Artikel aus "Basket" issue 1/2002
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Man muss nicht blond und blauäugig sein ...
Sie sind jung und unbekümmert , sie sind verdammt gut und längst nicht am Ende ihrer Träume.
In BASKET reden die ALBA-Youngster und EM-Helden Marko Pesic (24) und Nino Garris (23) exklusiv über die Zukunft des deutschen Basketballs ….

BASKET : Habt ihr die Ereignisse bei der EM , als ihr völlig überraschend ins Halbfinale eingezogen seid und dort quasi in letzter Sekunde den Sieg verschenkt habt , schon verarbe
itet ?
Marko : An diesen Dreipunktewurf von Hidayet Turkoglu im Spiel gegen die Türkei der uns letztendlich die Finalteilnahme entrissen hat , denke ich jeden Tag . Davon kann ich mich schlecht frei machen . Was wir bei der EM jedoch gelernt haben , ist zu sagen :“Wir gehen in jedes Spiel um zu gewinnen , basta !“
Früher haben wir als Nationalmannschaft immer gedacht :“Oh Gott , jetzt spielen wir gegen Kroatien , Spanien oder Jugoslawien , hoffentlich verlieren wir nicht allzu hoch . Das Denken hat sich geändert ; andererseits weiß ich nicht , ob wir so eine Chance wie in der Türkei noch einmal bekommen werden und der Gedanke quält mich .
BASKET :Dennoch habt ihr den zuletzt träge schlummernden deutschen Basketball wach geküsst . Und dabei bewiesen , dass junge Spieler , deren Wurzeln zumeist in anderen Ländern liegen , etwas Großes für Deutschland leisten können . Schließlich ist die deutsche Nationalmannschaft so multikulturell wie keine andere ...
Nino : Das stimmt , und ich bin stolz drauf – schließlich bin ich Deutscher ! Die Leute müssen begreifen , dass man nicht blond und blauäugig sein muss , um Deutscher zu sein . Wenn ich Beispielsweise im Urlaub Leute kennen lerne und erzähle , dass ich Deutscher bin , sagen die meisten : „Nee , kann doch nicht sein“. Und wenn ich dann frage warum , antworten sie : weil du nicht wie ein Deutscher aussiehst .
Dieses Denken finde ich asozial . Durch unser positives Auftreten bei der EM konnten wir im Un- und Ausland zeigen , dass Deutschland in Wirklichkeit multikultureller ist , als viele denken .
Habt ihr in Deutschland schon mal Kontakt mit Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus gemacht ?
Nino :Schon in meiner Kindheit musste ich mir hier und da Beschimpfungen wegen meiner Hautfarbe anhören . Das ist wirklich nicht sehr prickelnd . Aber ich glaube , so etwas macht jeder mit , der irgendwie „anders“ ist .
BASKET : Spielt ihr gerne für Deutschland ?
Nino : Auf jeden Fall ! Deutschland ist mein Heimatland !
Marko : Ich würde sagen : Ich bin in meinem Herzen ein Jugoslawe , weil ich dort geboren bin und meine Eltern von dort stammen . Trotzdem spiele ich gerne für Deutschland , weil ich für meine deutschen Freunde spiele und für den deutschen Baskteball , mit dem ich groß geworden bin in Hagen und in Berlin . Ich bin stolz das deutsche Nationaltrikot tragen zu dürfen .
BASKET : Und was kann Deutschland im Jahr 2002 bei der WM in Indianapolis erreichen ?
Nino : Wir können eigentlich alle Gegner schlagen – vielleicht mal vom US-Team abgesehn .
Marko : Ich sehe da keineswegs schwarz . Vorallem in Berlin ist sehr großes Potential an jungen Spielern vorhanden , weil hier die Spieler optimal geschult werden . Talente gibt es überall , aber die Gefahr liegt darin , dass sie Basketball mit Streetball verwechseln. Man muss früh lernen , im Team zu spielen , um ein großer Basketballer zu werden .
Wir müssen einfach weiter an uns glauben , als Team auftreten und klug spielen . Vielleicht sollten wir dann in den entscheidenden Phasen noch smarter spielen als zuletzt bei der Europameisterschaft .
Marko : Wir sollten uns klare Ziele setzen und mit der richtigen Einstellung dorthin fahren . Ich denke , dann können wir zumindest das Viertelfinale erreichen .
BASKET : Die Mannschaft , die zur WM fährt , dürfte sich kaum vom EM-Team unterscheiden . Nur , was kommt in den Jahren danach ? Sind junge deutsche Spieler in Sicht , die irgendwann ins Nationalteam nachrücken könnten ? Vielleicht aus der Berliner Talentschmiede TuS Lichterfelde , die ihr ja selbst durchlaufen habt ?
Marko : Ich sehe da keineswegs schwarz . Vorallem in Berlin ist sehr großes Potential an jungen Spielern vorhanden , weil hier die Spieler optimal geschult werden . Talente gibt es überall , aber die Gefahr liegt darin , dass sie Basketball mit Streetball verwechseln. Man muss früh lernen , im Team zu spielen , um ein großer Basketballer zu werden .
Nino : Misan Nikagbatse zum Beispiel , der ebenfalls beim TuS Lichterfelde groß geworden ist und mittlerweile in Griechenland spielt , der wäre so einer …
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BASKET : Ist das Jugendprogramm in Berlin – schon in jungen Jahren mit den Profis von ALBA zu trainieren , Spielpraxis sammeln , mit dem Top-Zweitligateam TuS Lichterfelde – das Optimale für junge Spieler in Deutschland ?
Nino : Für mich war es auf jeden Fall das Beste . Ich hatte auch Angebote , in die USA ans College zu gehen , aber ich habe es nie bereut , die ALBA-Schule durchlaufen zu haben . Die Trainingsbedingungen sind top , hier kann man sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren , wird wie ein Profi behandelt . Aber auch in Würzburg beispielsweise gibt es ein hervorragendes Nachwuchskonzept . Immerhin waren mit Dirk Nowitzki , Robert Garret und Marvin Willoughby drei Würzburger bei der EM dabei .
Marko : Ich kann für mich sagen : Wenn ich nicht bei TuS Lichterfelde gespielt hätte , wäre ich jetzt auch nicht bei ALBA und auch nicht im Nationalteam . In Lichterfelde lernt man , dass Training die Nummer eins ist . Wenn man diese Botschaft begreift kommen die Siege bei den Spielen von allein .
> BASKET : Apropros Siege , ALBA war über Jahre quasi ohne nationale Konkurrenz , trotzdem hat das Team in Europa nie den ganz großen Wurf geschafft . Wie stark ist eigentlich die deutsche Eliteliga im Gegensatz zu den starken Ligen Südeuropas ?
Nino : Dieses Jahr hat sich die BBL echt gemausert . Wenn man etwa sieht , wie gut die Skyliners auf europäischer Ebene mitmischen , dann muss man sagen : Deutschland wird im internationalen Vergleich immer besser . Auch RhineEnergy Cologne ist für mich eine europäische Topmannschaft, wenngleich sie noch nicht in der Europaliga spielen .
BASKET : Profitiert die BBL auch vom Hype um euch deutsche Nationalspieler ?
Nino : Ja natürlich , man merkt , dass die Zuschauer noch mehr mitgehen , als zuletzt , dass sie viel mehr „into the game“ sind . Auch in Berlin auf der Straße , etwa auf dem Kudamm , merkt man , dass wir etwas bewegt haben . Wenn ich mal einkaufen gehe , dann kommen schon deutlich mehr Leute als früher , die um ein Autogramm bitten . Und das ist natürlich schön .
BASKET : Stimmt das Gerücht , dass die die neue BBL- Hymne rappen sollst ?
Nino : (grinst) …. Na ja , ich kenne zufällig , denjenigen , der auhc den aktuellen BBL-Song „You know the names“ produziert hat . Ausserdem mache ich ja schon lange Musik , das ist mein größtes Hobby neben dem Basketball . Ich würde gern etwa für die BBL machen . Aber es müsste ein Titel sein , zu dem ich stehen könnte . Ich würde nicht jeden Scheiß mitmachen „You know the names“ war schon ziemlich gut .
BASKET : Was sind eure persönlichen Ziele für die laufende Saison ?
Marko : Meine persönlichen Ziele sind immer verbunden mit ALBA und der Nationalmannschaft . Mit ALBA werden wir bald wieder dahin kommen , wo wir hingehören – an die Spitze ! Und mit dem Nationalteam müssen wir unbedingt die Qualifikationsrunde zur EM 2003 in Schweden meistern . Dort geht es ja auhc um die Qualifikation für Olympia 2004 in Athen .
Nino : Ich will mit ALBA wieder Meister werden , in der Europaliga und im Pokal öglichst6 weit kommen , mit der Nationalmannschaft die Quali schaffen .
BASKET : Könnt ihr jungen wilden eigentlich noch besser werden ?
Nino : Ja , in jeder Hinsicht . Man kann sich immer verbessern .
BASKET : Ist Dirk Nowitzki da ein Vorbild ?
Nino : Dirk ist natürlich unglaublich . Er ist eine Nummer für sich , nicht nur in Europa , sondern auch in der NBA . Ich bin stolz , dass ich mit ihm im Nationalteam spielen durfte . Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Spieler sondern auch ein super Typ – null arrogant , überhaupt nicht eingebildet . Ich kenne ihn schon seit der Jugendnationalmannschaft , wo wir auhc zusammengespielt haben . eigentlich hat er sich überhaupt nicht verändert , er ist immer derselbe geblieben .
Marko : Der Dirk hat in der Türkei auf dem Feld in kritischen Momenten meist die Verantwortung übernommen , war aber insbesondere außerhalb des Feldes einer von zwölf gleichberechtigten Spielern innerhalb einer homogenen Mannschaft . Und ich glaube , genau das wird auch weiterhin unser Erfolgrezept sein .
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© by Irena Krüger
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