Momo auf Reisen
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Pomorie 30.-31. Mai 2006

Tags darauf ist wieder einmal haushalten angesagt. Die Bedienung einer bulgarischen Waschmaschine bleibt uns ein Raetsel, am Schluss ist unsere Waesche sicher 2 mal gewaschen und 3 mal geschleudert. Waehrend die Waesche trocknet gehen wir zum Strand und geniessen das erste Bad im Schwarzen Meer (in Griechenland war das Meer bedeutend sauberer). Gegen 5 Uhr machen wir uns mit den Velos auf zum Staedtchen, wir benoetigen ja immer noch eine Strassenkarte, welche wir im Gegensatz zum Reise- und Sprachfuehrer auch finden. Spaeter essen wir in einer kleinen Beiz am Meer Haifisch und Fischspiess und lassen es uns richtig gut gehen. Um 1 Uhr treffen wir wieder auf dem Camping ein. Hier herrscht noch wildes Treiben (Maria die Mutter der 6 schwedischen Goofen wird 40 Jahre alt). Wir sind nur ein wenig ueberrascht, dass auch ein Polizist mitfeiert. Aha der ist nicht wegen Maria sondern wegen Momo hier. Ein Junge, wie uns der Campingwart beschreibt, hat die Fahrertuere aufgebrochen und konnte zum Glueck verjagt werden, bevor er etwas klauen konnte. Es fehlt nichts im Wagen und wir sind sehr erleichtert. Spaeter bemerken wir, dass er auch die Hecktuere oeffnen wollte, was ihm aber offensichtlich nicht gelungen ist (Das Schloss ist futsch aber noch verschlossen).

Heute wollen wir abreisen und muessen fuer den Versicherungsnachweis noch auf den Polizeiposten. Der Campingwart gibt uns einen Zettel mit, auf welchem er in Bulgarisch unser Anliegen beschreibt. Mit diesem Zettel kreuzen wir auf dem Posten auf. Nachdem der Zettel von 2 Polizisten gelesen wurde, werden wir eingelassen. Eine Bulgarin, welche ein wenig Franzoesisch spricht zeigt sich fuer uns zustaendig. Sie teilt uns mit, dass wir um halb 2 noch einmal vorbeikommen sollen, um die Papiere abzuholen. Also begeben wir uns an den Strand zu einem Apero. Als wir um halb 2 wieder auf dem Polizeiposten eintreffen, erklaert uns die freundliche Polizistin, dass Ihr noch ein wichtiger Stempel auf dem Dokument fehlt. Diesen Stempel muesse sie aber in Burgas holen. Also kommen wir um 6 Uhr Abend wieder vorbei, bezahlen die 6 Leva Bearbeitungsgebuehr und verduften dann in Richtung Varna.



Nessebar 01. Juni 2006

Am naechsten Morgen fahren wir nach Nessebar. Eine der aeltesten Siedlungen Europas und Unesco-Welterbe. In unseren Augen ein wohl ehemals huebsches Doerfchen, heute leider nur noch Touristenobjekt. Auch die Kueste ist hier total zugebaut, vom "Sunny-Beach" ist nicht viel zu sehen... Also halten wir uns nicht lange auf und fahren weiter nach Varna. Hier finden wir eine Fiat-Garage, wir muessen ja noch die Autoschloesser reparieren lassen. Der Capo ist sogar Italiener - juhee, endlich mal jemand, den wir verstehen! Nach drei Stunden Wartezeit ist das vordere Schloss geflickt und das hintere ersetzt, wir koennen sogar noch denselben Schluessel gebrauchen (und wollen gar nicht wissen wieso...), der Spass kostet 130 Leva, 110 fuers Schloss und 20 fuer die Arbeit (1 Leva = 75 Rappen) - den Versicherungsnachweis haetten wir uns wohl sparen koennen...

Auf der Suche nach einem Camping fahren wir die Kueste hoch Richtung Norden. Es ist kein schoener Anblick. Landschaftlich muss die Kueste mal sehr schoen gewesen sein, jetzt folgt ein Hotelkomplex auf den naechsten. Erst ganz im Norden, bei Kavarna, nahe der rumaenischen Grenze, wo die Kueste felsig ist, hat der Massentourismus noch keinen Einzug gefunden. Hier stossen wir auch endlich auf einen Camping. Es ist schon spaet und wir essen gleich im Restaurant auf dem Camping (16 Leva fuer eine Flasche Wein, 2 mal Fisch und einen Schopskasalat). Als wir zum Auto zurueck kommen, sind unsere Nachbarn eingetroffen, ein englisches Ehepaar. Paul und Christine erzaehlen uns, dass sie in Bulgarien ein Haus kaufen wollen und hier in Rente gehen wollen. Sie laden uns zu einem Drink ein und beruhigen uns bezueglich Sicherheit (wir sind etwas traumatisiert).



Kavarna 02. - 03. Juni 2006

Am 02. Juni fahren wir nach dem Fruehstueck mit den Velos der Kueste entlang. Die Natur ist hier wunderschoen. Es gibt steile Felswaende kleine Buchten und im Hinterland saftige Wiesen und viel Wald. In einer kleinen Bucht machen wir es uns gemuetlich. Abends, als wir gerade beim Essen sind, faengt es an zu regnen - nein zu schuetten! So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen (Ihr hingegen schon, hihihi). Den Absacker geniessen wir mit offener Heckklappe hinten auf dem Bett und schauen dem Gewitter zu.



Varna 03.-05. Juni 2006

Das Pfingstwochenende moechten wir in Varna verbringen, der drittgroessten Stadt Bulgariens und Metropole der Schwarzmeerkueste. Da es in Bulgarien bisher sehr schwierig war, Campingplaetze zu finden, suchen wir uns ein Hotel. Im Plaza *** und mitten in der Fussgaengerzone (Momo uebernachtet im bewachten Parking gegenueber) lassen wir uns nieder. Das Zimmer ist gross und sauber, wir haben sogar deutsches Fernsehen (RTL, Sat1)! Trotz Fernseher raffen wir uns zu einer Stadtbesichtigung auf. Varna ist nicht sehr gross (ca. 100'000 Einwohner), aber das ganze Stadtzentrum ist Fussgaengerzone (Bern kann sich da ein Beispiel nehmen...) und am Meer gibt es einen grossen Park mit allerlei Sport- und Freizeitanlagen - wir staunen. Wir trennen uns zu indivduellen Shoppingtouren - Sime Kleider, Maersu Reisefuehrer. Nach einer Stunde treffen wir uns reichbeladen wieder - Maersu mit Reisefuehrer, Sprachfuehrer und Woerterbuch, Sime mit Panini-Bildern und Woerterbuch - naja, lieber zwei Dicionnaires als gar keinen... Nach dem Abendessen stuerzen wir uns ins Varnaer Nachtleben - an der Strandpromenade reihen sich Discos und Bars aneinander. Endlich ist wieder mal was los und erst noch in ueberschaubarem Rahmen.

Den Samstag verbringen wir in Folge der Nachtschwaermerei hauptsaechlich im Hotelzimmer (deutsches Fernsehen - Verliebt in Berlin...). Erst gegen Abend machen wir uns auf zu einem Spaziergang durch den Park und anschliessendem Essen am Strand.

Am Sonntag geniessen wir nochmals das reichhaltige Fruehstuecksbuffet - (Schoggi-)Gipfeli, Banitza (eine Art Kaesekuchen), Schinken, Kaese, Fruechte etc. Sogar einen Latte macchiato koennen wir uns zusammen mischen - mmmh. Das Hotelzimmer kosten wir bis Schlag 12 Uhr aus, dann machen wir noch einen Abstecher ins Internetcafe und schliesslich holen wir Momo ab und fahren los in Richtung Veliko Tarnovo. Leider kommen wir nicht weit. Nach ca. 30km hat Momo wieder einen Schwaecheanfall, auch 10 Liter Benzin tanken helfen nicht weiter. Schliesslich entscheiden wir wieder mal bei Mobi 24 anzurufen. Die Hilfe folgt prompt, innerhalb einer Stunde ist der Abschleppwagen da und der Mechaniker kann sogar ein wenig Deutsch. Er faehrt uns nach Novi Pasar (liegt in unserer Fahrtrichtung), wo er eine Garage hat. Dort kriegt Momo eine Magenspuelung, alles Benzin wird aus ihm herausgepumpt (und wir hatten gerade vollgetankt...) und der Benzinfilter wird ersetzt (total verstopft vom schlechten Benzin). In der Zwischenzeit machen wir Bekanntschaft mit einem Deutschen aus Saarbruecken und seiner bulgarischen Frau. Sie wohnen seit einem Jahr in Bulgarien und haben eine eigene Elektrofirma. Von ihnen erhalten wir nuetzliche Tips und Informationen. Wir wissen nun, dass ausschliesslich bei den Tankstellen OMV, Lukoil und Petrol (die beiden letzten gehoeren einem Kommunisten) getankt werden soll/darf. Weiterhin erklaeren sie uns, dass man in Bulgarien sein Auto am Besten direkt bei der Mafia versichert, so wird es garantiert nicht geklaut solange man die Rechnungen puenktlich bezahlt. Nachdem wir 100 Euro fuer die Reparatur bezahlt haben (elender Abzocker!) uebernachten wir vor der Villa des deutsch-bulgarischen Ehepaars in einem nahegelegenen Dorf.



Bjala 06.-07. Juni 2006

Die Fahrt fuehrt uns weiter ins Landesinnere, nach Bjala. Die Landschaft ist wunderschoen, huegelig mit vielen Waeldern. Auf dem Internet haben wir einen Camping in Bjala ausfindig gemacht, auf der Strassenkarte sind zwei verzeichnet. Leider wissen sie in Bjala noch nichts davon... Wir fuellen also erstmal unsere Vorraete wieder auf. In Bulgarien gibt es fast ausschliesslich Thekenlaeden, sehr nachteilig fuer arme Touristen, die kein Bulgarisch sprechen. Wir erklaeren der Verkaeuferin mit Haenden und Fuessen unsere Anliegen, von Abwaschmittel ueber WC-Papier bis Milch - filmreife Szenen! Schliesslich haben wir fast alles, nur die Holzkohle fehlt noch. Sime marschiert also in einen Autoladen und deutet im Woerterbuch wild auf das Wort "Holzkohle", worauf der Verkaeufer sie verstaendnislos ansieht... Gluecklicherweise befindet sich ein in Paris wohnhafter Bulgare im Geschaeft, der unsere Notlage bestens nachvollziehen kann und uns zum geeigneten Laden bringt. Wir nutzen die Gelegenheit und organisieren mit seiner Hilfe auch noch Tesa-Strips und eine neue Strassenvignette (haetten wir sonst im Leben nicht gefunden). Leider hat sich unser Problem, wo wir schlafen koennen, noch nicht geloest. Wir fahren ein Stueck in den nahe gelegenen Wald hinein, bis wir auf ein Restaurant stossen. Erstmal Tee trinken, haben wir von den Tuerken gelernt. Als wir den Besitzer gerade fragen wollen, ob wir auf seinem Parkplatz uebernachten duerfen, kommt uns wieder ein deutsch-bulgarisches Ehepaar zu Hilfe - Schwein muss man haben...



Batscho Kiro, Drianova 07.-10. Juni 2006

In Batscho Kiro finden wir tatsaechlich den im Internet angegebenen Campingplatz, mitten im Wald- und Berggebiet an einem kleinen Fluss gelegen. Der Camping ist leider asphaltiert, aber wir schlagen unser Zelt (Wetter ist regnerisch) frech vor einem Bungalow auf. Den Nachmittag verbringen wir aufgrund des Wetters mit "Harry Potter and the Goblet of Fire" (Schwarzmarkt, Athen). Abends bruzzeln wir ganz traditionell bulgarisch Kuefte und Kebatsche auf dem Grill.

Am folgenden Morgen fahren wir mit den Velos die 5km nach Drianovo zum Einkaufen und Telefonieren. Einkaufen wie gehabt im Thekenladen (wir kriegen langsam Uebung). Das Telefonieren gestaltet sich eher schwierig, die gekaufte Telefonkarte funktioniert nur bei blauen Apparaten (und bis wir das heraus gefunden hatten...), die hier sind aber alle orange. Auf dem Rueckweg beginnt es zu regnen, wir finden das ist eine gute Gelegenheit, um die Grotte "Batscho Kiro" zu besichtigen. Schoen: Stalagmiten, Stalaktiten... Gleich daneben befindet sich ein kleines Kloster, wo sich 1876 220 Bulgaren verschanzten, die von einem irregulaeren tuerkischen Heer angegriffen wurden. Nach neun Tagen siegten die Tuerken und alle Bulgaren bis auf den Anfuehrer "Batscho Kiro" kamen um. Dieser wurde vor Gericht gestellt und gehaengt, als er standhaft blieb. Die Geschichte gilt als Beispiel fuer Bulgaren, die sich fuer ihre Rechte und ihr Vaterland einsetzten.

Am 09. Juni machen wir eine Wanderung und kraxeln die Felsen entlang des Baches hoch. Belohnt werden wir mit einer faszinierenden Aussicht ueber das Tal. Aber Achtung: Wanderwege sind hier so eine Sache. Sie koennen urploetzlich aufhoeren, im Gestruepp verenden oder aber ueber einen Abhang hinausfuehren... Heil wieder auf dem Camping angelangt, pflegt Maersu eine Unterhaltung mit dem benachbarten Hollaender, der uns nuetzliche Hinweise fuer die Weiterfahrt nach Rumaenien gibt. Nun satteln wir unsere Drahtesel und machen uns auf die Suche nach einem Fernseher, schliesslich ist heute WM-Beginn und das wollen wir uns nicht entgehen lassen! Schade nur, dass Deutschland gewinnt...



Veliko Tarnovo 10. Juni 2006

Veliko Tarnovo ist die fruehere Hauptstadt Bulgariens. Im 13. und 14. Jh. als Bulgarien neben Byzanz eine fuehrende Kraft in Europa war, war die Stadt ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. 1393 wurde Veliko Tarnovo nach dreimonatiger Belagerung dem Erdboden gleich gemacht und fiel unter tuerkische Herrschaft. Waehrend der ganzen Zeit der tuerkischen Herrschaft war die ehemalige Hauptstadt ein Unruheherd und Ausgangspunkt diverser Aufstaende. Der Freiheitskaempfer Bacho Kiro wurde nach dem Aprilaufstand 1876 hier hingerichtet. Am 07. Juli 1877 wurde die Stadt von der tuerkischen Herrschaft befreit. In den folgenden Jahren wurde hier die erste bulgarische Verfassung ausgearbeitet und das erste Parlament fand sich hier zusammen um das Staatsoberhaupt zu waehlen. Obwohl nach der Befreiung Sofia zur Hauptstadt ernannt wurde, ist Veliko Tarnovo bis heute ein Ort des bulgarischen Nationalgeistes.

Veliko Tarnovo ist auf drei Huegeln erbaut. Der Fluss Jantra schlaengelt sich durch die Stadt (fast wie die Aare in Bern). Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Huegel Sveta Gora, wo sich einst das fruehere kulturelle und geistige Zentrum der Stadt befand. Heute nennt sich dies die Altstadt. Es gibt Projekte (teilweise auch von der Schweiz finanziert), welche diesen Stadtteil wieder auf Vordermann bringen wollen. Viele kleine Gaesschen und alte Kirchen, welche teilweise von aussen gar nicht als solche zu erkennen sind, befinden sich hier und dieser Stadtteil ist mit den malerischen Hauesern schoen zum Besichtigen. Unser Weg fuehrt uns vorbei am Trapesizahuegel, einst der Sitz vieler Adliger und hoher Geistlicher, zum Zarevezhuegel. Hier befand sich frueher die Zarenresidenz und der Sitz des Patriarchen. Wir besichtigen die teilweise restaurierte Festung in deren Mitte sich die Himmelfahrtskirche erhebt. Von hier hat man auch eine wunderschoene  Aussicht ueber die Stadt und das umliegende Land. Gegen drei Uhr nachmittags fahren wir weiter Richtung Plovdiv. Auf diesem Weg muessen wir den legendaeren Schipkapass im Balkangebirge ueberqueren. Also tanken wir Momo mit Super 100 bei der OMV-Tankstelle, damit er auch genuegend Kraft fuer diesen 1326 Meter hohen Pass besitzt. Problemlos fuehrt Sime uns auf diesen Pass und die Magenspuehlung von Momo scheint wirklich erfolgreich gewesen zu sein. Dieser Pass war im Befreiungskrieg gegen die Tuerken ein wichtiger Standort. Maersu bezwingt die 1016 Stufen hoch zum Freiheitsdenkmal trotz stroemenden Regens, von wo aus man einen einmaligen Rundblick ueber das bulgarische Land geniessen koennte, wenn die Witterung nicht so schlecht waere. Von nun an gehts nur noch bergab, wenn auch auf schlechten zum Teil sehr schlechten Strassen, bis nach Kasanlak. Da wir hier kein Restaurant mit TV finden, wo wir die WM-Spiele verfolgen koennen, fahren wir noch ein Stueck weiter in ein kleines Kaff. Vor der Bar parken wir Momo und verfolgen das Spiel Schweden-Trinidad. Nach dem Essen in einer kleinen Tankstellenbeiz fahren wir fuer das Spiel Argentinien-Elfenbeinkueste zurueck in die Bar. Es scheint uns, dass diese Bar der Treffpunkt in diesem kleinen Dorf ist. Der Capo ist sehr freundlich, und auch wenn er kein Wort in einer Fremdsprache (ausser Russisch) spricht, koennen wir mit ihm ueber Fussball sprechen (Wie heisst es doch Sport verbindet Voelker). Wir erhalten Pommesfrites und nach Spielende auch noch ein Bier von einem sehr betrunkenen alten Mann offeriert, welcher behauptet slowenisch und italienisch zu sprechen. Wir verstehen Bahnhof, aber es war lustig. Zum Schlafen fahren wir zum nahegelegenen Wald und stellen uns an den Strassenrand.


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Plovdiv 11.-14. Juni 2006

Dank der Beschreibung des Hollaenders vom Camping in Bacho Kiro (alte Strasse nach Sofia und immer Richtung Technomarkt) finden wir sogar den Campingplatz. Dieser ist wieder mal ueberhaupt nicht ausgeschildert, dafuer ist besagter Technomarkt gluecklicherweise schon Eingans Plovdiv angeschrieben. Wir fahren mit dem Bus ins Zentrum, der Chauffeur macht uns netterweise darauf aufmerksam, wo wir aussteigen muessen, dort geniessen wir eine Pizza und schauen Fussball. Hier in der Stadt gibt es fast in jedem Lokal einen TV, viele Restaurants haben sogar draussen auf der Strasse Fernseher installiert. Zurueck gehts mit dem Taxi, das hier praktisch nichts kostet.

 

Am naechsten Morgen besichtigen wir die Altstadt von Plovdiv. Die Stadt wurde auf sechs Sienithuegeln (Tepeta) erbaut, die Altstadt umfasst die drei oestlichen Huegel. Plovdiv ist eine sehr geschichtstraechtige Stadt, da es auf dem Kreuzweg von West- und Mitteleuropa in den Nahen Osten, vom Baltikum zum Mittelmeerraum und vom Schwarzen Meer an die Adria liegt. Zur Zeit der Befreiung von den Tuerken (1878) war Plovdiv die groesste Stadt Bulgariens. Heute zaehlt die Stadt 350'000 Einwohner und ist nach Sofia die zweitgroesste Stadt Bulgariens. Unser Weg fuehrt uns durch enge Gassen mit malerischen Holzhaeusern und immer wieder Kirchen hoch zum Amphitheater. (Ein Israelischer Reisefuehrer erklaert uns, dass ein Amphitheater rund ist, weil dort frueher Kaempfe stattfanden, dies sei jedoch ein antikes roemisches Theater wo effektiv Theater gespielt wurden.) Von diesem Ort geniessen wir eine schoene Aussicht ueber die ganze Stadt und die drei Huegel. Der Sachat Tepe (Danovija Huegel) im Stadtzentrum, der Bunardshika (Denkmal des russischen Soldaten) und der Dshendem Tepe (Huegel der Jugend). In dem Buch "Engelszungen" welches wir beide gelesen haben, und das hauptsaechlich in Plovdiv spielt, werden diese Huegel und auch das Amphitheater erwaehnt. Das Buch handelt in der kommunistischen Zeit und wir versuchen uns vorzustellen, wie zu dieser Zeit das Leben hier wohl war.

Von dem Amphitheater gehen wir wieder ins Stadtzentrum, wo wir wie auch in Varna bereits wieder eine grosse Fussgaengerzone vorfinden. Die Haueser im Zentrum wie auch in der Altstadt sind groesstenteils restauriert worden. Was fuer Bulgarien, wo es vermutlich immer noch an Geld mangelt, nicht selbstverstaendlich ist.

Den naechsten Tag beginnen wir mit einem Einkaufsbummel. In Bulgarien sind auch Markenkleider (natuerlich gefaelscht) bedeutend billiger als in der Schweiz, shoppen lohnt sich also. In den Musikgeschaeften werden neben CDs und DVDs nach wie vor Kassetten (mit aktueller Musik) verkauft. Ein Verkaeufer gesteht uns sogar, dass er von iPods zwar gehoert, so etwas jedoch noch nie gesehen hat. Aufgrund des regnerischen Wetters verbringen wir den Nachmittag im Internetcafe und beim Fussball schauen. Um sieben Uhr (Ortszeit) ist es soweit: Schweiz-Frankreich! Mit einem WM-Punkt (0:0) fahren wir nach Hause auf den Camping. Auf der Rueckfahrt muessen wir feststellen, dass die Taxitarife sehr variabel sind. Es empfiehlt sich, darauf zu achten, dass der Taxameter eingeschaltet ist...


Kostenez 14. Juni 2006

Etwa 80km westlich von Plovdiv liegt Kostenez, das Dorf in dem Simes Grossvater aufgewachsen ist. Auf der Strassenkarte sind leider drei Ortschaften "Kostenez" eingezeichnet - Stadt, Dorf und Kurort. Wir fahren ins Dorf, was sich als falsch erweist, da sich das ehemalige Dorf mittlerweile zur Kleinstadt entwickelt hat. Ein netter Mensch fuehrt uns zur Papierfabrik in Kostenez Grad (Stadt). Simes Urgrossonkel war vor vielen Jahren Direktor dieser Fabrik. Nach einer kurzen Diskussion am Eingang empfaengt uns eine Englisch sprechende Frau, die uns durch die Fabrik fuehrt. Wir erfahren, dass die Fabrik 1902 gegruendet wurde und somit die aelteste in Bulgarien ist. Das ehemalige Wohnhaus ist heute medizinische Station der Fabrik. Auch das Gewaechshaus - der ganze Stolz des Direktors - wird uns gezeigt und Sime erhaelt sogar einen Blumenstrauss vom Gaertner. Nun werden wir in den alten Teil der Fabrik gefuehrt. Die grosse Papiermaschine, die hier noch in Betrieb ist, stammt noch aus der Zeit von Simes Urgrossonkel. In einem Raum ist sogar noch die alte Sulzermaschine von 1931 ausgestellt, welche einst die Energie fuer die Fabrik und fuer den ganzen Ort produzierte. Unsere Fuehrerin erzaehlt uns, dass hier frueher sogar Kinofilme gezeigt wurden, was Sime aufgrund von Grossvaters Erzaehlungen sehr bekannt vorkommt.  Wir erfahren noch, dass die Fabrik demnaechst eine hochmoderne Maschine anschaffen wird, wodurch die Produktion gesteigert werden kann, dann bedanken wir uns und fahren ans andere Ende der Ortschaft zur ehemaligen Zuendholzfabrik. In dieser Fabrik ist Simes Grossvater aufgewachsen, ihr Urgrossvater war der Direktor. Leider sind nur noch Ruinen zu sehen. Der Schornstein steht noch und ein Gebaeude, von dem wir vermuten, dass es damals das Wohnhaus gewesen sein muss.

Voller Eindruecke fahren wir weiter. Es geht wieder einmal bergauf und Momo ist gefordert. Ohne Probleme erreichen wir Borovez (1300 m.ue.M), den bekanntesten Skiort Bulgariens. Laut Internet sollte sich hier ein Camping befinden was sich als Bungalowssiedlung herausstellt. Des kalten, regnerischen Wetters wegen ziehen wir einen Bungalow mit Sauna einem Uebernachten auf dem Parkplatz vor.


Borovez 15. Juni 2006
Dem schlechten Wetter zum Trotz beschliessen wir mit den Velos die Landschaft zu erkunden. Auf die steile Bergfahrt mit den Velos folgt eine noch steilere Wandertour in der Falllinie der Sesselbahn, bis wir einsehen, dass es hier kein Weiterkommen gibt. Es ist wirklich sehr kalt und auf dem Rueckweg beginnt es in Stroemen zu regnen. Da sind wir doch froh, dass wir ein kleines Berghaus mit Sauna haben! Wir erhitzen uns in der Sauna und essen dann gemuetlich zu Abend. Gerne wuerden wir hier im Winter einmal Ferien machen, um auch das Skigebiet kennenzulernen. Uebrigens kandidiert Sofia fuer die Winterolympiade 2014, wie wir Plakaten entnehmen koennen. Borovez waere dann sicher Durchfuehrungsort diverser Wettkaempfe.


Sofia 16. - 17 Juni 2006
Am Morgen des 16 Juni verlassen wir Borovez Richtung Sofia. In Sofia haben wir kein Glueck mit der Suche nach einem Camping und da wir eh nicht viel Zeit in Sofia verbringen wollen beschliessen wir in einem Hotel im Zentrum zu uebernachten. Sofia ist betreffend Strassenbeschilderung eine Katastrophe also nehmen wir einen Securitas mit an Bord, welcher uns durch Fahrverbote und Einbahnstrassen zu einem kleinen netten Hotel fuehrt. Im Hotel angekommen deponieren wir unsere Sachen und gehen auf Sightseeingtour. Auf unserem Spaziergang durch die Stadt kommen wir an drei wichtigen Kirchen vorbei. Sveta Nedelia, die Attentatskirche, in der 1925 von den Kommunisten ein Attentat auf Koenig Boris veruebt wurde, bei dem viele Menschen, nicht aber der Koenig, ums Leben kamen. Als Naechstes kommen wir zur Sofienkirche, der die Stadt ihren Namen verdankt. Im 6 Jh. wurde diese Kirche erbaut. Ende des 16 Jh. wurde sie fuer kurze Zeit als Moschee gebraucht, bis bei einem Erdbeben ein wichtiger tuerkischer Staatsangehoeriger ums Leben kam, was die Tuerken als schlechtes Omen betrachteten und von da an die Kirche mieden. Als letztes kommen wir zur Alexander Nevski Kathedrale. Es ist die Hauptpatriarchenkirche der bulgarischen Orthodoxie. Sie wurde 1912 fertiggestellt und ist 3071 Quadratmeter gross, was fuer Orthodoxe Kirchen eigentlich nicht typisch ist. Orthodoxe Christen suchen die koerperliche Naehe zu allem was heilig ist, darum sind die Kirchen eher klein, so dass die Glaeubigen die Heiligenbilder an den Waenden beruehren koennen. Vorbei an den Regierungsgebaueden gelangen wir ins Stadtzentrum zum Vitoscha (Haupteinkaufstrasse). Hier in der Nahe finden wir auch das Haus in dem Grischo, der Cousin von Simes Grossvater, gewohnt hat. Zum Apero gehen wir in den Park vor dem Kulturpalast wo wir bei einem Bierchen die Leute beobachten. Die Parks in den Staedten sind immer aehnlich, hier finden sich alle Altersgruppen, Muetter mit kleinen Kindern, Jugendliche mit Skateboards und Velos, alte Leute am diskutieren - daher sind uns die Parks auch immer lieb und vertraut - Plaetze an denen man das Leben beobachten kann und wo wir uns immer gerne aufhalten.


Bulgarien - Serbien - Rumaenien 17. Juni 2006

Das Fruehstueck (ist inbegriffen) am folgenden Morgen relativiert unser Bild vom gemuetlichen Hotel. Erst ist die Butter aus, dann das Brot, es gibt Nescafe und auch der ist bei der zweiten Tasse aus... Auch Kreditkarten werden nicht akzeptiert und so muss Sime noch zum Bankomat - wenigstens hat es unterwegs einen Dunkin Donuts, wo es einen halbwegs anstaendigen Kaffee gibt. Endlich ist die Rechnung beglichen und wir fahren Richtung Vidin - oder versuchen es zumindest. Wir verbringen eine geschlagene Stunde damit, die Strasse nach Vidin zu suchen, da Strassenschilder eigentlich nur mit der  Aufschrift "Center" existieren (und die zeigen immer in eine andere Richtung). Wir ueberqueren die Grenze nicht in Vidin, sondern fahren auf Anraten des Hollaenders von Bacho Kiro (dieser Mann war wirklich sehr hilfreich) nach Bregovo zur bulgarisch-serbischen Grenze. In Vidin muessten wir mit einer Faehre ueber die Donau nach Rumaenien uebersetzen und die Faehren sind anscheinend sehr teuer.

In Bregovo wollen uns die Bulgaren fast nicht mehr aus ihrem schoenen Land lassen. Der Zoellner fragt uns immer wieder, "have you drugs" und obwohl wir ueberzeugt verneinen, scheint er uns nicht zu glauben. Er inspiziert das Auto von allen Seiten, will sogar Reserverad und Wassertank abmontieren, aber Maersu kann ihn ueberzeugen, dass dies keine gute Idee ist. Als er das Auto auch von unten gesehen hat, laesst er uns endlich - fast ein bisschen enttaeuscht - ziehen. Die Einreise nach Serbien gestaltet sich einfacher. Auf eine Frage des Zoellners (serbisch, haben kein Wort verstanden) sagt Sime, "Tourist", worauf wir sofort weiterfahren duerfen. Die Strecke in Serbien betraegt 80km, wir halten nicht an, da wir keine Dinar (serbische Waehrung) haben. Kurz vor der Grenze werden wir von serbischen Polizisten aber doch noch zum Anhalten gezwungen. 16 km/h zu schnell, 3000 Dinar (35 Euro, an der Tankstelle gewechselt).

Die serbisch-rumaenische Grenze befindet sich auf einem Staudamm (sehr speziell). Die Serben lassen uns ohne Kommentar ausreisen. Die Rumaenen wollen nichts von Drogen wissen, dafuer fragen sie nach Waffen. Sime verkneift sich die Bemerkung, ob das Schweizer Taschenmesser auch eine Waffe sei und so kommen wir ohne weitere Komplikationen nach Rumaenien. Wieder auf Anraten des Hollaenders erstehen wir gleich nach der Grenze eine Strassenvignette. 21 Euro - wofuer werden wir uns spaeter noch oft fragen... Der hilfsbereite Hollaender hat uns auch einen Camping gleich nach der Grenze empfohlen, diesen koennen wir aber leider nicht finden. Unterwegs machen wir Halt bei einem Bankomaten, wir haben ja noch keine rumaenischen Lei. Im Reisefuehrer steht, 1 Euro = 36'000 Lei, am Bankomaten gibt es maximal 2000 Lei. Druecken enter und halten ploetzlich 20'000'000 in den Haenden. Da wir beide ziemlich muede sind, machen wir ein riesen Gschtuerm (Maersu rechnet statt Lei Dinar...) bis wir keine Ahnung mehr haben, wie viel Geld wir da eigentlich haben. Nichtsdestotrotz suchen wir weiter nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit. Ein netter Rumaene weist uns den Weg, bei dieser Gelegenheit stellen wir fest, dass man sich mit Rumaenen einigermassen auf Italienisch und Franzoesisch verstaendigen kann. Der angegebene Camping ist zwar ein Restaurant, aber wir duerfen auf dem Parkplatz uebernachten. Von der Speisekarte verstehen wir Bahnhof, dafuer kann die Kellnerin unser Geldproblem loesen: 2005 gab es in Rumaenien eine Waehrungsreform, bei der vier Nullen gestrichen wurden. Am Bankomat war die neue Waehrung angegeben, aber es sind alte Noten herausgekommen; der Wechselkurs im Reisefuehrer ist in der alten Waehrung angegeben. Zur Zeit sind beide Waehrungen im Umlauf - unglaublich kompliziert, die spinnen die Rumaenen...




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