KOSHER NEWS

Only jewish topics, jewish views, philosophy and kabbalah. Real and pure JEWISH.

DER TOD

NACH JÜDSICHER ÜBERLIIEFERUNG von E. Manea

Meth ve Emeth

 

Der Tod in der jüdischen Überlieferung

Von E. Manea

 

Das Thema des Todes ist keineswegs so schrecklich wie man zuerst denken könnte. Immerhin vermeidet die moderne, westliche Gesellschaft weitestgehend die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Kommt es dann einmal über einen, sei es das ein Freund, ein Verwandter oder man selbst betroffen ist, stehen wir vor einem Schock. Es überwältigt uns. Dieses Thema ist deswegen so intensiv, weil es nicht so ohne weiteres gedacht werden kann. Wir können uns einfach keine Vorstellung von dem machen, was uns unvorstellbar erscheint. Sowohl das Eintreffen des Todes ist unglaublich, als auch die Vorstellung des Übergang in eine andere Welt, einen anderen Zustand, eine andere Dimension oder das Eintauchen in ein Nichts. Man kann sich einfach nicht vorstellen wie es ist nicht zu sein. Nach moderner Vorstellung ist derjenige der nicht denkt nicht existent. Dies ist nach jüdischer Vorstellung im Prinzip nicht legitim. Die Welt ist alles was der Fall ist und für den jüdischen Geist ist eine kommende Welt ebenso der Fall wie die Diesseitige. Im Gegensatz zu anderen Kulturen ist diese kommende Welt nicht gänzlich abgeschnitten von der unseren. Die andere Seite ist ein permanenter Teil unserer Diesseitigen Erkenntnis. Basiert schließlich die diesseitige Welt auf einer jenseitigen. Vielleicht hilft uns die jüdische Überlieferung ein wenig uns mit diesem ungemütlichen Thema zu beschäftigen. In jedem Fall ist es eine lohnenswerte Beschäftigung. Denn jede Beschäftigung mit dem Tod, erzwingt eine Auseinandersetzung mit unserer eigenen Endlichkeit. Die jüdische Überlieferung kennt diverse Beispiele um die Hoffnung auf eine kommende Welt aufrechtzuerhalten. Vorerst hilft uns eine Erkenntnis. Nämlich das wir uns keine wahre Vorstellung über den Tod machen können. Sollten wir allerdings von christlichen Bildern von Himmel und Hölle beeinflusst sein, so kann es uns sehr leicht passieren dass wir am Ende unserer Forschungen (die bestimmt nicht enden können) enttäuscht werden. Man sollte sich vergegenwärtigen dass man nicht enttäuscht werden kann, wenn man nichts erwartet. Hier hilft ein gewisser wissenschaftlicher oder journalistischer Abstand. Auf jeden Fall wünsche ich viel Spaß bei der Erforschung der aufregendsten Menschheitsfrage, was ist der Tod und womöglich, gibt es ein Leben danach. Interessanterweise rückt beim Thema des Todes, automatisch das Thema des Lebens, auch seines Sinnes, in den Fokus unserer Betrachtungen. Auch wenn ich an anderer Stelle ausführlich zum Thema Leben Stellung beziehen werde, finden sich bereits viele Erkenntnisse über das Leben innerhalb der folgenden Textzeilen. Sicherlich werden Ihnen dann viele Gemeinsamkeiten mit dem Abschnitt Sepher Ha-Chajim auffallen. Lassen Sie sich einfach überraschen.

 

Bevor wir uns  mit Thema des Todes im konkreten auseinandersetzen, sollten wir erst einmal festzustellen versuchen, was der Tod sprachlich bedeutet. Das hebräische Wort für Tod, lautet Meth, geschrieben mit den Konsonanten Mem und Taw. Menschen oder Wesen, die im Sterbeprozess sind werden mit den Buchstaben oder Worten Mem-Vav-Taw beschrieben. Hier verbindet sich lau Überlieferung gerade das Leben mit dem Tod. MVT ist quasi nicht mehr Teil des Todes als genauso sehr Teil des Lebens. Es verbindet eben beide Elemente. Das Sterben ist ein Prozess des Lebens. Interessanterweise bedeutet der erste Teil des Wortes Wasser, etwas also womit man auch in der Antike das Leben verband. Taw ist dann, auch logisch nachvollziehbar, der letzte Buchstabe des Aleph-Beth, der Kreuzweg des Lebens, das Ende des ausdrückbaren. Übersetzt also, das Leben welches endet. (Vav kann man als Bindeglied verstehen. Im Prinzip das hebräische Wort für „und“. Es ist durchaus legitim zu sagen, dass es als und zu verstehen ist, also das Leben und der Tod. Das deutsche Wort Sterben drückt nur den Prozess an sich aus. MVT drückt die Verbindung von Leben und Tod aus. Anders übersetzt: Das Leben als Weg und sein vorausbestimmtes Ende. Denn wenn es etwas gibt, von dem wir wirklich sagen können es sei vorausbestimmt und G-ttes Plan, dann ist es die Matrix des Todes, eingegraben innerhalb jeden menschlichen Lebens. Dies ist quasi die hebräische Definition vom sterben.

Das Sterben im Wort  

Der Zahlenwert dieses Wortes ist 40-400. Diese beiden Zahlen haben einen hohen symbolischen Wert. Bedenkt man die 40 Jahre der Wanderung oder die 400 Jahre Sklaverei. Die 400 symbolisiert also auch eine Art Ende. Ein Ende allerdings, welches einen Neuanfang bedingt. Durch den Tod der ägyptischen Ära, begann der Weg in das Neue, aus der Sklaverei. Übertragen bedeutet dies dass der Tod nicht das Ende an sich darstellen muss, sondern vielmehr das Ende von einem Zustand und der Beginn eines neuen.

 

„Und G-tt versprach seinem Volk es in ein Land zu führen in dem Milch und Honig fließen.“

 

Verbindet man den Tod sprachlich mit dem Leben, so beginnt ein anderes Wort in unser Verständnis einzudringen. Das Zeichen des Lebens ist im Allgemeinen der Buchstabe Cheth der dem Wort für Zaun oder Grenze entnommen wurde. Leben wird dann als etwas beschrieben was immer doppelt vorkommt. Chajim. Chajim sagt aus, es gibt ein Leben vor dem Zaun und dahinter. Chajim bezeichnet etwas was doppelt existent ist, ganz einfach weil –ajim eine Doppelheit oder Dualität voraussetzt. Hand beispielsweise bedeutet Jad, zwei Hände Jad-ajim. Genauso kann man Jerusalem oder Ägypten betrachten die Jerushal-ajim und Mizr-ajim genannt werden. Man denke an das himmlische und irdische Jerusalem oder Ober- und Unterägypten.

Der Zaun 

Fügt man nun ein Cheth zum Wort für Tod hinzu, also Mem-Taw-Cheth, so entsteht das Wort Ausdehnung. Ein Wort welches die Tora dahingehend gebraucht hat als G-tt den Himmel wie ein Zelt ausgedehnt hat. Hier allerdings mit dem Unterschied dass die Ausdehnung des Himmels wieder eine endliche Schöpfung war, zu erkennen an einem zweiten Taw am Ende des Wortes. (a-m-t-ch-t) Numerisch: 1-40-400-8-400. Wir erinnern uns: 400 oder Taw sind äquivalent mit der Bedeutung für das Ende von etwas was ausgedrückt werden kann.

Das Fehlen der Einheit 

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Umstand dass der Tod nur dann als Tod bezeichnet wird, wenn ihm der Buchstabe Aleph fehlt. Merkwürdige Betrachtungsweise - sicherlich.

Doch schauen wir uns doch einfach mal den Tod mit dem Buchstaben Aleph an. Es entsteht das Wort Emeth, numerisch – 1-40-400. Übrigens, das numerische Äquivalent von Mensch lautet 1-4-40 oder ADAM.  Wenn also die Einheit von der Wahrheit genommen wird, bleibt nichts anderes übrig als der Tod. Das bedeutet nicht dass wenn uns der Tod ereilt die Einheit von uns genommen wurde. Dies ist faktisch nicht möglich. Möglich hingegen ist das wir die Einheit aus unserem Leben nehmen. Wenn wir nicht verstehen dass die Wahrheit alles Ausdrückbare ist was mit dem Aleph-Beth mit allen möglichen Permutationen ausgesprochen oder dargestellt werden kann, dann entfernen wir uns von G-tt. Es zeigt uns auch die Grenze des ausdrückbaren. Über den Tod lässt sich sprechen. Doch darüber was nach dem Tod ist, darüber lässt sich schwerlich sprechen. Es ist nicht vorstellbar. Nicht mit unseren Worten und Buchstaben. Sie sind Zeichen dieser Welt. Zeichen die unsere Wirklichkeit beschreiben. Noch nicht einmal G-tt können wir beschreiben oder benennen. Wir übertragen zwar immer wieder Attribute auf Ihn, und können jedoch nur feststellen dass sie alle ungültig sein müssen. Durch die Personifikation und Idolatrie G-ttes begehen wir immer wieder folgenschwere Fehler. Wir machen G-tt verantwortlich für Dinge die er nicht getan hat. Wir sagen über ihn er sei böse oder sogar lieb. Alles Dinge die ihn nicht beschreiben können. Er der unbeweglich da steht. Er der nicht steht und nicht geht, der nicht Teil unserer Realität sein kann.  Im Übrigen wird G-ttes Name Wahrheit (Emeth) genannt. Ein Indiz dafür dass wir alle 22 Buchstaben benötigen und alle denkbaren Permutationen hiervon um einen Namen G-ttes zu erhalten der annähernd passend ist. Dennoch ist G-tt verantwortlich zu machen. Und zwar dahingehend verantwortlich, als dass er für unsere Realität, ja selbst unsere Wahrnehmung Verantwortung trägt. Zumindest die Art und Weise unserer Wahrnehmung wie wir sie vollziehen können. Dennoch überließ Er uns die Freiheit unseren Blickwinkel zu verändern. Wir können unser Herz neu ausrichten, neu positionieren, um beispielsweise nicht in der  Vergangenheit verhaftet bleiben zu müssen. Der Mensch kann sich durch seinen freien Willen entscheiden wie er die Dinge an sich sieht. Ja selbst, ob er an das, worüber wir momentan sprechen, glaubt oder nicht. Hier springt uns das theologische Problem der Vorsehung entgegen. Wenn wir G-tt absprechen eine Vorsehung geplant zu haben, wie kann es sein dass alles in G-ttes Hand liegt. Wenn wir sagen es ist nicht redlich zu sagen das alles in G-ttes Hand liegt, weil er uns den freien Willen gegeben hat, dann müssen wir uns weiter fragen, inwieweit es möglich ist das vor G-tt alles offenbar ist. Wenn ihm nämlich alles offenbar ist, dann kennt er das Ende und hätte von vorneherein anders oder besser planen können. Oder konnte G-tt Freiheit tatsächlich ermöglichen, indem er etwas  nicht Perfektes neben sich bestehen ließ? Dementsprechend wäre G-tt schlussendlich wieder verantwortlich zu machen.

Das Sein und das Nichts 

Die große Problematik, mit der wir uns beim Thema des Todes zu beschäftigen haben, ist das wir aus einer logischen Perspektive heraus agieren müssen und es mit einem Nichts zu tun bekommen. Das Nichts kann uns keine faktischen Ergebnisse bringen. Wir fertigen uns, egal aus welcher Religion und welchem Beruf wir auch abstammen, zumeist ein Bild von unserer Wirklichkeit oder Thema über das wir sprechen an. Und um zu überprüfen inwieweit dieses Bild der Wirklichkeit entspricht, müssen wir das Bild über das wir verfügen mit der Wirklichkeit vergleichen. Da wir beim Thema des Todes zwar von einem Bild ausgehen, nicht aber von einer exemplarischen Wirklichkeit, kann unser Ergebnis immer nur ein einseitiges hypothetisches bleiben. Wir können aber, mithilfe der jüdischen Überlieferungen versuchen zu verstehen wie es das Judentum oder die spezielle Tradition einer bestimmten Überlieferung sieht. Wie auch immer sie an ihre Informationen gekommen sein mögen. In der tat ist es so, dass die meisten Menschen, Wissenschaftler eingeschlossen, wohl kaum den Traditionen der Jorede Merkava Jünger nachgeifert sind und versucht haben die Merkava hinab- oder hinaufzusteigen. Sicherlich haben auch nur wenige versucht die meditativen Techniken Abraham Abulafias zu kopieren und dem Sepher Jetzira gemäß die heiligen Hallen G-ttes zu besuchen. Ich denke dass die Ergebnisse solcher Forschungsarbeiten eh nichts gebracht hätten. Entweder einen weiteren Skeptiker oder einen weiteren Gläubigen. Wenn wir aber vom Tod sprechen und ein Sachverhalt ist Denkbar, dass bedeutet dass nach dem Tod ähnliche Kausalprinzipien vorlägen wie innerhalb unserer Welt, Dinge also die Denkbar sind, dann können wir auch darüber spekulieren. So weit wir wissen ist es so, zumindest theologisch. Und ausschließlich in G-tt muss jede Forschung versiegen. Denn wenn G-tt  nichts Messbares ist, dann ist er ganz einfach nicht Teil unserer Realität. Und wenn etwas nicht Teil unserer Realität ist, dann existiert es eben nicht. Und dementsprechend können Atheisten und Gläubige ganz gemütlich beieinander sitzen ohne sich die Köpfe einzuschlagen. G-tt gibt es nicht sagt der eine und der andere kontert, natürlich nicht, sonst wäre er auch nicht Perfekt.

Der übriggebliebene Geist 

Kommen wir zurück zum Wort Meth oder MVTH. Betrachten wir noch einmal die Zahlenwerte. 40-400. Schauen wir uns doch mal den Menschen an, der ja wie oben stehend den Zahlenwert 1-4-40 hat. Man entdeckt schnell die Ähnlichkeit der Zahlen und fast zwangsläufig fragt man sich, was passiert, wenn man die Einheit vom Wort für Mensch, was ja „ich gleiche“ bedeutet, wegnimmt. Es bleibt das Wort DAM übrig, mit dem Zahlenwert 4-40. Dam bedeutet soviel wie Blut. Es kann aber auch als Seele oder Geist verstanden werden. Ist das Unsichtbare nur dann fähig zu leben wenn es mit G-ttes Einheit durchfleucht ist. Bedeutet dies etwa der Sinn von G-ttes Allgegenwärtigkeit? Im Prinzip kann man es durchaus so verstehen. Innerhalb jeder noch so kleinen Form von Sein, muss etwas enthalten sein, was im Prinzip nicht ist. Dieses Unmessbare wäre G-tt. Unsere Sinneseindrücke von klein oder groß oder lang oder kurz wären im  Prinzip nicht mehr zulässig. Hier bestätigt sich die Meinung der Dialektiker von der zu schwachen Fähigkeit Sinneseindrücke für wahr zu nehmen, die uns Menschen nun Mal zu Eigen ist. Ist etwas zu weit weg, könnte es uns passieren dass wir dieses etwas im direkten Vergleich mit etwas gleichgroßem für zu klein erachten. Wir täuschen uns also. Manches sieht zu groß, zu klein, zu breit zu dünn aus. Und kommen noch andere Elemente hinzu, wie beispielsweise der Blick durchs Wasser, dann verzerrt sich jegliche Realität. Genauso geht es uns wenn wir die Zeit betrachten. Was uns besonders gut gefällt vergeht im nu, während unliebsames ewig zu dauern scheint. Alles kaum unbekanntes für unsere Ohren und Augen.

Die mathematische Formel 

Innerhalb dieser Mitte ist der siebte Palast, der Kavod G-ttes, der siebte Tag, allgegenwärtig, immer da, nie endend. Doch das drum herum ist endlich. Wer G-tt immer weit außerhalb des Körpers sucht, möglicherweise in den tiefen des Universums, der wird eher noch eine fremde Zivilisation entdecken, als G-tt.

Weitere Bedeutungen 

Kehren wir noch einmal zurück zu den Bedeutungen der Buchstaben. Wir haben festgestellt das 400 als Grenze oder Ende begriffen werden kann. Es kann aber auch als Ende eines Geburtsaktes verstanden werden. Im übertragenen Sinne also auch als ankommen. Zum Beispiel innerhalb dieser Welt. So gibt es das hebräische Wort für Geburt, welches mit den Buchstaben he-lamed-daleth-taw geschrieben wird. Das He kann man verstehen wie ein Artikel, wie in „das“ geboren werden. Das Lamed gilt uns als Zeichen für etwas Empfangendes. Etwas was uns von oben übergeben wird. Lehre beispielsweise wird ebenfalls von oben empfangen, es ist etwas geistiges, ähnlich Spirituelles wie die Geburt. Das Wort für Lehre oder Gelehrter wird dementsprechend mit den gleichen Buchstaben geschrieben. Dieses Empfangen drückt sich auch figürlich aus. Man erkennt im Buchstaben Lamed den einzigen Buchstaben, der die unsichtbare Linie über die Grenze der Buchstaben hinaus überschreitet. Ein Kind ist ebenfalls etwas was von oben empfangen wird, geboren in der Zeitlosigkeit der Vereinigung zweier Liebenden. Nur dort kann überhaupt empfangen werden.  So wie man manchmal auf wunderbarerweise lernt, wenn man schon längst nicht mehr die volle Aufmerksamkeit über die eigenen Studien innehat. Das Daleth repräsentiert die Tür in diese Welt. Er markiert den Übergang von etwas unfassbaren zu etwas fassbarem und mündet schlussendlich im Taw. Dies ist die Grenze, als Zeichen dafür dass dieses Kind in die Wirklichkeit unserer Realität, mit den gleichen Grundbedingungen eingegraben wurde. Ein anderes Wort für Geburt schreibt sich ähnlich lamed-daleth-he und offenbart unsere These des Empfangens. Das he ist eine Endung die zum einen für etwas Menschliches steht und zum anderen etwas Weibliches beschreibt, wenn es am Ende eines Wortes auftaucht. Die Geburt ist nun einmal etwas vorzüglich Weibliches und zeigt ja mehrere Dinge die über einen kommen. Überhaupt zeichnet sich das Weibliche vor allem dadurch aus, das es sich im Grunde einfach tut. Ganz anders das Männliche. Der Befruchtungsakt ist ja eine Tat, die tatsächlich geplant sein will. Manches Mal überkommt einen die tierische Lust, doch diese kann abgebrochen werden. Eine gewisse, wenngleich zugegebenermaßen kleine, Macht, ist dem Menschen zuzusprechen. Ist die Befruchtung aber erst einmal vollzogen, dann tut sich etwas ohne dass man etwas dazu kann. Eine Geburt ist hier ähnlich wie ein Traum. Das Lernen ist zwar ein aktiver Akt, eine Art von Befruchtung des Gehirns. Ist diese Tat jedoch einmal vollzogen, so ist das fortschreiten des Wissens im Kopf einer weiblichen Geburt nicht unähnlich. Wissenschaftlich gesehen ist die Befruchtung gleichzusetzen mit dem lernen. Und die Entstehung neuer Synapsen im Prinzip nichts anderes als ein Geburtsvorgang, denn es entsteht etwas was vorher nicht existent gewesen ist.

 

Pessach - der Weg hinab und hinauf

 

Das israelitische Volk war, ehedem es zum Volk wurde, ein aus den drei Erzvätern und vier Erzmüttern, entstandenes Famlienbund. Am Ende stand Jakob mit seinen 12 Söhnen, als Repräsentant des israelitischen Volkes da. Immerhin entstanden aus diesen 12 Söhnen, die 12 Stämme Israels. Diese symbolträchtige Zahl, wird auch unseren christlichen Lesern irgendwie bekannt vorkommen. Schlussendlich sammelte Jeschua Ben Joseph, von ihnen als Messias deklarierte Herr, 12 Jünger um sich, ganz so als wäre diese Überlieferung der bloße Zufall. Und ganz nebenbei wollte er diesen und dem ganzen Volk, das Reich G-ttes näher bringen. Verfolgen wir die Pessach Haggadah, könnte es uns passieren, dass wir zu verstehen beginnen, weshalb dies so war. Nun gab es einen dieser Brüder, der wurde von den anderen Verstoßen und in die Sklaverei verkauft. Dieser wurde hinab nach Ägypten verfrachtet, wo er als Hellseher eine aufregende Karriere machte. Er wurde zu einem mächtigen Mann und als Israel in der Dürre steckte, konnte dies Volk, auf G-ttes Geheiß hin, nach Ägypten ziehen. Dort hatte es dann alles was es brauchte. Und weil es ihm so gut gefiel, blieb Israel mehr als 400 Jahre lang. Diese 400 ist die dritte interessante Zahl. Die zweite, die zu erwähnen ist, ist die Dauer der Trennung zwischen Jakob und Joseph, die sich nach 22 Jahren wieder sehen durften. Merken wir uns noch mehr Zahlen. Es wird von 7 guten und 7 mageren Jahren berichtet. Von 40 Jahren der Wanderung, als Mosche sein Volk aus Ägypten führte, zu der Zeit als G-tt mit ausgestrecktem Arm, stark und erhaben, mit Zeichen und Wundern, seinem Volk die Freiheit schenkte. Es wird ein Meer geteilt, während die Hand G-ttes über dem Meer weilte. 40 Tage und Nächte weilte Mosche auf dem Berg um mit G-tt von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Einer Eigenschaft übrigens, der kein sterblicher fähig sei, da, so berichtet die Bibel, man andernfalls des Todes wäre. Eine Menge Informationen und derer kämen noch viele hinzu, würde ich alles aufzählen was wichtig ist. Begnügen wir uns mit den Eckfakten, um zu erkennen was dies alles mit dem Tod zu tun haben könnte. Der Tod, wir erinnern uns, heißt auf hebräisch Meth, geschrieben 40-400. Der Mensch ist derjenige der den Auszug begeht, also Adam, 1-4-40. 400 Jahre ist der Mensch / Israelit, in Ägypten ansässig, während er, der Mensch 40 Jahre durch die Wüste zog. 22 Jahre ist Joseph getrennt von der Familie, also von Israel und 22 Buchstaben des hebräischen Aleph-Beth gibt es. Aus 22 Verbindungselementen besteht das erste Zeichen Israels, der heiligen Menorah, dem siebenarmigen Leuchter, der den siebten Tag heiligt. Man überlege. 22 Buchstaben oder Verbindungen repräsentieren die sieben Tage und heiligen den Schabbat, den Tag an dem G-tt ruhte, für Israel. Als wenn uns diese Erkenntnis sagt, solange ihr innerhalb dieser Tage lebt, solange ruhe ich vor euch. In Ägypten hat G-tt 400 Jahre nichts unternommen. Erst als ihr Wehjammern so unerträglich wurde, beschloss G-tt uns aus der harten Hand der Ägypter zu erretten. Die 400 aber, ist eine Grenze. Sie ist die Grenze, wenn man an die 22 Buchstaben denkt, des Diesseitig beschreibbaren Lebens. Wenn man die Grenze überschreitet, dann ist da G-tt der uns auffängt. Will uns der Auszug aus Ägypten dies Lehren? Geht es vielleicht gar nicht um eine historische Geschichte, sondern um eine, die viel viel wahrer ist? Betrachten wir einmal das Wort Ägypten. Dieses Wort bedeutet, etwas was Form hat und doppelt vorkommt. Denn wie in Jadajim oder Jerushalajim, erkennen wir an Ägypten die Endung –ajim. Mizr-ajim. Mizr kommt vom Wortstamm „zur“, was Form heißt. Ajim steht für die Doppelheit dieser Form. Warum wird Ägypten so genannt. Es wird nicht etwa Land der Doppelheit genannt sondern Form. Doch die Welt in die wir geboren wurden, ist genau so eine Form. Hier tritt doch alles in Form einer Dualität auf. Mann und Frau, Jung und Alt, Himmel und Erde. Warum gilt dies auch für Ägypten. Vielleicht ist Ägypten unsere Welt. Eine Welt in der nicht alles unbedingt schön ist. Die meisten von uns müssen für ihr Geld arbeiten gehen. Man verliebt sich, trennt sich wieder, verliert Verwandte und Freund, wird alt, lässt vieles hinter sich, leidet unheimlich viel, erträgt Krankheiten und stirbt. Diese Welt ist kein Zuckerschlecken. Und am Ende zetern wir noch, wir hadern mit unserem Schicksal als könnten wir ihm entrinnen, ganz so wie die Israeliten. Es war doch gut da wo wir waren. Wir hatten Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und nun kommst du und führst uns in ein ungewisses Schicksal, einem Land wo Milch und Honig fließen, als Botschafter eines G-ttes der unsichtbar ist und bleibt. Da muss man doch Zweifeln. Und es bleibt die Angst zu sterben. Und wenn wir sterben, im tatsächlichen Sinne, so ist es doch nicht unlogisch wenn wir Angst vor dem Tod haben. Wäre der Tod allerdings nur ein Übergang und wir wüssten dieses, so wäre die Angst erträglicher. Wir würden immer noch Zweifeln, aber es wäre erträglicher. Es gäbe da eine Hoffnung. Das fürchterliche an der Todesnähe ist doch die Ungewissheit der Vernichtung. Denn - Tod als Übergang wäre nur halb so schlimm, wenn nur mein ICH durchkommen würde und wir nicht wie ein Computer ausgingen und alles wäre gelöscht. Und hier lebt wieder diese Dualität. Friedrich Weinreb sagte einmal in der Schweiz bei einem Vortrag, an nur zwei Stellen des Lebens zetern und schreien wir. Am Anfang des Lebens wenn wir als Babys zur Welt kommen und am Ende, nämlich wenn wir sterben. Und damit hat er den Punkt getroffen an dem die Israeliten standen, ob historisch oder unhistorisch. Denn hier geht es genauso genommen um einen Sterbe- und Geburtsvorgang. In einem. Könnte es sein dass sterben und geboren werden immer zu einem Ganzen gehören und wir leider nur die Fähigkeit haben nur einen Teil davon zur Zeit zu erblicken? Hier in der Pessach Geschichte können wir die Gesamtheit sehen. Sicherlich nur im Aphorismus. Aber erkennbar bleibt es. Wir können das so genannte Große und Ganze erkennen, wenn wir es nur so wollen. Immerhin, die Zeit der Israeliten war gekommen, das alte Leben starb. Und so beten wir Jahr aus Jahr ein, heute ein Sklave, morgen in Freiheit. Das Diesseits ist den Israeliten Ägypten und irgendwie auch die Wüste. 40-400. Was ihnen fehlt ist die Einheit, die den Tod zur Wahrheit macht. Derjenige der Israel schlussendlich nach Israel führt ist aber nicht Mosche. Mosche oblag es lediglich die Israeliten aus Ägypten zu führen. Hinein kommen sie nur mit einem Mann namens Joshua Ben Nun oder Josua, der Sohn vom Fisch. Dem Christen dürfte unlängst aufgefallen sein, dass sowohl der Fisch, seines Zeichens ein semiologischer Verwandter des Christentums ist, als auch der Name Joshua in Zusammenhang mit den 12 Stämmen einen eigenartigen Beigeschmack mit sich bringt. Ja, schon einmal hat sich ein Messiasartiger Mann, der auch noch Jude war, dazu angeschickt 12 um sich zu scharen um sie anschließend ins gelobte Land zu führen – oder gar ins Himmelreich? Nun im Falle des Todes träfe dies zu. Ein neuer interessanter Aspekt, zumindest für Christen, will man meinen. Übrigens, ich glaube mich zu erinnern das Nuns Vorname Joseph war. Wer war das noch gleich? Übrigens hat auch Moshe einiges mit dem Element zu tun, welches dem Fisch am ehesten behagt, Dem Wasser nämlich. Immerhin bedeutet dieser Ägyptische Name im Grunde nichts anderes als „der aus dem Wasser gefischte“. Und nachdem man die Symbolik begriffen hat, sollte man die biblische Geschichte ein wenig ernster nehmen als Thomas Mann es seinerzeit mit dem Gesetz oder Joseph und seinen Brüdern getan hat.

Die Verheißung des Endes 

Kommen wir nochmals kurz zur These des Endes und versuchen es zu belegen. Eines der ersten wichtigen Gebete zu Pessach ist die Segnung der Verheißung. „Gesegnet bist Du, der seine Verheißung an Israel hält.“ Von welcher Verheißung ist die Rede? Es ist die Verheißung vom Ende. Vom Ende der Dinge im ganz Allgemeinen. Wenn etwas stimmt, dann die Erkenntnis das alles, absolut alles, eines Tages zu Ende geht. Das Schöne an der jüdischen Verheißung ist, dass am Ende der Zeiten der Herr Wunder tun wird um uns zu Empfangen und in ein Land zu führen, dass irgendwie nicht ganz zu unserer realen Welt passt. Ein Land in dem Milch und Honig fließen. Ein Aphorismus für den Reichtum der uns erwartet? Das Gebet sagt dann weiter: Denn der Heilige, gesegnet ist Er, hat das Ende festgelegt, um zu erfüllen, was er unserem Vater Abraham beim Bund zwischen den Stücken verheißen hat. Wissen sollst Du, dass deine Nachkommen Fremdlinge sein werden, in einem Land, das ihnen nicht gehört. Man wird sie peinigen, 400 Jahre lang.“ Die 400 ist also unweigerlich mit einem Ende gleichgesetzt. Und wie Welt, die aktuelle, in der wir alle leben, ist in der Tat wie ein Land, das uns nicht gehört. Wir arbeiten und arbeiten und Besitz erwerben wir vielleicht, können es aber kaum mitnehmen in eine andere Welt. Ja selbst wenn wir umziehen, von Frankreich nach Spanien, könnten wir unser Haus, welches mit unserer Hände Arbeit erschaffen wurde, nicht mit uns nehmen. Um wie viel weniger könnten wir dies in den Tod mitnehmen. Und schließlich spricht eine andere Passage von unserer Vernichtung. Die Verheißung ist also nicht dass wir 400 Jahre Sklaven waren, sondern, dass uns zu jeder Zeit, in jeder Generation, etwas entgegenstehen wird um uns zu vernichten. Es ist das Leben, dass sich jeder Zeit gegen uns aufstellt. Und wir werden vernichtet. Doch der Herr verspricht jedem und nicht nur den Kindern des biblischen Israel, dass Er uns aus ihrer Hand errettet. Wie komme ich nun darauf dass die Worte der biblischen Erzählung auch heute noch für jeden Menschen gelten? Rabban Gamliel sagte dass jeder einzelne zu allen Zeiten dazu verplichtet seii, sich selber zu sehen, als ob man selbst aus Ägypten ausgezogen wäre. Und daher sagt man nicht, für unsere Vorväter hat G-tt es getan, sondern für mich. Weiter spricht die Überlieferung von den Tagen des Lebens die man dafür aufwendet G-tt zu dienen und dessen Wahrheit zu erkennen. Es heißt alle Tage Deines Lebens solle man dies tun. Alle Tage schließt die Welt des Messias ein, sagt die Haggadah. Die Welt des Messias kann aber auch als kommende Welt oder als das nächste Leben gedeutet werden. Denn wie auch immer geartet, ist diese Zeit des Messias noch nicht zum Teil unserer heutigen Wirklichkeit geworden. Rabbi Mosche Chajim Luzzatto hat genau diesen Umstand erkannt und spricht vom Ziel unserer Lebens und nennt diesen Tod. Die Beschäftigung mit dem Tod ist nicht etwa so zu verstehen, dass man sich aus dem diesseitigen Leben völlig zurückzieht. Im Gegenteil. Die jüdische Überliieferung fordert uns geradezu auf den heutigen Tag zu leben. Ganz so als ob es unser letzter wäre. Dementsprechend soll man auf seine Worte achten, da sie jederzeit zu unseren letzten werden könnten. Nicht aber in der Art das man sich permanent ängstigt. Eher so, das man ein Leben in Demut führt. Mit der Erkenntnis über unsere Endlichkeit und der Wichtigkeit von Gedanken. Träume sind nicht nur Schäume, sondern von immanenter Wirkung. Denn leben wir unsere Träume, so verpassen wir nur wenige Chancen uns zu erfüllen. Diese individuelle Erfüllung kann logischerweise bei jedem Menschen anders aussehen. Frömmigkeit ist möglicherweise ein Weg, um denjenigen zu helfen, der die Orientierung bereits verloren hat. Aber auch denjenigen die ganz genau wissen was sie wollen. Da jeder Mensch dann und wann strauchelt, irrt oder zweifelt, ist die Beschäftigung mit der Ethik niemals eine negative sondern der Halt den wir benötigen. Das Judentum geht im Prinzip nicht davon aus das man die Lehre G-ttes verinnerlichen muss um ein guter Mensch zu sein. Ein Mann, der Tag ein Tag aus arbeitet, sich um seine Familie sorgt, nach seinem Vermögen, geistig wie materiell, der wir ganz genauso Anteil haben an der kommenden Welt wie ein Frommer. Ein Frommer der engstirnig durch die Welt läuft, nur seinen Glauben akzeptiert und andere Verurteilt, stellt sich auf die selbe Stufe mit G-tt und ahnt nicht das er mehr sündigt als es ein Dieb jemals könnte. Es ist vielleicht die selbe Stufe, keinesfalls aber die gleiche. Das Diesseits ist eine Vorhalle für das Jenseits, sagt Luzzatto und er ahnt dass die Gebote ein Weg sind, um ein bestimmtes Ziel zu erlangen. Und zwar die rechte Position im Jenseits. Das Glück, so glaubt Luzzatto, genießt man später, nach seinen diesseitigen Verdiensten, im Jenseits, in der kommenden Welt in der auch der Messias beheimatet ist. Ganz nach dem Spruche: Heute musst Du die Gebote ausüben, morgen empfängst Du Deinen Lohn. Erinnert man sich einmal an die Pessach Geschichte, dann erkennt man das G-tt uns an einen Platz geführt hat der uns ziemlich weit weg geführt hat von Ihm. So sagt auch Luzzatto, G-tt hat uns an einen Platz geführt(dem Diesseits nämlich), wo vieles darauf hinarbeitet, ihn von G-tt loszureißen. So glaubten auch die Israelitenn an die fremden Götter oder Götzen. Und auch heutzutage, wo das Leben manches Mal schwer auf uns lastet, denken wir mehr und mehr an das liebe Geld, an unser Ego, an unser Prestige und unsere Wirkung. Wir müssen nicht permanent G-tt vor Augen haben, sondern viel mehr seinen Wegen folgen. Der Glaube oder das Vertrauen in Ihn, kann uns helfen trotz der Lasten nicht zu Straucheln. G-tt hat uns sozusagen einen Tipp hinterlassen, nachdem Er auf viele Völker zugegangen ist. Wir waren, so wissen wir ja aus unseren Überlieferungen, keineswegs seine erste Wahl. Jedes Volk hat die Gelegenheit bekommen ihm nachzueifern. Da der Herr keinen Namen trägt bzw. unaussprechlich vor uns liegt, war es ihm auch egal auf welche Weise man Ihm folgt.

Das Diesseits und das Jenseits 

Wir haben vorhin erkannt dass das Leben oft mit dem Wasser verglichen wird. Die jüdische Überlieferung kennt aber auch die verdreht Erkenntnis, nämlich dass das Diesseits dem Dasein auf Erden gleicht und das Jenseits dem Meer. Und tatsächlich führt G-tt sein Volk beim Übergang von Ägypten und der Wüste, durch das Meer. Nicht jedoch in den Tod führt er sie, sondern vielmehr in das Leben. In ein Leben der Ruhe und des Genusses. Ist es nicht so dass die Israeliten, so erzählt ein Midrasch, ein Beispiel haben wollten für die Zeit der kommenden Welt. So gab G-tt seinem Volk den Schabbat. Dieser Tag der Ruhe, der repräsentiert das G-tt von seiner Arbeit ruhte. Ruhen auch wir nach den sieben Tagen des Lebens. In unserer neuen Realität. Ist es der Ort der Ruhe, des ewigen Schabbat? Ziemlich logisch mutet dies an. Immerhin ist nun nichts mehr von uns übrig. Wenn unser irdischer Körper abgelegt ist, dann kann er nichts mehr essen, sich nicht bewegen, nichts aktives mehr tun. Ja noch nicht einmal essen. Und daher gedenken wir zu Jom Kippur mit einem Fastentag der Zeit des Nichtseins. Es heißt, wer sich am Vorabend des Schabbat bemüht hat, der darf den Schabbat genießen. Und bedenkt man es wirklich einmal intensiv, wie logisch ist es dass wir um des Diesseits Willen erschaffen wurden. Diese Welt erscheint uns manches Mal besonders sinnlos. Man bemüht sich stets einen Sinn zu finden und man wird einfach nicht fündig. Man verliert den Glauben und glaubt stets dann wieder an G-tt wenn die Not am größten ist. Und dies beflügelt wieder den Atheisten der sich daran erfreut zu beweisen dass G-tt eine Erfindung aus der Notwendigkeit war. Ohne Halt keinen Halt. Dies bedeutet nicht dass der Atheist schlecht ist. Doch er kann genauso wenig beweisen dass sein Glaube wahrer ist als der unsere. Immerhin ist auch Atheismus genauso viel Glaube wie alles andere. Der Mensch ist durchfleucht von seiner Subjektivität. Und ich kann nur jedem Raten Erfahrungen zu sammeln. Die Tora ist wie eine Matrix. Und studiert man diese immer mehr und mehr, ist es ganz so, als würde sich unser Gehirn an diese Matrix anpassen, um ihre Assoziationen zu verstehen. Tatsächlich ist die Subjektivität die einzige Möglichkeit wahre Erkenntnisse zu gewinnen. Man kann Erkenntnisse immer nur für sich selber gewinnen. Andere kann man aufzeigen wie man versucht Erkenntnisse zu gewinnen, doch der Weg bleibt subjektiv. Daher wird kein Buddhist versuchen eine Erleuchtung für seinen Nachbarn zu gewinnen. Man spricht hier oft von Selbsterfahrung. Meditation spielt sich immer nur im eigenen Gehirn oder der Seele oder dem Geist ab. Wie auch immer die Wahrheit aussehen mag. Manchmal erkennen Gläubige und Ungläubige das Selbe. Sie erkennen diese Welt ist furchtbar. Die Seele beginnt diese Welt zu hassen. Dann kommt der ein oder andere Fromme und spricht davon dass man alles lieben solle und wer beginnt zu akzeptieren der wird die Shönheit der Welt wieder entdecken. Mit persönlich ist dies alles zu psychologisch. Ich bin realist. Die Welt hat viele schöne Seiten. Doch bitte ausschließlich ohne den Menschen. Ansonsten empfinden wir, meine Seele und ich, die Welt als ekelhaft, grausam, bösartig, gewalttätig, traurig und vieles widerliche mehr. Andererseits bin ich glücklich über meine Tochter und meinen Sohn, über meine Familie, mein Glück Vater sein zu dürfen, meine Arbeit ausüben zu dürfen, Menschen helfen zu können. Doch ich muss der Realität ins Auge blicken. Ich muss akzeptieren dass ich eines Tages verenden werde. Und dies kann ich noch ertragen. Doch dass meine Kinder einen höchstwahrscheinlich elendigen Tod erleiden müssen, dies will mir nicht so recht in den Kopf. Ich finde dies grausam und erkenne, das was G-tt mir da angetan hat ist furchtbar. Und ich denke weiter, ich muss es akzeptieren, muss es aber keineswegs schön finden. Mein Anteil an der kommenden Welt wird hiervon nicht tangiert. Die Seele wird nie befriedigt, sagt die Überlieferung. Sie hat recht. Ich verhalte mich ganz so wie es die Israeliten damals taten, als sie das goldene Kalb erschufen, um es herumtanzten und sich gegen Mosche und G-tt stellten. Nun ja, mir gibt diese Erkenntnis Trost. Trost eben darin, dass G-tt um den Umstand wusste. Das ein furchtbarer Kampf entbrannte, der mit toten endete, hat, so viel weiß ich sicher, nichts mit menschlichen Entsprechungen zu tun. Der Kampf der dort gefochten wurde, ist der Kampf in uns allen. Der permanent zwischen Götzendienerei und aufrechtem Leben hadert. Dies ist in mir, genauso wie in jedem anderen Frommen oder nicht Frommen evident. Und auch der Atheist hat dies in sich. Er der sich mit seiner eigenen Ethik verfeindet, hat denselben Kampf auszutragen und es werden immer Menschen in seiner Seele ums Leben kommen. Von jeder Seite einige. Wir Menschen bestehen aus vielen Persönlichkeiten. Mindestens acht Persönlichkeiten schwelen in uns. Und viele Köche verderben nun Mal den Brei. Betrachte ich einmal meine Tochter, so erkenne ich dass sie in einer Minute störrisch, unfair und gemein ist, gar ihren Bruder schubst und um seinetwillen lügt, nur um besser dazustehen, im vollen Bewusstsein, dass sie in Wirklichkeit gar nicht besser dastehen kann und im nächsten Moment ist sie eine Zuckersüße Prinzessin, dann wieder völlig unbeteiligt und spielt während ihr Bruder sich verletzt hat, ganz so als wäre nichts passiert. Dann wieder, nur um ihren Eltern zu gefallen, versucht sie ihren Bruder zu beschützen und manchmal bringt sie ihm, in anscheinend unbeobachteten Momenten etwas wichtiges bei. Von wem sprechen wir also wenn wir von einem Menschen sprechen. Der Mensch erscheint in der diesseitigen Welt fast genauso unbeschreiblich wie G-tt. Und die Geheimnisse seines Daseins sind mindestens genauso unergründlich. Auf jeden Fall erkennt die Seele das uns einiges entgegenschlägt innerhalb dieses Lebens, was gegen unseren Willen geschieht. Hat ein Elternpaar schon einmal ein Baby erlebt welches gerne geboren wurde. Oder gar einen Menschen der mit vergnügen stirbt. Die Sprüche der Väter sprechen diese Tatsache an, es heißt dort: Gegen deinen Willen wirst du gebildet, gegen deinen Willen wirst du geboren. Das stoffliche, irdische sind einfach Dinge die nicht unserem Willen entsprechen. So war es auch kaum der Wille Jakobs nach Mizrajim hinab zu ziehen. Es steht bereits in der Tora. Weil die Erde nichts mehr hergab, weil Dürre herrschte, zog man hinab, dorthin wo alles in Hülle und Fülle da ist. Doch diese Fülle erwartet die Bebauung des Menschen. Seit nunmehr 6000 Jahren ist der Mensch auf seinen Knien und arbeitet sich die Hände wund, um die Früchte G-ttes genießen zu können. Er denkt sich sogar Arbeit aus, nur damit er dieses Gebot oder vielmehr die Verheißung, aus dem ersten Kapitel der Tora, erfüllen kann.

 

FORTSETZUNG FOLGT

Copyright 2008 E. Manea

Abdrücke, Kopien, Auszüge sind verboten oder nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verfassers abszuprechen.