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Nun, ich halte mich für einen rational denkenden Menschen, und
dennoch habe ich mich vor langer Zeit für das Helmtragen entschieden,
in einem längeren, allmählichen Entscheidungsprozeß
aufgrund der verschiedensten Einflüsse und Informationen: Grundgedanke 1:
Besonders bitter: Ich habe mir das Tragen eines Helmes teuer erkaufen müssen, ich wurde deswegen angepflaumt, ausgelacht, bekam den Vogel gezeigt, Teenies wälzten sich in Lachkrämpfen am Boden... Ich aber biß tapfer die Zähne zusammen und dachte mir: "Wartet nur, ihr werdet schon noch schlauer werden." Zunächst verfolgte ich die zunehmenden Kampagnen noch mit Genugtuung, irgendwann überfiel mich aber dann doch aufgrund der einseitigen Propagierung unter Vernachlässigung der meisten anderen Aspekte so etwas wie ein leises Unbehagen. Auch mißfiel mir dieser penetrante Appell an das schlechte Gewissen, der so vielen Kampagnen innewohnt. Kleines Beispiel: Im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich so an den Helm, daß ich mir gar nicht mehr vorstellen konnte, mich ohne ihn in den Verkehr zu wagen, ich fühlte mich einfach nicht wohl dabei, da war irgendso ein latentes, aber deutlich spürbares Unbehagen. Eines Tages hatte ich aus irgendeinem Grund keinen Helm auf meiner Tour auf, und fühlte mich spürbar unbehaglich, wollte aber nicht mehr umkehren und den Helm holen, da ich schon zu weit weg von zu hause war. In Traunstein hatte ich dann tatsächlich einen Beinaheunfall: ein Auto kam plötzlich aus einer Einfahrt und ich konnte einen Zusammenstoß gerade noch vermeiden. Ohne lang zu überlegen fuhr ich zum Fahrradhändler und kaufte mir einen neün Helm, den OGK-Triathlonhelm, und siehe da, sofort fühlte ich mich besser, richtiggehend erleichtert. Einige Zeit später mußte ich dann in einer Zeitschrift lesen, daß gerade mein Helm, der mir doch so ein sicheres Gefühl gab, bei einem Test miserabel abgeschnitten hatte, wegen der großflächigen Lüftungslöcher. Der Schutz gegen spitze Gegenstände sei alles andere als optimal. Ihr könnt euch wohl denken, daß mein Vertrauen in meinen Helm schlagartig abnahm und ich mir bald einen anderen zulegte. Tja und ich nehme an, daß mir dadurch im Laufe der Zeit klargeworden ist, daß das sichere Gefühl, das ich beim Tragen des Helms empfand, sehr relativ war und nicht unbedingt tief aus mir selbst kam, sondern weit eher suggeriert war, sehr wirkungsvoll allerdings und psychlogisch geschickt. Mein Respekt an alle, die den ganzen Zauber schneller durchschaut haben oder erst gar nicht darauf hereingefallen sind. Ich schreibe das in dieser Ausführlichkeit um Euch zu zeigen, daß nicht nur gedankenlose Deppen einen Helm tragen, oft sind es ernsthafte Radler, die sich wirklich Gedanken machen. Ich möchte also dazu aufrufen, einseitiges Schablonendenken sein zu lassen und uns gegenseitig mit Respekt zu behandeln. Danke, Kurt |