Nordlichter-Reports: eine Sammlung unserer E-Mails aus Island

 

28.03.2001

Hallo liebe Freunde!

Ich gehe ziemlich ungern schwimmen. Erstens bin ich wasserscheu und zweitens ist mir immer kalt im Schwimmbad. Aber hier waren wir schon dreimal im Bad! In Reykjavík sind nämlich alle Bäder Thermalbäder mit Wassertemperaturen von 32 bis 40 Grad. Es gibt meistens drei Heisswasserbecken wo man nur drinnen hockt und sich aufwärmt (in den Graduierungen "ziemlich warm", "heiss" und "extrem heiss") und ein Sportbecken mit normaler Schwimmbadtemperatur. Nachdem man drei Minuten in "extrem heiss" verbracht hat, kann man ohne Probleme eine Viertelstunde im Sportbecken schwimmen gehen ohne, dass selbst einer erfrorenen Natur wie mir kalt wird. Nett ist es auch, dass alle Bäder im freien sind. So sind mir unlängst bei minus 10 Grad Aussentemperatur die Haare beim Schwimmen eingefroren ... In Sachen heisses Wasser ist uns noch was lustiges passiert: wir haben unser WC mit Warmwasser gereinigt und der WC-Reiniger hat mit dem sehr mineralhältigen Wasser chemisch reagiert und fürchterlich zu stinken begonnen. Seitdem verwenden wir nur mehr kaltes Wasser zum Putzen, das wird aus gewöhnlichen, kalten Quellen entnommen und hat Trinkwasserqualität.

Zu Ostern werden wir in Ost-Grönland eine Woche Urlaub machen. Vom Eskimo-Dorf Amassalik, das im Winter nur per Hubschrauber zu erreichen ist, werden wir 2 Tage und eine Nacht gemeinsam mit Einheimischen mit Hundeschlitten den riesigen Gletscher im Landesinneren befahren. Ein bisserl Bammel habe ich schon vor der Übernachtung: ich hoffe mir wird nicht zu kalt werden. Ostgrönland ist vom Rest des Landes vom riesigen, besagten Gletscher getrennt und wegen der Eisberge fast das ganze Jahr über nur per Flugzeug von Island oder von Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, erreichbar. Fast alle der 60.000 Einwohner Grönlands wohnen im Westen oder Süden, im Osten leben nur 3000 Menschen und die sprechen eine eigene Sprache. Den Gedanken finde ich extrem: eine Sprache zu sprechen, die nur von rund 3000 Menschen verstanden wird. Einer der Hundeschlittenführer spricht Isländisch als Fremdsprache. Jetzt verstehen ihn schon rund 80 mal mehr Leute als früher. Aber ich hätte ihm aber empfohlen besser Englisch zu lernen, selbst wenn ihn jetzt immerhin 230.000 Isländer verstehen! Bin schon gespannt, wie wir und mit denen unterhalten werden. Aber vielleicht wird es uns sogar zu warm in Grönland. Das Wetter ist ja diesen Winter ziemlich verrückt. Im Februar war es eine Woche lang in Nuuk wärmer als in Wien: in Grönlands Hauptstadt hatte es unter Tags plus fünf Grad, in Wien Null Grad, in der Mongolei minus 40 Grad.

Aprops Wetter, vorletztes Wochenende haben wir bei traumhaftem Wetter eine Schitour gemacht. Es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen und wir sind nur im T-Shirt aufgestiegen. Wir hatten rund 200 km Fernsicht und konnten unter anderem die Westmänner-Inseln sehen. Ich fand es sehr witzig beim Schifahren mit T-Shirt bekleidet auf das Meer zu blicken. Mit von der Partie war Gísli, ein Arbeitskollege, der wie alle andern Isländer die Schitour mit Langlaufschiern gemacht hat und dementsprechend abenteuerlich dann den Berg hinunter gefahren ist. Er ist etwa 32 Jahre alt und kommt von Snæfellsness, einer Halbinsel nördlich von Reykjavík. Wir haben schon oft Geschichten gehört, dass sich die Isländischen Frauen früher die Haare mit Gülle gewaschen haben, damit sie blonder werden. Aber dieses Gíslis Schwester hat das noch vor 20 Jahren gemacht. Und als er ein Kind war, hatte die ganze Gemeinde nur eine einzige Telefonleitung. Jeder hatte aber einen Apparat zu Hause. Je nachdem wie oft es klingelte, ging dann der zum Telefon, der sich angesprochen fühlte. So wurde seine Familie mit zuerst zweimal dann viermal läuten erreicht. Übrigens konnte jeder beim Telefonat mithören, wenn er auch abgehoben hat. Eine alte Tratschtante, die immer mitgehört hat, soll sich dann manchmal sogar ins Gespräch eingemischt haben. Gísli ist hier gelegentlich auf der Schaufel, weil er vergleichsweise aus dem technischen Mittelalter kam und dann schliesslich Elektrotechnik studierte. Und der Grund warum er das studiert hat ist auch lustig: seine Familie hat auf ihrem einsamen Hof immer alles selbst repariert. Eines Tages war das Radio kaputt und so schraubten er und sein Vater das Ding auf, in der Annahme, dass sie es reparieren könnten. Aber sie staunten, was da alles drinnen war und so sehr sie auch probierten, sie haben nicht verstanden wie das Ding funktioniert und konnten es auch nicht reparieren. Das hat den jungen Gísli aus dem Isländischen Nichts so geärgert, dass er beschloss Elektrotechnik zu studieren.

Wieder zurück zum Wetter in diesem Land und den Österreichern die hier leben. Letztes Wochenende besuchten wir Snæfellsness. Wir sahen uns am Samstag an einem Strand schwarze Felsen an, die bei Flut vom Meerwasser umspült werden und bei Ebbe wie mit Zuckerguss mit Eis überzogen waren. Und bei einer Saukälte (ich: T-Shirt, Langarm-T-Shirt, Fleece-Jacke, Daunen-Jacke, Gore-Tex-Jacke; Agnes: Termo-Leiberl, Hemd, Fleece-Pulli, gefütterter Overall, Daunenjacke) machten wir noch einen weiteren romantischen Strandbummel um zwei Felsentore zu sehen. Am Sonntag bestiegen wir den Snæfellsjökull, den höchsten Berg von Snæfellsness. Esoteriker halten ihn für ein Kraftzentrum und UFOs sollen dort besonders häufig zu sehen sein. Agnes hat festgestellt, dass der Berg nicht Kraft gibt, sondern sie raubt als wir im Bruchharsch bei minus 10 Grad auf Meeresniveau und 30 km/h Windgeschwindigkeit zum 1400m hohen Gipfel aufstiegen. Schon die Fahrt zum Ausgangspunkt der Tour war abenteuerlich: wir fuhren mit 2 Jeeps und ich erhielt eine Fahrstunde in Geländefahrtechnik im Tiefschnee. In einer Mulde mussten wir die Weiterfahrt aufgeben und marschierten los. Aufstieg wie gesagt im Bruchharsch bei grauslich kaltem Wind aber mit toller Fernsicht. Bis wir uns dem Gipfel näherten, denn da wurde es so nebelig, dass wir nur mehr vage erkennen konnten, wo wir wieder runter müssen. Fernsicht ade. Glücklicherweise war ein paar hundert Höhenmeter tiefer wieder was zu sehen. Wir sahen die dem Berg vorgelagerte Lavawüste mit ihren hunderten Mini-Hügeln aber unsere Autos sahen wir nicht, denn wir hatten sie ja, wie gesagt in einer der hundert Mulden geparkt. Sehr klug. Aber die Depperten haben Glück und so fanden wir die Strasse die wir eigentlich weiter hinauffahren wollten und folgten den Randpflöcken bis zu den Autos. Die Isländer die mit waren, waren übrigens wieder mit Langlaufschiern unterwegs. Während der eine von ihnen schon in der Vorwoche dabei war, war der andere noch nie am Berg mit seinen Brettern und hatte bei der Abfahrt bald genug vom dauernd hinfliegen. Aber er war sehr erfinderisch: er richtete die Schi talwärts, setzte sich drauf und bremste mit dem Pickel. Das ging erstaunlich gut! Auf der Rückfahrt sahen wir uns noch den Hof an, wo Gísli aufgewachsen ist. Er ist im nichts. Etliche Kilometer vom nächsten Haus entfernt. Agnes stellte fest, dass es nicht weiter erstaunlich ist, dass in den Sagas hier so viele Geister und Unwesen vorkommen, wenn man in so entlegenen Häusern gelebt hat.

Liebe Grüsse

Stephan

 

 

31.05.2001

Hallo aus dem Norden!

Wie Du schon weißt, waren Agnes und ich zu Ostern in Ostgrönland auf Urlaub. Wir waren zunächst 3 Nächte in einem Hotel nache dem 300 Einwohner zählenden Dorf Kulusuk. Von dort aus unternahmen wir mit Robben-Jägern Tagesausflüge am Hundeschlitten auf dem noch immer gefrorenen Meer. Die Jäger fangen Robben mit Netzfallen, die sie bei Atemlöchern im Eis aufstellen oder schießen die Tiere, wenn sie auf dem Eis Rast machen. In einem Netz, das wir besuchten, war eine Robbe gefangen und so hatte ich am Rückweg zum Hotel eine weiche Rückenlehne. Die Lasten, die die 9 Hunde gezogen haben waren gewaltig: wir waren bis zu 3 Personen pro Schlitten und legten rund 20 Kilometer pro Richtung zurück. Das Wetter zeigte sich am zweiten Tag von seiner besten Seite. Das ist dort nicht gerade selbstverständlich. Die Gegend ist für den Nordsturm Pitoraq bekannt, ein Wind mit bis weit über 200 km/h, der etwa 2 bis 3 Mal pro Jahr auftritt.

Am vierten Tag ging es mit dem Hubschrauber in die größte Siedlung Ostgrönlands, nach Tasiilaq. Dieser 1500 Einwohner zählende Ort wurde in den Siebzigern von einem Pitoraq heimgesucht, der alle Häuser zerstörte und die Evakuierung aller schulpflichtigen Kinder nach Dänemark erforderte. Als wir dort waren war es die ersten drei Tage fast windstill und wir unternahmen weitere Schlittenfahrten. Wir fuhren ins umgebende Bergland, besuchten verlassene Siedlungen und fotografierten etliche Eisberge und Fjorde. Beim bergauf Fahren wurde uns stets verboten vom Schlitten abzusteigen und zu Fuß zu gehen. Ich denke die Ehre der Hundebesitzer war sehr gekränkt wenn ein anderer gesehen hätte, dass sein Gast einen Schritt mehr geht als unbedingt notwendig. Ein weiteres besuchtes Dorf mit rund 100 Einwohnern hat eine Geschichte zu erzählen: es liegt an einem malerischen Fjord; vor sieben Jahren war ein französicher Tourist so begeistert von diesem Ort, dass er beschloss dort zu bleiben. Und er lebt immer noch dort und ist jetzt, wie alle anderen Dorfbewohner, Fischer und Jäger.

Am Tag unserer Abreise war es mit der Windstille vorbei und der Hubschrauber konnte uns nicht von Tasiilaq zurück zum Flughaften bei Kulusuk bringen. Einem Flugzeug macht Wind deutlich weniger aus als einem Hubschrauber und so erfuhren wir, dass unser Flugzeug planmäßig in Kulusuk erwartet wird. Wir dachten schon, dass wir nun mächtig Probleme haben und unser versäumter Flug verfallen wird. Aber es kam alles anders: dem Pilot war es doch zu viel Wind und er umgedreht und ist zurück nach Reykjavik geflogen.

Wir wurden dann tags darauf mit dem Hubschrauber wieder nach Kulusuk gebracht, wo wir einen weiteren vollen Tag auf einen Ersatzflug warteten. Und diesen Tag verbrachten wir bei strahlendem Sonnenschein mit einer Wanderung durch die Eisberge am zugefrorenen Meer. Am Abend konnten wir sogar einen Polarfuchs aus nächster Nähe beobachten, als er sich die Küchenabfälle des Hotels abholte. Am gleichen Abend hat man uns auch gesagt, dass dort wo wir spazieren waren ein paar Tage zuvor ein Eisbär gesehen wurde ...

Im Hotel haben wir übrigens einen interessanten Mann kennengelernt. Er ist dänischer Fischerei-Experte und lebt seit 8 Jahren in Grönland. Zwei Jahre davon hat er in einem entlegenen Dorf in Ostgrönland gelebt. Unter anderem berichtete er, dass viele Einwohner noch an Geister glauben und die Eckzähne der Schlittenhunde per Gesetz abgeschnitten werden müssen, weil sie zwar alle sehr herzig aussehen, aber ziemlich gefährlich werden können. Damit sich die Eskimos nicht totlachen, als er das erste Mal mit seinem Hundeschlitten fuhr, hat er seinen Erstversuch am 1. Jänner um 7 Uhr morgens gemacht. Etwas völlig anderes konnte er uns auch bestätigen: Alkohol ist in Grönland ein echtes Problem. Wir waren in einer Bar und sind von Österreich gewohnt, dass es ab einer gewissen Uhrzeit einige Besoffene geben kann. Von Island waren wir gewohnt, dass 20 bis 30% betrunken sind aber dort waren wir die einzig nüchternen.

Nach der Rückkehr aus Grönland kam uns Island richtig dicht besiedelt vor. Wobei man hier auch sehr einsam sein kann. Die Schwester eines Arbeitskollegen, sie heißt Eydis, geht mit Agnes einmal pro Woche reiten und hat dabei viel Zeit Geschichten zu erzählen. Sie ist in den Westfjorden des Landes aufgewachsen, eine Gegend in der es erst Mitte Juni grün wird, und es auch im Sommer selten mehr als 10 Grad hat. Dort sind heute rund 50% der Farmen verlassen und man fragt sich weniger warum sie verlassen wurden, als welche Not die Menschen je in diese karge Gegend getrieben hat. Eydis ist auf einem dieser heute verlassenen Höfe aufgewachsen und hat so wenig andere Leute als ihre Familie gesehen, dass sie als Kind dachte ausser ihr und ihrer Mutter gäbe es nur Männer auf der Welt.

Das in der Einsamkeit Aufwachsen hat Eydis (wie die meisten anderen Isländerinen auch) zu einer sehr selbstsicheren Person gemacht. Als sie in Spanien auf Urlaub war, war wegen des ETA-Terrors vor jedem Hotel ein Polizist postiert und sie hat bei einem Hoteleingang einen "sooo herzigen" Polizeihund fotografiert. Der Polizist war aber wegen des Terrors in höchster Anspannung und hat sofort die Kamera konfisziert. Da wollte Eydis ihre Kammera wieder zurücknehmen. Doch der Polizist war nicht faul und hat sie mit beiden Händen so hoch gehalten, dass Eydis nicht zu ihr gelangte (sie ist etwa 1.60m groß). Nachdem der Polizist was von ihr hatte, musste sie _ihm_ nun etwas wegnehmen und so nahm sie seine Pistole aus dem Halfter und erklärte, dass er sie nur wiederkriegt, wenn sie ihre Kamera wiederbekommt. Der Polizist wurde sehr bleich und meinte sie solle jetzt keine Dummheiten machen und so wurde dann die Pistole gegen die Kammera getauscht. Zum Leidwesen von Eydis musste sie aber den Film vernichten.

Der Hof, auf dem Eydis aufgewachsen ist wurde die letzten 20 Jahre von ihrem Onkel bewirtschaftet ehe er vor kurzem - wie viele andere Schafzüchter - aufgab. Er wollte eigentlich ohnehin nie Bauer werden und die harten Bedingungen und die Einsamkeit bescherten ihm Depressionen. So hat er landwirtschaftliche Geräte, die irgendwo kaputt gingen, anstatt sie zu reparieren, einfach liegen lassen. Eydis Familie benutzt den Hof heute als Ferienhaus. Da machen sich verrostete Traktoren, Mähbalken, Kunstdüngerstreuer etc. rund ums Haus, im Bach und auf den Weiden und nicht besonders. Wir waren letztes Wochenende dort auf Besuch - und halfen Klumpert räumen. Die Traktoren sind nicht mehr wirklich funktionsfähig aber ein Anhänger ist es noch. So benutzten wir unseren und meines Arbeitskollegen Geländewagen als Traktoren und haben eine uralte Saatmaschine aus dem Bach gezogen, Teile von Blechhütten geborgen und das Weideland von anderem rostigen Gerümpel befreit. Belohnt wurden wir mit unzähligen Sagas und Geschichten. Das Erzählen derselben ist das Haupthobby der Isländer. So gibt es zu diesem Hof eine eigene Sage - und einen Geist. Denn wenn die Isländer nicht viel mit den Grönländern gemeinsam haben, aber an Geister glauben sie auch. Eydis Vater hat erzählt, dass er vier Leute kennt die Zeugen eines Spuks waren. Bei seiner Erzählung vermied er immer sich darüber lustig zu machen, denn vielleicht stimmt alles ja doch ...

Auf den Weideflächen der verlassenen Farmen stehen oft Pferde, die das ganze Jahr draußen verbringen (und keine Arbeit machen). Agnes haben so manche das Herz gebrochen, denn viele sind extrem neugierig wenn sie Menschen sehen und kommen angelaufen und schauen und schnuppern. Eines der Tiere auf "unserer" verlassenen Farm wird diese Woche übrigens zu Kotletts verarbeitet. Sie sind nämlich nicht nur herzig sondern schmecken auch ziemlich gut. Wir haben einmal eines als Ragout verspeist.

Bei uns in Reykjavik ist es schon ungefährlicher und vor allem geselliger. Wir waren anlässlich des Song-Contests zu einer der vielen Eurovision-Parties eingeladen. Das war wirklich witzig. Hier ist der Song-Contest ein Volksfest. Die Leute fiebern gemeinsam vor dem Fernseher, füllen Bewertungsbögen aus, grillen, trinken und feiern. Obwohl es nicht viel zu feiern gab, denn Island wurde letzter.

Und eigentlich wollte ich ja viel mehr Bergsteigen. Aber bislang haben sich immer eine hervorragende Ausreden gefunden. Ich nehme an, das wird sich am Wochenende rächen, wenn ich mit einem extrem durchtrainierten Arbeitskollegen auf die höchste Erhebung Islands spaziere. Zwei mal 2200 Höhenmeter am Gletscher an einem Tag. Das wird das Knieschnackeln und der Muskelkater des Jahrhunderts!

Liebe Grüße

Stephan

 

11.08.2001

Hallo!

Es ist schon eine Weile her seit dem letztem Bericht, uns so gibt es nun wieder einige Geschichten von uns zu erzählen. Und das ganze sogar mit Fotos! Siehe http://community.webshots.com/album/19123467BwzFAerhFt und http://community.webshots.com/album/19125858AAUECsUARW

Mit einem Arbeitskollegen spazierte Stephan im Frühling auf den Vulkan Hekla. Der Vulkan ist zuletzt voriges Jahr im Winter ausgebrochen und so war es für uns die erste Wanderung über Steine die einen Bruchteil so alt waren, wie wir selbst. Auch haben wir noch nie zuvor gesehen, dass ein Schneefeld kniehoch mit Schotter bedeckt ist. Laut unserer etwa 4 Jahre alten Wanderkarte befindet sich am Gipfel der Hekla ein Gletscher. Also nahmen wir das Seil mit. Aber vor Gletscherspalten musste ich (Stephan) keine Angst mehr haben, denn den Gletscher gibt es nicht mehr. So bin ich dann ohne Angst vor Gletscherspalten plötzlich im Tiefschnee versunken und in eine Lavaspalte gefallen. Eine Narbe an meinem Unterarm wird mich noch länger daran erinnern. Als ich dann eine weitere etwa 6 Meter tiefe Spalte erblickte, hatte ich die Hosen voll und seilte mich erstmals in meinem Leben auf einem "normalen" Schneefeld an.

Rund 30 km von Hekla befindet sich das Wandergebiet Landmannalaugar, das Ziel eines weiteren Wochenendausflugs von uns (Agnes und Stephan) war. Es liegt mitten in einer Halbwüste und ist eigentlich so gesehen kein reizvolles Wandergebiet wenn da nicht die vulkanische Tätigkeit für farbliche Abwechslung (rote, grüne, blaue, und gelbe Schotterberge) sorgen würde. Bei der Anreise mussten wir erstmals mit dem Auto einen Fluss überqueren. Wir stiegen aus um die Wassertiefe abzuschätzen und mussten feststellen, das das Wasser so dreckig war, das es unmöglich war auf die Tiefe zu schlie?en. Während wir diskutierten wo man fahren könnte und wer nun probehalber durch das eiskalte Wasser waten muss, kam ein anderes Auto, fuhr durch, und zeigte, dass alle Aufregung umsonst war und die Querung sehr undramatisch war. Der Reiz unseres Zeltplatzes waren weder die endlosen Schotterhalden, das weglose Gelände, die nahen stinkenden Schwefellöcher, sondern ein Bach mit siedend hei?em Wasser, der in einem langsam flie?enden Fluss mündet. An der Mündungsstelle kann man baden und durch Schwimmen nach links oder rechts die Temperatur bestimmen. Wir haben uns um etwa 2 Uhr morgens (es ist ja im Sommer immer hell hier) dort eingefunden und gebadet. Au?er uns waren noch einige Isländer im Wasser, die schon reichlich Bier und Branntwein vernichtet haben und sich, aufgrund fortschreitender Alkoholisierung, nur mehr in einfachen Sätzen unterhalten konnten. So kam es, dass wir erstmals mehrere Minuten ausschlie?lich Isländisch gesprochen haben. Einer der "Badegäste" hatte auch eine interessante Geschichte zu erzählen: er lebte früher in den Westfjorden, eine Gegend die wegen der harten Lebensbedingungen immer mehr entvölkert wird. Als sechsjähriger spielte er in einem Karton mitten auf der Stra?e, den er als "sein Haus" verwendete. Das war nicht weiter auffällig, denn Autos fuhren ja dort ohnehin kaum. Nun - je entlegener eine Region, desto grö?er sind im Regelfall die Jeeps, die man dort in Winter auch "unbedingt" braucht. Und als Jeepfahrer fährt man dort besonders gerne dort wo man seinen Jeep auch richtig ausnützen kann und freut sich schon richtig, wenn einmal die gewöhnliche Stra?e schwer passierbar wird. Und so ein Jeepfahrer sah den riesen Karton auf dem Weg und freute sich dass er nicht ausweichen musste, weil die Achse seines Jeeps ja hoch genug ist um drüberzufahren. Leider war der Karton doch ein wenig zu gro?, blieb hängen und so schleifte er eine ganze Weile, ehe der Fahrer stehen blieb um nach dem Rechten zu sehen. Und da entdeckte er das Kind unter seinem Auto. Das Kind verbrachte dann einige Zeit im Spital und der Fahrer wurde zum Alkoholiker. Für uns war es ziemlich offensichtlich, dass das Kind mittlerweile auch zum Alkoholiker geworden war, so rot wie die Nase des Erzählers war und so viel Branntwein in seiner Flasche mal drinnen gewesen sein muss.

Etwas wesentlich Lustigeres ist uns auf einem anderen Ausflug "passiert". Oder eigentlich ist es ja nicht uns, sondern den anderen passiert: wir unternahmen mit rund 50 Mitarbeitern aus Agnes Firma eine Abendwanderung in einer Lavawüste nahe bei Reykjavík. Nach einer Wanderung bei traumhaften Wetter erreichten wir gegen 22 Uhr unseren bestellten Bus bei einen Treffpunkt, der nur über eine eigentlich gesperrte Schotterstra?e zu erreichen war. Nach einem ausgedehnten Picknick ging es zurück nach Reykjavík. Am Wegesrand der Stra?e mitten ins Nichts mitten in der Nacht parkte ein alter Volvo. Was will jemand um diese Zeit an einem so verlassenen Ort? Wir erfuhren es bald. Die gesamte rechte Bushälfte begann beim Vorbeifahren zu kreischen und zu lachen, denn von oben im Bus hatte man eine gute Aussicht auf das, was im Auto geschah. Na ja so gut war die Aussicht auch nicht, Agnes hat jedenfalls nur zwei nackte weibliche Beine am Rücksitz gesehen. Aber jedenfalls wussten am nächsten Tag alle der 500 Mitarbeiter in der Firma was sich in diesem Volvo so zirka abspielte. Aber wo sollten diese armen Jung-Isländer denn um diese Jahreszeit auch hin? Im Frühsommer wird es nie dunkel und Wald gibt es keinen. Also auf einer gesperrten Stra?e in die Lavawüste. Pech nur, dass ein voll besetzter Autobus vorbeifuhr!

Anfang Juli wollten wir den Eirisjökull, einen vergletscherten Berg mitten im Nichts besteigen. Ein isländischer Bekannter borgte sich den Jeep Cherokee seines Vaters aus und wir fuhren im Konvoi Richtung Berg. Doch wir fanden stundenlang die Piste nicht, die zum Fu? des Berges führen sollte. Am Abend, als wir nach einem Spaziergang das Zelt aufstellten, wussten wir warum: die Piste war nur ein unscheinbarer Gatsch-Pfad, die von einer Schotterstra?e abzweigte. Wir beschlossen zumindest am nächsten Tag die etwa 15 Kilometer zum Berg zu fahren und, wenn schon nicht ganz hinauf, doch ein wenig raufzuwandern. Der Isländer, der übrigens mit Turnschuhen auf den Gletscher wollte, packte zum Abendmahl einen Alu-Einweggriller aus und grillte sich ein Steak, während wir unsere Camping-Nudeln am Benzinkocher wärmten. Am nächsten Tag blieb er allerdings mit Vaters Jeep hinter uns bereits im zweiten Schlammloch stecken. Wir haben ihn dann mit unserem Suzuki Vitara hinausgezogen. Das ist ungefähr so, wie wenn eine Citroen-Ente mit polnischen Kennzeichen auf der Autobahn einen deutschen 7er BMW abhängt. In unserem Fall war der arme Isländer aber nicht gerade ein versierter Autofahrer und wollte den Wagen seines Vaters nur ja nicht schmutzig machen, und daher drehten wir um und gingen zum nächsten Pferdeverleih reiten. Das war mindestens so gefährlich wie die Besteigung des Gletschers in Turnschuhen, denn die Viecher sind mit uns durch die Landschaft gefetzt, dass wir dachten, wir durchbrechen die Schallmauer.

In der letzten Juliwoche und ersten Augustwoche verbrachten wir unsern Urlaub in den zuvor erwähnten Westfjorden. Wir schnitten ein Stück des Weges mit der Fähre ab und machten auf einer Insel, wo die Fähre anlegte, Station während unser Auto weiter zum Festland gebracht wurde. Begleitet wurden wir von Stephans Arbeitskollegen Freyr und seiner Lebensgefährtin Maria. Während wir auf der kleinen Insel eine Runde wanderten und Vögel beobachteten, paddelten die beiden mit ihren mitgebrachten Kajaks im Meer und sammelten Muscheln fürs Abendessen. Und wenn man glaubt man ist jetzt endgültig am ADW, dann trifft man in Island jemanden bekannten. So trafen wir Bekannte aus dem Tangokurs, die auf der Insel ein Sommerhaus haben. Das nächste Schiff brachte uns weiter nach Nordwesten während unsere Begleiter wieder nach Reykjavík zurückfuhren. Am Hafen wartete schon unser Auto. Unseren Autoschlüssel hatte Stephan mit einem mulmigen Gefühl am Schiff nach dem Beladen abgegeben, weil es auf der kleinen Insel keine Möglichkeit gab das Auto auszuladen und die Besatzung für uns das Auto dann am Festland parkte.

Wenige Minuten später waren wir an einem kilometerlangen Sandstrand, keine Hotels, keine Menschenseele, es war warm, wir zogen die Schuhe aus und spazierten dem Meer entlang ... und wehe das Wasser kam zu nahe, das ist dort nämlich skitkalt (das ist isländisch, die genaue Bedeutung ist nicht schwer zu erraten). Die Sandstrände sind aber nicht die einzige Attraktion der Westfjorde. Wir fuhren dann zum westlichsten Punkt der Insel, Látrabjarg, einer der grö?ten Vogelfelsen der Welt. Im Umkreis von 60 km gibt es au?er Einsiedlerhöfen keine menschliche Siedlung. Was auch verständlich ist, denn wir haben es im Hochsommer dort ohne lange Unterhose keine drei Minuten ausgehalten, wegen des Windes. Aber das hält eine Unzahl deutscher Radfahrer nicht davon ab dorthin zu radeln. "Unzahl" ist hier im Verhältnis zu Wetter- und Stra?enbedingungen zu verstehen. Wir haben vielleicht sechs oder acht Radler gesehen.

Die Vögelbeobachtung war sehr nett. Die putzigen Papageientaucher (die sehen aus wie eine Mischung aus Pinguinen und Papageien) lassen geduldige Beobachter fast bis auf 2 Meter herankommen. Sie sind unsere erklärten Lieblinge (und auch die der Isländer, die fangen sie nämlich und essen sie). Aber die Möwen sind Mistviecher! Erstens machen sie einen Riesenkrach die ganze Zeit, während die herzigen "Flugpinguine" nur herumsitzen und den Schnabel halten. Und au?erdem sind die Möwen gemein, weil sie den Papageientauchern die Beute wegschnappen. Au?er Vogeldreck und verlorener Federn gab es am Strand die Ruine von Fischerhütten aus dem 17. Jahrhundert. Die haben dort gehaust wie zur Steinzeit. Kann kein lustiges Leben gewesen sein. Auch Steinmänner (zu einer Pyramide aufgeschlichtete Steine) waren zu sehen, die alte Handelswege markierten. Stra?en gab es in den Westfjorden lange nicht. Ganz oben im Norden, im seit rund 1955 verlassenen Hornstrandir, wurden überhaupt nie Wege angelegt.

Die Landschaft der Westfjorde ist geprägt von steilen Berghängen vom Typ "senkrechte Schotterhalde" und karger Landschaft mit grünen Oasen, in denen Einzelgehöfte stehen. Die wenigen Ortschaften leben vom Fischfang und dem Handel mit den Bauern. Von Oktober bis Anfang Mai ist Winter. In den letzten Jahren haben zwei verheerende Lawinenkatastrophen, von ähnlichem Ausma? wie Galltür, die Abwanderung nicht gerade stoppen können. Im Sommer hat es in der Regel zwischen fünf und fünfzehn Grad.

Unsere nächste Station war Sélardalur. Eine heute gro?teils verlassene Gegend, wo bis Ende der Sechziger ein Bauer lebte, der sich sein Leben lang für Architektur, Bildhauerei und Kunst interessierte. Alles was er darüber wusste, hatte er aus Büchern. Und als er in Pension ging, da hatte er nun selbst für diese Dinge Zeit. Und so kaufte er ein paar hundert Kilo Zement und verpasste seinem Bauernhof eine Kuppel wie sie auf einer Moschee zu finden ist, ein paar griechische Säulen vor den Eingang, und wasserspeiende Löwenfiguren in den Hintaus-Garten. Er baute ein Holz-Modell vom Petersdom, dessen Fotografie er in einem seiner Bücher fand, und malte ein Altarbild, das er der nur 2 Kilometer entfernten Kirche zum 100-jährigen Jubiläum schenkte. Der Pfarrer dort wollte aber von dem Altarbild nichts wissen. Und so wie viele Wiener immer grantig sind, so sind die meisten Isländer riesige Dickschädeln. Der Bauer baute sich eben eine eigene Kirche, damit er sein Altarbild nicht ins Wohnzimmer hängen muss. Die Kirche steht jetzt neben dem bunten Durcheinander an Baustilen, Statuen und dem Schafstall mit griechischen Säulen.

In einer ebenso einsamen Gegend wie Sélardalur befindet sich das Geburtshaus des isländischen Nationalhelden Jón Sigurdson, und dort ist heute ein kleines Museum. Wir sind dort zur Tür hinein, und der dicke Museumswärter hat uns in die Hauskapelle geführt und uns über jedes Fenster eine Geschichte erzählt, die uns wenig interessierte. Und keine Möglichkeit in Sicht sich elegant davonzuschleichen. In der Kapelle stand ein Klavier und nachdem wir uns alle seine Geschichten geduldig angehört hatten, spielte er uns auf dem Klavier etwas vor. Man muss sagen, er spielte wirklich hervorragend, zumindest das eine Stück, das er wahrscheinlich täglich 10 Mal spielen wird. Aber es ist schon traurig, wenn ein begnadeter Klavierspieler in einer so gottverlassenen Gegend wohnt, dass er sich auf solche Weise ein Publikum erzwingen muss. Als er mit dem Spielen fertig war und uns nun vielleicht alle Details des Leben des Nationalhelden geschildert hätte, erlöste uns eine weitere kleine Gruppe von Besuchern, die leider, leider, leider nur Isländisch und nicht Englisch sprachen und daher die Geschichte von den Fenstern nochmals für sie wiederholt werden musste. Die Gelegenheit sich aus dem Staub zu machen war endlich da und wir verzwickten wenig später als einzige Gäste im angeschlossenen Kaffeehaus einen Rhabarberkuchen.

Die Fahrt ging weiter über eine Stra?e um eine Halbinsel herum. Ein etwa 30 km langes Stück dieser Strasse hat ein Bauer aus einem sehr entlegenen Hof selbst über Jahre hinweg mit einfachsten Maschinen angelegt um direkt (ohne um die ganze Halbinsel herumzukurven und von der anderen Seite kommen) zu seinem nächsten Nachbarn zu kommen. Ein Hinweisschild sagte, dass der Weg nur für Geländefahrzeuge und nur bei Ebbe befahrbar ist. Und so sah er auch aus. Insgesamt waren 4 Höfe durch diese Abenteuerstrecke zu erreichen von denen sogar noch zwei bewirtschaftet waren. Das Wetter war herrlich und wir fotografierten die steilen Hänge und saftigen Wiesen. Im Schönwettertaumel hatten wir beinahe übersehen, dass eine Brücke, über die wir beinahe gefahren wären, schon sehr, sehr wackelig aussah und es davor eigentlich eine Abzweigung gab, die den Bach durch eine Furt durchquerte. Vielleicht hätte uns die Brücke ja ausgehalten, aber so sicher waren wir uns da nicht. Aber auf die Idee ein Warnschild oder einen Sperrbalken aufzustellen kam scheinbar keiner.

Dann fuhren wir Geisterbahn. Die Stra?e nach Isafjörður führte durch einen 9 Kilometer langen Tunnel, der in der Mitte eine Kreuzung hat und gro?teils einspurig (!) ist. Für den Fall von Gegenverkehr gibt es Ausweichstellen. Es ist ein sehr komisches Gefühl, wenn man durch den einfach in den Stein geschlagenen Tunnel fährt und im leichten Dunst die Lichter des Gegenverkehrs sieht, die einen natürlich frontal anstrahlen. Die Distanzen abzuschätzen wird extrem schwer und es wurde uns ziemlich unheimlich in der dunklen Felsröhre.

In Isafjörður ist die Endstation der Boote, die nach Hornstrandir fahren, einer noch kargeren Gegend, die seit den Fünfziger Jahren verlassen ist. Man könnte auch auf dem Landweg dorthin kommen, doch es gibt keine Stra?en und von der Stra?e, die am weitesten in die Richtung dieser verlassenen Fjorde führt ist es immer noch rund eine Woche Fu?marsch. Wir buchten eine Fahrt in das ehemalige Dorf Sæbol in der Bucht Adalvík und die Rückfahrt vier Tage später aus der gleichen Bucht von der durch rund 3 Stunden Fu?marsch getrennten Siedlung Látra. In beiden Siedlungen sind noch einige Häuser erhalten, die jetzt als Ferienwohnsitz benutzt werden.

Die Fahrt nach Hornstrandir war eine au?ertourliche Fahrt eines Fährenunternehmens und so waren wir nur 3 Passagiere. Man eröffnete uns nach dem Ablegen, dass wir nicht nach Sæbol sondern nach Látra gebracht werden, weil man nicht extra wegen uns anlegen wollte. Na gut, wir wollten eine Rundwanderung machen; wir konnten ja auch in der anderen Richtung herum gehen. Dazu mussten wir allerdings das Fährschiff für die Rückfahrt informieren, dass wir nun in Sæbol und nicht in Látra abgeholt werden wollen, was wir auch taten, als das Boot spätabends eine Ladung Wanderer brachte. Uns wurde 100 mal versichert: "Ekkert mál" - "Kein Problem", sie würden uns sicher nicht vergessen.

Stephan hatte trotzdem Zweifel, dass es funktionieren würde und wollte lieber die Route ändern. Das Argument, dass selbst wenn sie uns vergessen, die Anzahl der Passagiere ja nicht stimmt und ihnen dann ein Lichtlein aufgehen sollte, und die ich-bin-bald-schrecklich-angefressen-vor-lauter-Umplanen-Stimmung von Agnes brachte Stephan zum Einlenken.

Am Abend gab es dann ein Party am Strand - allerdings eine Müllparty. Die Sommerhausbewohner türmten ihren Müll zu einem gro?en Haufen, zündeten diesen an, packten die Gitarre aus und sangen zu ihrem stinkenden Lagerfeuer - eine komische Szene. Im Müll befanden sich unzählige Plastiksäcke, Getränkedosen und Einweggriller. Der Gedanken umweltbewussten Einkaufens, Mülltrennung oder gar Müllvermeidung ist den Leuten hier leider noch sehr fremd.

Am ersten unserer vier Wandertage sahen wir uns die Reste eines amerikanischen Militärstützpunktes an. Hier sa?en die Amis nach dem 2. Weltkrieg uns schauten mit Radar, ob die bösen Russen kommen. Lange haben sie es aber nicht ausgehalten dort, wie eine Isländerin zu berichten wusste, denn die Gegend wurde nicht verlassen, weil das Leben dort so einfach und die Winter so mild sind. Selbstmordversuche durch von-der-Klippe-Springen waren unter den amerikanischen Soldaten nicht selten - allerdings angeblich nicht oft erfolgreich. Die Isländer sagen, weil sie durch den starken (Auf)wind wieder hinaufgeweht wurden...

Unser Weg führte uns von Fjord zu Fjord über die dazwischenliegenden Berge. Auf den Bergen waren die Wege zum Gro?teil mit Steinmännern markiert, sonst war man auf Karte und Kompass angewiesen. Und das war eine neue Erfahrung für uns: wie langsam man vorankommt, wenn es keinen Weg gibt; mal versinkt man in einem Sumpf, dann stolpert man durch ein Geröllfeld oder muss einen Bach überqueren. Vieles erinnerte an den hochalpinen Bereich. Das Wetter änderte sich dort rund alle 2 Stunden, Gras und Blumen sind kurz-stengelig, in schattigen Lagen lag schon in 200 Metern über dem Meeresspiegel Schnee. Aber wir verbrachten eine schöne Zeit dort, hatten die romantischsten Zeltplätze mit Aussicht auf einsame Fjorde und sahen in vier Tagen au?er Fischerbooten und drei anderen Wanderern in der Ferne keine Menschenseele.

In Sæbol waren wir schon 4 Stunden vor Abfahrt des Bootes. Und wir waren nicht alleine dort. Zwei Zelte standen dort am Strand und ein Sommerhaus war bewohnt. So hatten wir dann Ansprache, als wir sahen wie "unser Boot" von Látra, am anderen Ende der Bucht, ablegte und direkt auf Meer hinaussteuerte ohne an uns zu denken. Nun setzte Stephan den ich-bin-jetzt-ziemlich-angefressen-Blick auf. Die Sommerhausbewohner konnten uns jedoch versichern, dass an nächsten Tag sicherlich ein Boot kommt, weil sie eines bestellt hatten. Reserve-Essen hatten wir genug mit und so plauderten wir mit den inzwischen zurückgekehrten Besitzern der zwei Zelte. Sie machten schon das zwölfte Jahr in Hornstrandir Urlaub. Einer hatte gemeinsam mit dem Geschäftsführer von Stephans Firma studiert, der andere war der Angel-Partner von Stephans Chef, eine war mit einer anderen Bekannten befreundet. Das ist hier normal. Die Insel ist so klein, dass man immer Leute trifft. Am folgenden Tag haben wir insgesamt 3 Arbeitskollegen in Isafjörður getroffen.

Mit 28 Stunden Verspätung setzten wir unsere Reise fort. Wir sahen uns noch ein paar Robben auf einer Sandbank an, das Hexenmuseum in Holmavík (in Island waren 95% aller verurteilten Hexen Männer) und hatten bei immer schlechter werdendem Wetter, bei rund 7 Grad, Nebel und Wind auf einmal keine Lust mehr im Zelt zu schlafen. Die Erzählungen wie schrecklich hei? es jetzt gerade in Wien war, brachten uns dazu zurück nach Reykjavík zu fahren um den Rest des Urlaubs zumindest in einer warmen Wohnung zu verbringen. Und dort hat sich Island mit uns schnell wieder versöhnt. Ein Frühstück auf der Terrasse, mehr als 20 Grad, Sonne und Windstille lockten uns doch nochmals raus und wir gingen zum einzigen Klettergebiet im 300 km Umkreis um Reykjavík und kletterten alle bis auf eine Route. Na gut, es waren 5 Routen. Aber die waren dafür nett.

Liebe Grü?e

Agnes und Stephan

 

08.11.01

Liebe Freunde!

Es habt sich wieder einiges zugetragen im hohen Norden und das ist im folgenden wieder in Gschichtln verpackt ...

Im September besuchten uns Brigitte, Johanna und Norbert aus Wien. Mit ihnen gründete ich vor 8 Jahren eine Kinderbergsportgruppe. Vier Mitglieder dieser Gruppe, sie sind inzwischen 15 bis 17 Jahre alt, fuhren mit den dreien mit. Und alle hatten bei uns Platz: neun Leute auf 48m2. Norbert war es gleich zu eng, bevor er es noch ausprobiert hat und schlief auf der Terrasse. Er kam schon halb krank mit leichtem Fieber und am Tag zuvor aus Georgien zurück weil ihm das Essen dort nicht so schmeckete, aber auch der gesunde Terrassenschlaf konnte keine spontane Genesung herbeiführen. Das bedeutet, für nicht Eingeweihte, dass er nur mehr eine sehr gute Kondition hatte und kein Kraftphänomen mehr darstellte.

Geplant war eine Wanderung im isländischen Nirgendwo wo wir nach vier Tagen am Ausgangspunkt Núpsstaðaskógar wieder zurückkommen, ich nach Hause fahre und die anderen noch ein paar Tage in Landmannalaugar verbringen. Dazu wollten Norbert und Co. im einzigen Haus von Núpsstaðaskógar, nahe einer sehenswerten Kirche, einen Rucksack voll Proviant lassen. Agnes und ich kannten das Haus, weil wir uns schon die Kirche angesehen hatten. Dort sitzen immer 2 sehr alte Männer drinnen und sehen den ganzen Tag zum Fenster raus, und schauen zu, wie die Leute zur Kirche fahren und Fotos machen. Vor dem Haus steht ein Oldtimer Range-Rover, der eine Nummerntafel hat aber so aussieht, als dürfte er nicht mal mehr am Schrottplatz stehen.

Ich dachte mir, den alten schwerhörigen Leuten auf isländisch zu erklären, dass wir bei ihnen einen Rucksack lassen wollen, weil wir nicht 15 kg Futter unnötig durch Islands Pampa schleppen wollen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Am Weg zu deren Haus fuhr der überschrottreife Oldtimer mit einem uralten Fahrer an uns vorbei. Beim Haus angekommen sah ich kein Gesicht am Fenster. Ich hoffte schon sie seien beide bei den Urenkerln zu Besuch und ich muss jetzt nicht quatschen, als rund eine Minute nach unserem Klopfen die Tür aufging. Dann habe ich gestottert, was ich mir vorher so ausdachte und der alte Mann sagte nur "allt i lagi" - "geht in Ordnung". Dann war ich paff, sehr stolz auf mein Isländisch und froh über das Höhrvermögen des Hausbewohners.

Auf der Wanderung trafen wir 4 Tage lang keine Menschenseele, es regnete täglich, war kalt und unfreundlich. Es mussten gut ein Dutzend Flüsse gefurtet werden. Einer davon ist im Wanderführer als "reissend" beschrieben. Bei näherer Inspektion haben wir ihn als "unpassierbar" klassifiziert, doch Norbert fand zum Glück eine riesige Schneebrücke die eine sichere Querung trockenen Fußes ermöglichte. Im Wanderführer, den Norbert mitbrachte sahen wir übrigens ein Foto von Jón Gauti, einem Arbeitskollegen, der früher als Fotomodell und Bergführer gearbeitet hat (Agnes findet ihn sehr fesch). Er erzählte uns später, dass der Autor des Führers als sein Kunde eine Tour durch das Gebiet gemacht hat. Er selbst hat den Fluss immer angeseilt durchwatet, hat kleinere Teilnehmer immer getragen, damit sie nicht davonschwimmen und ist selbst schon zwei Mal von der Strömung forgerissen worden. Na beruhigend.

Am Weg nach Hause gab es strahlendes Wetter. Ich fuhr per Anhalter, weil der Bus auf Islands wichtigster Straße nur einmal täglich im Sommer fährt - im Winter fährt er überhaupt nur drei Mal pro Woche. Mitgenommen wurde ich unter anderem von einem evangelischen Priester und seiner Frau, die fast besser deutsch sprachen als ich. Auf meine Frage warum sie so gut deutsch sprechen ließen sich mich wissen, dass sie strenge Lehrer in der Schule hatten, als Hobby-Musiker schon mehrere Konzerte in Weimar gaben und ausserdem große Goethe-Fans sind. Den letzteren verstehen die sicherlich besser als ich, weil ich lese auf deutsch eigentlich nur e-mails.

Ende September kann es im Hochland schon ordentlich schneien und so werden Schafe und Pferde ins Tal getrieben und nach Besitzern sortiert. Als bestes Fortbewegungsmittel dient dazu seit 1000 Jahren das Pferd. Die Isländer machen daraus ein Volksfest und ein Geschäft. Zahlungskräftige Pferdefans aus den USA und Europa fliegen extra auf die Insel nur um bei einem derartigen Abtrieb mitreiten zu dürfen. Wirklich mithelfen dürfen sie nicht, Pferde und Sattel müssen sie sich ausborgen, also kostet denen das eine Stange Geld. So nah am Geschehen konnte Agnes dieser Versuchung nicht widerstehen und nahm auch an so einem Ritt teil. Erstmals zahlte sich auch für sie die Mühe des Isländisch Lernens aus. Denn ein Teil der Bauern konnte noch weniger Englisch als sie Isländisch, war aber ganz begeistert sich zu unterhalten. Und so erfuhr sie manche Dinge, die den Touristen verschwiegen wurden, z.B., dass die Isländerin, die als Reiterführer mitritt, immer alles besser wusste und jeden herumkommandierte (Zitat: wenn es in Island ein Militär gäbe, wäre sie der Chef) auch erst das erste Mal mitgeritten ist. Ansonsten war der 3-tägige Abtrieb geprägt von Schneesturm, darauf warten, dass die Pferde und Schafe weiterlaufen, sich die Zeit mit Singen von isländischen Volksliedern vertreiben, sich mit selbstgebranntem Schnaps aufwärmen, anderen Isländern helfen ihre Handpferde wiederzufinden, weil sie selbst dafür zu besoffen sind, mit dem Pferd im Morast versinken, vom klassischen Durchgeher bis zum superweichen Töltmoped alles auszuprobieren, zuschauen wie Isländer Schafe fangen (anschleichen, anspringen, Bauchlandung auf dem Schaf machen, Schaf schnappen und vor sich auf's Pferd hieven)und am Abend im Hotpot relaxen und Muskeln entspannen.

Zwei Wochen später war **der** berühmte Pferdeabtrieb von Hólar, wo alle dort sind und wir auch hin mussten. Damit mir nicht so langweilig wird, habe ich meinen Arbeitskollegen Freyr gebeten uns zu begleiten, was er auch tat. Am Vorabend war eine Pferdeverkaufsshow in Saudárkrokur. Das Publikum war mit Bierdosen und Branntweinflaschen ausgestattet und hat während der Präsentation schon kräftig Durst gelöscht. Das war bei machen Viechern die dort gezeigt wurden auch ganz gut, denn einige Tiere haben nicht nur ausgesehen wie eine Kuh sondern sind auch so gelaufen. Die für Agnes interessanteren Pferde waren dann leider (oder gottseidank?) in der Preisklasse von mehreren hundert tausend Schilling.

Nach den Pferden war Partytime: die bisher noch nicht getrunken haben

begannen jetzt zu trinken, eine Bühne wurde aufgebaut. Vier stimmgewaltige Brüder betraten das Potest und trällerten isländische Gstanzln und das Publikum sang mit. Zweifelloser musikalischer Höhepunkt war das vierstimmige o-sole-mio auf Isländisch. Im Publikum traf Freyr seinen Cousin, dessen Schwiegervater Steinþór einen Pferdehof in der Gegend hat. Er hat uns sofort für den nächsten Abend ins Haus seiner Schwiegereltern eingeladen.

Übernachtet haben wir in einem Bauernhof mit Gästezimmern in Varmahlið. Alle Gäste dort kamen nur wegen dem Pferde/Sauf-Event. Als wir spät Abends in unser Zimmer gingen lag im Wohnzimmer die Bäuerin am Sofa und schnarchte. Als wir am Morgen aufstanden lag der Bauer am Sofa.

Der Abtrieb am nächsten Tag glich eher einer Volksversammlung als einer landwirtschaftlichen Notwendigkeit. Es wurden vielleicht 200 - 300 Pferde abgetrieben und das von mehr als 100 berittenen Treibern, weil jeder dabei sein will. Und um und im Pferch waren etwa 500 Zuschauer. Branntwein wurde herumgereicht und Trockenfisch gegessen. Wir bekamen einen "Logenplatz" im Pferch, dank des Cousins von Freyr. Wir erfuhren dann, dass Steinþór sowas wie der Organisator dieses Ereignisses ist. Mich wundert es, dass es keine Verletzten gab: im Zentrum des Pferchs waren gleichzeitig gut 30 halbwilden Pferde die verängstigt herumschossen und dazwischen halb-alkoholisierte Isländer die versuchten ihre Tiere in ihren Sektor zu bringen.

Und richtig nett wurde es dann am Abend in Steinþórs Haus. Es ist in der Gegend üblich an diesem Abend von Hof zu Hof zu wandern dort zu singen und zu saufen. Nur bei Steinþór stand das Singen im Mittelpunkt und das Trinken war eine Begleiterscheinung um die Stimme zu ölen. Und das war notwendig. Während der vier Stunden, die wir dort waren wurde fast ununterbrochen, vornehmlich von Männern, gesungen. Und das wirklich nicht schlecht. Zwei der singenden Brüder waren dort, Steinþór oder seine Tochter begleiteten am Klavier. Sie ist Musiklehrerin, der Bauer hat erst im Alter von 30 Jahren seine erste Klavierstunde genommen. Er spielte ziemlich gut, also vielleicht wird ja auch noch was aus mir.

Als wichtigster Mann bei dem Pferdeabtrieb war es ein Privileg ins Haus Steinþórs eingeladen zu werden. Agnes traf dort auch Bekannte vom letzten Abtrieb, die Jahre gebraucht hatten um in diesen elitären Kreis der Gäste aufgenommen zu werden und denen die Lade runtergekippt ist, als sie uns Neo-Isländer dort sahen.

Wir gingen relativ zeitig in Varmalið zu Bett weil wir am nächsten Tag in Reykjavik Tangokurs hatten. Etwa um vier Uhr morgens kamen die anderen nach Gäste Hause, sangen aus voller Kehle und brateten Speck in der Küche.

Der Oktober verlief dann ruhig, es war der wärmste seit es Aufzeichnungen gibt. Und Ende Oktober wurde es sogar sehr heiß: wir sahen uns nach einer neuen Wohnung um, weil der Vertrag für unsere jetztige Ende Dezember ausläuft. Zum Schluss standen 2 in der näheren Auswahl. Eine hässliche, billige mit nettem Hausherrn in der nähe von Agnes Firma und eine hübsche Wohnung in einem Altbau in Zentrumsnähe. Wir entschieden uns für letztere. Die erste Wohnungsbesichtigung konnte dem Vermieter nicht schnell genug gehen, er rief uns Sonntag abends zurück und schlug sofortige Besichtig vor. Den Gefallen taten wir ihm aber nicht, weil wir gerade Besuch hatten. Bei der Wohnungsbesichtigung meinte er, die Wohnung wäre sofort frei und er möchte ab November Miete kassieren. Wir brauchen aber erst Ende Dezember eine Wohnung und so schlugen wir vor ab Anfang Dezember zu zahlen. Wäre er einverstanden gewesen, hätten wir sie sofort genommen. Aber er wollte noch 2 Tage darüber nachdenken. Er dachte nach, und versuchte uns am zweiten Tag darauf mehrmals zu erreichen. Als wir ihn dann anriefen meinte er, er akzeptiert unseren Vorschlag. Am nächsten Tag faxte er uns den Mietvertrag mit dem Begleittext, wir sollten noch am Abend am Telefon den Vertrag gemeinsam durchgehen. Das taten wir. Am nächsten Tag, dem 1.November sollte gleich die Mängelbegehung sein und die Vertragsunterzeichnung.

Die Eile war mir suspekt. Am Vertrag stand, dass er nicht der Eigentümer der Wohnung ist, sondern dessen Repräsentant, die Wohnung ist Eigentum einer Frau. Dank WWW fanden wir auch heraus, dass seine Telefonnummer einem Maklerbüro gehört und er offensichtlich Makler ist. Das hätte die Sache mit dem Repräsentanten erklärt. Aber dann kam Island ins Spiel: hier läuft alles mit der Sozialversicherungsnummer, die man sogar braucht, wenn man sich ein Video in der Videothek ausborgen will; und es gibt keine Familiennamen, man heist "Sohn des..." oder "Tochter des...". Die Besitzerin der Wohnung war dem Namen nach seine Tochter, war 17 Jahre alt und hatte am 2. November den 18. Geburtstag. Das kann doch alles kein Zufall sein dachte ich. Ich rief bei ihm am Vormittag des 1. November an und gab vor an diesem Abend leider doch keine Zeit zu haben, weil mir was dazwischen gekommen sei und bat um einen neuen Termin für die Mängelbegehung und Vertragsunterzeichnung. Und siehe da: es ging nicht. Er war dann sehr kurz angebunden und legte auf. Der Mann wollte entweder uns oder seine Tochter ordentlich bescheißen. Wäre er auf unser Angebot auf eine Monatsmiete zu verzichten eingestiegen, hätte er unsere Unterschriften gekriegt. Aber wer gierig ist, der soll bestraft werden. Es lebe die Sozialversicherungsnummer und die Bürokratie!

Wir ziehen jetzt in die hässliche Wohnung. Die wird von Agnes Firma gemietet, wir müssen nichts unterschreiben. Der Vermieter ist sehr nett, er und sein Sohn wohnen im gleichen Haus. Ich denke wir können in der hässlichen Wohnung viel ruhiger schlafen.

Ja! Und Geburtstag gefeiert haben wir auch und unser Auto haben wir hoffnungslos überfordert, als wir letzte Woche gute 10 Mal im Tiefschnee stecken geblieben sind. Das, und warum man auch in Reykjavik Sturm trinken kann, wird noch ein andermal erzählt. Die Bilderchen dürft Ihr Euch aber jetzt schon ansehen:

http://community.webshots.com/album/24735966xGgdTvQoPx

http://community.webshots.com/album/24783902emIxBTswqw

Liebe Grüße

Stephan

 

03.01.2002

Hallo allerseits!

Die Redaktion des Nordlichterreports hat ihren Hauptwohnsitz gewechselt:

Agnes + Stephan Grünfelder

Heiðarás 13

IS-110 Reykjavík

Telefon (gleich geblieben): 00354/588 01 69

Wir wünschen Euch ein gutes neues Jahr und viel Spass beim Lesen ...

Zu meinem Geburtstag (http://community.webshots.com/album/24735966xGgdTvQoPx) bekam ich nicht nur ein Stück Gletscher von meinem Arbeitskollegen Kommi, sondern auch einen "Vinomat" von Agnes. Der Vinomat ist eine Kiste mit Zutaten um selbst Wein zu Hause machen zu können. In den Ländern des Nordens, wo Alkohol sehr teuer und der Geschmack nicht so wirklich wichtig ist, ist das eine sensationelle Sache. So kommt man auf einfachem Wege zu 28 Flaschen Wein ohne dafür das Auto verpfänden zu müssen. Am gepanschten Wein hatte ich kein grosses Interesse, aber ein Glaserl Sturm am Polarkreis, ein Stück Heimat im Glas ist eine Oase in der Wüste. Nachdem ich sehr unter dem sturmlosen Herbst gelitten hatte, hatte meine Laune bald wieder Oberwasser als wir die ersten Liter Sturm im Freundeskreis vernichteten. Der gärende Saft schmeckte wirklich fast genau wie echter Sturm und hatte auch alle seine Nebenwirkungen.

Im November zog hier der Winter ein. Die Nebenstrassen, Radwege und Gehsteige Reykjaviks werden kaum geräumt (und wenn dies der Fall ist, dann verweht der Wind ohnehin wieder alles) und so passierte es mehr als einmal, dass ich mit dem Fahrrad im kniehohen Schnee stecken blieb. Doch als erklärter Schnee-Fan machte mir das herzlich wenig und Agnes und ich fuhren auch mit Begeisterung auf die Jeep-Tour meiner Firma mit (http://community.webshots.com/album/24783902emIxBTswqw). Sehr zum Ärgernis der Besitzer von riesigen, modifizierten Geländewagen kamen wir mit unserem Suzuki überall hin, wo auch die Superjeeps fuhren. Es muss dem Isländer unheimliche Freude machen, wenn er im Tiefschnee mit seinem Auto stecken bleibt. Also brachten dann die Fahrer der grossen Karossen im letzten Drittel der Wegstrecke mit Gewalt ihre Kisten im Schnee zum Stecken um sich dann gegenseitig mit Freude und Begeisterung wieder rauszuziehen. Zu diesem Zeitpunkt fanden sie es noch lustig. Denn wenig später, als der Tag zur Neige ging, wurde es wärmer und der Schnee weicher. Das hatte den Effekt, dass unser Suzuki rund 12 bis 14 Mal am Bauch im Tiefschnee aufsass und die vier Räder in der Luft drehten. Hinausgeschleppt wird man dabei mit einem langem, elastischen Seil. Das ist notwendig, weil auch die grossen Jeeps zu wenig Reibung hätten um am einfachen Seil ein steckengebliebenes Fahrzeug zu ziehen. Das Seil wird montiert und der Schleppende fährt bis auf Tuchfühlung zum steckengebliebenen Fahrzeug. Im kleinen Suzuki sieht sahen wir dann die Stoss-Stange des um 50 cm gehobenen Toyota Hilux der dann Vollgas gab um genug Schwung zu bekommen. Je nach Situation schossen wir dann wie die Pfitschipfeile aus dem Schnee (und rissen uns wahrscheinlich den Auspuff ab) oder rutschen langsam am Bauch wieder auf besseres Terrain. Zur geräumten Strasse waren es nur noch 8 km als auch die grossen Fahrzeuge begannen stecken zu blieben. Es war schon längst dunkel geworden und Toyota-Eyþór, unser grösster Jeep-Fan und Routen-Finder, schaltete seine 4 Zusatzscheinwerfer ein, blickte stets auf sein GPS und hörte Radio. Als er den zweitgrössten Jeep aus dem Tiefschnee zog, starb sein Motor ab und es ward finster und still. Die Batterie war komplett leer. Doch Isländer sind Ausrüstungsfreaks. In der wohlsortierten Werkzeugkiste, neben den 40 Litern Reservesprit, war auch ein Starterkabel. Am Vortag hatte ich noch lamentiert, dass eine Autotour das unsportlichste sei, was ich mir als Wochenendbeschäftigung nur vorstellen könne. Nur zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich am nächsten Tag einen Ganzkörpermuskelkater bekommen würde, der selbst die Auswirkungen einer Klettertour mit Günther ("nur a liabe Kletterei") noch übertrifft. Wir benötigten für die letzten 8 Kilometer fünf Stunden, die wir damit verbrachten Autos auszuschaufeln, zu schieben, zu ziehen, zu stemmen und zwischen den Wagen hin und her zu laufen.

Aber dann kam die stillste Zeit im Jahr. Der Schnee verschwand und die Isländer hängten ihre rot blinkenden Lichtschlangen in die Fenster, dass jedes Fenster wie das von einem Puff aussah. Nun leuchten Weihnachtsmänner in der Dachrinne, Plastikschneemänner in der grünen Wiese und sogar zahlreiche Strassenlaternen sind noch mit kleinen Lichterketten umwickelt (http://community.webshots.com/album/28392165mLHMpqYyYD). Man wünscht sich gegenseitig "gleol", das ist ein schnell ausgesprochenes "gledinlegt jól" (schöne Weihnachten), für die vollen vier Silben ist keine Zeit. Und die zwei katholischen Österreicher suchten nach langem wieder mal eine Kirche auf und fanden sich am vierten Advensonntag unter 50% Filipinos sowie einigen Polen, Slowanken und Deutschen in einem englischsprachigen Gottestdienst (in Island gibt es kaum Katholiken). Beim ersten Lied musste Agnes an den Film "The Mission" denken, weil die vielen Leute aus Übersee die Messgestalung prägen. Aber die Show schlechthin war die Mette, die der Bischof von Island las. Der hat so einen argen (deutschen) Akzent, wenn er Isländisch spricht, dass ihn niemand versteht. Anstatt irgendjemanden weniger würdigen, der dafür die Sprache beherrscht, predigen zu lassen, macht er alles selbst und in den Bänken liegen Hefte auf, die jedes Wort, das der Bischof spricht, enthalten. "Spricht" ist eh gut gesagt, er liest es natürlich auch aus dem Heft. Wir trafen dort einen Österreicher, der seit vielen Jahren in Island verheiratet ist und fliessend die Landessprache beherrscht. Er meinte scherzhalber, dass er die Mette hier so geniesst, weil er von dem was vorne gesagt wird nicht in seiner Andacht gestört wird.

Zum Jahreswechsel haben wir uns die Feuerwerke über Reykjavik angesehen. Die isländischen Bergrettungsorganisationen und die Katastrophenhilfe haben das Monopol auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern und finanzieren sich damit zur Gänze. Also ist es ja eine gute Tat, wenn der Durchschnittsbürger um die 1000,-- ATS in die Luft schiesst. Von unserem Aussichtspunkt, Perlan, war die Luft vom Rauch der Raketen schon so getrübt, dass man zeitweise wirklich schlecht sah. Auch der Zeitpunkt des Jahreswechsels ist nicht so genau definiert. Während der Comedy-Show im Fernsehen herrscht Totenstille. Island sitzt vor der Glotze und sieht sich die wirlich guten Sketches an. Sobald aber der letzte Sketch kurz nach halb zwölf vorbei ist, ballern alle los wie wild. Irgendwann in der folgenden Stunde Dauerfeuer wechselt das Jahr. Nur ein paar Österreicher blickten dieses Jahr auf die Uhr, prosteten sich um Mitternacht auf dem berühmten Aussichtspunkt in Reykjavik mit Sekt zu und tanzten Walzer.

Wir sehen nun unserem zweiten Jahr in Island entgegen und hoffen noch viel Stoff für Erzählungen zu sammeln. Dazu haben wir ja die nötigen Bekannschaften schon geschlossen. Z.B. Jean-Baptiste, der Mathematiker aus Frankreich, der in den USA studierte und in Schweden eine Dissertation über partielle Differentialgleichungen im Sterbevorgang von Gurken schrieb. Oder Freyr, der als Biologe und Berufsjäger ein halbes Jahr in Grönland mit Strafgefangenen Rentiere tötete. Nicht zu vergessen ein Feund des schon einmal erwähnten Arbeitskollegen Gisli: er hat seinen Pilotenschein verloren, nachdem er einmal auf der Strasse von Þingvellir nach Reykjavik gelandet ist, nur damit seine Freundin eher pinkeln gehen kann. Ein Jahr später ist er mit einem kraftvollen Motorschlitten übers Meer auf die wenige hundert Meter von der Hauptinsel gelegene Insel Videy gefahren. Am Weg zurück hatte er Motorprobleme und verlor an Geschwindigkeit, versenkte somit seinen Schlitten im Meer und musste zurückschwimmen.

Liebe Grüsse von Agnes und mir und nochmals alles Gute im neuen Jahr sendet Euch

Stephan

09.04.2002

Liebe Freunde!

Wieder ein Lebenszeichen von mir und Agnes mit einer Unzahl von Foto-Links. Also zum Ansehen einen Urlaubstag nehmen oder so ...

Seit Jahresbeginn wohnen wir in unserem neuen Domizil, einer Wohnung in einem grösserem Einfamilienhaus (ein paar Fotos f. Leute, die uns noch besuchen wollen: http://community.webshots.com/album/30159443urlHzLxdmQ). Dass der Wohnungsbesitzer einen Zweitschlüssel für die vermietete Wohnung hat, ist ja nichts ungewöhnliches, aber in unserem Fall wohnt er ja im gleichen Haus, also würde sich so mancher vielleicht unwohl fühlen. Nicht in unserem Fall, denn hier herrscht Gleichberechtigung. Wir könnten auch ungehindert in die Wohnung des Hausbesitzers marschieren: es gibt nämlich kein Schloss an seiner Wohnungstür.

In unseren alten Wohung lebt nun ein Arbeitskollege bei DeCODE, der aussieht wie Robert De Niro, aber weniger Geld und dafür mehr Pech hat. Er kommt aus England und wir müssen uns unglaublich konzentrieren um ihn wegen seines Akzents zu verstehen. Nicht nur wir zwei. Er war unlängst in einer Bar in Höfn, am anderen Ende von Island und wurde von einer jungen Frau mit herzhaftem Dekoltee zum Armdrücken aufgefordert. Er hat die Ärmel raufgekrempelt, gedrückt und verloren. Nach seiner Beschreibung konnte er ihren Arm keinen Millimeter bewegen. Beim Smalltalk nach dem Kräftemessen bewunderte die, wie gesagt, nicht nur an den Armen gut bestückte Isländerin die Tätowierung des Engländers. Er erklärte, dass das Tatoo nicht echt ist und bewunderte seinerseits ihre Tätowierung an der Brust und fragte, ob diese echt ist. Doch die Kraftfrau verstand, dass er meinte ihr Busen sei nicht echt und verpasste dem armen De Niro eine pracht Prügel. Scheiss Akzent!

So weit hergeholt war der Verdacht aber nicht. Wir hörten einmal, dass auf Island pro Jahr 1000 Brustvergrösserungen durchgeführt werden. Wenn man bedenkt, dass hier nur 280.000 Menschen leben, wovon maximal die Hälfte Frauen sind, ist das enorm. Und wer was hat, der zeigt es bereitwillig her. Egal ob es hübsch ist, oder nicht. Zumindest am Wochenende in den zahlreichen Bars und Clubs in der Innenstadt. Daher weiden die Augen des Besuchers nicht nur in silikongepolsterten oder natürlich schön geformten Dekoltees. Auch eine Unmenge an Frauen, die es sich eigentlich gar nicht erlauben können, zeigen freizügig was sie haben und quetschen sich trotz doppeltem Normalgewicht in figurbetonende Abendgarderobe, dass einem beim Ansehen übel wird. Und anscheinend hat die andere Hälfte der Isländer den Fitness-Tick. Wenn wir mit dem Fahrrad am Abend nach Hause fahren, dann joggt uns halb Reykjavík entgegen. Vom fünfzehjährigen bis zu Uropa. Und eine Unzahl von Männern besucht hier regelmässig die Kraftkammer. Ebenfalls alle Altersklassen, keinesfalls nur im Aufrissalter!

Im Februar bekamen wir unerwarteten Besuch. Unerwartet war eigentlich nur der Termin, weil Christa und Michael hatten sich per e-mail für März angekündigt und standen plötzlich vor der Tür. Tippfehler im Datum. Hat nicht wirklich was gemacht, denn sie hatten uns tolles Wetter mitgebracht, wie man sehen kann: http://community.webshots.com/album/35154848GrtzeA.

Wir haben sicherlich schon einmal erwähnt, dass es hier keine Familiennamen gibt. Ebenso gibt es keine Kommerzialräte, Doktoren, Professoren und so weiter. Wenn man sich beim Arzt in einer Ordination einen Termin ausmacht, dann bittet man um einen Termin beim Herbert und nich beim Herrn Obermedizinalrat Doktor Superwichtig. Und die klassenlose Gesellschaft spiegelt sich auch bei gesellschaftlichen Anlässen wider: beim sehr eleganten Flaga-Firmenfest in einem der besten Restaurants der Stadt lies sich die Frau des Geschäftsführers so volllaufen, dass sie kaum noch gehen konnte. Und das nimmt ihr wirklich niemand übel, denn es war eine Firmenfeier und es war Wochenende: beides ein Anlass ordentlich zu tschechern. Ob sie da die Frau vom Chef oder die Putzfrau ist, ist wirklich wurscht. Die Putzfrau war übrigens beim Firmenfest letztes Jahr so besoffen, dass sie dauern beim Reden undLachen ohne es zu merken die Soletti ausgespuckt hat, die sie zwischendurch in den Mund stopfte.

Das Besaufen auf Firmenfesten hat System. Beim Fest der 70-Mann-Firma Flaga gab es zuerst "Aufheizparties" bei den Managern, wo die Firma den Alkohol zahlt und man dann in einem Autobus ins noble Restaurant gebracht wurde, wo der Alkohol isländisch unerschwinglich ist. Also ein paar Gläser auf Reserve hinunter, damit die Wirkung länger hält und rein in den Bus. Im Restaurant sind dann alle zur gleichen Zeit ziemlich lustig. Agnes arbeitet bei DeCODE als eine von 600 Mirarbeitern. Sie finden alle samt (Tanz-)Partner in einem riesigen Veranstaltungslokal Platz.Laut Speisekarte gehen die Kellner 3 Mal durch um die Weingläser nachzufüllen. Sobald die Leute in ihrem Sektor den Kellner mit der Weinflasche nachschenken sehen, trinkt jeder schnell aus, damit dem Wirt nichts geschenkt wird. Auf diese Weise haben alle zur gleichen Zeit den gleichen Pegel. Wenn alle gerade am Schwips-Maximum sind, dann beginnt die Band zu spielen und innerhalb von 30 Sekunden ist die Tanzfläche voll.

Anfang März gab es bei frühlingshaftem Sonnenschein eine Jeep-Tour von Flaga. Das Schmelzwasser stand auf der Jeeppiste gute 20cm hoch und der angeschlossene Schi-Ausflug war eine Exkursion in den Haxenbrecherschnee wie er im Buche steht. Siehe http://www.flaga.is/4x4/photos%20hellisheidi.htm. Unser schon mal erwähnter Freund Freyr kam mit seinem neuen Jeep. Den alten hat er bei Glatteis aufs Dach gelegt. Mit dem neuen Jeep fuhr er am ersten Wochenende nach dem Kauf bei 200km/h Windgeschwindigkeit bei einem Schotterwerk vorbei und hat ihn dabei sozusagen grobkörnig sandgestrahlt. Er musste alle Fensterscheiben wechseln und neu lackieren.

Was auch den Winter hier beschreibt. Nicht allzu kalt. Wenn es schneit, dann geht so ein Wind, dass der Schnee zum Schifahren unbrauchbar fest gepresst oder ins Meer geblasen wird. Zwei Wochen Regen (!) mit nur einem Tag Pause Anfang Jänner haben aber dafür gesorgt, dass es jede Menge Eis gab. So habe ich mit Agnes eine superschöne Eistour auf einen Berg gemacht, der bei normalen Bedingungen wahrscheinlich ähnlich schwer zu erklimmen ist wie der Buschberg in Langenzersdorf. Der etwa 1000m hohen Botnsulur war auf mehr als 300 Höhenmetern mit Eis überzogen. Und bei unserem Aufbruch an einem ungewöhnlich kalten Wintermorgen (minus 16 Grad) dampften sogar das Wasser unter der uralten Lava rund um Þingvellir, das fast das ganze Jahr konstant 1 Grad hat. An manchen Stellen erstarrte der Dampf an der Kalten Luft zu Eis und aus dem Boden ragten dann, dicht gesäät wie Grasbüschel, hauchdünne Eiszapfen.

Über die Osterfeiertage waren wir in Ólafsfjörður im Norden des Landes auf Urlaub. Vor unserer Blockhütte hatten wir unsere eigene "Badewanne" stets gefüllt mit heissem Wasser. Das Wetter war abwechselnd extrem schlecht und hervorragend. Der Ort liegt aber am ADW. Bis vor einpaar Jahren war er eigentlich noch mehr am ADW, denn da konnte man am Landweg nur über eine Strasse hin, die im Winter wegen Lawinengefahr und im Sommer oft wegen Steinschlags gesperrt war. Auf einem Foto sieht man diese auch: http://community.webshots.com/album/34666568tmcYwW. Eigentlich ein schöner Ort mit einem einzigen Schilift und einem sehr ehrgeizigen Schisportklub. Sonst gibt es dort nicht viel und daher ist der Ort schön aber traurig. Unsere Hütte gehörte zu einem nahen Hotel. Ein paar verwöhnte Pinkel in unserer Gruppe hielten es nicht aus, dass die Blockhütte keine Küche hatte und gingen jeden Abend ins Hotel und "borgten" sich dort die Betriebsküche. Das gefiel der Senior-Chefin aber nicht so sehr und so borgte der Hotelbesitzer seine Privatwohnung her, damit unsere Leute dort morgens (!) und Abends kochen konnten. Uns zweien war das mehr als peinlich aber später verstanden wir, dass dem Hotelbesitzer wahrscheinlich sogar ein Gefallen getan wurde. Endlich hatte er jemanden zum Reden oder besser: jemand der seinem Reden zuhört. Und er redete ununterbrochen, von seinen vier Kindern von zwei geschiedenen Frauen, die in anderen Ländern wohnen und sonstigem traurigen Käse. Und als drei von unserer Gruppe mit ihm eine Spritztour auf seinem 180 km/h Motorschlitten auf dem zugefrorenen See machten taten sie ihm sicherlich auch einen grossen Gefallen. Am Ostersonntag Abend gingen wir dann in das neue Inn-Lokal des Orts. Bingo: wir waren die einzigen Gäste. Das heisst aber nicht, dass unser Urlaub traurig war. Im Gegenteil die Bilder beweisen es. Wir gingen eine Schitour, gingen spazieren, schauten den Schifahrern zu, die sich von Superjeeps über eine gesperrte Strasse ziehen liessen und liessen im Hot Pot die Seele baumeln - im letzteren hielt Stephans kanadische Arbeitkollegen den Rekord: vier Stunden im Warmwasser sitzen! Und so nebenbei verzwickten wir noch ganze 12 Liter selbstgebrauten roten Sturm :-) ... zu elft :-|

Liebe Grüsse

Agnes + Stephan

 

25.07.2002

Es gibt wieder was zu erzählen. Wir konnten uns nicht einigen was wichtiger ist. Daher erzählen wir Euch alles im Durcheinander, so als täten wir gegenübersitzen und erklären Euch in Klammern ob Agnes oder Stephan spricht.

(Agnes) Zuerst zum Perdeturnier Landsmot: es war ein Waaaahnsinn! Ich bin diesmal Freitag abend schon hingefahren, per Bus. Den Shuttlebus zum Turniergelände hatte ich dann für mich alleine, er fuhr strax an der vorm Eingang wartenden Autoschlange vorbei und brachte mich genau zu dem Treffpunkt, den ich mir mit einer Freundin ausgemacht hatte - ein echtes Luxustaxi! Diese Freundin war schon ziemlich im Öl, es dauerte eine Weile bis wir uns gefunden hatten. Auf dem 10-minütigen Weg zum Zeltplatz fiel sie 3 mal hin, worauf ich ihr meine Bierdosen wieder abnahm und selber trug. Die letzten Bewerbe waren jeweils etwa um 1/2 1 in der Nacht fertig, dann ging's los mit Live-Musik und dem allgemeinen Besäufnis. Um 6 Uhr fiel ich ins Zelt um 9 Uhr war ich wieder an der Bahn, Zuchtprüfungen. Neben uns lagen noch einige "Überbleibsel", die den Weg ins Zelt nicht mehr geschafft hatten, einfach dort liegengeblieben waren wo sie wahrscheinlich umgefallen waren und sich in ihrem Schnarchen vom Turniersprecher nicht stören liessen.

Jetzt zum Ehrengast des Landsmots, Prinzessin Anne aus England. Gleich vorweg: es war sicher ihr letztes Landsmot - sie kommt nicht mehr wieder. Das Ganze war isländisch-schleissig organisiert (T'schuldigung). Es fing damit an, dass sie sich hinter dem isländischen Präsidenten den Weg durch die Menge erst freiboxen musste, um zu dem ihr zugedachten Platz zu kommen. Für alle, die noch nie auf einem Landsmot waren, es sieht dort so aus dass das Publikum auf einer Böschung (eine natürliche Tribüne) neben der Bahn sitzt, zumeist direkt am Boden, einige auf Campingsesseln. Zurück zur Prinzessin. Endlich an ihrem Platz angekommen fielen ihr beinah die Augen raus und vorallem das Gesicht hinunter, als sie sah, wo sie sitzen sollte: man hatte ihr einen Sitzposter, Grösse 40x40cm, so wie man ihn als Auflage für Gartensesseln verwendet, auf dem Boden vorbereitet. Keinen Sessel, wohlweislich. Dabei hatte sie richtig Glück, dass es an diesem Tag nicht geregnet hatte. Einige Meter neben ihr sassen die Leute in ihrem Campingsesseln und konnten im wahrsten Sinn des Wortes auf das britische Königshaus hinunterschauen. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende! Sie bekam auch noch ein Geschenk, ein Pferd natürlich.Ein ganz ein besonderes. Eines, das behinderten Kindern in England helfen und für Reittherapie eingesetzt werden soll, weil es extrem brav und lieb ist. Und dieses liebe, zahme Wesen zeigte sein wahren Wesen genau in den Augenblick der Übergabe, als es seinen Führer in den Arm biss und mit den Hinterbeinen kräfig ausschlug. Naja, es wird wohl in die Wurst gehen. Hoffentlich wird wenigstens der Spezialsattel (mit einer Art Lehne) verwendet werden.

(Stephan) Bitte keine Pferdegeschichten! Ich fang chronologisch an, mit älteren Geschichten. Im Mai waren wir in Usbekistan auf Urlaub. Sehr nett und sehenswert, aber was hat Zentralasien in einem "Nordlichter"report verloren? Nun, ich denke es verirren sich nicht allzuviele Leute mit Wohnsitz Reykjavik in die kasachische Steppe und statten einer halbnomadischen Familie einen Besuch in einer Jurte ab. Und wenn man auch schon Deutsche, Franzosen und so weiter gesehen hat, aber "Island" klingt dort noch viel exotischer als hier "Usbekistan". Der Sohn der Familie beglückte uns mit Volksmusik und sang uns ein Ständchen, zu dem er sich mit seinem 2-Saiten-Instrument begleitete. Was machen zum Kulturaustausch? Unsere Usbekischvokabel reichten wirklich nicht um dem Kerl von einem einem Gspritzen beim Heurigenbesuch in Wien oder einem Lavafeld im Isländischen Hochland zu erzählen. Also sangen wir auch ein Volkslied. Und nachdem die Kunde schon vorauseilte, dass wir in Island leben, wurde es ein isländisches Volkslied. Wir saszen also am Teppich am Boden in der Steppe, schlürften das Kefir-ähnliche Milchprodukt, das uns angeboten wurde, und sangen dann im Duett. Ich habe den Text von "Ridum ridum" wirklich nie gelernt aber habe sehr überzeugend "lalala" zur einfachen Melodie gesungen. Und wir waren sicherlich die ersten, die es dort je sangen.

Am Kamelritt retour zu unserem Quartier wusste ich: das Milchprodukt wird sich noch bitter an mir rächen. Aber ich konnte die immense Gastfreundschaft nicht einfach abschlagen und musste also mit einem Tag am Klo dafür bezahlen. Und noch einmal spielte Island eine Rolle in Usbekistan. Als wir vor einer Madrassa vom einzigen lästigen, touristengeprüften Verkaufsprofi angequatscht wurden und man damit rechnen musste, dass der alle westeuropäischen Sprachen gut genug beherrscht um uns weiter auf den Wecker zu gehen, da sprachen wir plötzlich sehr fliessend isländisch und verstanden sonst wirklich nichts.

Zurück nach Island: gleich ein paar Tage nach unserer Ankuft wurden wir zu einem Geburtstagsfestl in die þorsmörk eingeladen und wurden gebeten die recht bekannte Sängerin Björk mitzunehmen. Also mit "bekannt" meine ich "wirklich bekannt auf der Welt", nicht nur in Island. Nicht gar so bekannt wir Michael Jackson aber doch mehr als Reinhard Fendrich. Agnes und ich hielten es für eine - wie sagt man "Verarschung" auf hochdeutsch? - aber siehe da, sie sass dann tatsächlich bei uns im Auto und sah auch ganz so aus wie man sich einen Popstar vorstellt. Sie trug ein unglaublich verschnittenes, nicht sehr kleidsames Jeanskleid und Pantoffel mit Plüschbuschen vorne drauf. Wir trugen Fleecehemden, Jeans und Bergschuhe. Das Geburtstagskind war Schwester des Popstars und es entpuppte sich später auch noch als Braut. Denn sie hat am Geburtstagsfestl als Überraschung für die Gäste ihren Lebensgefährten geehelicht. Die Braut trug Jeans und Bergschuhe, der Bräutigam einen Pullover, eine Wanderhose und ebenfalls Bergschuhe. Die Moral: passendes Schuhwerk sollte man immer dabei haben. Der Standesbeamte ist in Island übrigens witzig angezogen: er hat eine Uniform an wie der Kapitän vom Traumschiff. Die Standesbeamten gehören hier zur Polizei und deren feierliche Uniform sieht so aus. Fotos davon gibt´s unter: http://community.webshots.com/album/39820881MJVewV

In die þorsmörk kamen wir bald wieder. Wir gingen den etwa 65km langen Laugarvegur durchs Gebirge. Entlang dieser 65km gibt es 3 Hütten mit Zeltplätzen. Der Führer empfiehlt 4 Tagesetappen. Wir gingen Etappen 2 und 3 an einem Tag und schafften es in 3 Tagen, in Summe etwa 20 Stunden Gehzeit. Jemand erzählte uns ehrfurchtsvoll, dass ein Nationalpark-Ranger die Strecke schon in 12 Stunden an einem Tag absolviert haben soll. Was noch immer ein Lärcherlschas gegen den Arbeiskollegen von Agnes ist: er lief die Strecke in 4:50h. Sein jahrelang bestehender Rekord wurde von einem Amerikaner gebrochen, der im Rahmen eines Wettbewerbs für die Strecke nur 4:38h benötigte. Ufff!

Wir hatten als Ausrede immerhin das nicht so geniale Wetter. Hier gibt es ein paar Bilderchen: http://community.webshots.com/album/41180362gfCXJp.Und hier ist der zweite Teil mit Nachfeier: http://community.webshots.com/album/41186457YruSaf. Unsere Wandergruppe bestand aus 13 Leuten aus 9 verschiedenen Nationen. In einem feierlichen Beisammensein hat jeder eine Kleinigkeit für die anderen gekocht oder gebacken. Unser Kulturexport sah so aus: Agnes servierte einen Apfelstrudel und einen Topfenstrudel und ich hab inzwischen den Hubert von Goisern aufgelegt und den Walkjanker angezogen. Worauf der Italiener zum Schuhplatteln begann. Selbst die mit der alpenlänschen Kultur nicht so vertrauten Gäste fanden es lustig. Wahrscheinlich weil der Australier und der Franzose so guten Wein mitbrachten ...

 

(Agnes) Wir haben ja schon einmal vom Hang der Isländer zu teurem motorisierten Spielzeug erzählt. Und das schönste ist immer: etwas auszuprobieren bei dem Spielzeug kaputt gehen könnte. Scheints angespornt durch die erfolgreiche Befahrung des Meeres mit dem Motorschlitten versuchte es ein Isländer nun mit einem Rennauto. Er wollte in seiner 600-PS-Maschine einen Hafen trockenen Fusses überqueren. Im Beisein zahlreicher Schaulustiger und gefilmt von isländischen Fernsehen kam er mit dem Wagen bis etwa zur Hälfte des Hafens, ehe er sank. Es muss eine Riesengaudi für die Zuschauer gewesen sein. Ein herbeieilendes Schnellboot rettete aber das Auto (und den Fahrer) vor dem gänzlichen Versinken. Im Interview wurde dann festgestellt, dass wahrscheinlich doch zu viele Wellen am Wasser waren und man es bei absoluter Windstille nochmals probieren müsste.

(Stephan) Auf dem zielmich faden Gletscher Eriksjökull war ich letztes Wochenende mit ein paar Freunden. Er ist umringt von sehr steilen Schotterhalden. Man denkt sich es wäre wohl der einzige Gletscher Islands, wo noch kein Auto drauf herumgefahren ist. Denkt man. Arbeitskollege Freyr wusste aus eingeweihten Kreisen, dass schon einer oben war. Er musste den Jeep mit der Seilwinde über die Schotterhalden hinaufziehen. Dabei kippte allerdings der Wagen und er zerdepperte sich alle Fenster. Das hinderte den Fahrer nicht dann oben die Ehrenrunde zu drehen.

Und jetzt müssen wir erklären warum jeder sonnige Sommertag hier wie ein Ferientag für uns ist. Typischer Tagesablauf: ich stehe um 7 Uhr auf, frühstücke, wecke Agnes. Gegen 8 Uhr brechen wir auf und radeln (grösstenteils gemeinsam) durch einen Grüngürtel zur Arbeit. Am Weg sehen wir öfters eines der verwilderten Hauskaninchen, entland unserer Wegstrecke fliesst ein kleiner Fluss. Deutlich öfter als Kaninchen sehen wir Angler, die 5 Minuten von unserer Haustür Lachse fischen. Agnes frühstückt dann in der Firma auf Kosten der Firma ...

(Agnes)... und geht dann in einen Vortrag eines renomierten Forschers aus den USA. Der will eigentlich über seine Präsentation vom Computerbildschirm auf die Leinwand projezieren, nur dummerweise kommt stattdessen dauernd eine Live-Übertragung von einem Fussballmatch. Es ist gerade Fussball Worldcup und der 500-Mann Vortragssaal wird jetzt mehr zum Fussballschauen als für wissenschaftliche Vorträge benutzt.

(Stephan) Am Vormittag arbeite ich etwa drei Stunden. Weil es so sonnig ist, serviert die Küchenhilfe das Mittagessen auf der Terasse. Nach dem Mittagessen spiele ich mit Kollegen zwischen 20 und 30 Minuten Hagisack am Parkplatz vor der Firma mit Blick auf Perlan, das Meer und eine Blumenwiese.

(Agnes) Und ich mache Tierbeobachtungen vom Büro bei DeCode aus: mehrere Gänsefamilien fühlen sich in dem Teich, der rund um das Gebäude angelegt ist, sehr wohl (Fotos unter: http://community.webshots.com/album/44554080TvtNWB).

(Stephan) Um 14.30 erreicht mich eine e-mail von Agnes: Beachvolleyball in Nautholtsvik. Es fehlen noch ein paar Leute. Ich leite die Nachricht an einpaar Kollegen aus der Firma weiter. Drei sind dabei. Am Um 17 Uhr denke ich ans Abendessen, dass ich mir aus dem Firmenkühlschrank nehme. Kurz vor 18 Uhr radle ich zum Strand um pünktlich beim Beachvolleyball zu sein. Der Sandstrand Nautholtsvik ist 5 Minuten von meinem Arbeitsplatz. Er wird beheizt(!), damit die Isländer auch einmal im Meer baden können ohne zu erfrieren. Wir spielen bis 20.30 Uhr in kurzen Hosen und T-Shirts, dann radeln wir heim.

(Agnes) Zum Abschluss noch eine lustige Geschichte über Politiker und deren Wahlkampf in Island. Vor einiger Zeit waren Bürgermeisterwahlen in Reykjavík. Die (glaub ich) 5 Kandidaten besuchten im Rahmen ihrer Wahlkampagne auch DeCode und sprachen über ihr Programm und den üblichen Kas während der Mittagspause in der DeCode Kantine. Keine blöde Idee, denn nach einer gewissen Zeit siegt bei jedem der Hunger und man erträgt die Reden. Einem Kandidaten fiel wohl nicht viel ein zu seinem Programm (böse Zungen behaupteten, er hätte gar keines) und so sang er (kein Witz) einfach ein Liedchen. Ich muss wohl nicht dazusagen, dass er jetzt nicht Bürgermeister von Reykjavík ist ;-)

(Stephan) Und jetzt das Wetter von heute, nur dass Ihr nicht glaubt hier ist es immer wie im Ferienparadies: Sturm, Regen, 8 Grad.

Lieben Gruss

Agnes + Stephan

 

02.12.2002

Werter Nordlichterreport-Abonnent!

Dies ist die vorletzte Ausgabe unseres E-Mail-Magazins. Uns wird in Zukuft der Stoff ausgehen, um weiterhin über die Skurrilitäten des Lebens im Nordland und über die Menschen, die wir hier treffen, zu berichten. Hauptgrund dafür ist, dass wir wieder nach Österreich zurückkehren werden.

Dies fällt uns jetzt auch leichter, nachdem die Partei des kleinen Mannes jetzt, trotz enger Bande mit dem Irakischen Staatsoberhaupt, deutlich weniger Stimmen erhielt als zur Zeit, als wir das Land verlieszen. Der Termin der Rückkehr ist noch nicht 100% fix, aber wie es aussieht werden wir nach 2 Jahren Frischluftkur ab Februar wieder Wiener Stadtluft atmen. Es wird kein leichter Abschied, denn inzwischen haben wir das Land lieb gewonnen. Manche Sitten der Ureinwohner sind noch immer gewöhnungsbedürftig, wie zum Beispiel das Aufziehen, Rülpsen und Pfurzen in den Büros. Aber die geringe Bevölkerungsdichte, die Weite, die Nähe der Berge zu unserm Wohnort und die Einfachheit unseres Lebens hier hat uns diese 2 Jahre wie einen langen Urlaub erscheinen lassen.

Und aus diesem Urlaub haben wir noch nicht von unserer Bekannten Þora erzählt. Sie war bis vor etwa 10 Jahren Tierärztin in den Westfjorden. Und dort sagen sich Fuchs und Henne gute Nacht. Als beim Dorffest sich eine Frau das Bein verletzte, wurde sie gerufen, weil es im Umkreis von zig Kilometern keinen Arzt gibt, und so wurde halt der Tierarzt gerufen. Sie stellte dann fest, dass der Haxen zweifellos gebrochen war. Nur: wenn die Isländer feiern, dann bleibt kein Auge trocken. Im ganzen Dorf gab es keinen Führerscheinbesitzer mehr, der nüchtern war. Die Rettung aus der nächsten "Stadt" Isafjörður wollte man nicht rufen. Also haben sie die Frau in die Fischfabrik gebracht, weil es dort genug Eis gab um es auf die gewaltige Schwellung zu geben, und haben weiter gefeiert. Am nächsten Tag, die Verletzte muss inzwischen gerochen haben wie ein Hering, wurde sie dann über die holprige Strasze ins etwa 2 Autostunden entfernte Spital geführt. Und wieder heim, weil im Spital wollte man sie nicht am Sonntag operieren und man hatte sie für Montag wiederbestellt. Also hätte es wirklich keinen Grund gegeben am Tag des Fests die Rettung zu rufen.

Das mit der Rettung da oben im Nordwesten ist scheinbar ein eigenes Kapitel. Eine Bäuerin hatte das Spital in Isafjörður angerufen und über einen brennenden Schmerz im Brustkorb, Atemnot und Todesangst geklagt. Die Diagnose Herzinfarkt ist nicht weiter schwierig zu erraten. Die arme Frau wohnte aber östlich von Isafjörður auf einem einsamen Hof in einem der Fjorde und es war niemand in ihrer Nähe, der ein Auto hatte. Die einzige Strasze dort schlängelt sich in Mäandern dem Meer entlang und selbst wenn man nicht allzu weit östlich von Isafjörður wohnt, fährt man eine Ewigkeit, weil man jeden der nord/süd gestreckten Fjorde ausfahren muss. Glücklicherweise hatte die Frau am Mittwoch den Herzinfarkt, da fährt der Briefträger diese Strasze und so riet ihr die Telefonstimme vom Spital statt der Rettung mit der Post ins Krankenhaus zu fahren. Die Frau wartete also und tatsächlich nach etwa einer Stunde kam schon der Postler. Schneller als es die Rettung zum entlegenen Hof geschafft hätte. Der Mann nahm die alte Dame auch bereitwillig mit, allerdings war er sehr pflichtbewusst: er trug weiterhin die Post aus, anstatt schnellstmöglich ins Spital zu fahren! Die arme Frau mit Herzinfarkt überlebte die vierstündige Fahrt (sonst hätte sie ihre Geschichte wohl nicht erzählen können), wo der Beamte brav bei jedem Hof stehen blieb und seine Briefe ablieferte. Also besser nicht ernsthaft krank werden in diesem Gebiet. Aber ähnliche Horrorgeschichten könnten wir vom Spital in Mistelbach erzählen, und das liegt nur eine Autostunde von Wien ...

Mitte Oktober gingen etwa 30 Leute von Stephans Firma in den nächstgelegenen Fjord Muscheln sammeln. Abends wurden dann alle zum Essen beim ältesten Mitarbeiter und seiner ebenfalls der Firma zugehörigen Frau eingeladen. Das Haus hatte keine Probleme den 70 Gästen (!) Platz zu bieten. Auch Geschirr und Weingläser mussten sie sich nicht ausborgen. Sie sind bestens ausgerüstet, weil die Hausfrau es liebt viele Gäste zu haben. Und auch wenn gegessen wurde bis zum Umfallen, die 50kg Muscheln (!) wurden nicht geschafft. Dabei ist das Muschelsammeln ziemlich grauslich: die Tiere krallen sich mit dünnen, fadenartigen Haxen an Steinen in der Gezeitenzone fest. Die werden beim Sammeln gleich mal abgerissen und die fest verschlossenen Muscheln in Säcken gesammelt. Das bringt die zähen Dinger aber lange noch nicht um, sie halten es ohne Wasser ziemlich lange aus und machen mit einer unglaublichen Kraft den Deckel zu. Die Kraft ist der Beweis, dass die Muschel nicht krank ist. Vor dem Kochen wird mit einem Messer versucht eine jede zu öffnen und nur die werden genommen, die sich nicht öffnen lassen. Und dann kommt die noch gröszere Grauslichkeit: ist die Muschel also gesund und munter, wird sie ins kochende Wasser geworfen. Da geht ihr nach einiger Zeit die Kraft aus, die Muschel öffnet sich und die Leute schlürfen das zusammengeschrumpelte Innere heraus. Bäh!

Vom belebten Nachtleben in Reykjavik haben wir schon einmal erzählt, glauben wir. Wegen einiger Abschiedsfeiern (Agnes Arbeitgeber hat 100 Leute gefeuert) waren wir jetzt wieder mal in der Schikimiki-Szene. Von einfachen one-night-stands und derengleichen haben hier lebende Italiener Stephan schon mehrmals erzählt. Auch dass Frauen und Männer in der Nacht in den Clubs zusammen aufs Klo gehen hatte Agnes schon einige Male beobachtet. Aber zuletzt waren wir im "Cafe Solon", dort ist das scheinbar institutuionalisiert: es gibt ein Klo mit zwei Klomuscheln! Und davon wird auch gebrauch gemacht. Als Stephan sich mit einem Arbeitskollegen von Agnes im besagten Kaffeehaus vor der verschlossenen WC-Tür unterhielt, kam nach 10 Minuten ein Mädchen raus. Der Arbeitskollege wollte nun hinein gehen und traf aber noch auf Gegenverkehr. Möglichst unschuldig dreinschauend (Anmerkung von Stephan: ich weiss nicht ob er auch gepfiffen hat ...) kam noch ein Typ raus. Und wir leben in einer kleinen Stadt, im selben Lokal lief die Abschiedsparty, ... wir kannten also beide. Beim Mittagessen in der Firma hat Stephan die Geschichte erzählt und fühlte sich bei den Entgegnungen der Arbeitskollegen wie der Waisenknabe vom Lande, der das erste Mal in einer Groszstadt ist.

Und zum Schluss noch eine Nachricht für die islandpferdefanatischen Leser unserer Gschichtln: gestern hat Agnes den Gewinner des Landsmót (für die Islandpferde-Reiter ist das so ein Tunier wie das US-Open für die Tennisspieler) im Supermarkt Regale schlichten gesehen. Und, wie schon bei der Geschichte über den Pferdeabtriebs erzählt, kennt Agnes einige der who-is-whos der Reiterszene, so auch den Gewinner des Island-Open. Der braungebrannte Supermarktangestellte und Reitstallbesitzer hat sie ebenfalls erkannt und angesprochen. Er erzählte, dass er jetzt im Supermarkt arbeitet, weil er im Moment die Nase voll von Pferden hat. Die Bräune hat er sich zuvor in Los Angeles geholt, wo er Reitstunden gegeben hat. Das würde bei uns keiner seines Standes machen. Wir stellen uns gerade ein Mitglied des Landadels vor, das mit einem grünen Mercedes-Puch-G beim Hofer vorfährt um dort wenig später Gemüse zu sortieren, weil es einmal was anderes ist, als immer Pferde zu trainieren und zu verkaufen!

Seit Anfang November gibt es schon, zum Missfallen des Bischofs, die erste Weihnachtsbeleuchtung vor einem Einkaufszentrum. Die Tage sind schon sehr kurz, und das Wetter ein Graus: Trotz erklärter Liebe zum Schnee haben wir diesem Land den wärmsten November seit 44 Jahren gebracht. Im Moment schüttet es gerade und hat 7 Grad. Am letzten Wochenende hatte Stephan schon so Schneesehnsucht, dass wir extra auf einen nahegelegenen Berg gelaufen sind um zumindest ein bisserl Schnee abzukriegen, Fotos davon sind beigefügt. Unser Auto hat Agnes schon verscherbelt und stattdessen fahren wir jetzt mit einer geborgten groszen Jeep-Kiste, die wir "das Boot" nennen. Leider haben wir sie noch nicht "richtig benutzt", weil es immer noch keinen Schnee gibt und die Unmenschen von der Straszenverwaltung, entgegen mancher Gerüchte, die meisten Straszen asphaltiert haben.

Zum endgültigen Abschluss zwei Meldungen aus der englischsprachigen Zeitung hier - damit Ihr seht, dasz unsere G´schichtln nicht erfunden sind, und damit Ihr wisst, was hier wichtig ist:

Spitting Banned on Artificial Grass:

The new football stadiums around Reykjavík, Egilshöll in Grafarvogur and Fífan in Kópavogur, are having a saliva problem. Football players spitting on the field are creating a health hazard, as germs can infect open wounds received on the field. According to Steinn Halldórsson, director of the football association, spitting will be banned on the artificial grass and special "spitting bowls" will be set up. "This is an international problem, and abroad, players often get the yellow card if they spit."

Boxing Match a Success:

Organisers of the USA vs. Iceland boxing tournament were extremely pleased with success of the event, held last Saturday night at the national stadium in Reykjavík. The tournament saw six fighters from the USA face off against six of Iceland's best fighters, all of which were from the Keflavík area. The tournament ended in a draw, as the US and Iceland both won three matches each. Up until these amateur matches, boxing had been banned since 1956. It was legalised by an act of Parliament on 11 February, 2002.

Anmerkung der Redaktion: Interessanterweise war Bier bis vor gar nicht langer Zeit in Island ebenfalls verboten. Wenn man eins und eins zusammenzählt weisz man warum: die Wikinger-Hobbies sind wieder erlaubt - saufen und sich gegenseitig nachher verprügeln ;-)

Liebe Grüsze

Agnes und Stephan

 

05.02.2003

Liebe Menschen südlich der Packeisgrenze!

Bevor wir Euch die letzten Abschiedsgeschichten aus dem Norden berichten, gleich ein Hinweis. Wir zeigen ein paar Dias von unseren Abenteuern her und erzählen dazu. Zuerst zeigen wir die Bilder von Usbekistan, dann von Grönland und ein paar Fotos off-the-beaten-track aus Island. Die genauen Vortragstitel und Termine lauten

"Städte an der Seidenstraße"

Am Donnerstag, 6.3.2003 um 19:30h

Österreichischer Gebirgsverein

Lerchenfelderstraße 28, 2.Stock

"Zu faul zu gehen - Ostgrönland mit dem Hundeschlitten, Island mit dem Jeep"

Am Donnerstag, 3.4.2003 um 19:30h

Österreichischer Gebirgsverein

Lerchenfelderstraße 28, 2.Stock

Unsere Sachen haben wir inzischen zum Hafen gebracht damit sie sicher und zuverlässig aufs Festland kommen, siehe http://www.freewebs.com/gruenfelder/ContainerShip.jpg. Die letzten Tage leben wir nur mehr aus dem Koffer und denken an das Erlebte. Zum Beispiel haben wir Euch ganz vergessen vom Reykjavik-Marathon zu erzählen. Wir waren dabei! Na gut, nicht die vollen 42km. Auch nicht die halbe Strecke. Wir liefen den "Skemmtihlaup" die Jux-Distanz. Stephan hat schon fleissig f. den Halbmarathon trainiert und sich dann die Zehe so verstaucht, dass er nicht mitlaufen konnte. Agnes war nie die grosse Läuferin, aber für ein T-Shirt mit der Aufschrift "Reykjavik-Marathon" (zum Angeben) macht sie alles. Leider kamen wir erst ziemlich kurz vor dem "Anpfiff" zum Start. Und da staunten wir nicht schlecht. Mehr als zehntausend Leute waren im Zentrum Reykjaviks versammelt und machten Aerobik. Wir verstanden zunächst nicht ganz wer so viele Menschen dazu bringt zu lauter Musik "und-eins-und-zwei-und-drei ..."-Gymnastik zu machen. Auch alle Männer machten mit. Aber wir verstanden wenig später, als wir Blick auf den Sattelschlepper hatten, der zur Bühne umfunktioniert war. Er beherbergte drei hochexplosive Superweiber mit Maszen 100-60-90, die vorturnten. Jeder Mann mit gesundem Hormonhaushalt musste unweigerlich hinglotzen. Und damit das Glotzen nicht so peinlich ist, wurde halt mitgeturnt.

Als diese Werbeeinschaltung f. ein Fitness-Studio zu Ende war ging der Ernst los. Sehr ernst war es nicht. Jede Menge durchtrainierte Körper, die gerade Kleinkinder hatten liefen mit Kinderwagen oder Kindern auf den Schultern. Auch die Sprösslinge im Kinderwagen hatten eigene Startnummern (und ein eigenes Marathon-T-Shirt). Viele geschätzte 5 - 6jährige liefen die 7 Kilometer in fast der gleichen Zeit wie wir. Und Leute die eindeutig nicht fit genug zum Laufen waren, aber mitmachen wollten, nutzten die Veranstaltung als Wandertag.

Weihnachten war sehr romantisch. Leider gab es keinen Schnee. Dafür ein Unwetter. Wir mieteten uns eine Hütte mit heissem Pool etwa 40km ausserhalb von Reykjavik und verbrachten dort eine Woche. Fotos gibt es unter http://www.freewebs.com/gruenfelder/christmas2002.htm. Der Weihnachtstag war sehr lustig. Wir bewunderten die pothässlichen mit Tannenreisig und bunten Glühbirnen geschmückten Kreuze am Friedhof in einem trostlosen Fischerdorf. Dort sahen wir auch einige der 13 isländischen Weihnachtsmänner auf einem Traktoranhänger. Diese Weihnachtsmänner wurden im Laufe der Zeit amerikanisiert und tragen heute das rote Coca-Cola-Kostüm (so wie bei uns das Christkind ausgerottet wird). Und bevor wir unseren Christbaum aufputzten spielten wir noch am schwarzen Sandstrand.

Unter http://community.webshots.com/album/15883259ZINckEWWkO sieht man ein paar nette Fotos von einem Winterausflug nach Lanmannalaugar. Dort haben wir streng nach isländischer Tradition gegrillt. Weil wir haben gelernt, dass man bei jedem Wetter grillen kann. Das angenehme ist, dass die Selbstversorgerhütte dort geheizt ist. Sie liegt direkt neben einer warmen Quelle. Und wie die meisten Hütten ist sie immer geöffnet. Das ist auch sehr angenehm. Es wird nichts zugesprerrt und weggeschlossen. Die Leute nützen dieses Vertrauen auch nicht aus. In der Hütte steht eine Kasse, wo man Geld für die Übernachtung einwirft. Bis vor etwa 30 Jahren wurde uns berichtet hat man überhaupt nichts zugesprerrt. Keine Autos, keine Haustüren.

In der Hütte waren wir nicht alleine. Eine kleine Gruppe Isländer war auch dort und schmelzte Schnee fürs Abendessen. Das ist wirklich typisch. Es gibt ja einen Gaskocher dort, also muss er verwendet werden, wozu haben wir ihn denn? Dass das Schneeschmelzen eine Halbe Stunde dauert und neben der heissen Quelle auch eine kalte ist (wo man innerhalb von 5 Minuten Wasser holen kann) ist irrelevant. Diese Ausrüstungs-Begeisterung und Wasser-Story wiederholt sich in allen Facetten: Island ist eines der wenigen Ländern auf der Welt wo de facto alle Flüsse (mit kalten Wasser) Trinkwasserqualität haben. Und kaltes Wasser bedeutet hier __KALTES__ Wasser. Trotzdem stehen in unseren beiden Firmen Wasserspender mit Kühleinrichtung und Aktivkohlefiltern. Der Verkäufer muss sich totgelacht haben. Für uns ist das so, als ob man in ein Iglu einen Kühlschrank stellt. Der Lonly Planet Reiseführer für Island ist offensichtlich von einem Amerikaner geschrieben. Die müssen sich ja immer vor etwas fürchten. So empfiehlt der Autor trotz der hohen Wasserqualität das Wasser immer mit Chlortabletten zu behandeln. Und in Agnes Firma arbeiten zwei Amis, die beim Wandern das Wasser aus dem Bach nehmen und dann mit dem Benzinkocher abkochen, bevor sie es trinken. Das Leitungswasser in Reykjavik kommt mehr oder weniger aus dem gleichen Bach und wird nicht abgekocht. Ein findiger Isländer hat diese Angst als Markt erkannt und verkauft im Sommer an Touristen in Plastikflaschen "Iclelandic Spring Water", das in Flaschen abgefülltes Leitungswasser ist.

In der Þorsmörk haben wir beim Sapzieren durch Zufall einen tollen Eisbogen entdeckt: http://www.freewebs.com/gruenfelder/eisbogen.htm. Das Ding hatte einen Druchmesser von ca. 15 Metern!

Letztes Wochenende waren wir Zelten: http://www.freewebs.com/gruenfelder/camping.htm. Eine Freundin fährt im April f. eine Woche nach Grönland auf eine Langlauftour im Expeditionsstil und wollte ihren Schlafsack testen. Da waren wir natürlich dabei! Wir spazierten zu einer Hütte und stellten unsere Zelte davor auf. Wie die Michelin-Manderln angepackt steckten wir uns in unsere Schlafsäcke und schliefen in den Windpausen wie die Babies. So merkten wir auch nicht, dass um 1:30 Uhr Nachts acht neue Leute kamen. Der Nachwuchs der Bergungsmanschaft Selfoss (sowas wie eine Mischung aus Bergrettung und freiwilliger Feuerwehr) machte eine Nachtwanderung und nahm in der Hütte Unterschlupf. Die Rückfahrt nach Reykjavik über das Hochplateau Hellisheiði war auch interessant. Der Wind der uns in der Nacht wach hielt wurde immer stärker und blies den ganzen Schnee ins Meer (soviel zum Thema Schifahren in diesem Land). Die Strasze war wie immer eisig, das Schneetreiben reduzierte die Sichtweite mitunter auf etwa 20 Meter. Aber die Leute kapieren nicht, dass man dann langsam fahren muss. Langsam heisst hier 10 bis 20km/h. Wer das Foto auf der oben erwähnten WWW-Seite sieht, versteht warum _SO_ langsam. So war es dann auch nicht weiter verwunderlich als die Kollegen der Nachwuchskräfte schon oben was zu tun hatten weil es zwei Autos von der Strasze geblasen hatte. Auch unser Jeep-Schiff hat der Wind hin und wieder um einen Meter versetzt oder ihm das Lenkrad verdreht.

Dass unsere Wohungseigentümer weder durch Schloss noch Riegel sondern nur durch eine normale Tür von unserer Wohnung getrennt sind und wir hier wie Adoptivkinder leben haben wir schon erzählt. Sie wohnen im oberen Stock und der Zugang zur Garage (wo wir unsere Fahrräder stehen haben) ist hinter dieser Tür. Wir beide benutzen immer die Aussentüre der Garage um zu unseren Radeln zu gelangen, weil wir nicht durch deren Wohnbereich gehen wollen. Als Stephan beim Zerlegen der Räder in der Garage gehämmert hat, wollte der Hausbesitzer offensichtlich wissen, was da passiert und ist in die Garage gekommen. Zuerst mal zum Tratschen. Dann hat er sich (Stephan hielt es für einen Vorwand) irgendein Ding aus einem Regal genommen und sich wieder auf den Weg hinauf gemacht. Zuvor hat er noch bekräftigt, dass es keinen Grund gibt um das Haus durch die Kälte zu gehen, wenn wir doch durch ihren Wohnungsbereich bequemer in die Garage kommen können. Na unhöflich wollte Stephan auch nicht sein und das Angebot ablehen. Als er sich einen Schraubenschlüssel holen musste, schlich er sich dann also durch das untere Stockwerk des Wohnzimmers der Familie in unsere Wohnung. Aber trotzdem der Fernseher lief wurde er gehört. "Stephan!!!" rief es da von oben, "... stell die vor, Kroatien hat Deutschland im Handball geschlagen!!!". Schon sehr witzig diese familiären Mietverhältnisse.

Bei Bekannten sahen wir öfters, dass sie eine Wohnung mit allem drum und dran mieten. Mit Kochtöpfen, Staubsauger, Bügeleisen, Bildern an der Wand und so weiter. Meist sind die Besitzer Isländer die beruflich f. ein Jahr im Ausland sind und lassen der Einfachheit halber fast alles in der Wohnung. Die Mieter haben dann die Auflage die Wohnung so zu belassen wie sie ist. Das ist dann eigentlich eine nette Sache: man ist hier ein Jahr und hat einen komplett eingerichtete Wohnung mit Stilmöbeln, teuren Bildern an der Wand und allen Küchengeräten. Man kann irgendwie den Lebensraum eines andern ausprobieren und muss selbt fast nichts einschiffen. Das Extrem haben wir bei einem Austauschlehrer kennengelernt. Ein Tiroler war für ein halbes Jahr hier Deutschlehrer und hat in einer Wohnung gewohnt wo __ALLES__ drinnen war. Mit Fotoalben der Kinder und Urstrumpftanten und mit Wäsche im Schrank. Die Besitzerin hat schlagartig beschlossen ein anderes Leben anzufangen und hat alles zurückgelassen. Es war als hätte sie der Schlag getroffen und der Tiroler hätte einfach ihr gesamtes Hab und Gut übernommen.

Soooooooooo viele nette Erinnerungen und Abenteuer. Wir hoffen uns erschlägt die Groszstadt Wien nicht, wenn wir ab März wieder dort arbeiten müssen und unser 2jähriger "Urlaub" dann zu Ende ist. Damit wir noch möglichst lange davon zehren, haben wir uns eine WWW-Seite eingerichtet, die uns lange daran erinnern wird: www.freewebs.com/gruenfelder.

 

Liebe Grüsze

Agens und Stephan

 

 

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