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Wir warteten nicht umsonst auf die Ärzte

Langsam leerte sich der Saal. Eigentlich wollte ich ja noch nicht gehen, aber laut den netten Herren von der Security war es jetzt Zeit die Halle zu verlassen. Es war ein wunderbarer Abend und selbst nachdem ich aus der Halle draußen bin stehe ich noch unter Strom.
Aber Moment! Am besten fange ich erst einmal ganz von vorne an: …also zu erst war da Adam und Eva und…naja okay, vielleicht nicht ganz von vorne. Wir schreiben einfach den 24.11.2007… Der Tag begann mit dem unglaublich nervigen Klingeln meines Handyweckers um 5:00 Uhr. Müde tastete ich nach meinem Handy und lies es erst einmal verstummen. „Warum denn jetzt schon aufstehen?“, dachte ich mir und drehte mich wieder zur Wand um, um weiter zu schlafen. Doch plötzlich viel mir alles wieder ein, als ich in das Gesicht von Bela B. auf dem Poster das an meiner Wand hing glotze. Heute war ja das Konzert! Aufgedreht strampelte ich die Bettdecke zur Seite und weckte meine Freundin auf, die bei mir geschlafen hatte. Auch sie schien erst einmal ziemlich verstört, doch trotzdem schien ihr Hirn größer zu sein als meins, denn sie wusste sofort wo sie war und warum ich so aufgedreht war. Jetzt hieß es nur noch so schnell wie Möglich fertig machen und dann ab in das ca.3-4 Stunden entfernte Stuttgart. Um ca. 5:45 Uhr waren alle abreise bereit. Meine Freundin und ich waren die ersten, die, schön in die traditionelle Die-Ärztekluft gepackt, im Auto saßen und unruhig auf meine Eltern und die Abfahrt warteten. Ich hatte noch zu meiner Freundin gesagt, dass irgendwas heute garantiert schief laufen würde, ich hatte ja keine Ahnung, dass ich damit am Ende sogar noch Recht hatte…. Vorsorglich checkten wir noch mal alles durch. Fanclubjacke, Digicam, etwas zutrinken und zu essen, Eintrittskarten, Tourt-T-Shirt,…alles on board. Jetzt konnte es los gehen. Doch zuvor mussten wir noch bei meiner Oma vorbei und dort das Navigationssystem hohlen. Auch endlich das erledigt konnten wir uns nun endlich auf den Weg nach Stuttgart machen. Die ersten 2 Stunden verliefen ruhig. Meine Freundin bewunderte die schnell vorbei ziehenden Bäume, meine Mutter freute sich über jedes Straßenschild wo schon Stuttgart angeschrieben war und mein Dad erinnerte sie dann an die Kilometerzahl die immer hinter diesem „Stuttgart“ stand und ich, naja, ich sabbate im Schlaf mein Kissen voll. Die Stunden verstrichen und langsam war ich auch wieder unter den Lebenden angekommen und starrte verschlafen Löcher in die Luft. Wir waren schon in Baden-Wüttenberg, doch von Stuttgart weit und breit noch keine Spur, doch wir vertrauten einfach dem billig Navi und tuckerten weiter durch die Prärie. Einziges Problem: Der Tank lies grüßen und von einer Tankstelle schien in diesem Teil des Landes noch nie gehört worden zu sein. Bäume, Wiese, Straße und vereinzelt auch ein paar Autos, aber keine Tankstelle. Schließlich begann sogar schon das Licht der Tankanzeige zu blinken und wir wussten, dass, wenn wir in der nächsten halben Stunde keine Zapfsäule entdecken würden, wir nach Stuttgart laufen konnten. Also beteten wir zu „Rod“, suchten und fanden….ein kleines Örtchen am Rande des Jenseits. Überrascht, dass die in diesem Dorf schon Strom hatten, durchquerten wir langsam den verlassenen und gruseligen Ort mit der Hoffnung das zu finden, was wir suchten. Aus Angst von Zombies angegriffen zu werden, schloss ich meine Autotür von innen ab und kramte in meinem Rucksack nach einer Waffe für den Ernstfall. Alles was ich fand, war zwar lediglich eine Banane, aber immerhin etwas. Meine Freundin schien sich auch an das „Junge“-Video zu erinnern und schnappte sich einen Apfel und so saßen wir beide auf Bereitschaft im Auto und hielten Ausschau nach einer Tankstelle und nach einer halben Ewigkeit fanden wir auch endlich eine sehr Vergessene. Mein Dad pumpte schnell Benzin und so ging es auch fix wieder raus dem Dorf, das anscheinend nicht mal einen Namen hatte, denn ein Ortschild sahen wir nicht. Laut Navi sollten wir um ca. 11 Uhr eintreffen. Doch nachdem uns das Navi ein zweites mal in die Botanik schickte, gab ich jede Hoffnung auf noch einigermaßen rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir meine Großeltern verfluchten, dass sie so ein billiges Navigationssystem gekauft hatten, aber nachdem es sich dann auch noch insgesamt verabschiedete und nicht mehr an ging, lag die Stimmung endgültig am Boden. Erst hatte uns das Teil ans Ende der Welt geschickt und dann verabschiedete es sich auch noch rotzfrech und lies uns alleine zurück. Aber Ärztefans geben nie auf! Deswegen kamen wir auf die durchaus schlaue Idee uns einfach mal die Straßenschilder zu halten und dahin zu fahren, wo es, laut Schild, nach Stuttgart ging und siehe da, nach einer dreiviertel Stunde waren wir doch tatsächlich in Stuttgart angekommen. Jetzt galt es nur noch die Schleyerhalle zu finden. Meine Freundin unterhielt mich mit ihrem ständigen „Schau mal dort! Das ist bestimmt ein Ärzte Fan!“ und meine Eltern suchten nach der Halle und nach einer weiteren halben Stunde kamen wir auch dort an. Wir staunten nicht schlecht, als wir das Monstrum von Halle erblickten und stellten das Auto auch schnell ab. Gut gelaunt, aber trotzdem müde, dackelten wir zum Eingang der Halle und stellten uns einfach mal irgendwo hin und betrachteten die anderen wartenden die Ärzte Fans, die zum Teil schon seid mitten in der Nacht zu warten schienen. Mit den „schon-um-12-da-seier“ schienen wir noch ziemlich unter den ernsten zu sein, denn es waren nicht unbedingt viele dort versammelt. Egal, immerhin waren wir, trotz dieser komplizierten Fahrt, nicht zu spät und so schickten wir meine Eltern essen hohlen und pflanzten uns erst mal irgendwo hin und warteten… Auf die Frage, ob es normal sei, das lauter ältere Leute schon so früh an der Halle waren um sich ein Die Ärzte Konzert anzusehen, konnte ich meiner Freundin nicht antworten. Es hatten sich lauter Menschen im etwas höheren Alter vor der Halle versammelt, die sich suchend umblickten und uns damit ziemlich verwirrten. Aber letzten Endes kamen wir auf den Entschluss, dass sich die ganzen Leute einfach nur ein bisschen verlaufen hatten und einfach nur zu der Tanz-Veranstaltung wollten, die in der Porsche Arena, also der Halle neben dran, statt fand. Die Securitys kümmerten sich auch bald darum und schickten die Leute zum richtigen Eingang und so war es auch schon wieder ziemlich leer vor der Schleyerhalle. Die Minuten wurden zu Stunden und diese schienen nicht vorbei zu gehen. Die Aufregung stieg, doch damit sank die Körpertemperatur auf ein Minimum. Als um 16 Uhr immer noch nicht meine Eltern wieder zurück waren, wurden wir langsam unruhig. Schließlich waren sie schon eine ganze Zeit lang unterwegs und jetzt kam auch noch ein T-Shirt Mensch, der genau die T-Shirts verkaufte, die wir haben wollten, doch leider, hatte meine Mutter das Geld dabei. Also riefen wir sie an und sie erklärten uns etwas von „es sei viel los“. Später erfuhren wir, dass sie sich (mal wieder) verfahren hatten. Egal, letz endlich kamen sie dann auch ein paar Minuten drauf und wir konnten uns noch T-Shirts kaufen. Die Viagra-Männer, wie wir die Securitys auf Grund ihren Pässen, auf denen wir etwas mit „Viagra“ gelesen hatten, nannten, hatten uns zwischenzeitlich alle ein Stück zurück geschoben und den Eingang umgebaut. Oder jedenfalls die Gitter ausgetauscht. Um ca. 17 Uhr wurde endlich diese erste Absperrung wieder aufgemacht und wir duften wieder ein Stück nach vorne siedeln. Mittlerweile waren schon eine ganze Menge Leute gekommen, was aber leider nichts an unserer Körpertemperatur änderte. Doch das war jetzt nicht wichtig, wir wollten so weit wie möglich noch vorne und so mussten wir „langsam“ rennen um nicht all zu weit hinten anzustehen. Was ich mal wieder nicht bedacht hatte, dass meine Freundin und ich vielleicht zusammen bleiben sollten und so lief ich einfach los und suchte mir schnell einen geeigneten Platz am Eingang und verlor somit meine Freundin. Problem hier bei: Ich hatte die Karten, also auch ihre. Trotz das telefonieren irgendwie zwecklos war, fanden wir uns wieder und standen auch ziemlich weit vorne. Jetzt hieß es wieder warten. Doch wir warteten für die Ärzte und wir wussten, dass es sich lohnen würde. Die Zeit verstrich langsam, doch irgendwie wurde es dann doch 18:30 Uhr und nach lauten „Wir wollen Die Ärzte sehn“ Rufen machten endlich die Viagramänner (unter denen dann auch Frauen waren) die Schleusen auf und ließen uns rein. Doch es war ja wohl logisch, das zuvor noch irgendetwas passieren musste und so riss mir ausversehen das Abreisteil meiner Karte ab und ich stand mit zwei Teilen da. Glücklicher Weiße kam ich aber doch rein. Nachdem wir auch von den Viagramännern abgetastet worden waren rannten wir so schnell es ging in die Halle. Meine Eltern wurden ja eh auf der Tribüne geparkt, also konnten sie auch noch schnell ein paar CDs für uns kaufen und so brauchten wir uns da rum nicht mehr zu kümmern und waren auch schließlich in der ersten Welle in der ca. 7 Reihe. Und wie so oft hieß es auch jetzt wieder waaartteeen.
Doch nach einer weiteren Stunde, in der unser Puls von 0 auf 210 gestiegen war, hörte man endlich kurz so etwas wie eine Gitarre, die aber sofort wieder verstummte. Doch damit wurden die bekannten „wir wollen die Ärzte sehn“ Rufe wieder eröffnet. Nachdem auch wieder die „Scheiß-Tribüne“ geehrt worden war und wieder auf „Ärzte *klatsch *klatsch* *klatsch* Ärzte…“ umgestiegen worden war kletterte ein Mann eine Leiter hoch und suchte sich ein Platz unter den Scheinwerfern auf einem Teil an dem ein Scheinwerfer befestigt war. Neben ihm waren jetzt auch noch zwei andere Männer aufgetaucht, die es sich ebenfalls in solchen Dingern bequem machten. Da oben waren die nun und hier unten wir. Wir, die sehnsüchtig auf die beste Band der Welt warteten. Kaum zu glauben, wie oft der Begriff „warten“ uns an diesem Tag in den Sinn gekommen war, doch für DÄ taten wir nun mal alles und zu einem Konzert gehört warten ja auch irgendwie dazu. Also warteten wir… und endlich,, um ca.20:15 Uhr, spielte ein netter, großer blonder Mann mit dem schönsten Grinsen der Welt hinter dem schwarzen Vorhang mit einem „ä“ drauf, den Song „Himmelblau“ an. Das Publikum war sofort dabei und sang die ersten Zeilen laut mit. Ich meinte noch zu meiner Freundin, dass wir jetzt voll in den Pogokessel gekommen wären, doch sie schien das gar noch nicht registriert zu haben. Das war genau der Ort, an dem wir auf keinem Fall stehen wollten, da es unser erstes DÄ Konzert war und wir uns eigentlich das Konzert anschauen wollten. Doch egal, jetzt wurde trotzdem erst einmal mit gesungen und es schien auch noch alles ruhig zu sein…bis der Vorhang fiel. Ohne dass ich Farin auch nur kurz sah wurde ich mit gerissen und wildes gepoge begann. Erst versuchte ich mich irgendwie raus zu quetschen, doch ES WAR ENG und schließlich pogte ich einfach mit und hatte mächtigen Spaß. BelaFarinRod bekam ich sogar auch zu Gesicht. Die drei spielten an diesem Abend die besten Lieder und so gar das ein oder andere Lied, das mit eigentlich nicht so gut gefiel, wurde in null Komma nichts zu meinem Lieblingslied. Es war einfach nur geil, das Publikum war gut drauf und nach spätestens „Super Drei“ war auch der letzte nicht mehr zu bremsen. Das sich die drei Gurken wirklich in allem Mühe gegeben hatte, sah man an der hervorragenden Lichtshow, den Monitoren auf denen immer wieder Bela Farin und Rod in verschiedenen Animationen zu sehen waren und natürlich sah man auch, dass die drei irre viel Spaß dort oben auf der Bühne hatten. Und das hatten auch die Fans. Bei „Deine Freundin“ waren auch die Fans wieder gefragt.
Während der Innenraum laut „Pflegeleicht“ brüllte, klatschte die rechte Tribüne und von der linken kam ein fröhliches „Guggug!“. Neben Klassikern wie „Westerland“ wurden dann auch noch Songs wie „Punkbabies“ oder „Elektrobier“ gespielt und nachdem DÄ mal wieder klar gestellt hatten „Wir sind die besten“ durften sich die Fans erst einmal hinsetzen. „Unrockbar“ stand auf dem „Speiseplan“ der Köche und bei diesem Lied ging Stuttgart so richtig ab. Nachdem sich alle hingesetzt hatten, spielte Farin die erste Strophe. Es muss echt ein tolles Bild abgegeben haben, als schließlich das ganze Publikum beim Refrain aufsprang und laut „UNROCKBAR“ rief. Leider war ich bei diesem Teil des Konzertes schon richtig am Ende. Auch wenn ich mich auf keinen Fall rausziehen lassen wollte und mich auch noch nicht so fertig fühlte, verkrümelte ich mich dann ein bisschen an den Rand des Specktakels, war allerdings bei den letzten Songs wieder voll dabei. Um es jetzt einfach auf den Punkt zu bringen: Es war einfach ein Hammer Konzert! Die drei hatten sich mit ihren absurden Laolawellen wie die „Katze-tritt-die-Treppe-krumm“ Laola wieder selbst übertroffen und auch das Stuttgarter Publikum war super gut drauf. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich die drei wirklich live gesehen hatte, doch meine Schmerzen vom Pogen lassen darauf schließen, dass das alles wirklich passiert war. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, da Die Ärzte diesmal wieder einsame Spitze waren und auch lange gespielten hatten. Doch nach 3 Stunden war der Traum leider schon wieder zu Ende und es hieß Abschied nehmen. DÄ verbeugten sich noch einmal und wurden mit einem lauten Applaus verabschiedet. Dann leerte sich die Halle und auf dem Weg nach draußen fand ich noch etwas Dreieckiges am Boden liegen. Als ich es aufhob erkannte ich, was es war. Eines von Rods Pleks, auf das ich jetzt unendlich stolz bin. Fazit: Das beste Konzert, das ich je besucht habe!

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