Seitenbreite einnehmendes) Zitat aus Herzogs Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 18 Bde. Leipzig 1877-1888 (aus der der größte Teil der Informationen zur Religionsgeschichte , die in AmG einmontiert sind, stammen (Vgl. HBP insgesamt, wo alle detailliert aufgelistet sind)) ausführlichst bereitgestellt.
[75] Darum bei der zweiten Verbindung Genoveva/AE nicht Haare sondern Hexenhaare?!
[76] Märchen Mythoshinweis?!
[77] Vgl. AmG 166u (Olmers stellt „Berruyer“ vor, der „die Bibel als ein angenehmes, modern=spannendes Lesebuch“ neuverfaßte, „mit den Mitteln des Romanschriftstellers), 168o (A&O erklärt einige Wunder der Bibel auf profane Weise) oder 187u (Martina und A&O diskutieren ein hebräisches Detail und seine Übersetzung in verschiedenen (alten, fremdsprachlichen) Bibelausgaben) und als ein weiteres Beispiel bibliophiler Detailversessenheit: M für Olmers zum ersten 110u („>Im PFAFF, VIII, S. 942 a : sind die beidn SpaltnTeile umzustell’n“ und zweiten 187u („PFAFF Band ii, sind die Setn 959 und 960 je zweimal gezählt“) (mit ‚Pfaff‘ ist „Das >PAFF’sche BibelWerk< ... so 1760 ... [den] LUTHER=Text; mit viel’n wunderlichen Anmerkungen [enthaltend]“ (AmG 105 u) gemeint).
[78] AmG 168m.
[79] Auf ihr Konto gehen mit 22 die meisten der Bibelverknüpfungen.
[80] AmG 175umi.
[81] Vgl. auch die Auswirkungen des Hintergrund der Heiligen Martina in Kap. 2.7.3 dieser Arbeit.
[82] AmG 248u.
[83] ZT 510mo. Zu der Schreibweise von Literatur mit zwei ‚t‘ vgl. Fußnote 86.
[84] AmG 73uli (eigener Kasten).
[85] AmG 89o (A&O entwirft „KleinSprossungen“= kleine Fortsetzungen und Ergänzungen zu einigen seiner Lieblingsbücher), 95o (Der Künstler ist Projektionsapparat (für das Unbewußte) mit (Etym-)Beispielen (vgl. auch Hackländer/Etymtheorie in Kap. 2.6.1 dieser Arbeit)), 211 (Martin (über Pharos mit AS verbunden) soll von A&O zum Schriftsteller ausgebildet werden und verkörpert so eine Wunschbiographie) und 230 (Die in wahrhafter Liebe verbundenen Paare werden in „Wortbernstein“ aufbewahrt (incl. Beispiele aus der Weltliteratur) (vgl. Storm/Erinnerungserhalt in Kap. 2.6.2 dieser Arbeit). Auch unter anderen Gesichtspunkten schon behandelte Stellen bekommen durch Anlegung dieser Perspektive eine entsprechende Zusatzebene: AmG 89 (‚Kleines‘ Schroeter LG - ist AmG ein riesengroßes LG mit AE?), wenn sie sie nicht schon aus sich selbst heraus entwickelt haben: AmG 289o (Hysterie, Text und Geschichte) oder der heilige Hintergrund von AE und Martina (AmG als Verherrlichung der beiden als moderne Heilige) (vgl. Kap. 2.7.3, 2.8 (Bibelverbindung von Martina gegenüber Grete) und 2.7.5.4 dieser Arbeit) oder AmG als neue Insel Felsenburg (vgl. Kap. 2.7.4.2. dieser Arbeit). Die ohne direkte intertextuelle Bezüge auskommenden selbstexplikativen Stellen in AmG können natürlich anderswo in AmG auch zum Sinnhintergrund für Kontakte zu anderen Texten werden. Hier wäre nur zu herauszuheben: AmG 87m („Romane sind Wunscherfüllungen“ und: es käme eine „Art von seltsamer, mährchenartiger Geschichte“ heraus, wenn man nachspürte aus welchen Kindheitserfahrungen man diese Wünsche zusammensetzt (vgl. die Wolkenreise von AE und A&O in Bild 52, die ihren Ausgang in einem kurz davor geäußerten Kindertagtraum von A&O hat (AmG 283o))), denn dann ufert es sehr schnell aus, weil praktisch jede Aussage über den Sinnhintergrund eines Elementes aus AmG zum Sinnhintergrund der Intertextualität dieses Elementes wird.