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Radlerhelme: Im Ausland schon wieder out Egal ob es zwischenzeitlich weniger oder mehr (kopf-)verletzte Radler geben wird, die Forderung nach einer Helmpflicht wird auf jeden Fall aus der Statistik abgeleitet werden. Im ersten Teil wird der wachsende Anteil der helmtragenden Radler als Beweis für eine Hebung der Verkehrssicherheit herhalten müssen, im zweiten Fall wird es heißen, daß es ja offensichtlich nicht ausreiche, lediglich zu empfehlen. Im Ausland hat man inzwischen eine andere Sicht auf Unfallstatistiken. Das merkte z.B. die Stiftung Warentest, als sie Partner europaweit für ihre 94er Helmkampagne suchte - bei den Fahrradverbänden vergeblich. So schreibt der road-safety campaigner des bisher gegenüber Radhelmen recht unkritischen britischen Radlerverbandes LCC: " Über 90% derjenigen, die tödliche Kopfverletzungen bei Straßenverkehrsunfällen erleiden, sind nicht Radfahrer. Das macht Autoinsassen zu einer wesentlich offensichtlicheren Zielgruppe für Helmkampagnen."Leider geraten aber auch die Fußgänger mit dieser Sicht ins Blickfeld, und im gründlichen Deutschland darf man diese Möglichkeit für die Zukunft nicht außer Acht lassen. Aber weiter in der britischen Argumentation, dort vergleicht man englische mit der holländische Situation, wo Helmtragen unüblich ist und die Verletztenrate von Radlern lediglich ein Zentel der hiesigen (britischen) [ausmacht]. Da in Holland "die Gefahr an der Quelle reduziert" werde, seien die dortigen Radler in dem glücklichen Zustand, keinen Nutzen im Helmtragen sehen zu müssen. Man kann das aber auch andersherum sehen. Gerade weil die Holländer das Radeln als etwas Natürliches ansehen und nicht als Problem, steht Helmtragen nicht auf der Tagesordnung. LCC zieht daraus zwei Schlüsse: " Radlerhelme sind der ideale Weg, um die Verantwortung von dort, wo sie hingehört, zu den Opfern zu verschieben. In der jetzigen Situation ist die Minderung der Verantwortlichkeit der Autofahrer genau das, was wir nicht gebrauchen. "Erfahrungen zeigen, daß Helmpflicht zu einer Reduktion des Radverkehrs führt. Helmbefürwortung und -tragen wirken ähnlich, da sie dem Radeln das Stigma "gefährlich" aufsetzen. Helmbefürwortung führt lediglich zu einer unendlichen Diskussion um Standards, korrektes Tragen usw. Beabsichtigt oder nicht, Helmbefürwortung ist damit eher destruktiv. Alle Helmträger sind in dieses Problem mitverwickelt... Eine der Ursachen für die Meinungsänderung der organisierten britischen Radler sind die Ergebnisse der Untersuchung Cycle Helmets - the Case for and against des Londoner Policy Studies Institute (PSI). Diese Umfangreiche Literaturstudie (knapp 100 Quellen) zieht ihre Schlüsse überwiegend aus der Diskussion von (Unfall-)statistiken. Wir wollen hier nur einige Punkte erwähnen, die die generelle Schlußfolgerung "70 bis über 80% der verunglückten Radler haben Kopfverletzungen und deshalb sind Helme das Heilmittel dagegen" relativiert (die Belegquellen geben wir hier wegen Platzmangel nicht an):
Die PSI-Studie gibt ferner zu bedenken, daß durch das Promoten/die Helmpflicht eher Lebensjahre verloren gehen als gewonnen werden und zwar unter der Voraussetzung der australischen Erfahrung, daß Helmpflicht die Radbenutzung sinken läßt. Über die Hälfte der Todesursachen (in England) beruhen auf Kreislauf- und Atemwegserkrankungen (Unfälle dagegen bei Frauen zwei, bei Männern vier Prozent). Radfahren bekämpft das Entstehen dieser Erkrankungen, in vielen Fällen kann es auch "Behandlung" sein. Alltagsradler haben trotz des Unfallrisikos eine höhere Lebenserwartung und eine geringere Krankheitsrate als Nicht-Radler. Ein Fahrrad, das wegen der Helmpflicht nicht benutzt wird, bringt auch nichts. Die vom PSI vorgeschlagenen Alternativen zur Helmnutzung dürften unsere Leser kaum in Erstaunen versetzen:
" Keine Helmpflicht, da Nutzen zweifelhaft und Abschreckung vor dem Radeln unerwünscht, stattdessen o.g. Alternativen...."Der schlecht einschätzbare Hintergrund der sieben kritisierten Untersuchungen ist der Umstand, daß [in Australien] der Radverkehr insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bis zu 40% abgenommen hat, seitdem das Helmgesetzt in Kraft getreten ist. Hinzu kommt, daß durch stärkere Überwachung des Straßenverkehrs die Unfälle insgesamt abgenommen haben. Zwei bemerkenswerte Punkte aus dieser Untersuchung: Der Anteil der Kopfverletzungen ist vor und nach dem Inkrafttreten des Gesetzes praktisch konstant bei ca. 10% geblieben. Drei dieser Untersuchungen zeigen zwar, daß die Schwere der Kopfverletzungen bei Helmträgern geringer ist, sie aber wesentlich häufiger (nämlich bis zu sieben Mal) in Unfälle verwickelt. (Aber obacht, Helmträger sind nicht repräsentativ für alle Radler, siehe oben.) Schlußfolgerung der Untersuchung: Temporeduzierung hat den größten Effekt bei der Senkung der schwere der Kopfverletzung von Radlern. 4 km/h weniger weniger gefahrene Geschwindigkeit bedeuten ca. 10 km/h weniger Aufprallgeschwindigkeit. Quelle: Arbeitskreis Verkehr und Umwelt e.V. UMKEHR Informationsdienst -Verkehr , Nr. 46, Juni 1994 Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung durch UMKEHR e.V., Exerzierstr. 20, 13357 Berlin (Mitte) www.umkehr.de Literatur: Mayer Hillman, Cycle Helmets - the case for and against, Policy Studies Institute, London, 1993 Bezug (August 1999): PSI, 100 Park Village East London NW1 7PX, UK Tel.: 0044 0171 387 2171 |