An den Anfang dieser Arbeit stelle ich einen Auszug aus der Predigt, die Bischof AUFDERBECK anlaesslich des Requiems fuer Ludwig WULF in Erfurt[1] am 28.10.1977 hielt: "Prof. BARTMANN, Bischof WESKAMM, P. KENTENICH, P. REINISCH und seine Schwester Maria haben sein Leben gepraegt. Eine sehr unterschiedliche Gesellschaft. Wenn man die Genannten ohne ihn an einen Tisch gesetzt haette, wuerden sie kaum miteinander ins Gespraech gekommen sein. Bei ihm aber waren sie alle in seinem Herzen vereint."[2]. Diese Aussage fuehrt die Eigentuemlichkeit des historischen Phaenomens Ludwig WULF vor Augen. Seine Gestalt verschwindet zunaechst hinter anderen Personen. Er hatte zu vielen Menschen Kontakt und viele Menschen, besonders Priester, suchten den Kontakt zu ihm. In eben diesen wird auf einen zweiten Blick die Groesse Ludwig WULFs sichtbar, weil auch er in ihnen tiefe Praegungen hinterliess.
Ludwig WULF genoss das besondere Vertrauen von Hugo AUFDERBECK, dem spaeteren Bischof der Apostolischen Administratur Erfurt-Meiningen, und die besondere Aufmerksamkeit von Wilhelm WESKAMM, dem spaeteren Bischof in Magdeburg und Berlin. Auf die Kontakte zu beiden Persoenlichkeiten werde ich unter Punkt (2.3) naeher eingehen. Nach dem Zeugnis Hugo AUFDERBECKs waehlten viele Priester Ludwig WULF als Beichtvater. Diesen Bereich seines Wirkens fuehre ich in Punkt (2.4) naeher aus. Eine heute noch greifbare Praegung hinterliess Ludwig WULF unter den Schoenstattpriestern auf dem Gebiet der SBZ/DDR. Aus ihren Reihen habe ich die signifikantesten Quellen fuer die Biographie und das Wirken Ludwig WULFs eruieren koennen. Schliesslich praegte Ludwig WULF als Garant des REINISCH-Gedaechtnisses in Kirchmoeser bei Brandenburg mittelbar auch eine originelle Konstante im Leben der Schoenstatt-Mannesjugend auf dem Gebiet der DDR, die sogenannte "REINISCH-Vigil". Bis heute praegt sie das Leben der maennlichen Schoenstatt-Jugend in den Neuen Bundeslaendern. Sie ist heute Ort der Erinnerung an Ludwig WULF. Auf die "REINISCH-Vigil" werde ich in Punkt (2.2) ausfuehrlich eingehen.
Fragt man nach der Praegekraft Ludwig WULFs, so wird auf seine besondere Persoenlichkeitsstruktur (siehe Punkte 1.2.2 und 2.4) und auf die Foerderung und Begleitung seiner Person durch Pater KENTENICH einzugehen sein (siehe Punkt 2.1.).
Im ersten Teil der Arbeit verankere ich an Hand eines biographischen Abrisses die Person Ludwig WULFs in seiner Zeit. Als Priester in der Mitteldeutschen Diaspora wirkte er unter dem Einfluss dreier verschiedener Staatsformen; der Weimarer Republik, der nationalsozialistischen Herrschaft und dem Sozialistischen Staat. Ich gehe in diesem Zusammenhang auf den Wandel der Diasporaseelsorge in Mitteldeutschland im 20. Jahrhundert ein. Ludwig WULF ist im Verlauf seines Lebens auch in einen Aufbruch innerhalb der katholischen Kirche gestellt, der nach dem Ersten Weltkrieg Leben, Bekenntnis und Froemmigkeit vieler Laien und Priester in Deutschland zu praegen begann - die Impulse Pater KENTENICHs und die daraus resultierende Schoenstattbewegung.
Im zweiten Teil gehe ich auf fuer Ludwig WULF markante und fuer die Erforschung des kirchlichen Lebens in Deutschland des 20. Jahrhundert interessante Aspekte seines Lebens und Wirkens ein.
1 Abriss einer Biographie Ludwig WULFs
1.1 Kindheit und Jugend in Oberkirchen - Sauerland (1900-1915)
Ludwig WULF wird am 01.08.1900 in Oberkirchen im Sauerland geboren. Bei seiner Geburt lebten schon zwei Toechter des Ehepaares August WULF[3][4] und Elisabeth SCHAUERTE[5], Elisabeth *1873 und Maria *1898. Die Mutter uebte den Beruf der Hebamme aus[6], der Vater betaetigte sich neben der Landwirtschaft und der Fuehrung des Hauses als Wagener und Trichinenbeschauer. Auf dem Koess-Gut[7]lasteten bis in das 20. Jahrhundert hinein schwere Schulden[8]. Das ist der Grund fuer die Ausuebung eines Handwerks neben der Landwirtschaft durch Vater und Mutter[9]. Gerade dem Gewerbe der Mutter war es zu verdanken, dass das Koess-Gut nicht unterging[10].
1934 uebergab Ludwig WULF seinem Schwager Franz Hubert Schauerte das geordnete Familienarchiv und eine Chronik. Das darin enthaltene erste Datum, das nach der Geburt von Ludwig den Verlauf seines Lebensweges aufschliesst, stammt aus dem Jahr 1913[11]. Ueber die Zeit seiner Kindheit gibt uns jedoch die von Ludwig verfasste Familienchronik etwas Aufschluss. Nach seiner Beschreibung wohnten im Haus Vater und Mutter, vier Kinder[12] und eine Tante. Im Haus befanden sich der Kuhstall und mehrere Schweinestaelle. Es gab ausgepraegte Familientraditionen. So war zum Beispiel der Tag der hl. Agatha (5. Februar) ein Festtag im Koess-Haus, an dem der Vater immer die Wanduhr auseinander zu nehmen und zu reinigen pflegte. [13]
Der Vater von Ludwig WULF begeisterte sich in seiner Freizeit sehr fuer das Lesen.[14] Im Alter von 14 Jahren bescheinigte ihm ein Schulzeugnis eine gute Auffassungsgabe und fuegte eine Empfehlung "zu jedem weiteren Lehrfache" bei[15]. August WULF sorgt sich dann auch um die Moeglichkeit eines hoeheren Bildungsweges fuer seinen Sohn Ludwig. Von 1913 an besuchte Ludwig WULF die Rektoratschule in Fredeburg. 1915 wechselte er fuer seine gymnasialen Studien an das Theodorianum nach Paderborn und zog 1919 in das Leokonvikt ein, womit er sein Studium an der Philosophisch-Theologischen Akademie Paderborn begann.
1.2 Gymnasialzeit und Studium in Paderborn und Tuebingen (1915-1925)
1.2.1 Am Gymnasium Theodorianum und als Soldat im ersten Weltkrieg (1915- 1919)
Am 20.06.1919 bekam Ludwig WULF sein Reifezeugnis ausgestellt[16]. Die Gymnasialzeit in Paderborn begann er im Fruehjahr 1915 mit der Obertertia.[17]
In der von ihm verfassten Familienchronik erwaehnt er ohne einen weiteren Kommentar, dass er von Juni bis Dezember 1918 als Soldat im ersten Weltkrieg Dienst tat. Nach der Auskunft seiner Verwandten war sein Einsatzort vor allem in Belgien, und seine Einheit sei, wegen seiner hohen Gestalt, die koenigliche Garde gewesen.[18]
1.2.2 Berufungskrise
In seinem Vater fand Ludwig WULF bereits eine tiefe Sehnsucht nach dem Priesterberuf vor. Ende des 19. Jahrhunderts war das Koess-Gut jedoch noch nicht in der Lage, das Studium eines Familienmitgliedes zu finanzieren. August WULF erlernte wie sein Vater das Handwerk des Wageners.[19] Spaeter erbte er das verschuldete Koess-Gut und gruendete mit Elisabeth SCHAUERTE schliesslich eine Familie. Seine Sehnsucht nach dem Beruf des Priesters jedoch blieb. Ludwig WULF weiss den Vater oft mit folgenden Worten, die jener am Tag seiner Geburt geaeussert haben soll, zu zitieren: "Wenn duese Geistlite waeren well, dann sollet waeren, un wenn vey blaess ne Stock behallet, so vey met oent 'm Hoeuese gatt."[20] So kuemmert sich August WULF bereits 1912 um Lateinunterricht fuer seinen Sohn beim Ortspfarrer.[21]
Waehrend seiner Zeit im Leokonvikt erwog Ludwig WULF, sein Studium abzubrechen. Er fuehlte sich unwuerdig fuer den Priesterberuf - ein Zustand, der Zeit seines Lebens andauerte. Allein wegen der Eltern habe Ludwig Wulf nicht die Konsequenz gezogen, das Studium und den Weg zum Priestertum abzubrechen.[22] Ludwig WULF befand sich in einer Zwangslage. In diese Krise waehrend der ersten Studiensemester faellt im Sommer 1922 oder 1923 seine erste Begegnung mit KENTENICH.[23] Es war vor allem diese Begegnung am Anfang der zwanziger Jahre und eine weitere im Juli 1939, welche er sein ganzes Leben lang festhielt und weitererzaehlte. Heinrich AUST, der mit Ludwig WULF im Jahr 1952 das erste Mal zusammentrifft und seit dieser Zeit engen Kontakt zum Mitbruder pflegte, weiss in seinem Nachruf auf Ludwig WULF einzuschaetzen, dass das Priestertum von Ludwig WULF ohne die entscheidende Hilfe von Pater KENTENICH eine Katastrophe geworden waere.[24] (UEber die Begleitung Ludwig WULFs durch Pater KENTENICH vgl. S.56f.)
Ludwig WULF fand in der Person Pater KENTENICHs und im Apostolischen Bund von Schoenstatt eine neue Heimat und neue Zuversicht auf seinem Weg zum Priestertum. Dass die Laeuterung des Priesterberuf und seine Beheimatung im Apostolischen Bund von Schoenstatt zusammenhaengen zeigt ein Brief Ludwig WULFs an seine Familie vom Juni 1923:
"Wenn die politischen Wirren es eben zulassen, werde ich vom 14.-28. Aug. eine grosse Tagung in Schoenstatt[25] mitmachen. Ihr werdet Euch dagegen wehren, weil ich da ins besetzte Gebiet muss, zumal es vor Ostern missglueckte und heute die Schwierigkeiten nicht geringer geworden sind, und nicht an letzter Stelle, weil die Tagung 2 Wochen dauert. Wehrt Euch ruhig, ich verdenke Euch das nicht. Aber ich werde trotzen - Euch und allen Schwierigkeiten -; und Ihr koennt mir das nicht verdenken. Ich bin bloss "ich", und doch will ich Priester werden. Koennt Ihr es mir nachfuehlen, was mich bei diesem Gedanken durchzittern muss? Versteht Ihr den Zwiespalt, sich selbst als Unwuerdigen wissen und andere, die viel wuerdiger sind, kommen nicht dazu. Glaubt Ihr nicht, dass einem da die Verantwortung auf der Seele brennt? Habt Ihr eine Ahnung davon, was es alles kostet, ein hl. u. tuechtiger Priester zu werden? Wenn ich einsaehe, dass ich es dazu nicht braechte, dann weg mit den Fingern vom Priestertum! Aber ich sehe einen Weg, den des Apostolischen Bundes, und deshalb gehe ich nach Schoenstatt. Irdische Ruecksichten duerfen mich ueberhaupt nicht, auch ihr nicht, zurueckhalten; denn nur Gott und den Seelen darf ich gehoeren. Wenn es anders ist, dann ist es zum "Gott erbarmen"."[26]
Die Sehnsucht seines Vater nach dem Priesterberuf und die ernsthafte Krise Ludwig WULFs waehrend seiner ersten Studiensemester stehen moeglicherweise in einem Zusammenhang. Vielleicht hat er in der Krise unter anderem lernen muessen, zwischen der Sehnsucht seines Vaters und seinen eigenen Motiven fuer die Wahl des Weges zum Priestertum, zu unterscheiden. Aus Anlass seines goldenen Priesterweihejubilaeums erwaehnte Ludwig WULF die Rolle des Vaters fuer seinen Berufungsweg in folgender Weise: "Ich danke meinem Vater August WULF, Kleinbauer und Wagener, der gern Priester werden wollte und mir seine heilige Sehnsucht zum Priestertum vererbte"[27].
In diesem Zusammenhang sei noch auf ein koerperliches Gebrechen bei Ludwig WULF hingewiesen. Seit seiner Studentenzeit litt er immer wieder an Asthmaanfaellen,[28] die im Alter fuer ihn eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellten.[29] Dieses, sowie weitere koerperliche Probleme[30] waren Gegenstand der zukunftseroeffnenden Unterredungen mit Pater KENTENICH, der mit diesen Gegebenheiten besonders sensibel umzugehen wusste[31].
1.2.3 Die Anfaenge des Apostolischen Bundes von Schoenstatt im Leokonvikt zu Paderborn
1.2.3.1 Die Verteilung der Teilnehmer der Tagung vom 20. August in Hoerde auf die Theologenkonvikte in Deutschland
Nach dem Ersten Weltkrieg gliederte sich die Marianische Kongregation im Studienheim der Pallottiner in Vallendar in Gymnasiasten im Studienheim auf der einen Seite und Lehrer, Theologiestudenten und Gymnasiasten, die nicht zu den Studenten im Studienheim gehoerten, auf der anderen Seite. Aus beiden Gruppen versammelten sich knapp ein Jahr nach Kriegsende 24 Personen am 19.08.1919 zu einer Tagung in Dortmund-Hoerde[32]. Darunter waren 16 Angehoerige des Studienheims und acht Auswaertige[33]. Von letzteren waren Alexander BECKMAN und Alois ZEPPENFELD Mitglieder der Marianischen Kongregation[34] des Studienheims.[35] An diesem Tag entstand der sogenannte "Apostolische Bund"[36], welcher durch eigene Statuten von nun an unabhaengig von der Kongregation im Studienheim arbeitete, mit dieser aber durch das Kongregationskapellchen als geistlichem Zentrum und ueber seinen Leiter, den ehemaligen Spiritual im Studienheim, Pater Josef KENTENICH[37] und die Zeitschrift der Kongregation "MTA"[38] verbunden bleib.
Die Teilnehmer an der Hoerder Tagung, Alexander BECKMANN (Freiburg)[39] und Felix EVERS (Muenster)[40] waren bereits Theologen. F. ERNST[41] und Alois ZEPPENFELD[42] begannen im Wintersemester 1919/20 ihr erstes Semester des Theologiestudiums in Paderborn bzw. Muenster.
1.2.3.2 Gruppen und Gruppierungen im Leokonvikt nach dem Ersten Weltkrieg
Nach dem Zeugnis von Augustinus REINEKE, von 1928-1932 Theologe im Leokonvikt in Paderborn, war die Theologenschaft im Leoninum zunaechst durch die Semestergemeinschaften gegliedert. Semesteruebergreifend sammelten sich die Theologen nach Landsmannschaften in Studentenverbindungen und in der Jugendbewegung verpflichteten Gruppen[43]. Gruppen des Apostolischen Bundes waren neben Gruppen von Neudeutschland und Quikborn als dritte sammelnde Kraft mit geistlichem Anliegen im Leokonvikt wahrgenommen worden.[44] Reinhard RICHTER bescheinigt den "Schoenstaettern" einen schwierigen Start im Haus[45]. Augustinus REINEKE erinnert sich an eine Schoenstattgruppe, zu der vor allem Kommilitonen aus den aelteren Semestern gehoert haben sollen.[46] Heinz SCHUERMANN, der von 1932-1936 im Leokonvikt war, bezeichnet in seinen Erinnerungen die "Schoenstatt-Bewegung" als im Leokonvikt spirituell formierende Gruppe.[47]
1.2.3.3 Das Wachstum des Apostolischen Bundes im Leokonvikt
Der Hausleitung und der Theologenschaft im Leokonvikt wurde der Apostolische Bund erst im Herbst 1922 bekannt. Anlass war eine Tagung, die Pater KENTENICH hielt, und an der zum ersten mal auch "Nichtschoenstaetter" teilnahmen.[48] Laut einer Chronik aus den Reihen der Paderborner Schoenstatt-Priester war auch der Direktor des Leokonviktes Dr. Paul SIMON[49] Teilnehmer dieser Tagung.[50]
Das Wachstum des Apostolischen Bundes im Leokonvikt verlief vor dem Herbst 1922 in folgenden Etappen: Von den Teilnehmern der Tagung in Dormund Hoerde studierte im Wintersemester 1919/20 zunaechst nur F. ERNST in Paderborn. Mit dem Wintersemester 1921 studierte ein zweiter Teilnehmer der Tagung in Hoerde in Paderborn. Es handelte sich um Alois ZEPPENFELD, der von Muenster nach Paderborn uebergesiedelt war. Vor dem Wintersemester 1921 waren Hermann SCHMIDT und Franz WILHELM fuer den Apostolischen Bund gewonnen worden.[51] Diese vier Maenner sammelten dann eine grosse Zahl von Kommilitonen und begeisterten sie fuer die Mitarbeit im Apostolischen Bund. In den Osterferien 1922 fand dann eine Tagung mit Pater KENTENICH in Hoerde statt, an der wenigstens 20 Paderborner Theologen teilnahmen.[52] Fuer die Situation am Anfang des Wintersemesters formuliert Ernst HOFFMANN summarisch: "Das Wintersemester 1922/23 brachte die gesamte Mannschaft wieder zusammen, sodass sich eine intensive Taetigkeit entfaltete."[53] So faellt in den Herbst 1922 die oben erwaehnte Tagung von Pater KENTENICH im Leokonvikt.
1.2.3.4 Die Werbung von Ludwig WULF fuer den Apostolischen Bund
Ludwig WULF, der vom Wintersemester 1919 bis zum Sommersemester 1924 an der Philosophisch-Theologischen Akademie Paderborn studierte[54], wurde von Franz WILHELM fuer den Apostolischen Bund gewonnen. Ludwig WULF war zu diesem Zeitpunkt Mitglied eines Predigtzirkels unter der Leitung von Franz WILHELM:
"Man ist wie jeder andere irgendwie geworben worden. Mich hat der Franz WILHELM geworben. ... Der fing das in folgender Weise an. Er war eigentlich Unitas UV wo wir, die meisten Schoenstaetter, drin waren; da war auch der ZEPPENFELD drin.
Ja, und dieser Franz WILHELM, der war unser Fuchs major, der hat uns also ernsthaft ein bisschen erzogen. Und dann hat er einen homiletischen Zirkel gegruendet, wo auch nur UV'er dabei waren, aber nicht alle. Ich war dabei. Ich habe aber keine kluge Predigt halten brauchen. Nur Publikum und anhoeren. Ich war ja auch erst im 3. Semester.
Und dann nahm mich der Franz W. dann mal auf einen Spaziergang mit, es kann auch auf meinem Zimmer gewesen sein, und sprach zum erstenmal von PK (Pater Kentenich, Samietz). Er hatte die Ueberleitung: Wenn man also auch gut predigen koennte, dann wuerde man damit aber das Wesen nicht gepackt haben, es kaeme auf den priesterlichen Menschen an. Ja, und das war dann die Ueberleitung zu PK. Und weil er mir von dem sagte, dass der so ganz einfach den Menschen durchschaue bis auf den Grund der Seele, da graute mir vor PK. Ich mochte nicht zu ihm und unter seine Augen und so erkannt werden, wie ich eben vor mir selber davonlief."[55]
Ob Ludwig WULF vor oder nach seinem Freisemester[56] (Sommersemester 1922)[57], welches er in Tuebingen verbrachte, von Franz WILHELM fuer den Apostolischen Bund gewonnen wurde, konnte ich nicht klaeren. Im Sommer 1922 lag ein moeglicher Termin fuer die erste Begegnung mit Pater KENTENICH. Bezueglich der oben genannte Tagung mit Pater KENTENICH im Herbst 1922 im Leokonvikt gehe ich aber davon aus, dass Ludwig WULF nicht zu den Teilnehmern zaehlte.[58] Der spaeteste Termin fuer die erste Begegnung mit Pater KENTENICH waere die Tagung vom 16.-26. August 1923 in Schoenstatt.[59]
Nach der zitierten Aussage Ludwig WULFs rekrutierte sich der Apostolische Bund im Leokonvikt anfangs hauptsaechlich aus dem Kreis der Studentenverbindung der Unitarier. Ob es sich hier einfach um ein Auslaufen der Studentenverbindung in den Apostolischen Bund oder um eine gezielte Strategie zur Etablierung des Apostolischen Bundes am Leokonvikt handelte, waere noch naeher zu erforschen.
1.2.4 Grundlegung eines priesterlichen Lebensstils
In seinen geistlichen Rechenschaften[60] an Alfred RIND breitete Ludwig WULF diesem an verschiedenen Stellen seine geistliche Tagesordnung aus. Aus dem Zeitraum vom 1966 bis 1976 sind mir 11 Briefe bekannt, die diesbezuegliche Angaben machen. An geistlichen Uebungen waren im Leokonvikt, laut Hausordnung von 1905 folgende festgelegt: Morgengebet und Betrachtung (30 min), Messfeier (30 min), Geistliche Lesung (15 min), Visitatio Sanctissimi Sacramenti (60 min plus 30 min).[61] Ueber alle genannten Uebungen gibt Ludwig WULF in den 11 Briefen mehrmals Rechenschaft. Teilweise praktizierte er sie exakt in der Laenge, die er von der Hausordnung des Leokonviktes gewohnt war.[62] Die oben erwaehnten Rechenschaften zeugen zusaetzlich von der Praxis des Brevier- bzw. Rosenkranzgebetes und eines Abendsegens um 21 Uhr bei Ludwig WULF.[63]
1.2.5 Die Lehrer von Ludwig WULF im Konvikt und an der Akademie
Die Briefe Ludwig WULFs an Mitbrueder zeugen auch von einem lebendigen Interesse an theologischer Spekulation[64]. Einen grossen Einfluss auf das theologische Denken von Ludwig WULF soll Professor BARTMANN gehabt haben[65]. Dieser war seit 1898 Professor fuer Dogmatik an der Bischoeflichen Akademie in Paderborn und starb 1938 in Paderborn.[66]
Auch mit Johannes BRINKTRINE[67] besprach Ludwig WULF seine theologischen Anliegen. Diesen erlebte Ludwig WULF im Wintersemester 1919 und Sommersemester 1920 als Studienpraefekt des Leokonviktes und als Dozent fuer Philosophie. Nach einem Aufenthalt in Rom kehrt Johannes BRINKTRINE zum Wintersemester 1922 an das Leokonvikt zurueck. Dort begleitete er dann bis 1931 das Amt des Subregens und erteilte Liturgik am Priesterseminar.
1.2.6 Die Seminarzeit Ludwig WULFs (1924-1925)
Zur Zeit Ludwig WULFs schloss sich an das fuenfjaehrige Theologiestudium ein Jahr Seminarzeit an.[68] In seinem Fall erstreckte sich das Seminarjahr von Herbst 1924 bis Sommer 1925.[69] Das Priesterseminar sammelte die Priesteramtskandidaten nach ihrem universitaeren Studium, um sie in staerkerer Zurueckgezogenheit auf den Empfang der Weihen vorzubereiten. Schwerpunkt dieser Zeit war die aszetische und praktische Grundlegung bei den Kandidaten fuer ihren Dienst als Priester. Ob sich fuer Ludwig WULF mit dem Eintritt in das Priesterseminar auch ein oertlicher Wechsel verband, vermag ich nicht zu sagen.[70] Aus seiner Seminarzeit sind zwei Briefe an seine Eltern erhalten, beide vom November 1924. Im Brief vom 11. November entfaltete Ludwig WULF, ausgehend vom Fest St. Martin als Verdingungstermin fuer Knechte und Maegde[71], eine Betrachtung ueber Herrschaft und Dienst im Priestertum. Dieser Text gibt Zeugnis von dem hohen Ideal, das Ludwig WULF vom Priestertum hatte. Sein Lebensthema vom Widerspruch der Natur gegenueber der Gnade Gottes[72] klang hier schon an. Dieser Abschnitt soll hier in voller Laenge zitiert werden, weil er ein fruehes Zeugnis ueber die theologischen Spekulation Ludwig WULFs ist und seine quaelende Grundfrage nach einer moeglichen Verweigerung des Menschen gegenueber der Gnade Gottes reflektiert.
"Nach seinen weisen unveraenderlichen Willensentschluessen erteilt Gott den Menschen Macht oder nimmt sie ihnen wieder. "Die Maechtigen stuerzt er vom Throne, die Niedrigen wird er erhoehen." Das demuetigste Menschenkind wurde Gottesmutter und ist zur Koenigin der Engel und Heiligen erhoben worden. Luzifer, der schoenste der Engel, wurde durch seinen Stolz und seine Ueberhebung zum graesslichsten aller Teufel.
Von Gott kommt alle Macht; die groesste und schoenste aber hat er dem Priester gegeben - naemlich Macht ueber Gott selbst. Das ist ein unbegreifliches Geheimnis; aber dass es Tatsache ist, liegt begruendet in der unendlichen Liebe Gottes zu uns Menschen, auch das ist unergruendliches aber hoch beglueckendes Geheimnis. Der nur endliche Verstand kann das Unendliche nicht fassen. - Die schoenste und erhabenste Herrschaft, die Gott einem Menschen verleihen kann, ist priesterliche Herrschaft, die Herrschaft der dienenden Liebe. "Wer von Euch der Erste sein will, muss der Diener aller sein", sagt Christus. Wieweit ich es im Dienen bringe, so weit werde ich priesterliche Herrschaft und Mitwirksamkeit entfalten."[73]
In den Quatembertagen vor dem Weihnachtsfest 1924 erhielt Ludwig WULF die Tonsur und empfing die niederen Weihen.[74], im Maerz 1925 die Weihen zum Subdiakon bzw. Diakon.[75] Am 09.08.1925 wurde Ludwig WULF im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht.[76]
1.3 Vikar in Gotha (1925-1930)
Zum ersten Mal wurde dem Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Bonifatius in Gotha mit dem neugeweihten Seminarpriester Ludwig WULF ein Vikar fuer die Seelsorge auf dem Gebiet der Pfarrei zu Seite gestellt.[77] Die katholische Gemeinde dieser thueringischen Stadt bekam nach dem ersten Weltkrieg grossen Zuwachs. Waehrend sie 1906 noch 814 Katholiken zaehlte, waren es bei Dienstantritt von Ludwig WULF bereits 1.600. Waehrend seiner Dienstzeit erhoehte sich diese Zahl abermals um ca. 400 Mitglieder. Hinzu kam, dass sich nach einer Neuordnung der Landkreise im Land Thueringen im Jahre 1925 auch die Flaeche, ueber die sich die Wohnorte der Gemeindemitglieder verteilten, vergroesserte. Die Pfarrei Gotha umfasste im Jahr 1925 76 Ortschaften.[78] So sind zu den oben erwaehnten 1.600 Katholiken aus der Stadt Gotha noch 700 aus dem Landkreis hinzuzuzaehlen.
1.3.1 Der Industriestandort Gotha und das Wachstum der katholischen Pfarrgemeinde
Das Staedteband noerdlich des Thueringer Waldes von Eisenach bis Jena gehoerte zu den Gebieten im deutschen Raum, welche durch die Industrialisierung in der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts besonders stark gepraegt wurden. Die Zuwanderung von Arbeitskraeften in die neuentstandenen Industriegebiete veraenderte das Volumen und das Leben der katholischen Pfarrgemeinden in diesen Gebieten. Schon vor dem ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken in der katholischen Gemeinde Gotha in Folge der Industrialisierung betraechtlich. Betrug sie 1851 noch 150 so waren es 1906 bereits 814.
Am Beispiel der Stadt Gotha laesst sich der Prozess der Verstaedterung, der in der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts im deutschen Raum massiv einsetzte, gut exemplifizieren. Zwischen 1871 und 1910 stieg der Anteil der staedtischen Bevoelkerung im Deutschen Reich von 40 auf 60 Prozent. In Folge der Industrialisierung hatte hier eine gewaltige Migrationsbewegung eingesetzt. Wanderte anfangs die Landbevoelkerung in nahegelegene Staedte, setzte ab den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Fernwanderung von Ost nach West ein. Die Gruende dafuer lagen in der Ueberbevoelkerung in den Herkunftsgebieten und in der Aussicht auf bessere Arbeits- und Lohnverhaeltnisse in den neu entstandenen Industriegebieten.[79] Im Jahre 1907 lebten bereits 48% der im Deutschen Reich geborenen Personen ausserhalb des Ortes ihrer Geburt.[80]
Die traditionellen Zentren von Verwaltung, Dienstleitung bzw. Handel wandelten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu Industriestandorten.[81] Im grossen Stil traf dies zum Beispiel auf das Zentrum der preussischen Machtpolitik, Berlin, zu. Aus der Residenzstadt[82] Gotha wurde bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges ein Standort folgender Industriezweige: metallverarbeitende Industrie (11 Fabrikgruendungen bzw. Neubauten von 1834[83] bis 1914), Lebensmittelindustrie (2), chemische Industrie (4), keramische Industrie (4), holzverarbei-tende Industrie (4), Musikinstrumentenbau (1), Spielwarenindustrie (3), Schuh- und Textilindustrie (5), Verlags- und Druckereiwesen (2).[84] In Gotha entstanden wie in anderen aufstrebenden Industriestaedten neue Stadtviertel, die die zugewanderten Arbeitskraefte aufnahmen.[85]
Fuer die katholischen Gemeinden in den Industriegebieten bedeutete der gesellschaftliche Umschichtungsprozess im Zuge der Industrialisierung ein Neuaufbruch des Gemeindelebens[86], fuer die aus katholischen Herkunftsgebieten Ausgewanderten jedoch oft den Verlust der Identifikation mit der katholischen Glaubensgemeinschaft.[87] Eine Aussage ueber die landsmannschaftliche Zusammensetzung der katholischen Gemeinde in Gotha waehrend der Amtszeit von Ludwig WULF ist mir auf Grund der Quellenlage derzeit nicht moeglich.[88] Ein unten ausfuehrlich zitierter Artikel im Gemeindeblatt der katholischen Pfarrei Gotha spricht fuer die Zeit nach dem ersten Weltkrieg andeutungsweise vom "Zuzug zahlreicher Glaubensgenossen aus dem aeussersten Osten und Westen unseres Vaterlandes". Eine von Ludwig WULF angefertigte Statistik aus dem Jahr 1927 weisst dazu noch auf 197 polnische Saisonarbeiter in der Gemeinde Gotha hin.[89]
Die Auswirkung der Industrialisierung schlug sich auf die katholische Gemeinde Gotha auch nach dem ersten Weltkrieg nieder. Zwischen 1905 und 1926 verdoppelte sich die Zahl der Gemeindeglieder auf 1.600. Das katholische Gemeindeblatt Gotha schreibt Anfang 1930 in einem Artikel ueber die Entstehung und Ausdehnung der Pfarrei:
"Den bedeutendsten Zuwachs erhielt unsere Gemeinde nach dem Kriege durch den Zuzug zahlreicher Glaubensgenossen aus dem aeussersten Osten und Westen unseres Vaterlandes, die wegen ihrer deutschen Gesinnung ihre katholische Heimat verlassen mussten und hier im Herzen Deutschlands eine neue Heimat suchen. Auch jetzt noch werden fortwaehrend Glaubensbrueder aus anderen Gegenden durch wirtschaftliche Notwendigkeiten nach hier verschlagen, sodass trotz der Verluste, wie sie in den schwierigen Diasporaverhaeltnissen, zumal bei der dauernden Propaganda von kirchenfeindlicher Seite[90] unvermeidlich sind, die Gemeinde noch immer in einer Aufwaerts-Entwicklung begriffen ist."[91]
1.3.2. Das katholische Milieu in der katholischen Pfarrgemeinde Gotha
In den Aufnahmegebieten der Fernwanderung infolge der Industrialisierung waren die zugewanderten Katholiken entgegen ihrer Gewohnheit oft in der Minderheit. Um das Schwinden der Identifikation[92] mit der katholischen Glaubensgemeinschaft am neuen Wohnort einzudaemmen, versuchten die Pfarrgemeinden eine Lebenswelt nach dem Standard der katholischen Herkunftsgebiete zu etablieren. Es entstand das katholische Milieu.[93] Das katholische Milieu bildete sich als alternative Lebenswelt zur der sie umgebenden saekularisierten Gesellschaft[94]. Es vermittelte in der neuen Minderheitensituation die gewohnten Standards eines katholischen Lebenslaufes. Es motivierte zum Empfang der Sakramente und zur Beteiligung am kirchlichen Leben, betonte die Autoritaet der Wuerdentraeger, foerderte ein rein katholisches Elternhaus, tradierte das katholische Glaubensbekenntnis und deutete draengende Zeitfragen.[95] Das katholische Milieu uebernahm die Ordnung zur Mobilisierung der gestaltenden Kraefte, wie sie in der Gesellschaft vorlagen und machte sie fuer das Leben in der Pfarrgemeinde fruchtbar. Eigenverantwortete Privatschulen, kirchliche Vereine und Vereinigungen, katholische Presseorgane und eigenverantwortete karitative Einrichtungen in der Pfarrgemeinde gaben der katholischen Existenz in saekularer Gesellschaft den notwendigen Halt.[96] Die Bindung der Gemeindemitglieder an das katholische Milieu erfolgte bis in die Zeit der Weimarer Republik in der Hauptsache ueber die Moeglichkeit der mitwirkenden Betaetigung in Vereinen und Vereinigungen. Erfasst wurden die Gemeindemitglieder in alters-[97] und interessen-spezifischen[98] Betaetigungsfeldern und nach geschlechts[99]- und berufsspezifischer[100] Ordnung.
In der katholischen Pfarrgemeinde Gotha wirkten beim Amtsantritt von Ludwig WULF folgende Komponenten des katholischen Milieus: eine katholische Schule mit 4 Klassen, 3 Lehrkraeften und 130 Kindern101, eine Jungfrauenkongregation102, ein Juenglingsverein103, ein Gesellenverein104, ein Maennerverein105, ein Kirchenchor106 und der Barromaeus-Verein.107 Der Kommunionempfang erfolgte jeweils fuer die verschiedenen Staende an einem Sonntag im Monat. So gab es zur Zeit von Ludwig WULF in der Gemeinde Gotha gemeinsame Monatskommunionen fuer Frauen, fuer Maenner, fuer Juenglinge und Gesellen, fuer Jungfrauen und Schulkinder.108 Die katholische Zeitung, die den Gemeindemitgliedern in den "Pfarramtlichen Nachrichten" empfohlen wird, ist die "Thueringer Volkswacht".109
1.3.3 Entwicklung des katholischen Milieus waehrend der Amtszeit von Ludwig WULF
1.3.3.1 Neuordnung des Vereinslebens in der katholischen Gemeinde Gotha
Ludwig WULF wirkte entscheidend an einer Neuordnung des katholischen Milieus in der katholischen Gemeinde Gotha mit. So starteten Pfarrer HESSE und Vikar WULF 1926 einen Aufruf zur Gruendung des katholischen Volksvereins Gotha.110 Anlass dafuer war die notwendig gewordene Neugruendung des Bonifatiusvereins in der Gemeinde. Eine Versammlung des Maennervereins vom 11.08.1926 gab dazu folgendes zu Protokoll:
"Der Bonifatiusverein leistet monatlich ganz erhebliche Zuschuesse fuer die hiesige Kirche und Schule, will jedoch in Zukunft Gemeinden keine Zuschuesse mehr geben, die nicht einmal durch Gruendung eines Vereins111 den guten Willen zeigen, am grossen Werke mitzuarbeiten. Er (ein Herr THOMAS, Samietz) macht sodann den Vorschlag, das Drittel des monatlichen Beitrags was fuer die Gemeindearmen Verwendung findet, fuer kurze Zeit dem Bonifatiusverein zukommen zu lassen, und damit die Gruendung (des Bonifatiusvereins, Samietz) als geschehen anzusehen."112
Der Bonifatiusverein wurde 1849, als Hilfsverein fuer die norddeutsche Diaspora, auf dem dritten Katholikentag in Regensburg gegruendet.113 1918 legte der deutsche Episkopat fest, dass der Bonifatiusverein in jeder Pfarrei vertreten sein solle.114 Die Einnahmen des Vereins aus Beitraegen, Spenden und Kollekten beliefen sich zwischen den Jahren 1900 und 1913 auf 33 Millionen Mark. In diesem Zeitraum erreichte er seine besten Ergebnisse.115 Der Bonifatiusverein leistete Zuschuesse zum Bau von Kirchen, Kapellen, Privatschulen, zum Unterhalt von Kommunikantenanstalten und Waisenhaeusern und zur Besoldung. 1921 unterstuetzte er 4.200 Gemeinden.116 So fuehrte er 1926 unter anderem das Gehalt des Vikars, die Lohngehaelter der Lehrer und grosse Zuschuesse fuer die Schule in die Gothaer Gemeinde ab.
Der oben beschriebene Vorgang in der katholischen Gemeinde Gotha hing wohl mit der Verschaerfung der Kriterien fuer die Unterstuetzung der Diasporagemeinden117 nach 1921 zusammen.118
Die verantwortlichen Seelsorger in Gotha verbanden mit der Neugruendung von Vereinen in der Gemeinde keine grossen Erwartungen, waren doch die Versammlungen des bestehenden Maennervereins in den letzten Jahren nicht gut besucht und hatte der Bonifatiusverein seine Arbeit doch nahezu eingestellt. Im Protokoll der Generalversammlung des Maennervereins vom 14.11.1926 ist dazu zu lesen:
"Da fuer die Neugruendung von Vereinen wenig Erfolg erwartet werden kann, hat sich der Vorstand des Maennervereins mit den anderen Vereinsvorsitzenden in Verbindung gesetzt und den Beschluss gefasst, die genannten 4 Vereine (Bonifatiusverein, Franziskus Xaveriusverein, Volksverein fuer das katholische Deutschland und Maennerverein, Samietz) unter einem neuen Namen zum Katholischen Volksverein zusammenzuschliessen."119
Die Namensaenderung des Maennervereins unter Verschmelzung mit den drei erwaehnten Vereinen wurde in der Generalversammlung am 14.11.1926 einstimmig beschlossen.120 Am 09.01.1927 wurde der Katholische Volksverein Gotha gegruendet.121
1.3.3.2 Ludwig WULF als Foerderer des Laienapostolates
Am 13.01.1930 hielt Ludwig WULF auf einer Versammlung der Gothaer Gruppe des Katholischen Deutschen Frauenbundes einen Vortrag ueber das Laienapostolat.122 Die Gruenderin der Gruppe des Katholischen Deutschen Frauenbundes in der Gemeinde Gotha dankte ihm am Schluss fuer sein Einsatz fuer das Laienapostolat. Nach ihren Worten hat Ludwig WULF "das Laienapostolat (in der katholischen Gemeinde Gotha, Samietz) ueberhaupt erst ins Leben gerufen".123 Das Gemeindeblatt der Pfarrei Gotha erwaehnte in seiner Ausgabe vom Juni 1930, "dass die Organisation unserer Gemeinde zum guten Teil seiner Arbeit zu verdanken ist."124 Die Akten ueber Gottesdienste und Seelsorge geben ueber das diesbezuegliche Wirken Ludwig WULFs nur spaerlich Auskunft. Danach ist auch das Zustandekommen des Gemeindeblattes der Pfarrei Gotha (Erste Ausgabe: Januar 1930) wesentlich ihm zu verdanken. Ebenso wurde die oben erwaehnte Gruppe des Katholischen Deutschen Frauenbundes in der Gemeinde Gotha waehrend seiner Amtszeit, am 18.10.1926, gegruendet.
1.3.4 Weitere Taetigkeitsbereiche von Ludwig WULF in der Gemeinde Gotha
Hier ist zu erwaehnen, dass Ludwig WULF waehrend seiner Zeit in Gotha die Verantwortung fuer den Gesellenverein hatte. Ein Artikel im Gemeindeblatt vom Maerz 1930 zeugt von einem reichen Leben dieses Vereines: "Die 10. Generalversammlung am 31.01.1930 setzte als Jahresprogramm fest: Woechentlich am Freitag Abend 1/2 9 Uhr Versammlung mit Vortrag;
derselbe soll in der Regel von einem Mitglied gehalten werden, und zwar ueber sein Berufsfach, ueber soziale Fragen u. dergl.. Monatlich am 1. Freitag Monatsversammlung, am 2. Donnerstag d. M. religioeser Vortrag und am darauffolgenden Sonntag Monatskommunion. Vierteljaehrlich feierliche Generalkommunion und ein Familienabend. Fuer Mai-Juni ist eine Fachausstellung vorgegeben."125
Ludwig WULF zeigte sich weiter fuer die Gruendung126 und Organisation der Zweigstelle des Katholischen Volksvereins in Ohrdruf verantwortlich.127
1.3.5 Lebenslanger Kontakt von Pfarrer Josef HESSE zu Ludwig WULF
Sein erster Pfarrer, Josef HESSE, haelt bis zu seinem Tod im Jahr 1974 Kontakt zu Ludwig WULF. Pfarrer HESSE ist nach Auskunft von Ludwig SCHAUERTE mehrmals zu Gast in Oberkirchen.128 Ludwig WULF kommt in einem Brief an Heinrich AUST unter dem 03.01.1975 auf seinen ersten Pfarrer zu sprechen.129 Des weiteren ist ein Besuch von Pfarrer HESSE in Oberkirchen durch das Zelebrationsbuch der St. Gertrudskirche Oberkirchen aus dem Jahr 1946 belegt.
1.4. Pfarrvikar in Weferlingen (1930-1935)
In der zweiten Osterwoche 1930, am 09.05, trat Ludwig WULF seinen Dienst als Pfarrvikar in der Siedlung Weferlingen an.130 Diese gruppiert sich um eine Burg im oberen Allertal, noerdlich von Helmstedt. 1784 wurden bei der Burg "176 Feuerstellen"131 gezaehlt. 1895 und 1907 erhielt der Ort Anschluss an die Bahnstrecken Helmstedt-OEbisfelde und Weferlingen-Haldensleben und erfuhr dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung.132 1930 zaehlte Weferlingen 3.820 Einwohner, wovon 183 Katholiken waren. Der gesamte Filialbezirk Weferlingen zaehlte zum selben Zeitpunkt 310 Katholiken.133 Im Jahr 1910 lebten in der Region um Weferlingen etwa 500 Katholiken, was ab 1911 zur Bereitstellung eines eigenen Geistlichen fuehrte.134 Am 03.09.1929 wurde in Weferlingen die neue Kirche St. Josef und Theresia eingeweiht.135 Ihr Bau belastete die Gemeinde mit 65.000 M Schulden.136 Daher war es eine der Vorgaben fuer Ludwig WULFs Taetigkeit, die Finanzen der Gemeinde zu sanieren.137
1.4.1. Polnische Saisonarbeiter in der Gemeinde Weferlingen
Der Raum Weferlingen ist landwirtschaftlich gepraegt. Zu den 310 Katholiken im Jahr 1930 zaehlte der Realschematismus noch 60 polnische Saisonarbeiter. Saisonweise verpflichtete Arbeitskraefte, vor allem aus Kongresspolen und Oesterreichisch Galizien, fuellten seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts die Luecken im landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt Deutschlands.138 Diese waren infolge der Industrialisierung durch Aus- und Abwanderung gerissen worden. Die auslaendischen Arbeitskraefte waren jedoch verpflichtet, in ihre Heimat zurueck zu kehren, nachdem die Ernte eingebracht war.139 1905 vermittelte die Feldarbeiterzentrale Saisonarbeit fuer 381.000 auslaendische Arbeitskraefte.
Die Seelsorge an den polnischen Saisonarbeitern gestaltete sich schwierig und war auf die Initiative einzelner Personen und Gruppen angewiesen.140 Wegen ihrer nur teilweisen Anwesenheit im Kirchenjahr konzentrierte sich die Seelsorge im wesentlichen auf die Spendung der Ostersakramente. In der Pfarrei Weferlingen organisierte Ludwig WULF waehrend seiner Amtszeit nachweislich fuer die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten zweimal Beichtgelegenheiten in polnischer Sprache.141 Die Zahl der polnischen Saisonarbeiter war jedoch waehrend seiner Amtzeit stark ruecklaeufig. Der Missionsbericht der Seelsorgestelle Weferlingen aus dem Jahr 1935 zaehlt nur noch 12 Saisonarbeiter auf.142
1.4.2 Gemeindeleben
In der Gemeinde Weferlingen arbeiteten zur Zeit von Ludwig WULF eine Vielzahl von Vereinen und Initiativen. Es gab einen Bonifatiusverein, einen Jungmaennerverein, eine Gruppe der Deutschen-Jugend-Kraft, einen Muetterverein, eine Jungfrauenkongregation, einen Borromaeusverein, einen Franziskus Xaverius Missionsverein, eine Missionsbruderschaft, einen Frauenverein, einen Maennerverein, einen Kirchenchor und einen Kinderchor. Ludwig WULF legte besonderen Wert auf die Gemeindeerneuerung. Er organisierte eine Volksmission im Februar 1932143, eine Missionserneuerung im April 1935144 und Einkehrtage fuer Jungmaenner im Dezember 1932.145 Den Verlauf der Volksmission hielt er handschriftlich fest.146 Seine Notizen geben einen guten Einblick in die Gliederung der Gemeinde und die Situation ihres Milieus.
"Vor den Abendpredigen werden 2 Gesetze Rosenkranz gebetet
1. Eroeffnungspredigt: Einladung zur Mission
Sonntag 2. Gott und Religion
3. Predigt: UEber den Tod
Montag 4. " " die Barmherzigkeit
Dienstag 5. " " die Beichte
Mittw. 6. " " die Caritas
Donn. 7. " " das sechste Gebot
sofort anschliessend Standespredigt fuer die Eheleute
Freit. 8. " Sakramentspredigt u. Sakramentsfeier
Sonn. 9. Standespredigt fuer die Jugend (ueber die Mischehe)
Sonntag 10. Fruehmesse: Armeseelenpredigt
11. Hochamt Muttergottespredigt
In den 20 Minuten am Morgen (wochentags, Samietz147) behandelte der h. Pater:
1. Suende
2. 2. u. 8. Gebot
3. 4. Gebot
4. Vollkommene Reue
5. Leiden
6. Tugend u. Vollkommenheit, Wandel mit Gott
In der Muetterversammlung behandelte der P. Erziehungsfragen.
Jungmaenner u. Maenner nur kurze Begruessung.
Kinderpredigten ueber die Wahrhaftigkeit, Gehorsam, das kl. Geheimnis.
Kirchenbesuch: zu Anfang 90 und stieg auf 120 Erwachsene.
Schlussfeier (mit Kindern) 147.
P.A. Meyer empfiehlt fuer Weferlingen, alle 6 Jahre Mission zu halten - keine Missionserneuerung.
103 Erwachsene und 27 Kinder beichteten u. kommunizierten, 2 Ehen wurden saniert, 3 Rekonciliationen fanden statt."148
Die dargestellte Volksmission in der Gemeinde Weferlingen hatte einen Schwerpunkt auf der Erneuerung der katholischen Ehe (vgl. Standespredigten am Donnerstag und Freitag) und auf der Hinfuehrung der Gemeindemitglieder zum Busssakrament (vgl. Kurzpredigten von Montag bis Donnerstag Morgen). Die Statistik am Ende der Notizen bestaetigt diesen Akzent.
Bezueglich der Erneuerung der katholischen Ehe will ich folgende Zahlen aus den Jahren 1930 und 1931 ueber Eheschliessungen und Taufen beifuegen. Fuer beide Jahre verzeichneten die Zaehlboegen fuer den Seelsorgebezirk Weferlingen 4 Trauungen. Keine betraf aber ein rein katholisches Paar. In allen Faellen war die Braut der katholische Partner.149 Neun Taufen waren fuer die beiden Jahre verzeichnet. Nur einmal handelte es sich um ein eheliches Kind von rein katholischen Eltern. Drei Taeuflinge waren Kinder lediger katholischer Muetter. Im gesamten Zeitraum des Dienstes von Ludwig WULF erfolgten in der Gemeinde Weferlingen 24 Eheschliessungen, 34 Taufen und zwei Todesfaelle erwachsener Gemeindemitglieder. Nur vier der Ehen wurden zwischen rein katholischen Paaren geschlossen und nur sechs der Taeuflinge waren Kinder rein katholischer Eltern.150 In Weferlingen gab es zwar eine wachsende und junge Gemeinde, ihr katholisches Milieu war jedoch durch Konfessionsmischung151 und fehlenden katholischen Familienvaetern stark von Erosion bedroht.
Die Kurzpredigten am Morgen der Wochentage waehrend der Volksmission wiesen an einer Stelle eine beachtenswerte Thematik auf. Am Samstag nennt Ludwig WULF als Thema den "Wandel mit Gott". Unter Geistlichen entstand in den zwanziger Jahren eine lebendige Diskussion ueber verschiedene Ansaetze des geistlichen Lebens. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war in Kirche und Gesellschaft von einer gewaltigen Suchbewegung nach Sinn und Sinndeutung, nach Innerlichkeit und Beheimatung gekennzeichnet. In dieser Zeit entfalteten sich die grossen Erneuerungsbewegungen im Raum der katholischen Kirche.152 Das Interesse an Mystik und mystischen Phaenomenen erwachte innerhalb und ausserhalb der Kirche. "Wandel mit Gott" ist die Chiffre fuer einen in dieser Zeit propagierten Ansatz des geistlichen Lebens. Es ging dabei um die Uebung der Vergegenwaertigung der Beziehung zu Gott. Konrad HOCK lieferte damals fuer diesen Ansatz wegweisende Beitraege: "Die Uebung der Vergegenwaertigung Gottes" (1920) und verschiedene Beitraege in der Theologisch-Praktischen Quartalsschrift Linz (1923-1926). Der sogenannte "Wandel mit Gott" spielte auch im Werk von Pater KENTENICH schon frueh eine Rolle.153 In seiner Theorieentwicklung fuehrte dieses nach Paul VAUTIER spaeter zu den breit angelegten Darstellungen Pater KENTENICHs ueber den praktischen Vorsehungsglauben.154
Die Volksmission wurde von einem Franziskanerpater der Saechsischen Franziskanerprovinz vom Hl. Kreuz, P. A. MEYER, durchgefuehrt. Inwieweit die Notizen Ludwig WULFs die Wort von P.A. MEYER zusammenfassen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ob also die Begrifflichkeit "Wandel mit Gott" vom Franziskanerpater gebraucht oder von Ludwig WULF assoziiert wurde, bleibt zunaechst ungeklaert. Die Aufzaehlung in WULFs Notizen lautet vollstaendig: "Tugend, Vollkommenheit, Wandel mit Gott". Dass es sich bei dieser Kurzpredigt um einen Vortrag ueber geistliches Leben nach dem oben beschriebenen Ansatz gehandelt haben koennte, soll jedoch fuer weiteres historisches Nachfragen festgehalten werden.
Die Gemeindemissionen ergaenzten die Arbeit der Vereine und Gruppen in der Pfarrei Weferlingen, erneuerten das geistliche Leben und betonten den Sakramentempfang als belebende Mitte der Gemeinde. Die Zahl der empfangen Kommunionen dokumentiert die Teilnahme am Gottesdienstbesuch. Von 1931 bis 1934 war in Weferlingen ein Anstieg, der in den Zaehlboegen gemeldeten Kommunionen jaehrlich um 56 Prozent bei gleichzeitigem Wachstum der Gemeinde um nur 8 Prozent zu verzeichnen. Der Kirchbesuch blieb im gleichen Zeitraum in etwa gleich. Ludwig WULF gelang es offensichtlich, waehrend seiner Amtszeit mehr Mitglieder aus dem Gemeindekern zum Empfang der Kommunion zu bewegen, als es zum Zeitpunkt seines Amtsantritts der Fall war.
Ludwig WULF ging als Gemeindeleiter auf das politische Geschehen vor Ort ein. So bat er aus Anlass einer bevorstehenden Elternbeiratswahl alle Wahlberechtigten in der Gemeinde, ihre Stimme fuer die Kandidaten aus den Reihen der katholischen Gemeinde abzugeben.155 Des weiteren bat er die Gemeindemitglieder, an einer Wahlveranstaltung der Zentrumspartei im Ort teilzunehmen. Zwei gemeindeinterne Versammlungen wurden wegen dieser Wahlveranstaltung verlegt.156
1.5 Kontakte zum Apostolischen Bund in den Jahren von 1925 bis 1934
Teilnahmen Ludwig WULFs an Kursen in Schoenstatt bzw. Kontakte zum Apostolischen Bund lassen sich fuer die Zeit seiner ersten Priesterjahre nur spaerlich nachweisen. Die Chronik der Paderborner Schoenstattfamilie von Ernst HOFFMANN notierte ueber seine Person nur kurz: "... und im August wurden abermals 4 Buendler geweiht, von denen aber nur einer (wohl Ludwig WULF, Samietz) sich nachher zu Schoenstatt bekannte." Fuer seine Zeit in Gotha existiert ein Hinweis in derselben Chronik. Gotha wurde auf dem Gautag des Paderborner Priestergaus vom 25.06.1929 als einer von sieben festen Treffpunkten fuer die neu gebildeten Bezirksgruppen festgelegt. In Gotha sollten sich Mitbrueder, welche ihren Dienst in der Diaspora taten, zu regelmaessigen Treffen versammeln.157 Weitere Hinweise fuer den Kontakt Ludwig WULFs aus seiner Gothaer Zeit zum Gau der Paderborner Schoenstattpriester habe ich nicht gefunden.
Aus der Weferlinger Zeit zeugt ein Andenkenzettel von seiner Teilnahme an den Exerzitien fuer Bundespriester vom 07.-31.01.1934 in Schoenstatt.158 Ein zweiter Hinweis moegen die Vermeldungen seiner Abwesenheit aus der Gemeinde fuer die Wochen vom 07.-14.05.1933159 bzw. 13.-20.01.1935 sein.160 Fuer den zweiten Termin nannte WULF bei den Vermeldungen ausdruecklich die Teilnahme an Exerzitien als Grund. Paul VAUTIER gibt den 13.-17.01.1935 als Termin fuer eine "Tagung fuer Bundespriester" an.161 Hingegen gibt es fuer den ersten Termin sowohl bei Paul VAUTIER als auch bei Ernst HOFFMANN keine Anhaltspunkte.
Ludwig WULF war in den Gau der Paderborner Schoenstatt-Priester auch nach seiner Priesterweihe eingebunden. Er nahm an Tagungen in Schoenstatt, die gewoehnlich im Januar stattfanden, teil. Ueber die Resonanz der Kurse bzw. der Gruppentreffen auf das Leben Ludwig WULFs lassen sich fuer den Betrachtungszeitraum keine Aussage machen.
Zum Leben der Gruppen der Schoenstatt-Priester in der Erzdioezese Paderborn existierten im Betrachtungszeitraum laut Ernst HOFFMANN folgende Quellen: "Was darum als Quellen zur Verfuegung steht, sind lediglich die vom Schreiber seit 1924 gesammelten Schriftstuecke, meist vom damaligen Dioezesanpraesens, einige vom Gaudirektor P. Kolb, ferner einige Briefe eines Abt.-Fuehrers und die in unsern Zeitschriften ST162 und MTA veroeffentlichten Berichte und Aufsaetze unserer Mitbrueder aus der Dioezese. Dazu kommt der ziemlich umfangreiche Briefwechsel einer alten Priestergruppe."163 Ludwig WULF wird in der Chronik von Ernst HOFFMANN mit Namen nicht einmal genannt. Ich schliesse dennoch nicht aus, dass Beitraege von ihm in den genannten Zeitschriften oder vielleicht sogar Ausschnitte seiner Briefe in der Chronik von Ernst HOFFMANN gedruckt sind, denn viele der Beitraege bzw. Ausschnitte erschienen ohne Angabe des Autors. Fuer die Anfertigung zukuenftiger Detailstudien ueber die Ausbreitung der Schoenstattbewegung wird auf die Bereitstellung moeglichst vieler Privatbriefe und auf die Ermittlung der Autoren der Beitraegen in "SAL TERRAE" bzw. der Zeitschrift MTA zu hoffen sein.
1.6 Vikar in Gelsenkirchen (1935-1937)
Fuer diese Zeit in Gelsenkirchen habe ich keine weiteren Nachforschungen angestellt, da ich mich hier auf seine Taetigkeit in der Mitteldeutschen Diaspora beschraenke.
Ludwig WULF trat seinen Dienst als Vikar am 23.05.1935 in der Pfarrei St. Georg an.164 Knapp ein Jahr befand sich seine Dienstelle gemeinsam mit der von Hugo AUFDERBECK in einer Stadt. Dieser begann seinen Dienst als Religionslehrer am Lyzeum Aloysianum am 23.04.1936.165 Es war seine erste Dienstelle.166 In dieser gemeinsamen Zeit in Gelsenkirchen begann die lebenslange Freundschaft zwischen Hugo AUFDERBECK und Ludwig WULF.167
Nach Auskunft von Marlies SELLMANN habe Ludwig WULF gegenueber seinen Vorgesetzten in Paderborn geaeussert, fuer die naechste Versetzung wieder in die saechsische Diaspora versetzt werden zu wollen.168 Mit der Versetzung nach Neumark waere diesem Wunsch somit stattgegeben worden.
1.7 Pfarrvikar in Neumark (1939-1945)
1925 wurde in der Siedlung Neumark-Petzkendorf von Bischof Dr. Caspar KLEIN die St. Heinrichskirche eingeweiht.169 Einen eigenen Geistlichen erhielt die Gemeinde ab 1926. Die Gemeinde Neumark wurde als Filialgemeinde der katholischen Pfarrei St. Norbert in Merseburg errichtet. Eine Festrede aus Anlass des 125-jaehrigen Bestehens dieser Gemeinde laesst die Geschichte der Pfarrei Revue passieren.170 Unter der Jahreszahl 1922 wird in ihr folgendes gesagt: "1922 war das Geiseltal Schwerpunkt der Seelsorge. Dort wohnten mehr als 2000 Katholiken."171
Seit 1906 entstanden im mittleren Geiseltal eine Reihe von Fabriken zur Foerderung von Braunkohle.172 1915 betrug die Foerdermenge das 35-fache der von 1907.173 Zwischen den Jahren 1910 und 1920 versechsfachte sich die Zahl der Arbeitskraefte im Braukohlebergbau des Gebietes.174 1917 wird das Leunawerk als Direktabnehmer der Braukohle im Geiseltal gegruendet.175 1910 ging die Grube "Leonhardt" bei Neumark in Betrieb, welche 1924 950 Arbeiter beschaeftigt.176 1940 waren 6.600 Arbeitskraefte im Braukohlebergbau des mittleren Geiseltals beschaeftigt,177 1936 errichtete die Wintershall AG am Westrand von Neumark ihr Werk Luetzkendorf zur Herstellung von Flugzeugbenzin und Motorenoel178.
Waehrend es 1902 nur 96 Katholiken im mittleren Geiseltal gab, machte die Zahl von 250 Katholiken Anfang der zwanziger Jahre den Bau einer Kirche, der St. Heinrichskirche in Neumark, notwendig. 1927 zaehlte die Gemeinde bereits 762 Glieder, einen Arbeiter-, Muetter- und Juenglingsverein und eine Jungfrauenkongregation. Bei seinem Amtsantritt am 05.05.1937179 fand Ludwig WULF ca. 800 Gemeindemitglieder vor.
Das Leben der katholischen Gemeinde in Neumark war Ende der dreissiger Jahre wesentlich durch Schichtrhythmus und Arbeiterschaft des Braukohlebergbaus im mittleren Geiseltal und der Industrie im Raum Merseburg-Leuna gepraegt.180
Ludwig WULF war waehrend seiner Amtszeit mit der durch das nationalsozialistische Regime herbeigefuehrten Zwangsansiedlung von Arbeitskraeften konfrontiert. Lothar PIETRUSKA, Ministrant zur Zeit von Ludwig WULF, wusste mir von auslaendischen Arbeitskraeften aus Holland, Belgien, Italien, Frankreich, Polen und Russland, die im Werk der Wintershall AG beschaeftigt waren, zu berichten.181 Er spricht in diesem Zusammenhang auch von der Existenz einer Aussenstelle des KZ's Buchenwald. Nach Auskunft von Haeftlingen des KZ's Buchenwald befand sich bei Luetzkendorf (Standort des Werkes der Wintershall AG am Westrand von Neumark) tatsaechlich eine Aussenstelle des KZ's Buchenwald.182 PIETRUSKA fuehrte mich zu 47 Graebern polnischer Personen und berichtete mir mit Traenen in den Augen, wie Ludwig WULF ihn als Ministrant zu Versehgaengen auf das Gelaende eines "Gefangenenlagers" am Rand von Neumark bzw. zur Beerdigung von auslaendischen Arbeitern, hauptsaechlich Polen, mitnahm. WULF hatte sich dabei gegenueber den Aufsehern wegen der Mitnahme des Ministranten und eines Prozessionskreuzes zu rechtfertigen. "... das Kreuz muss dabei sein, und ich kann es nicht alleine tragen."183 Wegen seines Einsatzes fuer die Gefangenen und Aufrufen im Rahmen der Gottesdienste, den Gefangenen Kleidung zur Verfuegung zu stellen, habe Ludwig WULF ein paar Mal kurz vor der Verhaftung durch die SS gestanden. Unter der Bevoelkerung in Neumark gab es geheim und vereinzelt solidarische Aktionen. So wurden russischen Zwangsarbeitern, die gerade dabei waren einen Schacht fuer Telefonkabel auszuheben, Lebensmittel zugesteckt, nachdem man vorher die Loyalitaet der Aufseher sichergestellt hatte. Die hollaendischen bzw. belgischen Zwangsarbeiter konnten sich im Dorf frei bewegen. Ludwig WULF stellte aus hollaendischen, belgischen bzw. italienischen Zwangsarbeitern eine Schola fuer den Gemeindegottesdienst zusammen (Alles nach Auskunft von PIETRUSKA).
Abgesehen von dem Hinweis auf ein Aussenlager des KZ's Buchenwald bei Luetzkendorf habe ich ueber die zwangsweise Ansiedlung von Arbeitskraeften bei Neumark in der von mir bearbeiteten Literatur nichts finden koennen. Die Errichtung des Werkes der Wintershall AG im Jahr 1936 fiel in die Zeit der anhebenden Ruestungskonjunktur. Die von Lothar PIETRUSKA beschriebenen Szenarien passen zu dem, was ueber Zwangsarbeit bzw. Zwangsansiedlung von Arbeitskraeften auf deutschem Boden waehrend der Kriegsjahre bekannt ist.184 Stellten auslaendische Arbeitskraefte schon 1940 9% aller im Deutschen Reich Beschaeftigten,185 waren im August 1944 26,5% aller in der deutschen Wirtschaft Beschaeftigten Auslaender.186 1942 betrug der Anteil der Kriegsgefangenen an den auslaendischen Arbeitskraeften 36%, 1944 waren es nur noch 25%. Der Einsatz von Kriegsgefangenen in der deutschen Wirtschaft ging mit ihrer schonungslosen Entrechtung und Misshandlung einher.187 Die schlechte Behandlung staffelte sich nach Herkunft und Einsatzort. Die in der Industrie eingesetzten erfuhren eine schlechtere Behandlung und erhielten schlechtere Ernaehrung als die Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft. Noch folgenschwerer fuer die Lebensverhaeltnisse der Zwangsarbeiter war die sogenannte rassische Klassifizierung. Besonders schlecht wurden polnische und sowjetische Zwangsarbeiter behandelt, wobei es letzteren am schlechtesten ging.188 Sie waren in geschlossenen Lagern untergebracht und kamen nur in Kolonnen zum Einsatz. An ihnen war jede Art von Seelsorge verboten.189 Von den 5,7 Millionen sowjetischen Gefangenen, die im Laufe des Krieges in deutsche Haende fielen, starben 3,3 Millionen wegen unzureichender Versorgung.190 Die Seelsorge an polnischen Kriegsgefangen war erheblich eingeschraenkt. Ohne besondere Beauftragung konnten die Geistlichen vor Ort nur bei Lebensgefahr des Glaeubigen Sakramente spenden. Dazu hatte die Seelsorge an Personen "polnischen Volkstums" in strenger Isolierung von der deutschen Bevoelkerung zu erfolgen. Beerdigungen hatten in deutscher Sprache, einfachster Form im engsten Kreis und getrennt von der deutschen Bevoelkerung stattzufinden.191
Die Rekrutierung polnischer Zivilarbeiter bildete den Auftakt zu einem im Laufe der Jahre immer staerker anwachsenden Einsatz von Kriegsgefangenen.192 Seit dem Fruehjahr 1942 wurden auch sowjetischen Arbeitskraefte zwangsrekrutiert und nach dem Zusammenbruch in Italien auch Italiener, die als "Verraeter" den Sowjets in der Behandlung gleichgestellt wurden,.193
Der Bericht von Lothar PIETRUSKA bestaetigt die Darstellung von Erwin GATZ ueber die Seelsorge an Nichtdeutschsprachigen im Zweiten Weltkrieg im Band II der von ihm herausgegebenen "Geschichte des kirchlichen Lebens".194 Heinrich PIETRUSKA bezeugt die Staffelung in der Behandlung der Zwangsarbeiter nach ihrer Herkunft. Er berichtet von einem Lager, in dem Russen untergebracht waren, von der Beerdigung polnischer Arbeiter auf getrennten Friedhoefen und einer groesseren Freizuegigkeit fuer hollaendische und belgische Kriegsgefangene.
Ludwig WULF schien sich nach Aussen an die von den nationalsozialistischen Machthabern gesetzten Rahmenbedingungen fuer die Seelsorge an Kriegsgefangen zu halten Im Gespraech mit Gemeindemitgliedern setzte er sich jedoch fuer die Solidarisierung mit den Gefangen, im Rahmen der Moeglichkeiten, ein. Dabei weckte er das Misstrauen der nationalsozialistischen Funktionstraeger und wurde mehrmals auf die Behoerde bestellt. Wegen unzulaessiger Seelsorge bzw. Solidarisierung mit Kriegsgefangen waehrend seiner Taetigkeit wurde er im zweibaendigen Werk "Priester unter Hitlers Terror" jedoch nicht aufgelistet. Dort ist er wegen "Verhoer und Haussuchung im Zusammenhang mit der Aufloesung des Jugendvereins" verzeichnet. 195
Im Fruehjahr 1944 begannen die Bombenangriffe, die besonders dem Werk der Wintershall AG galten. Verheerend waren vor allem die Feindanfluege vom 28.05.1944, bei denen annaehernd 200 Bomben auf Neumaerker Territorium geworfen wurden.196 Kirche und Pfarrhaus der Gemeinde St. Heinrich in Neumark sind am Ende des zweiten Weltkrieges voellig zerstoert und alle Kirchenbuecher vernichtet.
Das Gespraech mit Lothar PIETRUSKA gibt von einigen weiteren Akzenten des Wirkens Ludwig WULFs als Pfarrer in der Gemeinde Neumark und Priester in der mitteldeutschen Diaspora zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft Zeugnis. Danach verstand er es, Gottesdienst und Sakramentenspendung zum Zentrum des Gemeindelebens zu machen. Alle kirchlichen Mitgliedervereine wurden durch die nationalsozialistischen Machthaber spaetestens 1938 zwangsaufgehoben und damit war das kirchliche Leben aus der Oeffentlichkeit verbannt. Vieler Orts kam, durch die liturgische Bewegung in den dreissiger Jahren vorbereitet, in den Pfarrgemeinden die nonverbale Sprache der Liturgie und der Sakramente zum tragen.197 So waren Gottesdienste bzw. Andachten waehrend der Amtszeit von Ludwig WULF Orte der Integration verschiedener Gruppen bzw. des priesterlichen Zuspruchs an den Einzelnen. In den Gottesdiensten rief er die Gemeindemitglieder zum caritativen Handeln an den Gefangenen auf. Seine Begleitung auf den Versehgaengen in die Krankenbaracke des Zwangsarbeiterlagers durch einen Ministranten begruendete er damit, dass es notwendig sei, ein Kreuz mitzufuehren, welches er nicht alleine tragen koenne. Dort, wo sein seelsorgliches Wirken an die Grenzen des durch die nationalsozialistischen Machthaber Erlaubten stiess, half sich Ludwig WULF mit der Sprache der religioesen Symbole und der verkuendigenden Kraft der Sakramente.
1.8 Teilnahme an Exerzitien in Schoenstatt von 1935 bis 1945
Nach den Auflistungen der Teilnehmer auf den Andenkenzetteln198 zu den in Schoenstatt stattgefundenen Exerzitienkursen hat Ludwig WULF von 1935 bis 1945 an folgenden Terminen an Exerzitien in Schoenstatt teilgenommen:
06.-11.01.1936: [Das Thema ist unklar.]199
23.-29.07.1939: [Priesternot]
21.-27.01.1940: [Priesternot]
26.-01.02.1941: [Der Apokalyptische Priester]
Eine Begegnung mit Pater KENTENICH waehrend des Kurses 1939 beruehrte Ludwig WULF aehnlich intensiv, wie das erste Zusammentreffen Anfang der zwanziger Jahre.200 Sie fand im Rahmen eines Beichtgespraeches am letzten Abend des Kurses, einem Freitag, statt201 und hat ihn derart bewegt, dass er von diesem Freitag an sein ganzes Leben lang die Wochen zaehlt.202 Auf der Basis dieser genauen Erinnerung ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Termin im Juni 1939 um den regulaeren Jahreskurs 1939/40 "Priesternot" 203 handelte.
Fuer den Januar 1941 gibt Ludwig WULF verschiedentlich an, an zwei hintereinander liegenden Kursen teilgenommen zu haben, zuerst an einem Kurs "ueber die Apokalypse"204 dem sich ein Kurs "ueber Mystik"205 anschloss. Im ersten Fall handelte es sich wohl um den regulaeren Jahreskurs 1940/41 "Der Apokalyptische Priester" und im zweiten um eine aktualisierte Neuaufnahme des Seelenfuehrerkurses aus dem Jahr 1927 ueber Mystik.206 Der Druck einer Mitschrift dieses Kurses aus dem Jahr 1977 unter dem Titel "Wachstum im hoeheren Gebetsleben" gibt als Termin den 20. bis 22. Januar 1941 an.207 Ein Andenkenzettel, der Ludwig WULF als Teilnehmer an Priesterexerzitien in Schoenstatt auswies, hielt fuer Januar 1941 den Termin 26.01 bis 01.02. fest. Da auf diesem Andenkenzettel Offb. 22,20 zitiert wurde, vermute ich, dass der Exerzitienkurs ueber den "Apokalyptischen Priester" zu diesem Termin gehoert. Dann muesste der anschliessende Kurs ueber Mystik nach der Erinnerung Ludwig WULFs in der ersten Februarwoche gehalten worden sein. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass Pater KENTENICH den Kurs ueber Mystik an beiden Terminen, vom 20. bis zum 22.01 und in der ersten Februarwoche 1941 hielt.
Als regulaere Jahreskurse fuer die zwei verbleibenden Termine kaemen fuer den Januar 1936 die Exerzitienkurse "Erloester Mensch" bzw. "Heroischer Mensch" in Frage.208 Im Januar 1940 hat Ludwig WULF entweder an einem der Jahreskurse "Priesternot" bzw. "Der Apokalyptische Priester" ein zweites Mal teilgenommen oder einen Kurs ausserhalb des Jahresprogramms besucht. Da der zitierte Bibelspruch auf dem Andenkenzettel fuer den Termin 1939 und 1940 der selbe ist, gehe ich davon aus, dass Ludwig WULF 1940 ein zweites Mal den Kurs "Priesternot" besuchte.
Als Ludwig WULF bei seiner Erzaehlung vor Schoenstattpriestern im August 1974 nach seinen Kontakten mit Pater KENTENICH gefragt wurde, konnte er sich nur noch daran erinnern, einmal waehrend dieses Zeitraumes bei einem Exerzitienkurses im Januar bei ihm gebeichtet zu haben.
Beide Kurse, "Priesternot" und "Der Apokalyptische Priester", enthalten die fuer Pater KENTENICH typische Deutung, dass die gegenwaertige Zeit eine Endzeit sei. Ludwig WULF lebte aus dem Bewusstsein "in einer Zeitenwende"209 zu stehen. Dieser Perspektive entsprach gerade auch die Situation der Kirche auf dem Gebiet der SBZ/DDR.210 Vielleicht wurde sie durch die beiden Kurse im Zusammenspiel mit seinen Erfahrungen im Dritten Reich211 bei ihm besonders ausgepraegt.
1.9 Pfarrer in Hadmersleben (1945-1967)
Noch waehrend der Kriegshandlungen erhielt Ludwig WULF im Januar 1945 die Ernennung als Pfarrer von Hadmersleben. Sie erfolgte durch Erzbischof JAEGER212. Die Nichte Ludwig WULFs wusste zu berichten, dass die Versetzung nach Hadmersleben auf Betreiben von Wilhelm WESKAMM wegen der Naehe zu Magdeburg geschehen sein soll. Weskamm habe den Mitbruder in seiner Naehe haben wollen.213 Den Dienst als Pfarrer von Hadmersleben tritt Ludwig WULF erst ein halbes Jahr nach seiner Ernennung, im Juli 1945 an.214
Der Ort liegt noerdlich des Harzes in einem der fruchtbarsten Gebiete Mitteldeutschlands, der Magdeburger Boerde. Zu der Pfarrei Hadmersleben gehoert eine saekularisierte Klosteranlage. Die ehemalige Klosterkirche ist der um das Kloster entstandenen Gemeinde vom preussischen Staat Anfang des 19. Jahrhunderts als Pfarrkirche zugewiesen worden.215
1.9.1. Integration der Fluechtlinge aus den Ost- bzw. Suedostgebieten in die Gemeinde Hadmersleben
Das Bild der Gemeinde Hadmersleben aenderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend. 1949 lebten dort doppelt so viele Katholiken wie noch 1941.216 Im Fruehjahr 1945 sammelten sich zunaechst in Folge der von Westen vorrueckenden Frontlinie von dort evakuierte und dann in Magdeburg ausgebombte Menschen in der Magdeburger Boerde.217 Am 20. November 1945 trat dann der Ausweisungsplan des alliierten Kontrollrates in Kraft. Dieser sah die Ausweisung von 6,65 Mill. Menschen aus den Ost- und Sued-Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches vor. In Bewegung kamen schliesslich 12 Mill. Menschen aus diesen Gebieten.218 Infolge dieser gewaltigen Wanderbewegungen kamen etwa 400.000 Kriegsfluechtlinge auf das Gebiet des Erzbischoeflichen Kommissariates Magdeburg. Im Jahr 1949 war hier eine Zunahme der Katholiken um 373,3% im Vergleich zum Vorkriegsstand zu verzeichnen.219
Fuer Hadmersleben beschrieb Ludwig WULF die Situation in Folge des Eintreffens der Fluechtlinge aus den Ost- bzw. Sued-Ostgebieten wie folgt: "Die grosse Klosterkirche hatte fuer alle Platz und gab den Ungluecklichen ein Stueck Heimat. In den armseligen Wohnungen aber fielen sich die zusammengedraengten Familien gegenseitig zur Last. Im Pfarrhaus wurden drei Familien untergebracht, so dass dem Pfarrer nur ein Arbeitszimmer, eine Wohnkueche und anderthalb Schlafzimmer blieben. In der Kirche ist oft die hl. Stille gestoert, weil den vielen Mietern im Kloster der Raum um die Kirche fuer ihre kleine Wirtschaft ueberlassen ist."220
Von 1949 bis 1961 sank die Zahl der Katholiken in Hadmersleben wieder auf 940. Nach Gruendung der DDR setzte eine Fluchtbewegung ein, die bis zum Mauerbau anhielt. 1,1 Mill. Katholiken verliessen in dieser Zeit die DDR in Richtung Bundesrepublik.221 Das relativierte den Zuwachs an Katholiken nach dem Zweiten Weltkrieg. Betrug dieser 1949 156 %222, so lebten 1961 hier nur noch 45 % mehr Katholiken als vor dem Krieg.
Um den Vorgang der Integration der Fluechtlinge in die Gemeinde Hadmersleben zu skizzieren stelle ich Aussagen von drei Frauen aus Hadmersleben bzw. der Filialgemeinde Kleinoschersleben knapp zusammen. In Gespraechen mit ihnen ueber Pfarrer WULF kamen sie gelegentlich auch auf ihre Herkunft und die Situation der Fluechtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg in der Pfarrei Hadmersleben zu sprechen. Ihre Zeugnisse sind deshalb nur exemplarisch und auf keinen Fall repraesentativ. Ursula ROEDIGER223 beschreibt, wie in der Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen "Hiesigen" und "Fluechtlingen" unterschieden wurde. Unter den Fluechtlingen galt anfangs die Devise, sich nicht mit "Hiesigen" zu verheiraten. Diese Vorgabe wurde jedoch bald aufgegeben. Maria DRESCHER224 berichtet vom Tod ihres 16-jaehrigen Bruders nach der Ankunft in Hadmersleben in Folge einer Typhusinfektion und erwaehnt in diesem Zusammenhang eine grosszuegige Zuwendung eines Hadmersleber Katholiken an ihre Familie. Marta TIETBOEL225 verlor 1948 ihren Mann. Die Andachten am Sonntagnachmittag in der Kirche Kleinoschersleben boten ihr die Moeglichkeit, in ihrer schweren Situation Ruhe und Orientierung zu finden. Diese Andachten boten auch Gelegenheit zur Kontaktnahme zu Ludwig WULF, ihrem spaeteren Seelenfuehrer. Spaeter engagierte sie sich in einer von Ludwig WULF ins Leben gerufenen Frauengruppe und liess sich als Laienhelferin226 fuer den Religionsunterricht in der Gemeinde Kleinoschersleben gewinnen. Ueber Ludwig WULF fand Marta TIEBOEL Kontakt zum Schoenstattzentrum Friedrichroda. Als Traegerin der Muetterarbeit in der Schoenstattbewegung schuf sie sich ein weiteres reiches Betaetigungsfeld im Raum der katholischen Kirche.
Erstmals wurde ein Vertreter der Fluechtlingsgruppe am 06.07.1948 in den Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde aufgenommen. Dies konnte geschehen, weil ein Hadmersleber Katholik auf seine Mitgliedschaft zu Gunsten dieses Vertreters verzichtete.227 In einer Vorstandssitzung am 15.06.1952 wurde eine Person aus der sudentendeutschen Gruppe in den Kirchenvorstand aufgenommen. In gleicher Weise wie 1948 verzichtete ein angestammtes Mitglied zu Gunsten eines Vertreters der Fluechtlinge auf sein Mitgliedschaft.228 Die ordentliche Neuwahl des Kirchenvorstandes vom 29.07.1956 bestaetigte die beiden Nachruecker aus Oberschlesien bzw. Sudetendeutschland.
1.9.2 Akzente Ludwig WULFs in der Gemeindeseelsorge
Mit Roland STEINKE, der Kindheit und Jugend in Alikendorf bei Hadmersleben verlebte, kam ich ins Gespraech ueber die Wirksamkeit Ludwig WULFS als Gemeindeseelsorger. Nach seinem Zeugnis setzte Ludwig WULF wesentliche Akzente seiner seelsorglichen Arbeit im Gottesdienst. Der wuerdige Vollzug des Gottesdienstes war Ludwig WULF sein ganzes Leben hindurch ein spuerbares Anliegen. Roland STEINKE berichtet von einer enormen Anspannung zum Beispiel vor Fronleichnamsprozessionen bei Pfarrer WULF, obwohl er schon mehr als 30 Jahre Priester war: "Bei ihm gab es keine Routine". Ludwig WULF sei leicht in Erregung zu bringen gewesen, nahmen die Ministranten den Dienst am Altar nicht ernst genug. Das Wirken Ludwig WULFS regte Roland STEINKE an, den Weg zum Priestertum zu beginnen. Das Priesterbild Roland STEINKEs wurde jedoch, waehrend seiner Zeit im Norbertinum, derart relativiert, dass er sich fuer seine Berufswahl neu orientierte.
Unter Ludwig WULF habe taeglich die dem Verlauf des Kirchenjahres entsprechende Andachtsform das Leben der katholischen Pfarrgemeinde Hadmersleben begleitet. Weiter berichtet STEINKE, dass Ludwig WULF den Brauch einer Andacht vor einem Bildstock der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schoenstatt an jedem 18. des Monats aus dem Brauchtum der Schoenstattbewegung fuer seine Gemeinde uebernahm. Dieser Brauch war in der Gemeinde so selbstverstaendlich vollzogen worden, dass Roland STEINKE erst nachdem er zu Tagungen der Schoenstatt-Mannesjugend nach Friedrichroda gefahren war, ihn als Brauch in der Schoenstattbewegung identifizierte. Vorher war er der Ueberzeugung, diese Andacht gehoere fuer jede Gemeinde zum liturgischen Programm des Kirchenjahres.
Wie Marta TIETBOEL fand auch Roland STEINKE in Ludwig WULF seinen geistlichen Begleiter. Zusammenfassend stellt Roland STEINKE fest, dass die Wirksamkeit Ludwig WULFs als Gemeindeseelsorger hauptsaechlich in seiner Froemmigkeit und seiner Einfachheit begruendet lag. Fuer den alltaeglichen Umgang mit den Gemeindemitgliedern beschreibt er Ludwig WULF als eine mit grosser Unsicherheit auftretende Person. Die gesellige Konversation habe Ludwig WULF nicht gelegen.
Nach dem Zeugnis von Roland STEINKE bleibt festzuhalten: In Ludwig WULF erlebte die Gemeinde Hadmersleben einen Priester mit hohem Einsatz fuer die Feier der Liturgie und die Praesentation des Heiligen in der Gemeinde mit Kompetenzen im seelsorglichen Gespraech.
1.9.3 Standortbestimmung der katholischen Kirche auf dem Gebiet der SBZ/DDR
Die Sammlung der Glaeubigen im sozialistischen Staat verfolgte, unter Auswertung und Einbindung der Erfahrungen der Pfarrseelsorge im Dritten Reich, nicht mehr das Ziel, eine alternative Lebenswelt neben der Gesellschaft zu errichten, sondern geschah im Bewusstsein, in einem Staat zu existieren, dessen weltanschauliche Grundlage einen Gottesglauben nicht anerkannte. In dieser Bewertung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fuer die Kirche auf dem Gebiet der SBZ/DDR stimmten die zustaendigen Ordinarien ueberein. Dennoch kamen sie zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen fuer die Ausrichtung von Seelsorge auf dem Gebiet der SBZ/DDR. So war der erste amtierende Bischof von Berlin nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, Konrad Graf von PREYSING, an der Beseitigung des Systems als notwendige Bedingung fuer das kirchliche Leben auf diesem Gebiet interessiert.229 Dagegen hatten Wilhelm WESKAMM und Hugo AUFDERBECK jedoch andere Perspektiven. Sie sahen die Kirche auf dem Gebiet der SBZ/DDR als eigenes Lebensgebilde an, welches zwar bedroht und von geringem Ausmass war, aber dennoch vollwertig das Wirken Christi gegenwaertig setzte. Sie begriffen Kirche im sozialistischen Staat als moegliche und sogar als besonders verheissungsvolle Existenzform des Leibes Christi.230 Freilich waeren die religionsfeindlichen und Gott leugnenden Kraefte des System am Ende zu ueberwinden, vorerst jedoch habe die Kirche auch in dieser Gesellschaft eine Sendung.231 Sie vertraten die Ansicht (in dem Fall AUFDERBECK): "Nicht die Bekaempfung des Kommunismus sondern der Aufbau des Leibes Christi"232 sei Ziel der Kirche.
Einen Extrakt seiner Ueberlegungen ueber die Sendung der Kirche im Sozialistischen Staat bot AUFDERBECK in der von ihm verfassten Schrift "Stunde der Kirche"233. Anschliessend an eine fundierte Auseinandersetzung mit der weltanschaulichen Grundlage des Sozialistischen Staates stellte er dort seine Vision fuer die Existenzweise der katholischen Kirche in der DDR dar. In dieser ueberschritt er die Zielvorstellung "katholisches Milieu"234, welches die bereitliegende Existenzform von Kirche in saekularer Umwelt war. In seiner Vision vom "Dombau im Heiligen Geiste" ging es ihm nicht um die Sicherung einer Alternativgesellschaft, sondern um die Bereitschaft, das Wachsen des Reiches Gottes und das Wirken Christi in religionsfeindlicher Umwelt zu vermuten. Dem Vertrauen auf das Wirken Christi in einer solchen Umwelt entspraeche die Bereitschaft der Glaubenden, sich als Gottesdienstgemeinschaft zu versammeln, von der Wahrheit des Glaubens Zeugnis zu geben und sich Notleidenden im helfenden Dienst zuzuwenden.235
Versammlungen von Standes- und Berufsgruppen hatten nach dem Entwurf von AUFDERBECK vor allem die Aufgabe, das Zeugnis der Glaeubigen in religionsfeindlicher Umwelt zu ermoeglichen. Ihre Aufgabe waere es nicht gewesen, gesellschaftliches Handeln auf den Rahmen einer katholischen Lebenswelt zu beschraenken, sondern die Glaeubigen fuer die Interaktion mit der Gesellschaft zu ruesten.236
1.9.4 Standortbestimmung der Gemeinde Hadmersleben
Ludwig WULF brachte in seiner Gemeinde schon wenige Jahre nach Kriegsende eine sehr breit angelegte Standortbestimmung in Gang. Aufhaenger dieser Gemeindeerneuerung war die Feier des Tausendjahr-Jubilaeums der Gruendung des Klosters zu Hadmersleben am Fest Peter und Paul im Jahr 1961. In einem Text ueber das sogenannte "Pfarrideal" sah WULF in den beiden Apostelfuersten und Patronen der Gemeinde, Petrus und Paulus, und im Hl. Benedikt,
Ordensvater fuer die Benediktinerinnen des Klosters Hadmersleben, vorbildhafte Gestalten einer missionarisch wirkenden Kirche unter widrigen Umstaenden. Ludwig WULF begriff wie Hugo AUFDERBECK und Wilhelm WESKAMM Kirche in der DDR als heilsgeschichtlich verheissungsvolle Situation und leitete daraus den Anspruch ab, fuer die Wahrheit des Evangeliums in dieser Gesellschaft Zeugnis abzulegen.
"Aber wenn wir unsere Kirchenpatrone237 fragen, sie wuerden sich ohne Bedenken fuer den Osten entscheiden; weil sie fuer Christi Reich nicht nur leben, sondern auch sterben wollten. Aus unserer Situation heraus, die wir mit den Augen unserer Kirchenpatrone sehen lernen wollen, soll uns das Gemeindeideal erwachsen. Einmal haben wir versagt, wie auch unsere Kirchenpatrone. Sie haben es sich aber zur Lehre dienen lassen. Auch wir wollen froh sein, dass sich Gelegenheit bietet, nun noch vieles wieder Gutzumachen. Darum wollen wir gern hier stehen, wo Glauben und Unglauben sich messen werden. - Auch der heilige Benedikt238 zeigt uns unseren Weg. Er erlebte den Untergang einer Welt und wurde der Vater einer neuen. Er brauchte bloss um das wahre Leben in seinem Monte Cassino Sorge zu tragen. Leben waechst und vermehrt sich. Er gab durch seine Kloester der Welt ein neues Gesicht. Auch wir brauchen nur Sorge um das wahre Leben der Seele und der Gemeinde zu haben. Mag es ruhig zuerst schwach und zart sein, moegen ruhig starke Gewalten gegen es auftreten. Nur eine Gefahr kann es dann geben, die Entartung des Lebens. Ihr muessen wir mit allen Mitteln entgegenarbeiten. Wir muessen von der Art des Samenkorns Christi sein, muessen aber auch sterben, wenn wir nicht allein bleiben wollen. So wird alles einen grossen Sinn haben: alles wird der Zeitenwende dienen. Unsere tausendjaehrige Hadmerslebener Klosterkirche laesst uns an die Zeitenwende glauben."239
Ludwig WULF spricht hier von einer Entscheidung fuer den Osten und vom wahren Leben in bedrohter Umwelt. Er spricht von der Hoffnung, dass eine bedrohliche Situation ueberwunden werden kann. Diese Gedanken erinnern an die Worte Wilhelm WESKAMMS von der "Gaertnerei im Norden", die zu bewirtschaften sich lohnt, trotz der "areligioesen und antireligioesen" Atmosphaere.240
Eine besondere heilsgeschichtliche Stunde fuer die Kirche propagierte auch Pater KENTENICH in seinen Exerzitienkursen waehrend des Dritten Reiches.241 Auch er sah in der Zeit der Bedraengnis auf lange Sicht den Sieg des Gottesglaubens und in der Situation der Bedraengnis eine Gelegenheit, den Einzelnen zur Vertiefung seiner Gottesbeziehung zu fuehren. Anstelle von Opfer, Dienst, Zeugnis242 als Ausdruck des Wirkens Christi setzte er "Wachstum im hoeheren Gebetsleben"243 bzw. Intensivierung des Heiligkeitsstrebens. Freilich hatte Pater KENTENICH bei diesen Themen den Kern der Schoenstattbewegung vor Augen und nicht die in den Pfarreien versammelte Basis des Kirchenvolkes. Im Blick auf die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa etablierenden Staaten mit kommunistischer Weltanschauung entwickelte Pater KENTENICH, ebenfalls aus der Annahme einer besonderen heilsgeschichtlichen Stunde fuer die Kirche dieser Gebieten die "Ostsendung". Er meinte damit nicht eine einseitige Missionsbewegung in die kommunistischen Gebiete, sondern verstand diese Sendung als Dialog der Kulturen, in dessen Verlauf das Abendland sich vom Reichtum der Kirchen im Osten beschenken lassen sollte. Dabei ging es ihm aber auch um die Ueberwindung der kommunistischen Weltanschauung.244 Die Schoenstatt-Priester auf dem Gebiet der SBZ/DDR, unter ihnen besonders Ludwig WULF, nahmen diesen Impuls Pater KENTENICHs dankbar auf und rezitierten die von ihm propagierte Sendung Schoenstatts in die oestlichen Kulturkreise mit grossem Einsatz.245
Dass Ludwig WULF mit der Situation der Kirche auf dem Gebiet der SBZ in besonderem Masse einen heilsgeschichtlichen Kairos verband, darauf weist der Begriff "Zeitenwende" im oben zitierten Text hin. Unter "Zeitenwende" verstand er das endgueltige Offenbarwerden der Urheberschaft Gottes fuer alles Geschehende,246 das heisst, eine Endzeitvorstellung. Eine solche ist auch aus der Verkuendigung Pater KENTENICHs waehrend der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft herauszulesen: "Die Zeitverhaeltnisse erinnern uns an ein Gesetz, das Don Cortez247 aus Welt- und Kirchengeschichte herausgelesen hat. Danach gibt es Epochen, in denen die Kirche auf der ganzen Linie zurueckgedraengt wird. Trotz Anspannung aller Kraefte gelingt es ihr nicht, sich aus den Katakomben zu erheben. Erst wenn sie die Begrenztheit des menschlichen Elementes in ihr tief erkennt und lebendig anerkennt, erscheint ploetzlich der ewige Gott wieder auf der Zinne des Tempels der Zeit, blaest in die Posaune, und dann fallen die Mauern Jerichos zusammen."248 Bei seinem priesterlichen Wirken begleitete Ludwig WULF oft die ernste Sorge, er stehle Gott die Autorenrechte: "Die grosse Aufgabe wird deutlicher. Als Vollerloester kann ich sie erfuellen, weil dann nicht ich es bin sondern Christus in mir. ... Unserm Dekanat hielt ich heute vor 14 Tagen zum ersten Mal die Rekollektio. Da habe ich diese meine Verantwortung erlebt, weil mir eine Tuer aufging. Ich kann wohl etwas dafuer arbeiten u. muss alles tun, was ich kann. Aber die Entscheidung wird doch nicht in meiner Hand liegen. Grosse Sorge muss ich haben, dass ich ... nicht Gott die Autorenrechte stehle."249 Den Akzent der Gottesursaechlichkeit kannte auch Hugo AUFDERBECK. So ist die "Auferbauung des Leibes Christi" in der Diaspora nicht zuerst pastorale Strategie sondern "Dombau im Heiligen Geist".
1.9.5 Schulungen als Vorbereitung des Tausendjahrjubilaeums
Folgende Schulungen organisiert Ludwig WULF fuer seine Gemeinde im Zuge der Vorbereitungen des Tausendjahr-Jubilaeums der Gruendung des Klosters zu Hadmersleben: eine Volksmission (1949), eine Missionserneuerung (1950), ein Triduum im Marianischen Jahr 1954, eine eucharistische Woche (1960) sowie fuenf Predigten und Abendandachten in der Woche vor dem Festtag im Jahr 1961.250 Fuer die einzelnen Standes- bzw. Berufsgruppen organisiert er Einkehrtage fuer Maenner251, Frauen, Kinder und Jugendliche. Ab 1957 richtete er einen woechentlichen "Gottestag fuer vorschulpflichtige Kinder" ein.252
1.9.6 Referenten in der Gemeinde Hadmersleben zur Zeit von Ludwig WULF
Die Kontakte Ludwig WULFs im Klerus des Kommissariates Magdeburg mag die Liste der Festprediger anlaesslich der Patrozinien seiner Gemeinde253 verdeutlichen: 1945 und 1946 Propst Wilhelm WESKAMM, Magdeburg; 1947 Pfarrvikar Josef PEUS; 1948 P. FRIEDBERT OFM, Halberstadt; 1949 Praelat Heinrich SOLLBACH; 1950 Pfarrer Max BAHR, Kleinoschersleben; 1951 Praelat Paul REINELT; 1952 Dr. theol. Albert BRANDENBURG; 1953 Pfarrer Heinrich PUETTER, Magdeburg; 1954 Dechant Heinrich KRETSCHMAR; 1955 Pfarrer Reinhold HEUL, Magdeburg; 1956 Dechant KRETSCHMAR, 1957 Regens Heinrich REFFELMANN; 1958 Regens Dr. Ludwig ISKENIUS, 1959 Regens Paul NORDHUES; 1960 Praelat Heinrich JAEGER; 1961 Praelat Hugo AUFDERBECK254.
1.10 Schoenstattpriester im Kommissarirat Magdeburg zur Zeit von Ludwig WULF
Eine Zusammenstellung aus der Sammlung von Pater KRENZ255 zaehlt fuer das Jahr 1945 folgende auf dem Gebiet des Kommissariates Magdeburg wirkende mit Schoenstatt in irgendeiner Weise assoziierte Priester auf:
KRETSCHMAR, Hermann Josef, Weihe: 1924, Pfarrer in Oschersleben, gest.: 1963 in Oschersleben.256
WULF, Ludwig, Weihe: 1925, Pfarrvikar in Neumark bzw. Pfarrer in Hadmersleben, gest.: 1977 in Brandenburg.257
HORN, Josef, Weihe: 1929, Pfarrer in Gentin, gest.: 1965 in Erfurt.258
HOLZEM, Paul, Weihe: 1931, Pfarrer in Weissenfels, gest.: 1991 in Dortmund259
HUPPERTZ, Stefan, 260 Weihe: [keine verfuegbaren Angaben], Pfarrer in Wolfen261, gest.: 1985262.
In der Chronik von Ernst HOFFMANN ueber die Gemeinschaft der Schoenstattpriester in der Erzdioezese Paderborn wird von den oben genannten Priester nur Hermann KRETSCHMAR mit Namen genannt.263 Ohne Nennung seines Namens wird auch Ludwig WULF dort erwaehnt.264
Von den oben genannten Priestern versammelten sich zur "REINISCH-Vigil" bzw. bei Ludwig WULF in Kirchmoeser nachweislich Josef HORN265 und Paul HOLZEM266. Ebenfalls versammelten sich nachweislich folgende nach dem Zweiten Weltkrieg geweihten Priester des Kommissariates Magdeburg zur "REINISCH-Vigil" bzw. bei Ludwig WULF in Kirchmoeser:
AUST, Heinrich, Weihe: 1952, z. Zt. in Magdeburg
LOHSE, Franz-Josef Weihe: 1958, z. Zt. in Oranienbaum .267
Nach Auskunft von Heinrich AUST waren folgende Priester des Kommissariates Magdeburg nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls mit Schoenstatt in irgendeiner Weise assoziiert: AUSTEN, Norbert*; BAHR, Max*; BRINKMOELLER, Alois*; LANGE, Clemens; LUETGEMEIER, Wilhelm*; PAUL, Wolfgang*, STAHLSCHMIDT, Franz*.268 (Mit * versehene Priester versammelten sich nach Auskunft von Heinrich AUST u. a. zu Treffen in Kirchmoeser.)
1.11 Kontakte in die Heimat
Seine Schwester Maria WULF begleitet Ludwig WULF von 1925 an als Haushaelterin in jeden seiner sechs Einsatzorte als Priester. Sie starb am 27.04.1972 in Kirchmoeser und wurde dort auf dem Friedhof Kirchmoeser-Dorf beigesetzt.269 Durch sie hatte Ludwig WULF sein ganzes priesterliches Wirken hindurch Begleitung aus der Heimat.
Nach dem Zeugnis seiner Verwandten270 ist davon auszugehen, dass Ludwig WULF, soweit es die politischen Umstaende zuliessen, wenigstens einmal im Jahr seine Heimat Oberkirchen besuchte. Eine Unterbrechung dieser Gewohnheit ergab sich fuer Ludwig WULF spaetestens mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961. Seit diesem Zeitpunkt waren Reisen auf das Gebiet der Bundesrepublik fuer einen Buerger der DDR erst mit Erreichen des Rentenalters wieder moeglich. In der Zeit von 1961 bis 1965 hatte jedoch seine aeltere Schwester Maria die Moeglichkeit, auf das Gebiet der Bundesrepublik zu reisen. Unmittelbar nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres am 01.08.1965 reiste Ludwig WULF in seine Heimat und bereitete von dort aus eine Reise nach den USA vor, wo er Pater KENTENICH in Milwaukee besuchen wollte.271
Ein grosser Teil der Besuche von Ludwig WULF in seiner Heimat sind durch das Zelebrationsbuch der Kirche St. Gertrud in Oberkirchen belegt.272 Der letzte Reisepass von Ludwig WULF dokumentiert fuenf Reisen auf das Gebiet der Bundesrepublik fuer die Jahre 1974-1977.
Waehrend seiner Zeit als Pfarrvikar in Neumark beherbergte Ludwig WULF seine Neffen273 Ludwig274 und Franz Josef275 SCHAUERTE-WULF fuer einige Monate bei sich. Ludwig WULF hat beide gleichzeitig mit den Jahrgaengen aus seiner Pfarrei auf die Erstkommunion vorbereitet. Ludwig verbringt das Fruehjahr und Sommer 1939 und Franz-Josef das Fruehjahr 1940 oder 1941 in Neumark.276
Ein beeindruckendes Zeugnis fuer die Verbundenheit Ludwig WULFs mit seiner Heimat und seiner Familie ist die von ihm begonnene Familienchronik der Familie SCHAUERTE-WULF. Auf vierzig Seiten stellte er den Stammbaum der Familie, die wirtschaftliche Entwicklung, und eine detaillierte Beschreibung des Hauses zusammen. Auf drei Seiten fuegte er schliesslich eine Wegweisung fuer die Erben des Koess-Gutes, seinen Schwager Franz und seine Schwester Elisabeth, an. Als Zeugnis der Verbundenheit Ludwig WULFs mit seiner Heimat im Allgemeinen und mit den Erben des Koess-Gutes im Besondern bringe ich hier einen laengern Auszug aus der Wegweisung Ludwig WULFs an seine Schwester und seinen Schwager: "Mein lieber Schwager Franz! - ... Deiner Verantwortung kannst Du nur dann gerecht werden, wenn Du fuer Deine Familie "Weg, Wahrheit u. Leben bist (aehnlich wie Christus fuer seine Kirche). 1) Weg. Du kennst die Welt und weisst, wie viele Maenner Irrwege gehen und die Ihrigen Irrwege fuehren. Du aber gehe und fuehre den rechten Weg. ... 2.) Wahrheit, Wahr ist, dass Gott allein von bleibendem, unendlichen Wert ist, dass er unser aller Glueck in seiner Hand haelt, es geben aber auch nehmen kann. Du kennst Die Welt und weisst, was Gott ihr gilt. Du aber sei unbestechlich wahr. Was mehr wert, soll Dir auch mehr gelten, und was weniger wert, soll Dir auch weniger gelten. ... 3.) Leben. ... Etwas gewaltig grosses ist es, einem Kinde das Leben zu schenken, dass ewig Gott loben und preisen wird.
Liebe Schwester Lisbeth! - Ahnst Du, Dass sehr viel in der Verwirklichung des christlichen Familienideals auf Dich ankommt? Du solltest das Herz der Familie sein. Von Dir aus soll das religioese Leben in die Familie pulsen. Nur wegen der heiligen Familien laesst Gott die Welt weiterbestehen. Nur heilige Familien retten die Welt. Nur eine heilige Familie rettet Koess. ... Euer Ludwig. - Weferlingen, den 22. September 1934."277
1.12 Der Besuch bei Pater KENTENICH in Milwaukee im August 1965
Nach schweren Asthmaanfaellen im Februar 1965 stellte sich Ludwig WULF auf seinen Tod ein. Am 25.02.1965 liess er sich die "letzte Oelung"278 geben. Waehrend der kritischen Tage kommt es bei Ludwig WULF zu einer innerlichen Neuorientierung: "Wie ein Schaecher hing ich am Galgen. Ich wollte wie der Schaecher Schluss machen und im Paradies den neuen Anfang machen. Oder wenn Gott anders will, moechte ich neu anfangen mit meiner Lebensaufgabe."279 Wider Erwarten kam es zur Genesung. In den folgenden Monaten plant Ludwig WULF fuer die ersten Wochen nach seinem Eintritt ins Rentenalter eine Reise nach Milwaukee: "Doch wie die Lebensaufgabe noch einmal neu anpacken? Da kam der Gedanke, dass ich es bei P.K (Pater KENTENICH, Samietz) fertig bringen koennte. Nach meiner Entlassung, hoerte ich, dass junge Priester den H.H.P (Hochwuerdigen Herrn Pater, Samietz) besuchten. Nach einem halben Jahr (im August 1965, Samietz) war ich bei ihm. So kam ich zu einem neuen Anfang."280 Ludwig WULF gestaltete die Tage bei Pater KENTENICH als Exerzitien: "Ich werde die Gelegenheit benuetzen, Exerzitien bei ihm zu machen u. versuche einen neuen grossen Anfang zu bekommen."281
Am 01.08.1965 erreichte Ludwig WULF sein 65. Lebensjahr. Anfang August reiste er in seine Heimat und bereitete als Buerger der DDR auf dem Gebiet der Bundesrepublik seine Reise in die USA vor.282 Bevor Ludwig WULF am 05.09.1965283 wieder auf das Gebiet der DDR zurueckgekommen war, hat er 5 Tage bei Pater KENTENICH in Milwaukee verbracht.
UEber das erste Gespraech mit Pater KENTENICH in Milwaukee berichtete Ludwig WULF 1974 wie folgt: "Und dann habe ich also da so'n bisschen erzaehlt von der Krankensalbung, und dann hat er von der REINISCH-Nacht angefangen, und schliesslich sagte er: "Der Pfarrer WULF haelt auch Betrachtungsvortraege fuer Priester." 284 Und da war der Brocken auf einmal so gross, dass ich nicht wusste, wie man den ueberhaupt verschlingen sollte. Ja, da habe ich nur gesagt, dann muss ich eben das Hauptthema, das immer dasselbe ist "persoenliche Erloesung"285 (Die Tonbandabschrift ergaenzt hier "nehmen"). und hab darueber so ein bisschen gesprochen. Und als ich dann fertig war, dann war die Stunde auch herum. Aber dieses Letzte, das war nun die Ueberleitung geworden, So dass ich also jetzt immer ueber persoenliche Erloesung erzaehlt habe, bei HP (Herr Pater, Samietz)".286
Fuenf Tage lang nahm sich Pater KENTENICH je eine Stunde Zeit fuer Ludwig WULF, in denen Ludwig WULF seine Einsichten und Befuerchtungen ueber das Thema "persoenliche Erloesung" artikulierte. Fuer Ludwig WULF waren diese Gespraeche sehr existentielle Vorgaenge. Pater KENTENICH ermoeglichte Ludwig WULF eine quaelende Gewissensfrage auszusprechen und anzuschauen. So hatte die Begegnung mit Pater KENTENICH in Milwaukee wie die vorangegangen aus den Jahren 1922/23 und 1939 ebenfalls einen therapeutischen Effekt.287
Was Ludwig WULF im Februar 1965 mit einem neuen Anfang gemeint haben koennte, vermag ich nicht zu sagen.288 Offensichtlich ist jedoch, dass das Leben Ludwig WULFs mit seiner Entscheidung, ab 1967 in Kirchmoeser das Gedenken an Pater REINISCH zu garantieren289, eine neue Bluete erhielt. Der Besuch bei Pater KENTENICH in Milwaukee hatte die Entscheidung Ludwig WULFs, sich fuer den Ruhestand in Kirchmoeser niederzulassen, sicher mit beeinflusst.
1.13 Pfarrer in Ruhe am Caritasheim St. Ursula in Kirchmoeser (1967-1977)
1.13.1 Das Caritasheim St. Ursula als Veranstaltungsort der REINISCH-Vigilien
Ludwig WULF entschied sich, fuer seinen Ruhestand nicht in seine Heimat nach Oberkirchen zurueckzukehren, sondern ihn als Seelsorger fuer Schwestern und Urlauber290 am Caritasheim St. Ursula in Kirchmoeser zu verbringen. Bei Kirchmoeser grenzte das Erzbischoefliche Kommissariat Magdeburg an das Bistum Berlin. Brandenburg war schon Gebiet des Bistums Berlin. Das Caritasheim wurde seit 1955 von Schoenstaetter Marienschwestern geleitet.291 So ergab sich fuer die Schoenstattpriester aus dem Bistum Magdeburg seit 1962 die Moeglichkeit, sich in der Naehe der Todesstaette von Franz REINISCH jaehrlich zu einem Treffen in seiner Todesnacht (20./21. August) zu versammeln. Ludwig WULF verband mit seinem Ruhestand in der Naehe des Zuchthauses Brandenburg Goerden das Anliegen, das Gedaechtnis an die waehrend der Zeit der nationalsozialisten Herrschaft im Zuchthaus Brandenburg Goerden hingerichteten "Martyrer" wach zu halten. Drei Tage nachdem Ludwig WULF die "REINISCH-Vigil" im Jahr 1964 miterlebte, schrieb er an einen Mitbruder: "Unsere kleine Idealkirche hat Martyrer, aber sie hat auch rechte Martyrer Verehrung. Brandenburg wird die Fackel von P. REINISCH bleiben u. das Flammenmeer der Herz Marien - u. Herz Jesu Verehrung entzuenden."292 Am 02.05.1967 zieht Ludwig WULF mit seiner Schwester in das Pfarrhaus auf dem Gelaende des Caritasheimes St. Ursula in Kirchmoeser ein.
1.13.2 Ludwig WULF und die Opfer von Brandenburg
Waehrend seiner Zeit in Kirchmoeser stellt Ludwig WULF Nachforschungen ueber die waehrend der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Brandburg hingerichteten katholischen Priester an und tritt mit ihren Hinterbliebenen und Bekannten in Briefkontakt. Seine Nachforschungen und die Korrespondenz mit Hinterbliebenen von in Brandenburg hingerichteten Priestern sind heute in zwei Ordnern erhalten.293
UEber folgende, waehrend der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft im Zuchthaus Brandenburg Goerden hingerichtete Priester, stellte Ludwig WULF Nachforschungen an:
geboren am hingerichtet am
ARNOLDS, Johann 07.03.1904 28.08.1944294
KEMPA, Paul 20.05.1906 24.09.1940295
LOSCH, Josef 21.01.1900 29.01.1945296
MUELLER, Josef 19.08.1983 11.09.1944297
REINISCH, Franz 01.02.1903 21.08.1942298
SCHWENTNER, Bernhard 28.09.1891 30.10.1944299
Mit folgenden Personen tauschte sich Ludwig WULF ueber die "Opfer von Brandenburg" brieflich aus:
KOTTMANN, H., Osnabrueck seit 1964: ueber SCHWENTNER
FLACH, L, Sternberg seit 1964: ueber SCHWENTNER
KIEPE, Neustrelitz seit 1968: ueber SCHWENTNER
GRADYS Gross Duengen seit 1969: ueber MUELLER
LINDNER, F. X., Miesbrunn seit 1969: ueber LOSCH
HOUBBEN, H., Montzen seit 1969: ueber ARNOLDS
LOSCH Rottendorf seit 1969: ueber LOSCH
HOFMANN, K., Regensburg seit 1970: ueber LOSCH
HINRICHER, Sr. G. Dachau seit 1970: 2. Priorin im Karmelitinnenkonvent auf dem Gelaende des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau300
KEMPA, B. Duisburg seit 1973: ueber KEMPA
REINISCH, Sr. A Bregenz seit 1973: ueber REINISCH
REINISCH, A. Innsbruck seit 1974: ueber REINISCH301
Bemerkenswert ist der Briefwechsel mit Sr. Gemma HINRICHER, damals Priorin des Karmels von Dachau. Eine kleine Anhoehe (Flurname: Muehlenberg) hinter seinem Haus bezeichnete Ludwig WULF als "Karmel".302 Aus seinen Rechenschaften ueber seine geistliche Tagesordnung geht hervor, dass eine "Wallfahrt zum Muehlenberg"303 zum Tagesprogramm von Ludwig WULF gehoerte. Vom Muehlenberg aus konnte Ludwig WULF das Zuchthaus in Brandenburg sehen und verband sich mittels dieser "Wallfahrt" mit den "Opfern von Brandenburg". Heinrich AUST weiss in seinem Nachruf auf Ludwig WULF zu berichten, dass Ludwig WULF sich, seine Schwester und das kleine Haus beim Caritasheim parallel zum Karmel von Dachau als Karmel von Goerden betrachtete.304
1.13.3 Die Wohnung von Ludwig WULF als Versammlungsort fuer die Schoenstatt- Priester im Kommissariat Magdeburg
Die Chronik der Filiale der Schoenstaetter Marienschwestern in Kirchmoeser haelt fest, dass sich die Gruppe der Schoenstatt-Priester im Kommissariat Magdeburg305 im Zeitraum von Maerz 1970 bis zum Tod von Ludwig WULF im Oktober 1977 13 mal bei Ludwig WULF getroffen hatte. Nach Zeugnis von Heinrich AUST306 waren es sicher mehr als diese 13 Treffen bei Ludwig WULF in Kirchmoeser gewesen. Auch nach seinem Tod ist die Wohnung von Ludwig WULF Versammlungsort fuer die Schoenstatt-Priester im Kommissariat Magdeburg.307
1.13.4 Das Sterben und der Tod von Ludwig WULF
Spaetestens seit dem 10.09.1977 lag Ludwig WULF wieder einmal im Marienkrankenhaus in Brandenburg.308 Erneut hatte er mit schwerer Atemnot zu kaempfen. In den Tagen im Krankenhaus draengte es Ludwig WULF noch einmal seine Einsichten ueber das Problem der "persoenlichen Erloesung"309 zu artikulieren. Jeweils am 21. und am 22. Oktober besuchten Mitbrueder Ludwig WULF im Krankenhaus. Am 21. die Gruppe der Schoenstattpriester und am 22. Heinz SCHUERMANN. Beide Male erlebten die Mitbrueder einen stark geschwaechten Ludwig WULF, der von einem inneren Anliegen gedraengt, erzaehlen wollte. Im Folgenden zitiere ich aus einem Bericht von Heinz SCHUERMANN ueber diesen letzten Besuch bei seinem Freund Ludwig WULF: "... Ich konnte etwa zwischen 10,30 h und 14,20 h - in Abstaenden - bei ihm sein. Ich fand ihn sehr schwach, so dass laengere Unterhaltungen nicht angebracht waren. Morgens sprach er so leise, dass ich ihn kaum verstehen konnte, waehrend er mich deutlich verstand und klar reagierte. Nachmittags wurde die Verstaendigung besser.
In den mehrfachen kurzen Gespraechen versuchte ich anzuknuepfen an dem, was ihm seit vielen Jahren als ganz persoenliche (kontemplative) Erkenntnis geschenkt war: Der persoenliche Einsatz der Liebe Gottes und Christi muesse einen unendlichen Kaufpreis zahlen, um ihn aus seiner Ichhaftigkeit und "Luege", die sich Gottes Gaben immer selbst zuschreibe, herauszuloesen. Ich versuchte ihm zu sagen, dieser Einsatz Gottes und die unendliche Hingabe Christi, die "persoenlichen Erloesungsbemuehungen", sei fuer den Herrn doch gleichwertig Freude und Seligkeit, Auswirkung der innertrinitarischen seligen Selbstaufgabe. Die bevorstehende Begegnung mit dem Herren wuerde ein grosses Fest sein, auf die der Herr sich freue. Als ich meinte, er habe sein Fegefeuer auf Erden wohl schon abgebuesst, winkte er ab. Er bat mich, mit ihm die "Sterbestunde" zu beten. Ich fragte ihn ob wir nicht zusammen noch einmal konzelebrieren sollten, um so ganz ins Opfer Christi einzugehen. Er stimmte offensichtlich freudig zu. Die Schwestern brachten sein Bett in einen unbelegten Nachbarraum. Als ich ihn fragte, ob er eine besondere Votivmesse wuensche, fragte er, ob es eine "um die (persoenliche) Erloesung" gaebe. Ich stellte aus zwei Formularen entsprechende Texte zusammen und sprach ihm die Lesungen in diesem Sinne zu. Das Schuldbekenntnis wurde zu einem Beichtgespraech im Sinne einer zusammenfassenden Generalbeichte; ich gab die Absolution und noch einmal den Ablass fuer die Sterbestunde. In die Fuerbitten versuchte ich die Begegnungen seines Lebens, seiner seelsorglichen Wirksamkeit, seine Umwelt, Verwandten und Freunde hineinzuholen. Nach der Kommunion beteten wir Gebete der Hingabe fuer Sterbende. Beim Abschied war uns beiden klar, dass wir uns nicht wiedersehen wuerden. Ich fand ihn die Stunden ueber voellig ruhig, sorglos und ergeben, so dass ich reich beschenkt von ihm ging."310
Heinz SCHUERMANN gelang es wie Pater KENTENICH, ein Ludwig WULF latent bewegendes Anliegen zu heben. Seit 1974 versuchte Ludwig WULF, der Weisung Pater KENTENICH folgend, seine Einsichten ueber die "persoenliche Erloesung" in Briefen an Professor SCHUERMANN darzulegen.311 Die letzten Tage seines Lebens kehrten in den Begegnungen mit Mitbruedern eine verborgene aber wesensbestimmende Seite Ludwig WULFs hervor.
In den fruehen Morgenstunden des 24.10.1977 starb Ludwig WULF.312 Am 28.10.1977 wird der Leichnam Ludwig WULFs auf dem Friedhof Kirchmoeser-Dorf beigesetzt. Am selben Tag feierten Bischof Hugo AUFDERBECK, Heinz SCHUERMANN, Bekannte und Freunde aus der Schoenstattbewegung am Ort Erfurt in der Hauskapelle des Bischofs ein Requiem fuer Ludwig WULF.313
2
Beachtenswerte Einzellinien im Leben von Ludwig WULF
2.1 Pater KENTENICH als Seelenfuehrer von Ludwig WULF
2.1.1 Pater KENTENICH im Zeugnis von Ludwig WULF
Bei seiner ersten Begegnung mit Pater KENTENICH erfuhr Ludwig WULF in seinem Gespraechspartner einen begnadeten Kenner seelischer Notlagen. Dieser brachte den jungen Theologiestudenten im Laufe des Gespraeches dazu, seinen chaotischen Gemuetszustand zu artikulieren und gab dem Geschehen eine spirituelle Deutung, die Ludwig WULF in Freiheit und mit voller Ueberzeugung annehmen konnte. In diesem Gespraech gelangen Pater KENTENICH zwei Dinge: Zum einen fuehlte sich Ludwig WULF tief verstanden und zum anderen vermochte es Pater KENTENICH, die tiefe religioese Empfindsamkeit Ludwig WULFs als Ressource anzusprechen. In seiner Erinnerung blieb die erste Begegnung mit Pater KENTENICH sehr lebendig. Zu verschiedenen Gelegenheiten liess er Mitbrueder daran teilhaben. Im folgenden zitiere ich zwei von diesen, welche die einfuehlende Kraft Pater KENTENICHs und die Verfassung von Ludwig WULF gut darstellen. Beide Texte geben Gespraeche von Ludwig WULF mit Pater KENTENICH wieder.
Aus seiner Erzaehlung vor Mitbruedern im August 1974:
""Was haben Sie denn die letzte Nacht getraeumt?" Das war auch zum Beispiel so eine Frage. Und ich weiss noch, was ich so getraeumt habe, so einen ganz unruhigen Traum, wie ich mal bei einer Lungenentzuendung ihn hatte. Dass ich also meinetwegen 1000 Taler zaehlen musste, aber jeden Taler umlegen. Und dass ich darueber in eine Verzweiflung geriet - es war also so ein Alptraum. Und da war ich auch unter einem solchen Zwang am Zaehlen. Deshalb sagte ich, "ja, ich habe also die ganze Nacht im Traum zaehlen muessen." Und da meinte er, "das ist eben so'n abstrakter Typ, ja?
Auf jeden Fall brauchte er auch solche Mittel, in eine Seele hineinzuschauen. Und dann hat er schliesslich die Frage gestellt, wie es denn ginge. Und dann habe ich losgelegt. Es war - wenn ich an einzelne Dinge denke - oft rechter Bloedsinn. Dass ich zum Beispiel sagte, der Puls, der ist ueber 100 (waehrend ein Fussballmann in der hoechsten Aktivitaet mindestens 150 hat). Ich hielt das aber schon fuer ein Zeichen, wie schlecht es mir ging. Auf jeden Fall, soviel war eben klar, dass er dann abgeschlossen hat mit dem Satz: "Ja, dann sind Ihre Nerven kaputt, und das ist ein sehr schweres Kreuz."
In dem Augenblick, da war mir klar, kein anderer wuerde so etwas sagen. Aber ich fuehlte mich ernst genommen. Er sah also, was los war, und dann hat er die zweite Frage gestellt - das hat er immer in solch verzweifelten Faellen getan, deshalb kann man das ruhig erzaehlen: "Wollen Sie denn nicht das Kreuz annehmen aus Liebe zum gekreuzigten Heiland und um Ihm zu helfen, unsterbliche Seelen zu retten?" Und als diese Frage kam, habe ich so gedacht: ja, wenn du so fragst, da kann man nicht Nein sagen. Und dann bleibt einem nichts anderes uebrig, als Ja sagen"."314
Aus einem Brief an einen Mitbruder aus dem Jahr 1969:
"Bei einem Theologenkurs im Jahre 1922 brachte ich es nicht mehr ueber mich, an den Vortraegen, Aussprachen und Mahlzeiten teilzunehmen. Fuer die Aussprache mit dem Herrn Pater stand ich ein paar Mal umsonst in der Reihe, sodass er mich fragte: "Muessen Sie immer noch warten?" Ich wollte nicht abreisen, ohne mit ihm gesprochen zu haben, obschon ich nicht glauben konnte, dass er mir helfen koennte. Als ich ihm meine verzweifelte Lage erzaehlte, sagte er: "Dann sind Ihre Nerven "Kaputt", das ist ein schweres Kreuz. Aber wollen Sie nicht Ihr schweres Kreuz annehmen aus Liebe zum gekreuzigten Heiland, um ihm zu helfen, unsterbliche Seelen zu retten." Ich nehme an, dass er fuer mich einen Loesepreis anbot. Zu meiner Ueberraschung habe ich laut "Gerne" gerufen. So bin ich zu einem Erloesungserlebnis gekommen, das ich oft erneuern konnte, weil das Kreuz nicht von mir genommen wurde."315
Eine weitere Begegnung dieser Art weiss Ludwig WULF aus dem Jahr 1939 zu berichten. Pater KENTENICH fing seinen Traenenausbruch mit den Worten auf: "Es ist gut dass mal Traenen kommen. Das macht die Brust frei. Genieren Sie sich gar nicht. Ich bete und opfere mit ihnen".316 Wieder stellte Pater KENTENICH die leidvolle Situation vor einen religioesen Hintergrund: "Ich bete und opfere mit Ihnen."317 Und ein weiteres ist bemerkenswert: Ludwig WULF hatte seit seiner Studentenzeit mit schwerem Asthma zu kaempfen.318 Pater KENTENICH ermutigte ihn zu diesem Traenenausbruch, indem er auf die heilende Wirkung fuer sein Asthmaleiden hinwies: "Das macht die Brust frei."319 Wieder gelang es Pater KENTENICH, dass Ludwig WULF tiefste Seelenregungen vor ihm artikulierte.
Die Bedeutung, die Pater KENTENICHs fuer Ludwig WULF als Seelenfuehrer hatte, zeigt schliesslich eine Episode aus dem Jahr 1965. WULF zog vor Kardinal JAEGER das Register seines Seelenheils, um seinen geplanten Besuch bei Pater KENTENICH in Milwaukee zu begruenden: "suprema lex salus animarum".320
Sein Kontakt zu Pater KENTENICH half Ludwig WULF, sein Priestertum fruchtbar werden zu lassen. In den Begegnungen mit ihm liess er sich ganz auf die originelle Priesterpersoenlichkeit des Gruenders der Schoenstattbewegung ein. Er nahm durch seine persoenlichen Begegnungen mit Pater KENTENICH in sehr intensiver Weise seine Anliegen auf. Ludwig WULF kann als authentischer Zeuge und richtungsweisender Interpret der Impulse KENTENICHs gelten. Nach einem Gespraech in Milwaukee gab ihm Pater KENTENICH folgende Rueckmeldung: ""Das ist die richtige Schoenstatt-Aszese" ... Das haette er noch in dem letzten Brief nach Rom321 klar gemacht. Klein und wahr werden und dadurch frei werden."322
Das Zeugnis Ludwig WULFs verdient Beachtung in der Erforschung des Wirkens von Pater KENTENICH !
2.1.2 Der Beitrag der Zeugnisse Ludwig WULFs zur KENTENICH-Forschung
Von der Taetigkeit Pater KENTENICHs als Gruender der Schoenstattbewegung wissen wir, dass er seinen Zeitgenossen in vielen Vortraegen eine neue Sichtweise von Glauben, Gemeinschaft und apostolischen Engagement ausfuehrte; dass er Gemeinschaften als Modellfaelle seiner Vision gruendete; dass er sich ueber viele Jahre hinweg mit den deutschen Bischoefen und der Leitung der katholischen Kirche in Rom ueber seine Visionen und seine Rolle als Gruender innerhalb der Schoenstattbewegung auseinander setzte. Er ist nach dem bisherigen Stand der Forschung Lehrer, Paedagoge, Stratege und Visionaer. Ueber ihn als Seelenfuehrer oder sogar als Therapeut, wie ihn die Begegnungen mit Ludwig WULF zeichnen, berichtet die KENTENICH-Forschung bisher wenig.323 Dabei spielten die persoenlichen Begegnungen, das Zwiegespraech, fuer die Entfaltung seiner Gruendung eine wesentliche Rolle. Rueckblickend gab Pater KENTENICH in einem an Bischof WEHR adressierten324 Brief aus dem Jahr 1960 unter anderem Rechenschaft ueber seine therapeutische Taetigkeit und Praxis: "Gelesen und studiert habe ich zweifellos viel, unheimlich viel, mehr jedenfalls als die meisten Zeitgenossen ... Aber nicht in und aus Buechern gewoehnlicher Art. Das geschah tatsaechlich ganz, ganz selten -, sondern meist, fast ausschliesslich, in und aus Seelen (aus gesunden und kranken, aus hochstrebenden und gedrueckten Seelen jeglichen Standes)".325 In einem Vortrag vom 06.06.1966 vor Schoenstatt-Priestern gab Pater KENTENICH Auskunft darueber, seit wann ihn Menschen im Rahmen eines Zwiegespraechs aufsuchten, um mit ihm ihre seelische Situation zu eroertern: "Das war schon gleich 1920 - also kaum, als ich die Oeffentlichkeit, den oeffentlichen Boden betrat326 -, damals war in Kleve ein Dr. Bergmann, damals der erste Versuch im katholischen Lager, mit diesen Dingen (Therapie, Samietz) zu arbeiten. Das hat die Vorsehung so gefuegt, dass nicht wenige von seinen Patienten den Weg zu mir gefunden haben, ohne dass ich das Geringste getan."
Dass die wissenschaftliche Reflexion Pater KENTENICH als Seelenfuehrer bzw. Therapeut bisher nur wenig im Blick hat, liegt unter anderem auch an der schwierigen Quellenlage fuer diesen Wirkungsbereich. Die Zeugnisse Ludwig WULFs geben einen kleinen Einblick. Fuer eine wissenschaftliche Durchdringung dieses Wirkungsbereiches bedarf es einer Vielzahl weiterer Zeugnisse ueber die Begleitungstaetigkeit Pater KENTENICHs. Ersten Rang haetten hier Niederschriften von ihm selbst. Soweit mir bekannt ist, hat sich Pater KENTENICH aber nur im Fall eines Mitgliedes der Schoenstaetter Marienschwestern, Sr. Emilie ENGEL, persoenliche Aufzeichnungen ueber den Vorgang seiner Seelenfuehrung gemacht.327 Danach waeren Zeugnisse der Begleiteten, wie im Fall von Ludwig WULF, heranzuziehen. Hier haetten Zeugnisse mit geringem zeitlichen Abstand zur Begegnung mit Pater KENTENICH Vorrang vor solchen mit groesserem zeitlichen Abstand. Ebenso haetten Zeugnisse im privaterem Kreis Vorrang vor Zeugnissen in einem offeneren Kreis. Fuer die Zukunft der KENTENICH-Forschung bleibt in diesem Zusammenhang vor allem auf Zeugnisse der von Pater Kentenich Begleiteten zu hoffen. Hier waeren Zeugnisse vor allem in Briefen wertvoll, da sie die Vorgaenge fuer einen sehr privaten Raum schildern und somit mehr Einblick in innere Vorgaenge gewaehren.
Die Erzaehlung Ludwig WULFs ueber seine Begegnungen mit Pater KENTENICH aus dem Jahr 1974 und seine Briefe an Mitbrueder aus den Jahren 1964 bis 1977 erschlossen mir die Gestalt des Pater KENTENICHs von einer neuen Seite her und haben mein Interesse am therapeutischen Wirken Pater KENTENICHs geweckt.
2.2. Die Person Franz REINISCH im Gedaechtnis der Schoenstattbewegung in der SBZ/DDR
Seit 1962 haben bis heute ca. 700328 Priester bzw. Jugendliche die Feier der "REINISCH-Vigil" auf dem Gelaende des Caritas-Heimes St. Ursula in Kirchmoeser miterlebt oder sich im Gedenken an Franz REINISCH zu Tagungen bzw. Ferienfreizeiten in Kirchmoeser versammelt.
Der Pallottiner-Pater Franz REINISCH, geboren am 01.03.1893 in Feldkirch-Altenstadt, Oesterreich, erhielt nach zwei Bereitschaftsbefehlen am 07./08.04.1942329 den Einberufungs-befehl in die Deutsche Wehrmacht zum 14.04.1942. Franz REINISCH meldete sich in der Kaserne Bad Kissingen jedoch erst am 15.04. Gleich bei dieser Gelegenheit machte er deutlich, dass er nicht bereit sei, unter dem nationalsozialistischen Regime Soldat zu werden. Dem verantwortlichen Offizier vorgefuehrt, erklaerte Franz REINISCH dann, dass er nicht gewillt sei, den Fahneneid zu leisten. Bereits im Maerz 1941 soll Franz REINISCH Freunden gegenueber erklaert haben: "Auf das deutsche Volk kann ich den Fahneneid leisten, aber auf einen Mann wie Hitler nie".330 Nach einem Verhoer wurde Franz REINISCH am 16.04. verhaftet und am 08.05. in das Gefaengnis Berlin-Tegel verlegt. Am 07.07.1942 wurde Franz REINISCH vor dem Reichskriegsgericht verhoert und zum Tod verurteilt. Das Urteil erhielt am 30.07. Rechtskraft. Am 11.08. wurde Franz REINISCH nach Brandenburg verlegt, wo in den fruehren Morgenstunden des 21.08. das Todesurteil durch Enthauptung an ihm vollstreckt wurde.
Ludwig WULF entschied sich 1967, zur Ueberraschung seiner Familie, seinen Ruhestand als Seelsorger fuer Urlauber und Schwestern im Caritasheim St. Ursula in Kirchmoeser bei Brandenburg zu verleben.331 Auf dem Friedhof Kirchmoeser-Dorf fand er dann auch seine letzte Ruhestaette. Wenn man bedenkt, wie sehr er sich mit seiner Heimat und seiner Familie identifizierte,332 ist diese Entscheidung bemerkenswert. Seine Familie hatte fest damit gerechnet, ihm nach seiner Pensionierung in Oberkirchen ein Quartier zu geben.333
Ludwig WULF fuehlte sich jedoch verpflichtet, das Gedaechtnis der "Martyrer von Brandenburg"334 durch seine Anwesenheit und sein stellvertretendes Gebet in der Naehe des Zuchthauses Brandenburg-Goerden wach zu halten. Die Chronik der Schoenstaetter Marienschwestern haelt fest, wie das Anliegen Ludwig WULFs, das Gedenken an die Opfer von Brandenburg in der Naehe der Hinrichtungsstaette Brandenburg-Goerden wachzuhalten, gegen die Erwartung der Verwandten von Ludwig WULF stand, dass der Bruder bzw. Onkel mit dem Tag seiner Pensionierung wieder auf das Gebiet der Bundesrepublik uebersiedelte.335 Mit seiner Entscheidung, sich in Kirchmoeser niederzulassen, reagierte er auf die 1962 unter der maennlichen Jugend und den Priestern der Schoenstattbewegung begruendete Tradition der "REINISCH-Vigil". Das Gedaechtnis des Todes von Franz REINISCH war unter der maennlichen Jugend, den Schoenstattpriestern und bei Ludwig WULF selber schon viele Jahre lebendig und fand in der Begruendung der "REINISCH-Vigil" eine bis heute praegende, originelle Ausdrucksform.
2.2.1 Die Person von Franz REINISCH im Bewusstsein der deutschen Schoenstattbewegung
In seinem Buch "Pater Franz REINISCH - Sein Lebensbild" von 1993 weiss Pater BRANTZEN ueber das Eintreffen der Urne von Franz REINISCH in Schoenstatt zu berichten: "Am folgenden Tag, dem 1. Mai (1946, Samietz) wurde in Anwesenheit vieler Wallfahrer und der ganzen Schoenstatt-Familie die Urne vom Kapellchen zum Bundesheim feierlich uebertragen. - Um 20.00 Uhr bildete sich die Prozession am Kapellchen. Nach der Ankunft in der grossen Kapelle des Bundesheimes, die bis auf die Gaenge hinaus dicht gefuellt war, wurde zwischen einigen Liedern des Schwesternchores ein Grusswort gebetet. ... Nach dem sakramentalen Segen knieten viele Beter noch bis in die Nacht hinein bei der Urne."336 Am Abend des 17. Oktober 1946 wurde die Urne von Pater Franz REINISCH, zusammen mit der von Pater Albert EISE, neben der Gnadenkapelle in Schoenstatt beigesetzt. Die Uebertragung der Urne von Pater Franz REINISCH war eingebettet in den Verlauf der Oktoberwoche 1946, der Jahresversammlung der Deutschen Schoenstattbewegung.337
Die Entscheidung von Franz REINISCH, den Fahneneid auf Hitler zu verweigern, seine Verurteilung und seine Hinrichtung war also im Bewusstsein der Schoenstatt-Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig. In den folgenden zwei Jahrzehnten rueckte die Person Franz REINISCHs dann jedoch an den Rand des Lebens der Schoenstattbewegung in Deutschland. Die besonders zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft betriebene Orientierung an vorbildhaften Charakteren aus der Gruendungszeit Schoenstatts338 konzentrierte sich ab Mitte der fuenfziger Jahre sehr auf den Pallottinerschueler und Praefekten der Marianischen Kongregation im Studienheim Josef ENGLING.339 Aus den Reihen der Schoenstattbewegung gibt es lediglich eine Veroeffentlichung ueber Franz REINISCH vor 1965340. Pfarrer Heinrich KREUZBERG, der Gefaengnisseelsorger von Franz REINISCH in den Tagen seines Aufenthaltes im Gefaengnis Berlin Tegel, veroeffentlichte im zehnten Todesjahr von Franz REINISCH ein erstes Lebensbild des Pallottinerpaters.341 Es blieb bis in die neunziger Jahre das einzige.342 Seit den achtziger Jahren machte sich Pater Nikolaus BRANTZEN aus den Reihen der Schoenstattpatres besonders fuer das REINISCH-Gedaechtnis innerhalb der Schoenstattbewegung stark. Er setzte sich auch 1946 fuer die Sicherstellung der Urne von Pater Franz REINISCH ein.343 Wenige Jahre nach dem Krieg wurde er als Verantwortlicher fuer die Maennerbewegung innerhalb der Apostolischen Bewegung von Schoenstatt344 Nachfolger von Franz REINISCH. Beide Ereignisse verbanden ihn tief mit der Person von Pater Franz REINISCH: "Es war fuer mich ein beeindruckendes Erlebnis, die Ueberreste Pater REINISCHs auf meinem Ruecken stundenlang so nahe bei mir zu haben. Vermutlich wollte die Vorsehung Gottes mir dadurch ein Zeichen geben, dass ich mich fuer die Person und Sendung des Maertyrer-Priesters besonders einsetzen sollte. Als ich spaeter als Maennerseelsorger Nachfolger von Pater REINISCH wurde, war fuer mich diese Fuegung Gottes klar."345 1967 machte der Professor fuer Soziologie an der Loyola University Chicago Gordon ZAHN von anderer Seite auf den Fall Franz REINISCH aufmerksam. Er veroeffentlichte ein Buch ueber den Werdegang von Franz JAEGERSTAETTER, einem Landsmann von REINISCH, seine Kriegsdienstverweigerung und seine Hinrichtung durch die Nationalsozialisten in Brandenburg.346 Franz JAEGERSTAETTER war durch Kenntnis ueber den Fall Franz REINISCH in seiner Haltung bestaerkt worden, den Dienst an der Waffe zu verweigern und dafuer das Todesurteil in Kauf zu nehmen. Er wurde am 20.05.1943 ebenfalls im Zuchthaus Brandenburg-Goerden durch das Fallbeil hingerichtet.347 ZAHNs Buch erschien auf Englisch, Deutsch und Italienisch. Die deutsche Fassung wurde bisher dreimal aufgelegt: 1967, 1979 und 1988.
2.2.2 Die Person von Franz REINISCH als Patron der Schoenstatt-Familie auf dem Gebiet der SBZ/DDR in herausfordernder gesellschaftlicher Situation
Bald nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war die Katholische Kirche auf dem Gebiet der SBZ erneut zum Bekenntnis gegen eine sich von oeffentlicher Seite etablierende, atheistische Weltanschauung herausgefordert. Die Apostolische Bewegung von Schoenstatt hatte vor dem zweiten Weltkrieg in der mitteldeutschen Diaspora bereits Fuss gefasst. So gab es auf dem Gebiet der SBZ Filialen der Schoenstaetter Marienschwestern und einige Schoenstattpriester.348
Pater KENTENICH nahm die politischen Umwaelzungen nach dem Zweiten Weltkrieg sehr wach auf. Schon 1930 hatte er sich auf der industriepaedagogischen Tagung mit der marxistischen Theorie und dem sozialistischen Erziehungsideal auseinandergesetzt.349 Beide Bewegungen, die sozialistische und die nationalsozialistische, kritisierte er in den dreissiger Jahre wegen ihres manipulativen Umgangs mit ihren Anhaengern. Fuer beide Bewegungen gebrauchte er Ausdruecke wie Bolschewismus oder Massenmenschentum. Er stellte ihnen gegenueber das Ideal der in verschiedenen Bindungssystemen beheimateten, eigenstaendigen, eigentaetigen, gottgebundenen, menschlichen Person heraus. Die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Phaenomen Massenmenschentum und mit der atheistischen Weltanschauung stellte einen wesentlichen Schwerpunkt seiner Verkuendigung in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg dar.
Pater KENTENICH sah die Sendung Schoenstatts in der neuen weltpolitischen Lage auf zwei Ebenen. Auf der einen Seite galt es, vom Anliegen Schoenstatt um das christliche Personen- und Menschenbild gegen die an Einfluss gewinnende Ideologie der Massengesellschaft zu kuenden. Zum anderen regte er einen Dialog mit der "gesunden" Seite der oestlichen Voelker, ihrer urwuechsigen Mentalitaet und eigengepraegten Religiositaet an.350 Diese sogenannte "Ostsendung" hatte fuer das Wachstum des Sendungsbewusstseins bei Pater KENTENICH und innerhalb der Schoenstatt-Familie eine grosse Bedeutung. Bei einem Vortrag Pater KENTENICHs aus Anlass der Weihe des Ostkreuzes fuer das Urheiligtum351 leitete er aus der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in den ersten Nachkriegsjahren352 nach dem "Gesetz der geoeffneten Tuer"353 den Kairos fuer eine Weltsendung Schoenstatts ab. Sie waere nach der Sendung fuer die Erneuerung des deutschen Vaterlandes ein naechster Wachstumsring der Apostolischen Bewegung von Schoenstatt.
In diesem Sinne wurde das MTA-Bild im Urheiligtum 1946 gekroent. Schwestern aus der SBZ formulierten zu diesem Anlass vor dem MTA-Bild folgendes Gebet:
"Weit geht die Strasse dem Osten zu
der Sendung Ruf laesst uns keine Ruh
Muehsal und Not gibt es da zu bestehn,
doch unsere Herrin wird mit uns gehen.
Seht nur, dem Aufgang zu geht die Fahrt,
sind auch die Wege gar steinig-hart.
Dort, wo der Sonnenball steigt in die Welt,
bau'n wir Dir, Herrin, Dein Koenigszelt.
Wir, Deine Treuen steh'n Hand in Hand
mit hellem Antlitz gen Osten gewandt.
Schoenstatt zu kuenden, das Land Dir zu weih'n,
Herrin, nimm siegreich den Osten ein!"354
Im selben Vortrag gab auch Pater KENTENICH ueber die Haltung der Priester auf dem Gebiet der SBZ/DDR in Schoenstatt Rechenschaft: "In gleicher Weise traten auch unsere Priester aus dem Osten in Reih und Glied. Sie wollten sich von den Schwestern nicht uebertreffen lassen. Schon 1945355 bemuehten sie sich, die Urne im Schoenstattheiligtum der Ostzone356 zu bergen, die die sterblichen Reste unseres Pater REINISCH enthaelt."357 Ludwig WULF war es, der im Namen der Schoenstattpriester bei Pater KENTENICH um die Urne von Franz REINISCH gebeten hatte.358
Die Schoenstattpriester auf dem Gebiet der SBZ/DDR verknuepften die Ostsendung mit der Gestalt Pater REINISCHs. Seine Entscheidung, den Fahneneid auf Hitler zu verweigern, hatte den Schoenstatt-Priestern auf dem Gebiet der SBZ/DDR viel zu sagen. Sie waehlten sich, wie spaeter auch die Jungmaenner,359 Franz REINISCH zum Patron fuer ihr Wirken und Glaubensleben.360
Jedoch konnte Pater KENTENICH nicht ueber die Urne verfuegen. So stellte er den Priestern361 auf dem Gebiet SBZ/DDR ein Kreuz Pater REINISCHs, welches ihm durch Pfarrer KREUZBERG362 uebergeben worden war, zur Verfuegung.363 ueber den Akt der Aufstellung dieses Kreuzes im Schoenstattheiligtum in Friedrichroda weiss Pater KENTENICH folgendes zu berichten: "Dieses Kreuz haben sie in unserem Schoenstattheiligtum in Friedrichroda in feierlicher Weise aufgestellt. Jeder einzelne (Priester, Samietz) trat sodann vor und liess es sich persoenlich ueberreichen." Weiter bekundeten einige Priester, unter ihnen auch Ludwig WULF, ihre Bereitschaft, Pater KENTENICH ihr Leben anzubieten fuer den Fall, dass dieser "nach Dachau nunmehr nach Sibirien sollte"364.
1945 gab Pater KENTENICH den Marienschwestern auf dem Gebiet der SBZ ihre Selbstaendigkeit und orientierte 1950 die gesamte Schoenstatt-Familie auf dem Gebiet der DDR auf eine von Schoenstatt strukturell losgeloeste, eigenstaendige Weiterentwicklung.365 Die Ostsendung legte Pater KENTENICH besonders in die Haende der nun selbststaendigen Schoenstatt-Familie auf dem Gebiet der DDR.
2.2.3. Die Entstehung der "REINISCH-Vigil" auf dem Gebiet der DDR
Heute wird in der Schoenstatt-Mannesjugend in den Neuen Bundeslaendern einem Jugendlichen, der die Mitgliederweihe366 schliesst, als Zeichen und Erinnerung an dieses Ereignisses das sogenannte "REINISCH-Kreuz"367 ueberreicht. Die Person von Franz REINISCH spielte im Leben der Schoenstatt-Mannesjugend auf dem Gebiet der SBZ/DDR von Anfang an eine wichtige Rolle. Die Chronik der Jungmaennerbewegung bewahrt in ihrem Bericht ueber die erste Werkwoche des ersten Bundeskurses der Jungmaenner auf dem Gebiet der DDR im August 1953 ein Gebet. Danach hatten die Jungmaenner auf dem Gebiet der DDR Pater Franz REINISCH bereits 1953 zum Patron erwaehlt. Seit wann und durch welche Person Pater Franz REINISCH den Jungen bekannt gemacht wurde, laesst sich nur vermuten.368
Mit erzieherischem Feingefuehl und didaktischem Geschick entstand unter der Verantwortung von Vikar Heinrich AUST auf dem Gebiet der DDR Anfang der sechziger Jahre eine der originellsten Formen des REINISCH-Gedaechtnisses der Schoenstattbewegung in Deutschland, die "REINISCH-Vigil". AUST hatte in den Jahren von 1957 bis 1969369 die Verantwortung fuer die Jungmaenner auf dem Gebiet der DDR. Er brachte in seine Arbeit sehr viel Kreativitaet ein und arbeitet mit einer reichen Palette von Methoden. Dabei fand er sehr viele Anknuepfungspunkte im Leben der Jungen, um seine erzieherischen Ziele umzusetzen.370 Heinrich AUST stellte den Jungen eine Fuelle von Lebensbildern vor Augen. Oft war das Leben eines Heiligen, ein vorbildhafter Charakter aus der Geschichte der Schoenstattbewegung, eine Gestalt aus der Sagenwelt oder eine Persoenlichkeit der Zeitgeschichte Gegenstand einer Tagung.371
Den Umgang mit Pater REINISCH fand Heinrich AUST bei den Jungen vor. Fester Bestandteil jeder Jungmaennertagung in Friedrichroda war ein Gang zu einer Anhoehe in der Naehe der Niederlassung der Marienschwestern, den Hermannstein, um dort einen Bekenntnisakt zum christlichen Glauben und gegen die von der Staatsfuehrung der DDR propagierte, atheistische Weltanschauung zu setzen. Dies geschah, indem die versammelte Tagungsgemeinschaft gemeinsam den Ruetlischwur sprach: "Wir wollen sein ein einzig Volk von Bruedern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein wie die Vaeter waren; eher den Tod als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den hoechsten Gott, und uns nicht fuerchten vor der Macht der Menschen."372 Im Zusammenhang mit diesem Bekenntnisakt erinnert sich Heinrich AUST an die Verwendung des "REINISCH-Kreuzes": "Und bei diesem Ruetlischwur wurde also dieses Banner373, das immer eine grosse Rolle spielte, das wurde entfaltet - alle fassten moeglichst einen Zipfel mit an - und dann wurde in die Mitte das REINISCH-Kreuz draufgelegt und dann wurde gebetet."374 Diese vorgefundene Tradition stiess in der methodischen Ausrichtung Heinrich AUSTs auf offene Ohren. Ein Lied, dass er fuer die Silvestertagung 1965/66 dichtete, erklaert die Symbolik des Zonenbanners der Jungmaenner in vier Strophen und erwaehnt in der letzten Strophe die Verwendung des "REINISCH-Kreuzes" auf dem Hermannstein.
Das ist die Fahne, die ich auserkoren
die lass ich nicht, Maria sei's geschworen
Dunkel u. finster ist ringsum die Nacht
die Welt in Chaos versinkt
da leuchtet ein Zeichen in der Dunkelheit
das neue Hoffnung bringt
Die Opferschale ist unser Symbol
darin ist ein Feuer entfacht
es lebt vom Gebet, von Opfer und Tod
erleuchtet die dunkele Nacht
Auf ragendem Fels steht das Heiligtum
im hellen Taborschein
der Kreis der Getreuen umschliesst es fest
beim Schwur auf dem Hermannstein.
Ave Imperatrix heisst der Kampfesruf
die Kreuze kuenden vom Tod
eine Jugend war zu sterben bereit
das wendet alle Erdennot.
Dein Kreuz P. REINISCH halten wir in der Hand
in jeder Silvesternacht
das Alte vergeht, das Neue bricht an
die Jugend haelt treue Wacht."375
Aeusserer Anlass der ersten "REINISCH-Vigil" war der 20. Todestag Franz REINISCHs im Jahr 1962. Jungmaenner und Schoenstatt-Priester hatten die gleiche Idee: In der Naehe des Todesortes von Franz REINISCH in der Nacht seiner Hinrichtung (20./21. August) zusammen zu kommen und seiner Person zu gedenken. Am 15.07.1962 fragte Heinrich AUST bei den Schwestern in Kirchmoeser an, ob sich eine kleine Gruppe von Priestern am 21. August im Charitasheim versammeln koenne. Des weiteren erkundigte er sich auch nach der Moeglichkeit, an diesem Tag ein Jungmaennertreffen abzuhalten.376
Das Caritasheim St. Ursula am Ufer des Breitling-Sees bei Kirchmoeser war der Familienerholung vorbehalten und erfreute sich sehr grosser Nachfrage. Jugend- bzw. Studentengruppen konnte deshalb keine Uebernachtung gewaehrt werden. Die Schwestern entsprachen jedoch dem Nachfragenden und ermoeglichten den Aufenthalt waehrend der Nacht vom 20. auf den 21. August. Fuer die Stunden in der Nacht stellten sie die Hauskapelle zur Verfuegung.377 Zehn Jungmaenner entschieden sich, auf einer Insel im Breitlingsee zu zelten378. Im Caritasheim hielten Priester, unter ihnen Ludwig WULF, die Nacht hindurch Anbetung und auf der Insel hielten die Jungmaenner Nachtwache. Beide Gruppen kamen zur Feier der heiligen Messe um 5 Uhr in der Hauskapelle der Marienschwestern zusammen. Um 5:03, der Todesstunde von Franz REINISCH, fand waehrend der Messe eine stille Gedenkminute statt. Nach der Messe fuhren die Jungmaenner mit ihren Booten zurueck zur Insel und Vikar AUST hielt zum Abschluss der "Gedenknacht" zu ihnen vom Boot aus eine Predigt.379 . Beinahe lueckenlos laesst sich die "REINISCH-Vigil" bis in das Jahr 2001 nachweisen380.
2.2.4. Die Person Franz REINISCHs im Leben Ludwig WULFs
Am Ende seiner Amtszeit in Hadmersleben erlitt Ludwig WULF 1964 eine Asthmaanfall mit lebensbedrohlichen Folgen. Diese Krise brachte fuer ihn eine neue Ausrichtung seines Lebens. Seit dieser Zeit sprach er von einer "neuen Lebensaufgabe".381 Wenige Tage nach seinem 65. Geburtstag begab er sich auf die Reise nach Amerika, um dort Pater KENTENICH zu besuchen. Gegenstand seiner Unterredungen war unter anderem die "REINISCH-Nacht".
Am 01.05.1967 trat Ludwig WULF in den Ruhestand382 und zog am Tag danach in das Pfarrhaus auf dem Gelaende des Caritasheimes St. Ursula in Kirchmoeser.383 In einem Brief an Kardinal JAEGER erklaerte WULF am 04.08.1967: "Fuer Ihren sehr guetigen Brief, in welchem Sie meiner Bitte um Versetzung in den Ruhestand entsprochen haben, danke ich Ihnen. Mein Nachfolger scheint dort gluecklich zu sein, und ich fuehle mich hier gluecklich. Hier bin ich der Sterbestaette des Pater Franz REINISCH nahe, der vor 25 Jahren sich opferte. Seine im Gefaengnis niedergeschriebenen Gedanken ueber die gekreuzigte Liebe lese ich augenblicklich. Sein vor der Hinrichtung abgegebenes Sterbekreuzchen habe ich von P. KENTENICH erhalten. Beten Sie fuer mich, dass ich dieses Kreuzchens wuerdig werde."
Von nun an lebte Ludwig WULF bis zu seinem Lebensende ganz fuer und aus dem Gedaechtnis an Pater Franz REINISCH. Er begann sich fuer weitere, in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg-Goerden waehrend der nationalsozialistischen Herrschaft hingerichtete Priester zu interessieren und schloss sie in sein Gedaechtnis ein. Er nahm Kontakt zu Hinterbliebenen der Hingerichteten auf und setzte sich schliesslich auch brieflich mit Sr. Gemma HINRICHER vom Karmel in Dachau in Verbindung. Ludwig WULF sah sich und seine Taetigkeit als Parallele zum Karmel von Dachau.384 Spaetestens seit 1967 bewahrte er das REINISCH-Kreuz bei sich in Kirchmoeser auf. Seine geistlichen Rechenschaften an Pfarrer RIND zeugen von einer vom Gedaechtnis an die in Brandenburg hingerichteten Priester gepraegten Tagesordnung.385 Fester Bestandteil seines Tagesablaufs war ueber lange Zeit ein Spaziergang auf einem beim Pfarrhaus gelegenen Huegel, den Muehlenberg. Von dort aus war es ihm moeglich, einen Blick auf das Zuchthaus Brandenburg-Goerden zu werfen. Von dieser Stelle erteilte Ludwig WULF mit dem REINISCH-Kreuz den Segen ueber die ganze Welt.386 Den Muehlenberg nannte er seinen "Karmel"387, den Spaziergang zu ihm eine Wallfahrt.388
Regelmaessig versammelten sich Schoenstatt-Priester bei Ludwig WULF zu Gruppenstunden und nahmen so am Leben fuer das Gedaechtnis an die in Brandenburg hingerichteten Priester teil.389 Die Wohnung Ludwig WULFs wurde somit zu einem Versammlungs- und Gebetsraum der Schoenstatt-Priester auf dem Gebiet der DDR und darueber hinaus.390
2.2.5 Das Gedaechtnis von Ludwig WULF innerhalb der "REINISCH-Vigil"
Die Chronik der Filiale der Marienschwestern in Kirchmoeser bewahrt den Ablauf der "REINISCH-Vigil" aus dem Jahre 1989.391 Hier findet sich unter der Uhrzeit "0,00" der Punkt "Gang zum Muehlenberg". Bei den REINISCH-Vigilien, die ich miterlebt habe392, berichtete ein aelterer Teilnehmer ueber die Person Ludwig WULFs und seine Gewohnheit, auf den Muehlenberg zu wallfahren. Anschliessend besuchten wir das Grab von Ludwig und Maria WULF auf dem Friedhof Kirchmoeser Dorf.
Durch die REINISCH-Vigilien kam ich mit der Person Ludwig WULFs in Beruehrung. Sie sind bis heute auch der Ort der Erinnerung an Ludwig WULF.
Heinrich AUST und Ludwig WULF legten die Grundsteine fuer das REINISCH-Gedaechtnis in der DDR. Ludwig WULF verknuepfte die Person Franz REINISCHs mit der Sendung Schoenstatts fuer den Teil Europas, welcher nach dem zweiten Weltkrieg unter sowjetischen Einfluss kam. Heinrich AUST setzte, angeregt durch die Vorbildwirkung Franz REINISCHs fuer Priester bzw. die maennliche Schoenstattjugend in der DDR, die Idee der "REINISCH-Vigil" um. Damit gelang es ihm, in veraenderter gesellschaftlicher Situation das Vorbild von Franz REINISCH fuer eine neue Generation der maennlichen Schoenstattjugend aufzubereiten.
Die Veranstaltung der ersten REINISCH-Vigilien, nahm Ludwig WULF zum Anlass, mit seinen Umzug nach Kirchmoeser das Gedenken der in Brandenburg hingerichteten Priester lebendig zu halten. So steht er neben dem Zeugnis der hingerichteten Priester als Zeuge fuer die Gestaltungs- und Deutungskraft religioeser Ideale.
2.3 Die Freundschaft Ludwig WULFs mit Hugo AUFDERBECK und Wilhelm WESKAMM
UEber 5 Jahre hatten Ludwig WULF, Hugo AUFDERBECK und Wilhelm WESKAMM ihre Pfarr- bzw. Vikarstellen im selben Dekanat bzw. arbeiteten als Pfarrer und Pfarrvikar zusammen. Wilhelm WESKAMM wurde im Dezember 1932 zum Pfarrer der Pfarrei St. Norbert in Merseburg ernannt,393 Ludwig WULF trat am 05.05.1937 in der Pfarrei St. Heinrich in Neumark, welche Filialgemeinde zu der Gemeinde St. Norbert in Merseburg war, seinen Dienst an,394 und Hugo AUFDERBECK am 29.04.1938 in der Propsteigemeinde Halle.395 Am 30.10.1943 erhielt Wilhelm WESKAMM seine Ernennung zum Propst von St. Sebastian in Magdeburg.396
Die freundschaftliche Verbundenheit Ludwig WULFs zu Hugo AUFDERBECK war oben schon angeklungen. Dass ihm mit Wilhelm WESKAMM ebenfalls eine tiefe Freundschaft verband, bezeugte Hugo AUFDERBECK in einem Artikel ueber Ludwig WULF im "Tag des Herrn" aus dem Jahr 1975: "Ludwig WULF wird sich sein Leben kaum ohne seine Schwester Maria, ohne P. KENTENICH und ohne Wilhelm WESKAMM vorstellen koennen. ... Mit Wilhelm WESKAMM, dem Pfarrer von Merseburg, dem Propst von Magdeburg, dem Bischof von Berlin, verband ihn eine tiefe Freundschaft."397 AUFDERBECK machte in dem Artikel eine zweite Aussage: Ludwig WULF und Wilhelm WESKAMM hatten danach jahrelang gemeinsam ihre Predigten ausgearbeitet.398 AUFDERBECK wusste in diesem Zusammenhang Wilhelm WESKAMM wie folgt zu zitieren: "Er hat die Gedanken, ich bringe sie in Form".399 WULF hatte Scheu vor dem Reden400, deshalb wandte er sich an seinen Pfarrer, ihm bei der Vorbereitung der Predigt zu helfen. Wilhelm WESKAMM registrierte den Reichtum der Gedanken von Ludwig WULF und half, diese fuer die Verkuendigung in der Gemeinde fruchtbar zu machen. Dabei uebernahm er dessen Gedanken auch fuer seine eigene Verkuendigung.401 Ludwig WULF und Wilhelm WESKAMM bildeten eine echte Arbeitsgemeinschaft.402 Damit funktioniert zwischen ihnen ein pastorales Miteinander, wie es sich Hugo AUFDERBECK spaeter als Seelsorgeamtsleiter in seiner Vision von einer grossen Arbeitsgemeinschaft im Klerus des Kommissariates Magdeburg wuenschte.403
Die drei Freunde sammelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder im Raum Magdeburg, Wilhelm WESKAMM als Propst und Bischof, Hugo AUFDERBECK als Leiter des Seelsorgeamtes und Ludwig WULF als Pfarrer von Hadmersleben. So konnten sie ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Ludwig WULF hielt auf einer der ersten Sitzungen des Seelsorgeamtes einen Vortrag ueber seinen originellen Predigtansatz.404 Als Propst von Magdeburg zog Wilhelm WESKAMM seinen Freund Ludwig WULF fuer geistliche Vortraege zu Priesterkonferenzen in Magdeburg heran.405 Dieser gewann seine Mitbrueder oft als Festprediger bzw. Leiter von Einkehrtagen in seiner Pfarrgemeinde.406 Von Hugo AUFDERBECK ist anzunehmen, dass er in Ludwig WULF seinen Beichtvater fand.407 Gesichert ist, dass Ludwig WULF Hugo AUFDERBECK die Exerzitien zur Vorbereitung auf die Bischofsweihe und zum zehnten Jahrestag derselben hielt: "Fuer die 43 Jahre meines priesterlichen Lebens nenne ich in grosser Dankbarkeit drei Priester: Ludwig WULF, auch ein Sauerlaender. In Gelsenkirchen nahm er sich des Neupriesters (AUFDERBECK, Samietz) an. Wir fanden uns im Dekanat Halle, dann in Magdeburg wieder. Er hat mir die Exerzitien zur Bischofweihe auf der Huysburg gehalten und zum zehnten Jahrestag im Klueschen Hagis. Er starb vor zwei Jahren in Kirchmoeser. Wahrhaft: ein pater spiritualis."408
2.4 Ludwig WULF als "pater spiritualis"
Im Rahmen seiner Reflexion ueber Kirche, Gemeinde und Diaspora dachte Hugo AUFDERBECK auch ueber den Priester, sein Selbstverstaendnisses und seine Funktion nach. An verschieden Stellen und aus verschiedenen Anlaessen wollte er den Priester als "pater spiritualis" sehen. Zum einen ist der Priester "pater spiritualis", indem er sich fuehrsorgend und foerdernd um die Charismen in seiner Gemeinde bemueht, indem er als "Auferbauender" des Leibes Christi wirkt.409 Zum anderen meinte Hugo AUFDERBECK mit dieser Praedikatikon besonders auch den unter Seelsorgern wirkenden Seelsorger.410 Wenn er fuer Ludwig WULF die Bezeichnung gebraucht "Wahrhaft: ein pater spiritualis"411, dann weist dies auf einen schwer zugaenglichen, aber sehr bedeutungsvollen Taetigkeitsbereich WULFs hin, naemlich auf die hohe Frequentierung seiner Person als Beichtvater durch seine Mitbrueder und auf die Anerkennung seiner tiefen Kompetenz in geistlichen Fragen.412
2.4.1 Rekollektionsvortraege
Ludwig WULF war im Klerus des Kommissariats Magdeburg eine bekannte Adresse fuer spirituelle Kompetenz. Die Quellen weisen an verschiedenen Stellen auf seine Taetigkeit als Beichtvater oder Exerzitienmeister unter Priestern hin. Hugo AUFDERBECK formulierte in seinem Artikel ueber Ludwig WULF aus dem Jahr 1975 summarisch: "Viele Priester hatten und haben ihn, der wirklich ein "Geistlicher Rat" ist, als Beichtvater gewaehlt."413 Die Gelegenheit, sich als geistlicher Impulsgeber im Klerus des Kommissariats Magdeburg einen Namen zu machen, erhielt Ludwig WULF wohl durch Wilhelm WESKAMM. Dieser holte ihn fuer die Rekollektionen414 waehrend der Priesterkonferenzen in Magdeburg415 (Vgl. S. 74). Wenn Ludwig WULF im Jahr 1965 selber angab, in Magdeburg fast 100 Vortraege gehalten zu haben416, dann wurde er offensichtlich auch noch nach dem Weggang Wilhelm WESKAMMs zu Rekollektionen eingeladen. Fanden die Konferenzen vierteljaehrlich statt, dann hatte Ludwig WULF 25 Jahre lang regelmaessig Rekollektionsvortraege in Magdeburg gehalten. In einem Brief bat Ludwig WULF einen Mitbruder untern dem 07.09.1965 um das Gebet fuer eine am 15. des Monats in Magdeburg zu haltende Rekollektion. Auch dem Dekanat Oschersleben417 hielt er Rekollektionen.
2.4.2 Das Lebensthema Ludwig WULFs: "persoenliche Erloesung"
Seine Verwandten wissen zu berichten, dass ihn die Vorbereitung der Rekollektionsvortraege sehr belasteten.418 Ludwig WULF hatte ein grosses innerliches Anliegen, welches ihn ein Leben lang bewegt. Er sah eine letzte Spannung zwischen dem Einsatz der Liebe Gottes zur unserer Erloesung und der moeglichen Verweigerung des Menschen gegenueber dieser Liebe. Die Vorstellung, ein Mensch koennte durch die eigene Verweigerung das ewige Heil verpassen, quaelte ihn sein Leben lang. Bezeichnend hierbei war ein quaelender Heilspessimismus, vor allem was seine eigene Person betraf: "Mir gegenueber muss ich Pessimist sein, allen anderen gegenueber Optimist. Denn bei den anderen kann ich rechnen mit der Macht der Gnade und der Liebe Gottes."419 ueber diese Fragen kam er in Milwaukee mit Pater KENTENICH ins Gespraech. In der Woche seines Besuches bei Pater KENTENICH in Amerika redete er fast bei jedem Treffen ueber seine diesbezueglichen Vorstellungen und Befuerchtungen.420 Auch bei dieser Gelegenheit zeigte sich das grosse Einfuehlungsvermoegen Pater KENTENICHs. Ludwig WULF erhaelt die gesamte Woche Gelegenheit, die ihn so sehr bewegenden und quaelenden Vorstellungen zu artikulieren421 und bekommt abschliessend den Auftrag, seine Gedanken in naechster Zeit niederzuschreiben.422 Die quaelende Ungewissheit ueber die Erlangung des ewigen Heils trieb Ludwig WULF jedoch auch dazu, ueber die Vollendung der konkreten Biographie eines Menschen bei Gott nachzudenken. Die Rekollektionsvortraege waren stets423 von seinen Gedanken ueber die persoenliche Erloesung und somit vom ganzen Wesen seiner Person durchdrungen. So waren sie keine Abhandlungen eines aszetischen Themenbereiches, sondern hatten echten Zeugnischarakter.
2.4.3 Ludwig WULF als Beichtvater fuer Mitbrueder
Neben den Rekollektionsvortraegen wurde Ludwig WULF dann auch als Beichtvater in Anspruch genommen. Diese Aufgabe nahm er sehr ernst: "Da war die Krise eines priesterlichen Freundes, der durch seine Ehrlichkeit u. Wahrheitsliebe mir grosse Verantwortung auflud. Ich glaubte ihm helfen zu koennen, wenn ich mich als Loesepreis fuer ihn anbot, indem ich dazu bereit sein wollte, was ich mit ganzer Natur fuerchtete. ... Ich berichtete meinem priesterlichen Beichtkind, was ich alles durchmach ... u. wusste am 28.6., dass ich wirklich beim Wort genommen war durch dessen confessio."424 Schliesslich griff auch die Leitung des Priesterseminars auf der Hysburg auf Ludwig WULF als Exerzitienmeister zurueck425
2.5 Ludwig WULF im Gespraech mit Professor Heinz SCHUERMANN
Beim Besuch Ludwig WULFs bei Pater KENTENICH in Milwaukee erhielt er von Pater KENTENICH den Auftrag, seine Gedanken ueber die "persoenliche Erloesung"426 niederzuschreiben. Ludwig WULF gelang dies im Rahmen eines Briefwechsels mit dem Professor fuer Neues Testament in Erfurt, Professor Heinz SCHUERMANN. Seit 1974 versuchte Ludwig WULF in Briefen an Professor SCHUERMANN darzulegen "was ihm als ganz persoenliche Erkenntnis geschenkt war und sein Sinnen, Beten und Sprechen erfuellte".427 Nach Auskunft von Pfarrer Eberhard JAKOB haette SCHUERMANN ihm gegenueber einmal geaeussert, dass der Briefwechsel mit Ludwig WULF bei ihm einen ganzen Ordner fuellen wuerde.428 Unter dem 22.07.1980 sandte der Nachlassverwalter von Ludwig WULF, der Pfarrer von Kirchmoeser F. SPRENGER429, "Schriftstuecke"430, welche fuer Heinz SCHUERMANN "persoenlich wertvoll"431 waeren an den Erfurter Professor. Es handelte sich dabei um Briefe von Heinz SCHUERMANN an Ludwig WULF in denen er Ludwig WULF durch Fragen zum Schreiben ueber seine Vorstellungen ueber persoenliche Erloesung reizte.432 Unter dem 23.09.1977 bezeugte Ludwig WULF in einem Brief an Hermann GEBERT, dass Heinz SCHUERMANN bereit war, seine Briefe zu exzerpieren. Damit sah er den Auftrag von Pater KENTENICH als erfuellt an433. Ueber die Briefe Ludwig WULFs an ihn seit 1974 schrieb Heinz SCHUERMANN in seinem Bericht vom letzten Besuch bei dem Sterbenden: "Er schrieb, solange es ihm noch gut ging, gern, weil er sich im Gehorsam gebunden fuehlte: Pater KENTENICH hatte ihm gesagt, er moege einmal niederschreiben, was er ihm vorgetragen hatte. Vielleicht koennte man den Versuch machen, aus diesen Briefen eine Systematik zu erstellen, die freilich nicht wird wiedergeben koennen, was mehr Eingebung als rationales Denken war."434 Unter dem 02.08.80 schrieb Heinz SCHUERMANN noch an Ferdinand SPRENGER, dass er vorhabe, fuer die Freunde von Ludwig WULF eine Zusammenstellung seiner Briefen zu erarbeiten.435
Frau Theresia EHRHARDT, Sekretaerin bei Professor SCHUERMANN, teilte mir unter dem 29.10.2001 mit, dass der Name Ludwig WULFs bei der Aufloesung des Nachlasses von Professor SCHUERMANN, gest. am 11.12.1999, aufgetaucht sei. Der Erhalt der Briefe Ludwig WULFs an Professor SCHUERMANN konnte jedoch durch Nachfragen in den Archiven der Bistuemer Erfurt und Paderborn bzw. bei der Schwester von Heinz SCHUERMANN, Trude SCHUERMANN, bisher nicht bestaetigt werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Briefwechsel zwischen Ludwig WULF und Heinz SCHUERMANN gefunden wird.
Wuerden diese Briefe gefunden, waere es eine lohnende Aufgabe unter neuer Sichtung des bereits gesammelten Materials ueber die theologische Spekulation Ludwig WULFs im Kontext seines geistlichen Lebens und der Theorie von Pater KENTENICH ueber Mystik, Heilsgeschichte und Erloesung eine wissenschaftliche Reflexion anzustellen.
3 Resuemee
Ludwig WULF erlebte den Neuaufbruch von Gesellschaft und Kirche nach dem Ersten Weltkrieg als Theologiestudent im Paderborner Leokonvikt und nach seiner Priesterweihe im August 1925 aus der Sicht des in der Gemeindeseelsorge taetigen Priesters. Waehrend seiner Studienzeit in Paderborn fand er zum Apostolischen Bund von Schoenstatt. Entscheidend fuer seinen Weg zum Priestertum war eine Begegnung mit dem Leiter des Apostolischen Bundes, Pater KENTENICH. In ihm fand er einen Priester, dem er sich in schwieriger seelischer Lage anvertrauen konnte. Der Neuaufbruch in der katholischen Kirche spiegelte sich im Paderborner Theologenkonvikt, dem Leokonvikt, wieder. Es existierten dort nach dem Ersten Weltkrieg Gruppen, die der Jugendbewegung verpflichtet waren. Ebenso existierten am Leokonvikt bald nach dem Ersten Weltkrieg Gruppen des Apostolischen Bundes. Seit dem Wintersemester 1919/20 bemuehten sich Theologen, eine Gruppe des Apostolischen Bundes im Leokonviktes zu etablieren. Spaetestens seit 1923 nahm Ludwig WULF an Tagungen des Apostolischen Bundes teil.
Im Anschluss an die Zeitdeutungen, die Pater KENTENICH waehrend der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft gab, entwickelte Ludwig WULF den Gedanken, der fortschreitenden Saekularisierung der Gesellschaft mit einer Vertiefung des geistlichen Lebens zu begegnen und die Zeitverhaeltnisse als besondere heilgeschichtliche Stunde fuer die Errichtung des Reiches Gottes zu begreifen. Die Durchsetzung des Reiches Gottes gegen menschliche Interessen fasste Ludwig WULF unter dem Begriff der "Zeitenwende" zusammen. Dieser Begriff findet sich auch in der Verkuendigung Pater KENTENICHs aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, so dass auch hier eine Abhaengigkeit vermutet werden kann.
Ludwig WULF wurde bis zum Antritt seiner Stelle als Pfarrer von Hadmersleben im Juli 1945 mit verschiedenen Modellen der Bewaeltigung des Problems der zunehmenden Saekularisierung des Gesellschaft bekannt. Er erlebte in Gotha eine vom Wirken der katholischen Vereine getragene Pfarrei. In Neumark, zur Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft, erlebte er wie kirchliches Leben auf Gottesdienst und Liturgie beschraenkt wurde und wesentlich von der Verkuendigung im Rahmen der Eucharistiefeiern und der Sprache religioeser Symbolik lebte.
Priester des Kommissariates Magdeburg, darunter auch Hugo AUFDERBECK und Wilhelm WESKAMM, faden in Ludwig WULF einen kompetenten Ratgeber fuer das geistliche Leben bzw. ihren Beichtvater. Die Sorge, der Mensch koenne dem heilvollen Wirken Gottes entgegen stehen, weil er zuerst seine Interessen zu verfolgen suche, stellte fuer Ludwig WULF eine ernste Frage dar. Sein ganzes Leben ringt er mit der Befuerchtung, er verhindere das heilvolle Wirken Gottes. In geistlichen Vortraegen vor Priestern und im Gespraech mit Theologen dachte er gemeinsam mit den Mitbruedern ueber den Vorgang der Erloesung nach. Diese Spekulation stellte Ludwig WULF mit hoechster innerlicher Beteiligung an. Hierin mag begruendet sein, dass Ludwig WULF ein so hohes Ansehen im Klerus des Kommissariates Magdeburg als Ratgeber in geistlichen Fragen genoss.
In seinen Begegnungen mit Pater KENTENICH hatte Ludwig Wulf die Gelegenheit, den Gruender der Schoenstattbewegung als begnadeten Seelsorger mit hoher Einfuehlungskraft zu erfahren. Somit darf er als Zeuge fuer die Taetigkeit Pater KENTENICHs als Seelenfuehrer gelten. Dieser Bereich des Wirkens von Pater KENTENICH ist wegen der schwierigen Quellenlage fuer diesen Bereich nur schwer zugaenglich. Fuer eine authentische Rezeption der Impulse Pater KENTENICHs ist die wissenschaftliche Reflexion des Wirkens Pater KENTENICHs als Seelenfuehrer unerlaesslich.
Die Schoenstattbewegung auf dem Gebiet der SBZ/DDR nahm losgeloest von der Zentrale in Schoenstatt eine eigenstaendige Entwicklung. Die Person von Pater Franz REINISCH wurde zum Patron fuer die Schoenstattbewegung auf dem Gebiet der SBZ/DDR, besonders fuer die Schoenstattpriester und fuer die maennliche Jugend, waehrend sich die Orientierung an vorbildhaften Charakteren aus der Gruendungszeit Schoenstatts in der Bundesrepublik auf den Pallottinerschueler Josef ENGLING konzentrierte. Ludwig WULF setzte sich sehr fuer das Gedenken an die Person von Pater Franz REINISCH ein. Seine letzten zwoelf Lebensjahre widmete er Pater Franz REINISCH und den Opfern der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten im Zuchthaus Brandenburg.
Fuer die Schoenstattpriester im Kommissariat Magdeburg wurde Ludwig WULF und die jaehrliche Vigil in der Todesnacht von Franz REINISCH, vom 20. auf den 21. August, in Kirchmoeser zum Kristallisationspunkt ihres geistlichen Lebens. In der eigenstaendigen Entwicklung der Schoenstattbewegung auf dem Gebiet der SBZ/DDR stellte Ludwig WULF wegen seiner Erfahrungen mit Pater KENTENICH und seiner Verankerung im Paderborner Gau der Schoenstattpriester vor dem Zweiten Weltkrieg auch eine Klammer zur Schoenstattbewegung auf dem Gebiet der Bundesrepublik dar. Als geistliche Mitte der Schoenstattpriester im Kommissariat Magdeburg wurde er fuer seine Mitbrueder auf dem Gebiet der DDR zum Transparent des Gruenders.
Der Lebensweg des Priesters Ludwig WULF spiegelt die Herausforderungen, die die saekularisierte Gesellschaft im 20. Jahrhundert an das kirchliche Leben stellte wider und zeugt von der Kraft der Impulse Pater KENTENICHs fuer die zum Bekenntnis gerufene Kirche. Seine Antwort auf die herausfordernde Situation ist die Bildung des geistlichen Lebens als Vorrausetzung fuer ein fruchtbares Bekenntnis.
Abkuerzungen
Bd. = Band.
Bzw. = Beziehungsweise.
Ca. = Circa.
D. h. Das heisst.
Ders. = Derselbe.
Dr. = Doctor.
Dr. theol = Doctor theologiae.
EBA = Erzbistumsarchiv.
Geb. = Geboren.
Geistl. = Geistlich.
Gest. = Gestorben.
Hl. = Heiliger/Heilige.
KZ = Konzentrationslager.
MTA = Mater Ter Admirabilis (Als Marientitel und als Name einer Zeitschrift).
Nr. = Nr.
O. A. = Ohne Angabe Eines Autors bzw. Herausgebers.
O. J. = Ohne Angabe Eines Jahres.
O. O. = Ohne Angabe Eines Ortes.
O. T. = Ohne Angabe Eines Tages.
Offb. = Biblisches Buch: Offenbarung des Johannes.
Prof. = Professor.
Pseud. = Pseudonym.
S. = Seite.
SBZ = Sowjetische Besatzungszone.
SED = Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.
Sp. = Spalte.
Sr. = Schwester.
ST = SAL TERRAE (Zeitschrift).
U. = Und.
U. a. = Und andere.
V. = Von.
Vgl. = Vergleiche!.
Z. B. = Zum Beispiel.
Z. Zt. = Zur Zeit.
Literaturverzeichnis
0 Erklaerung
Die Quellen sind grundsaetzlich ueber den Namen der Autors bzw. des Herausgebers angesetzt. Alle in der Arbeit zitierten Autoren bzw. Herausgeber finden sich in alphabetischer Reihenfolge unter "Gedruckte Quellen, Literatur, Hilfsmittel". Bezeichnen die Autorennamen "Ungedruckte" bzw. "Unveroeffentlichte Quellen", dann befindet sich in der alphabetischen Auflistung unter "Gedruckte Quellen, Literatur und Hilfsmittel" ein Verweiss auf die nachzuschlagende Rubrik. Wo kein Autor bzw. Herausgeber auszumachen war (vgl. besonders "Ungedruckte Quellen"), steht an Stelle des Namens im Literaturverzeichnis in Klammern "o. A.". Ganze Ordner bzw. Buecher aus den Archiven sind ueber ihren Titel bzw. ihre Bezeichnung angesetzt.
Unter den einzelnen Archiven bzw. unter Unveroeffentlichte Quellen erscheinen 1. Quellen ohne Angabe eines Autors (o. A.), 2. Angaben von Ordnern bzw. Buechern der Archive in alphabetischer Reihenfolge nach ihren Titeln geordnet und 3. Quellen von denen der Autor bekannt ist in alphabetischer Reihenfolge nach den Namen des Autors geordnet.
1 Ungedruckte Quellen
1.1 Kirchliche Archive
1.1.1 Archiv des Caritasheimes St. Ursula Kirchmoeser
DUEBELT, U., Chronik, Berlin, 10.12.1991, in: Ordner: Kirchmoeser. In der Arbeit zitiert: DUEBELT, Chronik, Dezember 1991.
1.1.2 Archiv der Schoenstatt-Dioezesanpriester auf Berg Moria Simmern/Westerwaldkreis
(O. A.), Faltblatt zum Andenken: Priesterexerzitien vom 7. bis 13. Januar 1934 im Bundesheim Schoenstatt. In der Arbeit zitiert: ARCHIV DIOEZESANPRIESTER, Faltblatt zum Andenken, Januar 1934.
(O. A.), Faltblatt zum Andenken: Priesterexerzitien vom 6. bis 11. Januar 1936 im Bundesheim Schoenstatt. In der Arbeit zitiert: ARCHIV DIOEZESANPRIESTER, Faltblatt zum Andenken, Januar 1936.
(O. A.), Faltblatt zum Andenken: Priesterexerzitien vom 23. bis 29. Juli 1939 im Exerzitienhaus Schoenstatt. In der Arbeit zitiert: ARCHIV DIOEZESANPRIESTER, Faltblatt zum Andenken, Juli 1939.
(O. A.), Faltblatt zum Andenken: Priesterexerzitien vom 21. Januar bis 27. Januar 1940 im Exerzitienhaus Schoenstatt. In der Arbeit zitiert: ARCHIV DIOEZESANPRIESTER, Faltblatt zum Andenken, Januar 1940.
(O. A.), Faltblatt zum Andenken: Priesterexerzitien vom 26. Januar bis 1. Februar 1941 im Exerzitienhaus Schoenstatt. In der Arbeit zitiert: ARCHIV DIOEZESANPRIESTER, Faltblatt zum Andenken, Januar/Februar 1941.
AUST, H., Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Ludwig WULF, (o. O. o. J. [1977]). In der Arbeit zitiert: AUST, Ludwig Wulf.
WULF, L., Brief an Hermann GEBERT, Brandenburg, 23.09.1977: Die Gnade mit Anton E. .... In der Arbeit zitiert: WULF, Die Gnade, September 1977.
WULF, L., Text auf dem Erinnerungsbildchen zum goldenen Priesterjubilaeum von Ludwig WULF am 09.08.1975, in: AUST, H., Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Ludwig WULF, (o. O. o. J. [1977]), 1f. In der Arbeit zitiert: WULF, Jubilaeum, 1977.
1.1.3 Archiv der Pfarrei St. Bonifatius Gotha
(O. A.), Gotha, in: Pfarramtliche Nachrichten, in: Weihnachts-Gruesse der katholischen Pfarrgeistlichkeit von Gotha-Friedrichroda an die Gemeindemitglieder. (o. O.) Weihnachten 1925, in: Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Gotha, Dezember 1925.
(O. A.), Notizen aus dem Gemeindeleben 1925, in Pfarramtliche Nachrichten, in: Weihnachts- gruesse der katholischen Pfarrgeistlichkeit von Gotha-Friedrichroda an die Gemeindemitglieder, (o. O.) Weihnachten 1925, in: Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Gemeindeleben, Dezember 1925.
(O. A.), Aus dem Gemeindeleben. Entstehung und Ausdehnung der Pfarrei Gotha, in: Katholisches Gemeindeblatt. Pfarrei Gotha, Nummer 1, (o. O.) Januar 1930, in Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: ARCHIV Gotha, Entstehung und Ausdehnung, Januar 1930.
(O. A.), Katholische Vereine, in: Katholisches Gemeindeblatt. Pfarrei Gotha, Nummer 2, (o.O.) Maerz 1930, in Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Vereine, Maerz 1930.
(O. A.), Gemeinde-Nachrichten, in: Katholisches Gemeindeblatt. Pfarrei Gotha, Nummer 4, (o.O.) Juni 1930, in Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Gemeindenachrichten, Juni 1930.
Protokollbuch des katholischen Deutschen Frauenbundes (erster Eintrag: 18.10.1926) In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Frauenbund.
Protokoll-Buch des Katholischen Maennervereins. In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Maennerverein.
Vermeldungen der Pfarrei Gotha 1925-1930, Signatur B 12/VII. In der Arbeit zitiert: ARCHIV GOTHA, Vermeldungen 1925-1930.
HESSE, J., u. WULF, L., Seelsorgsbrief der katholischen Pfarrgeistlichkeit zu Gotha an die Gemeindemitglieder, (o. O. [Gotha] o. J. [1926]), in: Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: HESSE/WULF, Seelsorgsbrief, 1926.
WULF, L, Statistik ueber polnische Katholiken, Gotha, 20.07.1927, in: Titel III: Gottesdienst und Seelsorge. In der Arbeit zitiert: WULF, polnische Katholiken, Juli 1927.
1.1.4 Archiv der Pfarrei St. Peter und Paul Hadmersleben
Chronik der Pfarrei Hadmersleben (erster Eintrag: 07.11.1932) In der Arbeit zitiert: ARCHIV HADMERSLEBEN, Chronik.
Protokollbuch der Kirchenvorstandes der Pfarrgemeinde Hadmersleben. In der Arbeit zitiert: ARCHIV HADMERSLEBEN, Kirchenvorstand.
Vermeldungen der Pfarrvikarie Kleinoschersleben 1945-1948. In der Arbeit zitiert: ARCHIV HADMERSLEBEN, Vermeldungen Kleinoschersleben 1945-1948.
1.1.5 Archiv der Schoenstaetter Marienschwestern Friedrichroda
Chronik der Filiale Kirchmoeser. In der Arbeit zitiert: ARCHIV MARIENSCHWESTERN, Chronik Kirchmoeser.
MUEHLBEYER, F., Urkunde ueber die Identitaet des Innenliegenden Kreuzes, 08.12.1947: Zitat aus einem Brief von P. J. KENTENICH .... In der Arbeit zitiert: MUEHLBEYER, aus einem Brief von P. K., Dezember 1947.
1.1.6 Archiv der Pfarrei St. Norbert Merseburg
Ordner: Konferenzen vom 11.10.1937. In der Arbeit zitiert: ARCHIV MERSEBURG, Konferenzen.
1.1.7 Archiv der Pfarrei St. Gertrud Oberkirchen
Elenchus sacerdotum, qui s. Missae sacrificium obtulerunt in Ecclesia parochiali ad St. Gertrudem in Oberkirchen, Erster Eintrag: 03.08.1942. In der Arbeit zitiert: ARCHIV OBERKIRCHEN, Elenchus.
1.1.8 Erzbistumsarchiv Paderborn
Kartei verstorbener Priester. In der Arbeit zitiert: EBA PADERBORN, Kartei verstorbener Priester.
WULF, L., Brief an Kardinal JAEGER, Hadmersleben, 19.10.1965: zum heutigen Jahrestag Ihrer Konsekration ..., in: Nachlass Kardinal JAEGER, Ordner: Priester Sch-Z 1964-1967. In der Arbeit zitiert: WULF, zum Jahrestag Ihrer Konsekration, Oktober 1965.
1.1.9 Archiv der Sionsprovinz der Schoenstattpatres Vallendar
Ordner: Neue Mitglieder der MC Maior/Minor 1917. In der Arbeit zitiert: ARCHIV SCHOENSTATTPATRES, Maior/Minor 1917.
Ordner: Neue Mitglieder der MC Maior/Minor 1918. In der Arbeit zitiert: ARCHIV SCHOENSTATTPATRES, Maior/Minor 1918.
Ordner: Neue Mitglieder der MC Maior/Minor 1920. In der Arbeit zitiert: ARCHIV SCHOENSTATTPATRES, Maior/Minor 1920.
Ordner: Priesterverband A-K. In der Arbeit zitiert: ARCHIV SCHOENSTATT- PATRES, Priesterverband.
LOCHER, P., Nikolaus Aloys BRANTZEN. Schoenstattpater Mitglied des Kurses "Concruciferi Patris Vincentis", Vallendar Schoenstatt, 08.12.193. In der Arbeit zitiert: LOCHER, Nachruf BRANTZEN, Dezember 1993.
WALTER, H., P. Rainer ZINKE. Schoenstattpater, Vallendar Schoenstatt, 22.07.1999. In der Arbeit zitiert: WALTER, Nachruf ZINKE, Juli 1999.
1.1.10 Archiv der Pfarrei St. Josef und Theresia Weferlingen
Chronik der Pfarrvikarie Weferlingen. In der Arbeit zitiert: Archiv Weferlingen, Chronik. Ordner: Volksmissionen. In der Arbeit zitiert: ARCHIV WEFERLINGEN, Volkmissionen. Vermeldungen der Pfarrvikarie Weferlingen 1929-1933. In der Arbeit zitiert: ARCHIV WEFERLINGEN, Vermeldungen 1929-1933
Vermeldungen der Pfarrvikarie Weferlingen ab 1933. In der Arbeit zitiert: ARCHIV WEFERLINGEN, Vermeldungen ab 1933.
HILLEBRAND, J., Bekanntmachung ueber die Altarweihe in der Kirche St. Joseph und Theresia, Weferlingen, 03.09.1929, in: Titel I, 3: Pfarrvikarie- Pfarrerrichtung. In der Arbeit zitiert: HILLEBRAND, Bekanntmachung Altarweihe, September 1929.
MEYER, A., Brief an Ludwig WULF, Ohrbeck, 03.02.1932: Fuer Ihren Brief ..., in: Ordner: Volksmissionen. In der Arbeit zitiert: MEYER, Fuer Ihren Brief, Februar 1932.
WULF, L., Zaehlbogen A 1931 fuer Pfarreien und Seelsorgsbezirke mit eigenen Geistlichen, Weferlingen, 21.01.1932. In der Arbeit zitiert: WULF, Zaehlbogen 1931, Januar 1932.
WULF, L., Notizen ueber die Volksmission durch P. A. MEYER in der Gemeinde Weferlingen vom 14.-21.02.1932, (o. O. [Weferlingen?] o. D. [Februar 1932?]), in: Ordner: Volksmissionen. In der Arbeit zitiert: WULF, Notizen Volksmission, Februar 1932.
WULF, L., Missionsbericht 1932, Weferlingen, 13.04.1932. In der Arbeit zitiert: WULF, Missionsbericht, April 1932
WULF, L., Notizen ueber die Einkehrtage fuer Jungmaenner der Gemeinde Weferlingen vom 27.11-01.12.1932., (o. O. [Weferlingen?] o. D. [Dezember 1932?]), in: Ordner: Volksmissionen. In der Arbeit zitiert: WULF, Notizen Einkehrtage, Dezember 1932.
WULF, L., Zaehlbogen A 1932 fuer Pfarreien und Seelsorgsbezirke mit eigenen Geistlichen, Weferlingen, 27.01.1933. In der Arbeit zitiert: WULF, Zaehlbogen 1932, Januar 1933.
WULF, L., Zaehlbogen A 1933 fuer Pfarreien und Seelsorgsbezirke mit eigenen Geistlichen, Weferlingen, 31.01.1934. In der Arbeit zitiert: WULF, Zaehlbogen 1933, Januar 1934.
WULF, L., Zaehlbogen A 1934 fuer Pfarreien und Seelsorgsbezirke mit eigenen Geistlichen, Weferlingen, 30.01.1935. In der Arbeit zitiert: WULF, Zaehlbogen 1934, Januar 1935.
WULF, L., Missionsbericht 1935, Weferlingen, 18.02.1935. In der Arbeit zitiert: WULF, Missionsbericht, Februar 1935.
1.2 Private Sammlungen
1.2.1 Privatarchiv Heinrich AUST (z. Zt. Magdeburg)
(o. A. [WULF, L.]), Ansprache zum Beginn einer Messfeier, (o. O. [Kirchmoeser] o.D. [22.08.1963]). In der Arbeit zitiert: WULF, Ansprache, August 1963.
WULF, L., Brief an Heinrich AUST, Hadmersleben, 24.08.1964: Ich glaube ... In der Arbeit zitiert: WULF, Ich glaube, August 1964.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Hadmersleben, 06.08.1965: Herzlichen Dank fuer Deinen Brief, der mir ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Deinen Brief, August 1965.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Hadmersleben, 07.09.1965: Am 5. 9. bin ich zurueck gekommen ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Am 5. 9., September 1965.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Hadmersleben, 05.10.1965: Das ist doch ein trauriges Bier ..., In der Arbeit zitiert: WULF, ein trauriges Bier, Oktober 1965.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Hadmersleben, 01.02.1966: Oefter dachte ich heut ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Oefter, Februar 1966.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 02.04.1969: Danke fuer Deinen Brief. ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Deinen Brief, April 1969
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, (als Empfangsdatum notiert: Dezember 1969): Ein schwermuetiger Melancholiker ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Melancholiker, Dezember 1969.
WULF, L., Brief an Heinrich AUST, Kirchmoeser, 21.01.1971: Wie der 20. Mai ... In der Arbeit zitiert: WULF, der 20. Mai, Januar 1971.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 05.07.1971: Du schriebst, ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Du schriebst, Juli 1971.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 04.05.1972: Nun habe ich eine kluge und heilige Schwester. ..., In der Arbeit zitiert: WULF, eine kluge und heilige Schwester, Mai 1972
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 02.11.1973: Im Oktober habe ich nur dran gedacht ..., In der Arbeit zitiert: WULF, im Oktober, November 1973
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 01.03.1974: Heute halte ich die 5 stuendige Geisteserneuerung. ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Geisteserneuerung, Maerz 1974
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 01.04.1974: Herzlichen Dank fuer Deinen Brief! - In meinem Hausheiligtum ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Deinen Brief, April 1974
WULF, L., Brief an Heinrich AUST, Kirchmoeser, 03.01.1975: Du freust Dich ... In der Arbeit zitiert: WULF, Du freust Dich, Januar 1975.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 01.05.1976: Heinz SCHUERMANN hatte ich Anfang April ..., In der Arbeit zitiert: WULF, Heinz SCHUERMANN, Mai 1976.
WULF, L., Brief an Alfred RIND, Kirchmoeser, 01.12.1976: Wieder ein Monat ohne Schedula. ..., In der Arbeit zitiert: WULF, ohne Schedula, Dezember 1976.
WULF, L., Brief an Alfred Rind, Kirchmoeser, 01.02.1977: Ich war sofort nach der hl. Messe ..., In der Arbeit zitiert: WULF, nach der hl. Messe, Februar 1977.
WULF, L., Brief an Alfred Rind, Kirchmoeser, 23.09.1977: Die MTA hatte ihre Wuensche ..., In der Arbeit zitiert: WULF, ihre Wuensche, September 1977.
1.2.2 Sammlung Klaus KRENZ (z. Zt. Dallgow-Doeberitz)
(O. A.), Auflistung: Schoenstattpriester Bistum MD, (o. O.) 12.09.2000. In der Arbeit zitiert: SAMMLUNG KRENZ, Schoenstattpriester, September 2000.
1.2.3 Sammlung Hans-Martin SAMIETZ (z. Zt. Vallendar)
Auf den Spuren von Pater Josef KENTENICH, [erster Eintrag fuer Dezember 1924]. In der Arbeit zitiert: SAMMLUNG SAMIETZ, Spuren.
Chronik der Jungmaennerbewegung Gau Ost, [erster Eintrag fuer das Jahr 1946]. In der Arbeit zitiert: SAMMLUNG SAMIETZ, Chronik der Jungmaennerbewegung.
Goerden I. u. II. In der Arbeit zitiert: SAMMLUNG SAMIETZ, Goerden I. u. II.
AUFDERBECK, H., Predigt beim Requiem fuer Ludwig WULF, (o. O. [Erfurt]) 28.10.1977, in: Umschlag 15. In der Arbeit zitiert: AUFDERBECK, Ludwig WULF, Oktober 1977.
AUST, H., Materialsammlung fuer seine Taetigkeit bei der Schoenstatt-Mannesjugend auf dem Gebiet der DDR in den Jahren 1957-1969, (o. O. o. J.). In der Arbeit zitiert: AUST, Materialsammlung.
AUST, H., Brief an Rainer ZINKE, Wittenberg, 25.11.1977: Man freut sich ueber jeden, der nach Ludwig Wulf fragt. ..., in: Nachlass ZINKE, R., in: Ordner: (o. T. [Sammlung ueber Ludwig WULF]). In der Arbeit zitiert: AUST, ueber jeden, November 1977.
SCHUERMANN, H., Brief an Ferdinand SPRENGER, Erfurt, 24.10.1977: herzlichen Dank fuer die Mitteilung ..., in: Umschlag 4: Briefe/Schriften von Ferdinand SPRENGER und Heinz SCHUERMANN. In der Arbeit zitiert: SCHUERMANN, Dank fuer die Mitteilung, Oktober 1977.
SCHUERMANN, H., Der letzte Besuch bei Geistl. Rat Ludwig WULF, (o. O.) 24.10.1977, in: Umschlag 4: Briefe/Schriften von Ferdinand SPRENGER und Heinz SCHUERMANN. In der Arbeit zitiert: SCHUERMANN, Der letzte Besuch, Oktober 1977.
SCHUERMANN, H., Brief an Ferdinand SPRENGER, Erfurt, 02.08.1980: recht herzlichen Dank fuer Deinen langen Brief, in: Umschlag 4: Briefe/Schriften von Ferdinand SPRENGER und Heinz SCHUERMANN. In der Arbeit zitiert: SCHUERMANN, Dank fuer Deinen langen Brief, August 1980.
SPRENGER, F., Brief an Heinz SCHUERMANN, Kirchmoeser 22.07.1980: Schon sehr lange haette ich diesen Brief schreiben muessen ..., in: Umschlag 4: Briefe/Schriften von Ferdinand SPRENGER und Heinz SCHUERMANN. In der Arbeit zitiert: SPRENGER, Schon sehr lange, Juli 1980.
WULF, L., Kalenderblaetter der Jahre 1970-1976, in: Umschlag 2. In der Arbeit zitiert: WULF, Kalenderblaetter.
WULF, L., Brief an Franz-Josef LOHSE, Kirchmoeser 16.01.1977: Vor zwoelf Jahren ging es dem 25. Februar entgegen., in: Umschlag 17: Schreiben Ludwig WULFs an Franz-Josef LOHSE. In der Arbeit zitiert: WULF, Vor zwoelf Jahren, Januar 1977.
1.2.4 Privatarchiv der Familie SCHAUERTE (z. Zt. Oberkirchen)
HENNE, G., Schulzeugnis fuer August WULF, Oberkirchen 20.05.1879. In der Arbeit zitiert: HENNE, Schulzeugnis August WULF, Mai 1879.
HUBACH, Brief an Ludwig WULF, Magdeburg, 10.05.1967: Mit Wirkung vom 1. 5. 67 .... In der Arbeit zitiert: HUBACH, Wirkung, Mai 1967.
KLEIN, C., Urkunde ueber den Vollzug der niederen Weihen bei Ludwig WULF, Paderborn, 21.12.1924. In der Arbeit zitiert: KLEIN, Vollzug der niederen Weihen, Dezember 1924.
KLEIN, C., Urkunde ueber den Vollzug der Subdiakonatsweihe bei Ludwig WULF, Paderborn, 28.03.1925. In der Arbeit zitiert: KLEIN, Vollzug der Subdiakonatsweihe, Maerz 1925.
KLEIN, C., Urkunde ueber den Vollzug der Diakonatsweihe bei Ludwig WULF, Paderborn, 29.03.1925. In der Arbeit zitiert: KLEIN, Vollzug der Diakonatsweihe, Maerz 1925.
KLEIN, C., Urkunde ueber den Vollzug der Priesterweihe bei Ludwig WULF, Paderborn, 09.08.1925. In der Arbeit zitiert: KLEIN, Vollzug der Priesterweihe, August 1925.
WULF, L., Brief an Familie SCHAUERTE-WULF, Paderborn, 12.06.1923: Am Sonntag erhielt ich einen Scheck .... In der Arbeit zitiert: WULF, am Sonntag, Juni 1923.
WULF, L., Brief an Familie SCHAUERTE-WULF, Paderborn, 10./11.11.1924: Vielen Dank fuer den lb. Brief ... In der Arbeit zitiert: WULF, Vielen Dank, November 1924.
WULF, L., Familienchronik der Familie SCHAUERTE-WULF, Weferlingen, 22.09.1934. In der Arbeit zitiert: WULF, Familienchronik.
WULF, L., Testament, Kirchmoeser, 08.02.1977. In der Arbeit zitiert: WULF, Testament, Februar 1977.
2 Auskuenfte
Gespraech mit Ludwig WULF (mit Heinrich AUST, Franz-Josef LOHSE, Eberhard JACOB (Tonbandabschrift) u. a. ), (o. O. [Kirchmoeser] o. D. [August 1974]). In der Arbeit zitiert: Auskunft WULF, Gespraech, August 1974.
Gespraech mit Heinrich AUST, Magdeburg, 24.07.2000. In der Arbeit zitiert: Auskunft AUST, Gespraech, Juli 2000.
Mitteilung Daniel LOREK, Magdeburg, 17.10.2001. In der Arbeit zitiert: Auskunft LOREK, Mitteilung, Oktober 2001.
Gespraech mit Heinrich AUST, Magdeburg, 13.11.2001. In der Arbeit zitiert: Auskunft AUST, Gespraech, November 2001.
Gespraech mit Maria DRESCHER, Hadmersleben, 14.11.2001 In der Arbeit zitiert: Auskunft DRESCHER, Gespraech, November 2001.
Gespraech mit Ewald SCHAUERTE, Oberkirchen, 03.04.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft SCHAUERTE, E., Gespraech, April 2002.
Gespraech mit Irmgard und Ludwig SCHAUERTE, Oberkirchen, 03.04.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft SCHAUERTE, L./I., Gespraech, April 2002.
Gespraech mit Lothar PIETRUSKA, Braunsbedra, 04.04.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft PIETRUSKA, Gespraech, April 2002.
Gespraech mit Roland STEINKE, Halberstadt, 05.04.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft STEINKE, Gespraech April 2002.
Gespraech mit Paul NORDHUES, Paderborn, 10.07.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft NORDHUES, Gespraech, Juli 2002.
Gespraech mit Marlies SELLMANN, Vallendar, 20.07.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft SELLMANN, Gespraech Juli 2002.
Mitteilung Daniel DOERING, Thalwenden, 25.07.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft DOERING, Mitteilung, Juli 2002.
Mitteilung Christine GUNDERMANN, Halle, 25.07.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft GUNDERMANN, Mitteilung, Juli 2002.
Mitteilung Heinrich AUST, Magdeburg, 14.08.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft AUST, Mitteilung, August 2002.
Mitteilung Eberhard JACOB, Guenterode, 26.08.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft JACOB, Mitteilung, August 2002.
Mitteilung Ludwig SCHAUERTE, Oberkirchen, 26.08.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft SCHAUERTE, L., Mitteilung, August 2002.
Mitteilung Sr. PETRA, Berlin, 12.09.2002. In der Arbeit zitiert: Auskunft Sr. PETRA, Mitteilung, September 2002.
3 Gedruckte Quellen, Literatur und Hilfsmittel
AUFDERBECK, Aufriss einer Pastoraltheologie, in FRIEMEL, F. G., "Nicht die Bekaempfung des Kommunismus, sondern der Aufbau des Leibes Christi ...". Zur Pastoraltheologie des Erfurter Bischofs Hugo AUFDERBECK (1909-1981), in: W. ERNST - K. FEIEREIS, Denkender Glaube 132-137. In der Arbeit zitiert: AUFDERBECK, Aufriss einer Pastoraltheologie.
AUFDERBECK, Deo gratias, in: Volk Gottes auf dem Weg. Briefe, Meditationen, Ansprachen und Predigten von Bischof Hugo AUFDERBECK und Von seinem Leben und Sterben, Leipzig 21981. In der Arbeit zitiert: AUFDERBECK, Deo gratias.
AUFDERBECK, Geistlicher Rat Ludwig WULF - 50 Jahre Priester, in: Tag des Herrn, Nr. 16, 1975, S. 127. In der Arbeit zitiert: AUFDERBECK, 50 Jahre Priester.
AUFDERBECK, Ludwig WULF, Oktober 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
AUFDERBECK, H., Stunde der Kirche oder Alle Zeiten sind Zeiten des Herrn. Eine Handreichung zur Seelsorge v. REKTOR CHRISTIAN HAMMERSCHMIDT (Pseud. [meint Hugo AUFDERBECK] (Vgl. BRODKORB, Bruder und Gefaehrte, 432.)) (o. O. o. J. [1961] (Vgl. Ebd.)). In der Arbeit zitiert: AUFDERBECK, Stunde der Kirche.
AUST, Ludwig WULF: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Dioezesanpriester.
AUST, Materialsammlung: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
AUST, ueber jeden, November 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, SAMMLUNG SAMIETZ.
BAUTZ (Hrsg.), Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. I, Hamm 1975. In der Arbeit zitiert: BAUTZ (Hrsg.), Kirchenlexikon Bd. I.
BRANTZEN, K. (Hrsg.), Pater Franz REINISCH. Maertyrer der Gewissenstreue Bd. I: Im Angesicht des Todes. Tagebuch aus dem Gefaengnis. Aufzeichnungen des Haeftlings Pater REINISCH waehrend seines Aufenthaltes im Wehrmachtsgefaengnis Berlin-Tegel vom 25. Juni bis 9. August 1942 und Niederschriften des damaligen katholischen Standortpfarrers Heinrich KREUTZBERG ueber seine Begegnungen mit Franz REINISCH in dessen Gefaengniszelle, Vallendar-Schoenstatt. 21987. In der Arbeit zitiert: BRANTZEN (Hrsg.), Im Angesicht des Todes.
BRANTZEN, K. (Hrsg.), Pater Franz REINISCH. Sein Lebensbild. Ein Mann steht zu seinem Gewissen, Vallendar-Schoenstatt 1993. In der Arbeit zitiert: BRANTZEN, Lebensbild.
BRODKORB, C., Bruder und Gefaehrte in der Bedraengnis - Hugo AUFDERBECK als Seelsorgeamtsleiter in Magdeburg. Zur pastoralen Grundlegung einer "Kirche in der SBZ/DDR", Paderborn 2002. In der Arbeit zitiert: BRODKORB, Bruder und Gefaehrte.
DUEBELT, Chronik, Dezember 1991: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Kirchmoeser.
ERZBISCHOEFLICHES GENERAL-VIKARIAT (Hrsg.), Kirchliches Amtsblatt fuer die Erzdioezese Paderborn 1943, Jg. 86, Paderborn. In der Arbeit zitiert: GENERAL-VIKARIAT PADERBORN, Amtsblatt 1943.
ERZBISCHOEFLICHES GENERAL-VIKARIAT (Hrsg.), Personal-Schematismus. Klerus und Pfarrorte 1941. In der Arbeit zitiert: GENERAL-VIKARIAT PADERBORN, Personalschematismus 1941.
ERZBISCHOEFLICHES GENERAL-VIKARIAT (Hrsg.), Personal-Schematismus. Klerus und Pfarrorte 1949. In der Arbeit zitiert: GENERAL-VIKARIAT PADERBORN, Personalschematismus 1949.
ERZBISCHOEFLICHES GENERAL-VIKARIAT (Hrsg.), Real-Schematismus der Erzdioezese Paderborn 1931, Paderborn. In der Arbeit zitiert: GENERAL-VIKARIAT PADERBORN, Realschematismus 1931.
FRONK, F., 125 Jahre Kirchengemeinde "St. Norbert" in Merseburg. Festrede zum 125. Gemeinde-Jubilaeum am 15. Dezember 1985, in: STEINHOFF, T., Gemeinde auf dem Weg durch die Zeit. 125 Jahre katholische St. Norbert-Gemeinde Merseburg, Leipzig 1989. In der Arbeit zitiert: STEINHOFF (Hrsg.), Gemeinde.
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KLEIN, Vollzug der niederen Weihen, Dezember 1924: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SCHAUERTE.
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MINISTERIUM FUER WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KULTUR DES LANDES BRANDENBURG REFERAT PRESSE- UND OeFFENTLICHKEITSARBEIT (Hrsg.), Zum Gedenken. Zuchthaus Brandenburg-Goerden, (o. O. o J. [1995]) In der Arbeit zitiert: MINISTERIUM FUER WISSENSCHAFT BRANDENBURG, Zum Gedenken.
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PILVOUSEK, J., "Innenansichten". Von der "Fluechtlingskirche" zur "katholischen Kirche in der DDR", in: Rolle und Selbstverstaendnis der Kirchen in den verschiedenen Phasen der SED- Diktatur, in: Materialien der Enquet-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" [12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages], Deutschen Bundstag (Hrsg.) VI/1-2, Baden-Baden 1995. In der Arbeit zitiert: PILVOUSEK, Innenansichten.
REINEKE, A., Im Leokonvikt 1928-1932, in: LEHRMANN, H. (Hrsg.), Auf dem Weg zum priesterlichen Dienst. Collegium Leoninum 1895-1995, Paderborn, 1994, 192-201. In der Arbeit zitiert: REINEKE, Im Leokonvikt.
RICHTER, R., Das Leokonvikt als Spiegelbild der Kirche, in: LEHRMANN, H. (Hrsg.), Auf dem Weg zum priesterlichen Dienst. Collegium Leoninum 1895-1995, Paderborn 1994, 14- 179. In der Arbeit zitiert: RICHTER, Das Leokonvikt.
SCHILLER, F., Wilhelm Tell, in: DERS. Werke in drei Baenden Bd. III, Muenchen 1966, 596. In der Arbeit zitiert: SCHILLER, Wilhelm Tell.
SCHUERMANN, Dank fuer Deinen langen Brief, August 1980: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
SCHUERMANN, Dank fuer die Mitteilung, Oktober 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
SCHUERMANN, Der letzte Besuch, Oktober 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
SCHUERMANN, H., Konviktsleben in bewegter Zeit 1932-1936, in: LEHRMANN, H. (Hrsg.), Auf dem Weg zum priesterlichen Dienst. Collegium Leoninum 1895-1995, Paderborn, 1994, 202-210. In der Arbeit zitiert: SCHUERMANN, Konviktsleben.
SPRENGER, Schon sehr lange, Juli 1980: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
STAEDTE BRAUNSBEDRA UND MUECHELN (Hrsg.), 300 Jahre Braunkohlebergbau im Geiseltal, Merseburg 1998. In der Arbeit zitiert: BRAUNSBEDRA UND MUECHELN (Hrsg.), Braunkohlebergbau.
VAUTIER, Texte: Siehe Unveroeffentlichte Quellen, Literatur und Hilfsmittel.
WALTER, Nachruf Zinke, Juli 1999: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Schoenstattpatres.
WENZEL, M., Von der herzoglichen Residenz zur Industriestadt. Kompendium zur Industrialisierung in Gotha vom 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Nationalsozialismus, Erfurt 2002. In der Arbeit zitiert: WENZEL, Industriestadt.
WULF, Am 5. 9., September 1965: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, am Sonntag, Juni 1923: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SCHAUERTE.
WULF, Ansprache, August 1963: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Deinen Brief, April 1969: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Deinen Brief, April 1974: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Deinen Brief, August 1965: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, der 20. Mai, Januar 1971: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Die Gnade, September 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Dioezesanpriester.
WULF, Du freust Dich, Januar 1975: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Du schriebst, Juli 1971: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, ein trauriges Bier, Oktober 1965: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, eine kluge und heilige Schwester, Mai 1972: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Familienchronik: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SCHAUERTE.
WULF, Geisteserneuerung, Maerz 1974: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Heinz SCHUERMANN, Mai 1976: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Ich glaube, August 1964: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, ihre Wuensche, September 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, im Oktober, November 1973: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Jubilaeum, 1975: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Dioezesanpriester.
WULF, Kalenderblaetter: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
WULF, Melancholiker, Dezember 1969: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Missionsbericht, April 1932: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, Missionsbericht, Februar 1935: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, nach der hl. Messe, Februar 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, Notizen Einkehrtage, Dezember 1932: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, Notizen Volksmission, Februar 1932: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, Oefter, Februar 1966: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, ohne Schedula, Dezember 1976: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung AUST.
WULF, polnische Katholiken, Juli 1927: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Gotha.
WULF, Testament, Februar 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SCHAUERTE.
WULF, Vielen Dank, November 1924: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SCHAUERTE.
WULF, Vor zwoelf Jahren, Januar 1977: Siehe Ungedruckte Quellen, Sammlung SAMIETZ.
WULF, Zaehlbogen 1931, Januar 1932: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, Zaehlbogen 1932, Januar 1933: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, Zaehlbogen 1933, Januar 1934: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, Zaehlbogen 1934, Januar 1935: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Weferlingen.
WULF, zum Jahrestag Ihrer Konsekration, Oktober 1965: Siehe Ungedruckte Quellen, Archiv Paderborn.
ZAHN, G., Er folgte seinem Gewissen. Das einsame Zeugnis des Franz JAEGERSTAETTER, Graz u. a. 1967.
4 Ausstellungen
GEDENKSTAETTE DEUTSCHER WIDERSTAND, Karte im Raum 23 mit zugehoeriger alphabetischer Liste aller bekannten Konzentrationslager und ihrer Aussenkommandos, Berlin Staufenbergstrasse 13-14 August 2002. In der Arbeit zitiert: GEDENKSTAETTE DEUTSCHER WIDERSTAND, Karte im Raum 23, August 2002.
5 Internetseiten
http://home.fox.nstn.ca/~avg/Oproepen%202000.htm. Vgl. Ausdruck vom 26.08.2002.
6 Unveroeffentlichte Quellen, Literatur und Hilfsmittel
KENTENICH, J., Wachstum im hoeheren Gebetsleben. Priestertagung vom 20. Bis 22. Januar 1941 in Schoenstatt ueber Grade des Betens und Strebens in Korrespondenz zu Blankovollmacht und Inscriptio: Erworbene und eingegossene Beschauung, Vallendar- Schoenstatt 1977. In der Arbeit zitiert: KENTENICH, Gebetsleben.
KENTENICH, J., Zum goldenen Priesterjubilaeum, Berg Sion 1985. In der Arbeit zitiert: KENTENICH, Priesterjubilaeum
HUG, H., Zum 20. August 1919, in: DERS. Vergangenheit einholen. Beitraege zur Geschichte 3, In der Arbeit zitiert: HUG, 20. August 1919.
KENTENICH, J., Angst und seelischer Zwang als Zeitkrankheit und ihre Ueberwindung - dargestellt am Leben, Denken, Wirken einer unbekannten Mareinschwester (Schwester M. EMILIE) Bd. I u. II, (o. O. o. J.).
KENTENICH, J., Brief an Kardinal OTTAVIANI, Milwaukee, 15.08.1965: Eminenz hatten die Liebenswuerdigkeit ..., in: DERS. Fuerchte dich nicht. Rede nur. Schweige nicht. Briefe Bd. 5, (o. O. o. J.), 1622-1633.
KING, H. (Manuskript zum Vortrag), Die psychologische Dimension im Denken und Handeln Pater KENTENICHS, Schoenstatt 28.09.1991.
HOFFMANN, E., Im Schatten des Domes. Unsere Priestergemeinschaft. Beitraege zur Chronik, Bd. I, (o. O.) 1959. In der Arbeit zitiert: HOFFMANN, Im Schatten.
VAUTIER, P., Kurze Einleitung in die Texte P. KENTENICHS, Horw 1991 In der Arbeit zitiert: VAUTIER, Texte.
Hiermit bestaetige ich, keine anderen Hilfsmittel als die oben abgegebenen zur Erstellung dieser Arbeit verwendet zu haben.